CDC (Bild: James Gathany, Centers for Disease Control and Prevention)

Neue Corona-Regeln der CDC: Vorteile mit Booster-Impfung, komplizierte Detailregelungen

Knapp einen Monat nach Auslaufen der bisherigen Covid-19-Regeln der US-Seuchenschutzbehörde CDC für die Kreuzfahrt, gibt es neue Regeln, zu denen sich die Reedereien freiwillig verpflichten sollen. Die Booster-Impfung gilt nun in den USA als neuer Gold-Standard für Kreuzfahrtschiffe. Außerdem gibt es eine Fülle von teils sehr komplizierten Detailregelungen für Tests und Quarantäne sowie eine Abstufung der Maßnahmen je nach Farbcode und Impfstatus des Schiffs.

Die neuen Covid-19-Regeln der CDC gelten vorerst bis zu 28. März 2022 und sollen vor diesem Datum geprüft und gegebenenfalls überarbeitet werden. Sie ähneln denen der am 15. Januar 2022 ausgelaufenen „Conditional Sailing Order“ und verpflichten die Reedereien zu detaillierten Plänen für den Umgang mit Covid-19-Fällen an Bord und ebensolchen Vereinbarungen mit den jeweiligen Hafenbehörden sowie weiterhin Corona-Tests für Passagiere und Crew und diverse Infektionsschutzmaßnahmen.

Insbesondere gelten auch die jeweils aktuellen CDC-Empfehlungen zum Tagen von Masken weiterhin nach den gleichen Bedingungen wie bei der Conditional Sailing Order“. Die CDC-Regeln sind teils jedoch so kompliziert und verschachtelt, dass sie oft nicht auf den ersten Blick klar verständlich sind.

Zuletzt hatte beispielsweise Royal Caribbean International angekündigt, die Maskenpflicht in ausschließlich für Geimpfte zugängliche Räumen ab Mitte Februar abschaffen. Bei Norwegian Cruise Line, die mit einer strikten 100-Prozent-Impfpflicht (ab 1. März unter Fünfjährige ausgenommen) fährt, soll die Maskenpflicht ab 1. März 2022 ganz entfallen. Ob sich das mit den neuen CDC-Regeln vereinbaren lässt, bleibt abzuwarten.

Clia kritisiert CDC-Sichtweise als diskriminierend

Der Kreuzfahrt-Branchenverband Clia kritisiert die CDC nach Veröffentlichung der Regeln heftig für deren Standpunkt, das Ansteckungsrisiko auf Kreuzfahrtschiffen sei weiterhin „sehr hoch“. Die aktuellen Zahlen und Entwicklungen würden das Gegenteil beweisen, so die Clia in einem Statement. Sie bezeichnet die Einschätzung der CDC und den damit verbundenen, neuen Regeln als diskriminieren gegenüber nahezu jeder anderen Branche.

Die Impfquote auf Kreuzfahrtschiffen liege bei nahezu 100 Prozent, so die Clia, während sie sich in den USA an Land bei lediglich 63 Prozent bewege. In ihrem Statement schreibt die Clia: „Es scheint eine unnötige Diskriminierung von Kreuzfahrten zu sein, wenn behauptet wird, dass die Wahrscheinlichkeit, sich auf einer Kreuzfahrt mit COVID-19 anzustecken, ‚very high‘ ist, selbst wenn man seine COVID-19-Impfungen auf dem neuesten Stand hat.“

Unter anderem mit dem Argument der Diskriminierung gegenüber anderen Branchen hatte sich der Bundesstaat Florida im Sommer 2021 bereits vor Gericht gegen die CDC durchgesetzt, dass die „Conditional Sailing Order“ in Florida formell nicht mehr bindend war.

Dennoch ist zu erwarten, dass sich die Kreuzfahrt-Reedereien dem neuen Covid-19-Regime der CDC zunächst freiwillig unterwerfen werden. Denn anderenfalls könnte die CDC frühere Hygiene-Regeln anwenden, die einen Kreuzfahrtbetrieb deutlich schwieriger gestalten würden als unter den freiwilligen Regeln. Auch der drohende Image-Schade, in der Farbcode-Tabelle der CDC als „grau“ gelistet zu sein, dürfte Anreiz zur Teilnahme an dem Programm sein.

Vorteile für Schiffe mit 95 Prozent Passagiere und Crew mit Booster-Impfung

Die neuen CDC-Regeln für Kreuzfahrtschiffe führen eine Abstufung für den Impfstatus an Bord ein. Die Behörde definiert „fully vaccinated“ derzeit als doppelte Impfdosis beziehungswiese Einfach-Impfung bei Johnson&Johnson-Impfstoff. „Up to Date“ beinhaltet dagegen auch eine Booster-Impfung nach den aktuellen Empfehlungen der CDC.

  • „Not Highly Vaccinated“: weniger als 95 Prozent der Passagiere und Crew sind vollständig geimpft („fully vaccinated“)
  • „Highly Vaccinated“: 95 Prozent der Passagiere und Crew sind vollständig geimpft („fully vaccinated“), aber nicht am aktuellsten Stand – sprich: nicht geboostert („up-to-date“)
  • „Vaccination Standard of Excellence“: 95 Prozent der Passagiere und Crew sind geimpft und auf dem aktuellen Stand der Impfempfehlung der CDC. Nach Stand Februar 2022 bedeutet das im Wesentlichen: geboostert („up-to-date“).

Schiffe mit der höchsten Einstufung „Vaccination Standard of Excellence“ profitieren von Erleichterungen, unter anderem einer verkürzten Quarantänezeit von zehn auf fünf Tage für Kontaktpersonen – die allerdings immer noch recht streng sind: Nach fünf Tagen ist ein Freitesten möglich, aber auch danach müssen sie Mahlzeiten in der Kabine einnehmen, dürfen bis Tag zehn nach Kontakt keine Restaurants besuchen und müssen zwischen Tag 6 und 10 überall Maske tragen, auch im Freien.

Gewisse Erleichterungen gibt es für „Vaccination Standard of Excellence“-Schiffe auch bei Corona-Tests, die Regeln dafür sind jedoch recht kompliziert.

Update 18.2.: Enge Kontaktpersonen müssen nicht mehr zwingend in Quarantäne, sondern können sich – mit Maskenpflicht – frei an Bord bewegen, sofern sie einen täglichen Corona-Test absolvieren und symptomfrei sind. Die Restaurants bleiben für Kontaktpersonen allerdings tabu, das Essen wird in der Kabine serviert.

Update 18.2.: Bei der Berechnung der 95-Prozent-Quote werden nur noch Passagiere mit einbezogen, die formell geimpft sein könnte. Im Wesentlichen belasten also Kinder unter fünf Jahren die Quote nicht mehr.

Corona-Maßnahmen für die Crew

Auch für Crew gibt es eine Fülle an komplizierten und sehr detaillierten Regeln und Maßnahmen. Für noch nicht geboosterte Crew-Mitglieder gilt beispielsweise auf allen Schiffen eine Abstandsregel von zwei Metern auch während der Arbeit.

Sobald es an Bord Covid-19-Fälle gibt, das Schiff also mit Farbcode „Gelb“ eingestuft ist, gelten erhöhte Schutzmaßnahmen, zu denen beispielsweise auch die Schließung der Crew-Bars und Fitness-Studios sowie persönliche Meetings und auch FFP2-/KN95-Masken gehören.

Freiwillig verpflichtende Regeln für Schiffe mit mehr als 249 Personen an Bord

Die neuen Regeln gelten als Empfehlung, sind aber für die beteiligten Reedereien verpflichtend. Sie sind vorgesehen für Kreuzfahrtschiffe unter nicht-amerikanischer Flagge mit mehr als 249 Menschen an Bord. Schiffe unter amerikanischer Flagge können sich dem Programm aber ebenfalls anschließen.

Reedereien beziehungsweise Schiffe, die sich nicht an dem freiwilligen Programm beteiligen, werden in der Farbcode-Tabelle der CDC als „grau“ markiert. Ausgenommen davon sind Schiffe unter US-amerikanischer Flagge. Details zu der Farbcodierung finden Sie weiter unten in diesem Beitrag.

Kreuzfahrt-Reedereien sollen sich bis zum 18. Februar 2022 entscheiden, ob sie sich freiwillig, dann aber bindend den neuen Regeln unterwerfen und mit der CDC kooperieren wollen. Eine Überarbeitung des Regelwerks soll es spätestens am 18. März 2022 geben, um gegebenenfalls Veränderungen vorzunehmen, die sich aus neuen Entwicklungen und Erkenntnissen ergeben.

Reedereien können das CDC-Programm auch jederzeit wieder verlassen. Schiffe, die sich außerhalb des CDC-Einflussbereichs aufhalten und sich zu den Regeln verpflichten wollen, müssen dies 28 Tage vor Einfahrt in US-Gewässer tun.

Farbcode-System der CDC für Kreuzfahrtschiffe

Das Farbsystem basiert ursprünglich auf der „Conditional Sailing Order“ (CSO) der CDC und wird mit den neuen, freiwilligen Covid-19-Regeln fortgeführt und um die Information zu Impfstatus des jeweiligen Schiffs erweitert.

  • Grün: keine in den vergangenen sieben Tagen gemeldete Fälle von Covid-19
  • Gelb: gemeldete Covid-19-Fälle liegen unter dem Schwellenwert für eine CDC-Untersuchung
  • Orange: gemeldete Fälle von Covid-19 haben den Schwellenwert für eine CDC-Untersuchung erreicht
  • Rot: gemeldete Covid-19-Fälle liegen bei oder über dem Schwellenwert für eine CDC-Untersuchung; zusätzliche Infektionsschutzmaßnahmen wurden angeordnet.

Der Schwellenwert der CDC beträgt 0,30 Prozent der Passagiere und/oder mindestens ein positiv getestetes Crew-Mitglied innerhalb der vergangenen sieben Tage. Meldungen über positive Tests bis zu fünf Tage nach Ausschiffung werden einbezogen. Der Schwellenwert wurde gelockert, lag er doch unter dem Regime der „Conditional Sailing Order“ noch bei 0,10 Peozent.

Die Einstufung als „Gelb“ oder „Rot“ erfolgt übrigens auch dann, wenn ein Schiff lediglich seinen täglichen Meldepflichten nicht nachkommt.

Der Status „Rot“ wird zugewiesen, wenn es an Bord eines Schiffs nachhaltiges Infektionsgeschehen auftritt oder die Gefahr besteht, dass das Bordhospital die Situation nicht allein bewältigen kann. Die neuen Regeln definieren präziser als in der „Conditional Sailing Order“, ab wann die CDC die Situation als problematisch einschätzt.

„Rot“ bedeutet allerdings nicht eine automatische Stilllegung des jeweiligen Schiffs. Vielmehr ordnet die CDC abhängig von den genauen Umständen an Bord geeignete Maßnahmen an, die das Problem beheben können. Allerdings kann das je nach Situation auch zu einem vorübergehenden Aussetzen des Passagierbetriebs führen.

Neu ist, dass die Farbcode-Tabelle künftig auch den Impfstatus des jeweiligen Schiffs offenlegt, der bei jeder Reise neu bestimmt wird, von „Not Highly Vaccinated“ oder „Highly Vaccinated“ bis zur besten Stufe „Vaccination Standard of Excellence“.

2 Kommentare

2 Gedanken zu „Neue Corona-Regeln der CDC: Vorteile mit Booster-Impfung, komplizierte Detailregelungen“

  1. Ich habe für übernächste Woche eine Reise mit der Mein Schiff 6 gebucht. Wo finde ich denn, welchen Farbcode die jeweiligen Schiffe haben? Man findet auch sonst nirgendwo einen aktuellen Status, ob es Fälle auf einem Schiff gibt oder wenn ja, wie viele… Da weiß man nicht, ob man wirklich den Koffer packen soll oder nicht, denn es könnte ja wieder kurzfristig abgesagt werden.

  2. @Annette: Der Farbcode ist nur für Schiffe US-Gewässern relevant; da TUI Cruises von La Romana fährt und keine Berührung mit US-Gewässern hat, unterliegt die Reederei nicht den Regeln der CDC, daher werden dorthin auch keine Zahlen gemeldet und kein Farbcode zugewiesen. Ein vergleichbares Meldesystem gibt es für andere Länder und Schiffe nicht.

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