Neue Hoffnung für Crew, die noch immer auf Kreuzfahrtschiffen festsitzt

Die US-Gesundheitsbehörde CDC und die Kreuzfahrt-Reedereien haben sich offenbar auf Regeln geeinigt, nach denen viele auf Schiffen festsitzenden Crew-Mitglieder endlich nach Hause fliegen können. Zumindest Crew von Kreuzfahrtschiffen, die seit 28 Tagen Coronavirus-frei sind, dürfen wohl bald auch Linienmaschinen für die Heimreise nutzen.

Seit Wochen sitzen zehntausende von Crewmitgliedern auf Kreuzfahrtschiffen fest, die vor Florida und auf den Bahamas liegen. Laut Miami Herald sind dies auch Anfang Juni immer noch etwa 62.000 Menschen. Auf einigen der Schiffe, die sich nahe der US-Küste aufhalten, gab es zwischenzeitlich Covid-19-Infektionen. Laut einer Erhebung des Miami Herald gab es seit Beginn der Krise auf weltweit 44 Kreuzfahrtschiffen Covid-19-Fälle unter der Crew, wobei die meisten dieser Fälle noch aus der Zeit noch im Passagierbetrieb rund um den Shutdown-Termin 13. März aufgetreten waren. Bei später aufgetretenen Ausbrüchen war auf den Schiffen jeweils nur eine einstellige Zahl an Crewmitgliedern betroffen.

Reedereien und die US-Gesundheitsbehörde CDC streiten seit Wochen über die Bedingungen der Rückführung der Menschen in ihre Heimatländer. Die behördlichen Vorgaben lassen bislang eine Rückführung offenbar nur unter kaum umsetzbaren Bedingungen zu.

Gesundheits- und Sicherheitspläne, die von den Reedereien im April bei der CDC eingereicht worden waren, hat die CDC inzwischen genau geprüft und will sie in der zweiten Juni-Woche veröffentlichen. Beteiligt sind laut Miami Herald die Carnival Corporation, Royal Caribbean Cruises Ltd., Norwegian Cruise Line Holdings, MSC Cruises, Disney Cruise Line, Bahamas Paradise Cruise Line und Virgin Voyages.

Zugleich will die CDC ein Ampel-System einführen und jedes Kreuzfahrtschiff danach klassifizieren:

  • Grün: seit 28 Tagen keine bestätigten Covid-19-Infektionen ohne ähnliche Krankheitssymptome an Bord
  • Gelb: für Schiffe, auf denen es ungeklärte Verdachtsfälle gibt
  • Rot: für Schiffe mit mindestens einer bestätigten Covid-19-Infektion oder ähnlichen Krankheitssymptomen innerhalb der vergangenen 28 Tage

Crew von als „grün“ klassifizierten Kreuzfahrtschiffen darf ausschiffen und, anders als bisher, auch Linienmaschinen für den Heimflug nutzen.

Crew von „gelben“ Schiffen dürfen weiterhin nur gecharterte Transportmittel nutzen. Außerdem gelten für Schiffe der Klassifizierungen „gelb“ und „rot“ zahlreiche Auflagen für den Infektionsschutz an Bord.

Seit 15. April nur 8.206 Crew-Mitglieder in Florida ausgeschifft

Nach den bisher sehr strikten Regeln der CDC konnten zwischen 15. April und 3. Juni 2020 gerade einmal 8.206 Crewmitglieder von insgesamt 35 Schiffen an Land gehen und jeweils mit Charterflugzeugen nach Hause fliegen.

Bereits im April hatten Reedereien begonnen, ihre Crew statt per Flugzeug mit Kreuzfahrtschiffen nach Hause in die ganze Welt zu fahren.

Zehntausende warten auf Heimreise

Der Miami Herald nennt Zahlen, wonach Carnival Corp. bisher 42.000 Crewmitglieder nach Hause bringen konnte, während 38.000 immer noch auf diese Gelegenheit warten. Bei Royal Caribbean sind demnach 24.678 Crewmitglieder wieder zu Hause, 19.098 warten immer noch. Bei MSC warten noch 4.097, während 14.538 zurückgeführt werden konnten.

Dubrovnik lässt knapp 3.000 Crewmitglieder ausschiffen

Carnival Cruise Line konnte in der letzten Mai-Woche knapp 3.000 Crewmitglieder im Hafen von Dubrovnik ausschiffen und von dort nach Hause fliegen. Crew von der Carnival Breeze und Carnival Magic aus Kroatien, Serbien, Montenegro und Bosnien konnten die Kreuzfahrtschiffe in Dubrovnik verlassen und wurden mit Bussen in ihre Heimatländer gebracht. Hunderte Crew-Mitglieder aus Europa, Indonesien und den Philippinen dürften von Kroatien aus mit Linienflügen ihre Heimreise antreten.

4.000 Crewmitglieder fliegen von Barbados nach Hause

Ebenfalls in der letzten Mai-Woche erlaubte Barbados die Rückführung von rund 4.000 Crew-Mitgliedern von Royal Caribbean, die auf der Harmony of the Seas ausgeharrt hatten. Mit Charterflügen ab Bridgetown sollten Crewmitglieder bis Anfang Juni nach Indonesien, auf die Philippinen in die Ukraine, nach Großbritannien und Rumänien ausgeflogen werden. Barbados hatte sich während der Coronavirus-Krise bereits mehrfach sehr kooperativ und human gezeigt.

Deutlich unkomplizierter als im Rest der Welt funktionierte die Crew-Rückführung in weiten Teilen Europas. Hier war und ist der limitierende Faktor überwiegend die mangelnde Bereitschaft der Heimatländer der Crew, ihre eigenen Staatsbürger einreisen zu lassen. Royal Caribbean hat sich beispielsweise speziell bei Gibraltar für seine Humanität und Kooperationsbereitschaft bedankt.

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