Podcast: Coronavirus und die Kreuzfahrt

- Franz Neumeier & Jérôme Brunelle
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Die Covid-19-Pandemie hat die Kreuzfahrt weltweit zum Stillstand gebracht. Wann Kreuzfahrten wieder möglich sein werden, ist aktuell unklar, auch wenn die Reedereien erst einmal nur für wenige Wochen alle Reisen abgesagt haben. In dieser aktuellen Sonderausgabe des Podcasts sprechen wir über den aktuellen Status und alles, war derzeit bekannt und absehbar ist.

Wir geben einen Überblick zum aktuellen Status der Kreuzfahrt in Zeiten der Corona-Pandemie und die wirtschaftlichen Dimensionen für die Reedereien, sprechen aber auch über das Schicksal der Crew an Bord der nun stillgelegten Kreuzfahrtschiffe.

Ebenfalls ein Aspekt in dieser Podcast-Episode sind die rechtlichen Aspekte für Passagiere, die von Kreuzfahrt-Absagen betroffen sind sowie die Frage, ob man noch nicht abgesagte Kreuzfahrten besser selbst stornieren oder auf die Absage der Reederei warten sollte.

Zu einigen der Aspekte haben wir in einem Interview außerdem Antworten und Einschätzungen von AIDAs Vice President Communication & Sustainability, Hansjörg Kunze bekommen, die wir im Podcast einspielen.

4 Kommentare

4 Kommentare zu “Podcast: Coronavirus und die Kreuzfahrt

  1. Moin zusammen,

    dass die Crews an Bord gehalten werden, fand ich überraschend, aber natürlich sinnvoll. Die Idee mit den Privatinseln ist natürlich genial und auch dass man die Leute dann in Passagierkabinen wohnen lässt. So kann man dem Lagerkoller ein wenig entgegen wirken. Wie auch bei Matthias in Hamburg, so wird sicher auch die allgemeine journalistische Arbeit von Euch ziemlich zum Erliegen kommen, oder? Haben Reedereien zur Zeit überhaupt noch Interesse und Kapazität für Öffentlichkeitsarbeit? Erwägen Reedereien schon, Optionen für Neubeuten zurück zu ziehen?

    In meiner Branche (Flugbetrieb) herrscht natürlich auch Weltuntergangsstimmung. Wir dachten damals im Jahr 2001, dass 9/11 schon ein “Impakt” war – oder die Aschewolke von 2010, wir ahnten nicht, wie schlimm es mal kommen könnte. In den letzten Tagen war ich an einigen Rückführungsflügen beteiligt, diese Woche habe ch noch sechs. Unsere Crewmitglieder, die im Ausland leben und nach MUC und FRA “shutteln” für den Dienstantritt, dürfen dort bleiben auf “Kurzarbeit null”, das gesamte Flugprogramm läuft zur Zeit noch auf 5% der üblichen Produktionsmenge. Auch Kollegen aus Berlin etc. können bleiben wo sie sind, lange Bahnfahrten sind jetzt nicht zuzumuten.

    LH kann den kleinen Notbetrieb mit Freiwilligen aufrecht halten, die sich per Requestmarker melden konnten, das habe auch ich getan, damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt. Finanziell ist es wohl egal, ob ich arbeite oder nicht, vermutlich kosten mich Hotels in Frankfurt und Bahntickets mehr, aber egal. Immer wieder findet man in allen möglichen Internetforen Fragen nach der Rückkehr zum Normalbetrieb unserer globalen Gesellschaft. Kein Virologe kann das beantworten zur Zeit.

    Ich habe dazu folgende Gedanken: selbst wenn es uns in Europa und Nordamerika gelingen sollte, durch Hochfahren des Medizinbetriebs und rigoroser Kontaktverbote die Pandemie zum Erliegen zu bringen, was geschieht in Indien, Pakistan, Philippinen, Indonesien, Lateinamerika, Karibik, Nahost, Syrien, Somalia, Tropengürtel Afrikas, wo die medizinische Versorgung keine Reserven hat oder auch so gut wie nicht existiert? Ein paar Virenträger würden ausreichen, um die nächste Infektionswelle wieder nach Europa zu bringen. Die Frage kann also nur sein: schaffen wir die Bewältigung global? Luftverkehr und Schiffsbetrieb lassen sich da nicht abschotten.

    Wie lange können wir ohne ein Minimum an Flugverkehr für Passagiere auskommen? Wie kann man diesen langsam wieder hochfahren, so lange es noch Infizierte auf dem Planeten gibt? Schnelltests am Flughafen, Anreisen vier bis fünf Stunden vor Abflug? Passagiere in Voll-Infektionsschutzanzügen, mit Mundschutzmasken, alle Flugbegleiter auch? Erneuter Test am Ankunftsflughafen? Wie teuer müsste das sein? Wäre das auch der nötige Abschied von der Billigfliegerei? Ich bin mir sicher, dass, wenn die Alternative lautet “teurer fliegen oder gar nicht fliegen”, die Leute eben höhere Preisen akzeptieren würden. Heißt es “gar nicht fliegen oder wenig fliegen”, dann wird sicher liebend gern wenig geflogen. Kann man auf ein Niveau im Flugverkehr wie im Jahr 2000 zurückkehren? (Dasselbe gilt natürlich auch für die Kreuzfahrtindustrie.) Brauchen wir in FRA zwingend 70 Millionen Passagiere, 4 Milliarden weltweit? Oder geht das auch wieder mit 35 Millionen in FRA und weltweit mit 2 Milliarden? Kann ein Gesundschrumpfen funktionieren und können Wohlstandseuropäer leben, wenn sie sich nur noch zwei Flugreisen pro Jahr leisten können statt wie bisher sechs bis zehn? Europäisch fliegen ab 400 EUR, nach Nordamerika ab 1.200 und nach Asien ab 1.500 EUR oder noch teurer – utopisch? Blicken wir zurück, dann wissen wir: es war wirklich einmal so “teuer”, und wir empfanden es als normal. Gibt es ein Grundrecht auf Billigreisen?

    Zukunftsforscher und Sozialpsychologen sind bereits an Gedankenexperimenten, wie eine Gesellschaft nach Corona aussehen könnte. Ist es dann immer noch sinnvoll, darüber zu diskutieren, ob man auf deutschen Autobahnen 200 km/h oder nur 120 km/h fahren darf? Wie erscheinen uns im Kontrast zur aktuellen Situation die Problemchen und “Existenzängste” von gestern? Wenn Regierungen in der Lage sind, in kürzester Zeit Billionen (1 Billion = 1.000 Milliarden!) EUR frei zu geben, warum soll es uns dann nicht gelingen, Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels ebenso konsequent anzugehen? Es heißt, die Coronakrise sei in ihren Auswirkungen wie ein Klimawandel im Zeitraffer, zwar mit anderer Ursache, jedoch im Ergebnis ähnlich.

    Es ist nach meiner Ansicht nicht ausreichend, das Problem nur als Notwendigkeit der Unterbrechung einer Infektionskette zu sehen – ich denke, dass unser gesamter Lebensstil in Frage gestellt werden muss und dass die Welt danach zwingend anders aufgestellt sein wird. Was ist uns wichtig, wie viel Konsum brauchen wir und wie sehr dürfen wir uns bei der Daseinsvorsorge von anderen Ländern und Kontinenten abhängig machen, wie wollen wir zusammen leben? Diese Fragen poppten immer mal wieder auf und wurden jedoch schnell vom üblichen “Weiter So” und unserer Gier nach dem ewigen “Wachstum” zur Seite gedrängt. Nun haben sich diese Fragen uns mit Gewalt in den Weg geworfen und wir können uns nicht länger vor einer Antwort drücken. Ob wir aus dieser Krise zu lernen bereit sind, wage ich nicht zu beurteilen.

  2. Lieber Volker,
    erfreulicherweise hängt meine/unsere journalistische Arbeit ja nicht nur von den Redereien ab, die in der Tat im Moment so Land-unter sind mit der Bearbeitung der Absagen, an denen ja Zehntausende von einzelnen Buchungen hängen, die auf die eine oder andere Art rückabgewickelt werden müssen. Wie es in ein paar Wochen weitergeht, werden wir sehen, das weiß ja nun noch niemand so genau. Aber die journalistische Arbeit liegt in keiner Weise darnieder. Da gibt’s eine Menge spannende Themen, die sich auch ganz ohne Kontakt zu den Reedereien recherchieren und schreiben lassen.
    Für den Podcast müssen wir uns was einfallen lassen, das Themen angeht. Ansonsten haben sich bei mir über die vergangenen Monate und Jahre so viele Ideen für neue Projekte auf cruisetricks.de gesammelt und auch sonst ist viel Priorität-B-Arbeit liegen geblieben, dass ich erstmal trotzdem gut beschäftigt sein werden, wenn auch die finanzielle Seite sicherlich schwierig werden wird. Mal sehen.
    Zu Corona: Ich denke, Du stellst alle richtigen Fragen, nur Antworten hat halt, wie Du ja auch schreibst, bisher niemand. Allerdings gehen im Moment alle eher vom schlimmsten, denkbaren Szenario aus. Wenn ich mich z.B. an Sars zurückerinnere (das allerdings insgesamt schon viel weniger Opfer gefordert hat als Covid-19 bis jetzt schon) – da ging es letztlich recht glimpflich aus, das Virus ebbte einfach irgendwann von selbst ab und kam auch nicht zurück. As ist so ein wenig meine Hoffnung, dass wir nicht erst eine weltweite Infektionsrate von 70 Prozent der Bevölkerung brauchen, bevor das Virus quasi seine Ausbreitungsmöglichkeiten verliert.
    Ich teile deine Hoffnung, dass wir aus dieser Krise mehr lernen als ein paar Krisenpläne, die wie bei ähnlicher Lage später wieder verwenden können (obwohl wir selbst das aus der Sars-Zeit nicht wirklich gelernt haben). Ich hoffe wie Du, dass wir danach nicht zu einem routinemäßigen „weiter als wäre nichts gewesen“-Schema übergehen. Es wer in der Tat schön, wenn wir es schaffen würden, unsere Sicht auf unsere Gesellschaft verändern würden. Ob das gelingen wird liegt, so wie jetzt aktuell in Hinblick auf die Solidargemeinschaft, bei uns selbst.
    Bei den Airlines habt Ihr und hast Du mein volles Mitgefühl. Kaum eine Branche dürfte gerade härter betroffen sein und der Luftfahrt ging es ja auch schon vor Corona nicht gerade gut. Bleib’ gesund!
    Herzliche Grüße,
    Franz

  3. Ja, lieber Franz, liebe Carmen, lieber Jérôme,
    passt auch gut auf Euch auf und seid vorsichtig. Mit Wahrscheinlichkeit von 70% soll uns das Virus ja sowieso alle erwischen, heißt es – aber wegen mir darf es noch ein Weilchen dauern! Bei dem Parken der Kreuzfahrtschiffe fiel mir ein: kann man die eigentlich, weil sich ja sowieso erst mal nichts mehr bewegen wird, so andocken wie man es bei Flusskreuzfahrtschiffen macht, also zwei bis drei nebeneinander legen? Da ergeben sich doch neue Kapazitäten, z.B. in Miami. Da ist einmal das große Wendebecken, wo die Schiffe zum “Umdrehen” vor der Abfahrt hineinfahren, da würden doch locker vier große Pötte hinein passen, und dann längs an den Terminals jeweils zwei nebeneinander.
    Grüße :-)

  4. @Volker: Keine Ahnung ehrlich gesagt, ob große Kreuzfahrtschiffe im Hafen auch nebeneinander liegen könnte. Habe ich so noch nie gesehen. Wird aber denke ich auch nicht nötig sein. Sooo knapp sind Liege- und Ankerplätze dann auch nicht ;-) Und in Europa ist im Moment eh’ noch sehr viel frei – wohl auch, weil Häfen wie Barcelona Schiffen das Anlegen auch gar nicht erlauben.

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