Podcast: Kulinarik, Essen, Restaurants auf Kreuzfahrtschiffen

- Franz Neumeier & Jérôme Brunelle
cruisetricks.de Kreuzfahrt-Podcast
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Manche glauben, Essen ist auf Kreuzfahrt das wichtigste. Hotelmanager auf Kreuzfahrtschiffen wissen: Gibt’s beim Essen Probleme, ist Feuer unterm Dach. In dieser Podcast-Episode beleuchten wir das Thema Restaurants und Essen auf Kreuzfahrtschiffen ausführlich.

Buffet oder Restaurant mit Bedienung? Hauptrestaurant, Spezialitätenrestaurant oder eine Zwischenform? Und wie kommt man möglichst günstig in den Genuss der mehr oder weniger teuren Spezialitätenrestaurants?

Wir diskutieren unterschiedliche Restaurant-Konzepte der Reedereien, gehen auf Hygiene-Vorschriften ein und sprechen darüber, welche Frische und Qualität man beim Essen auf unterschiedlichen Schiffen erwarten kann – und warum diese Unterschiede recht groß sein können.

4 Kommentare

4 Kommentare zu “Podcast: Kulinarik, Essen, Restaurants auf Kreuzfahrtschiffen

  1. Hallo Franz und Jerome,
    eine interessante Folge ich habe letzte Woche eine wunderbare Kreuzfahrt im westlichen Mittelmeer auf der Jewel of the Seas gemacht und wir hatten per Dinnerpaket die drei Aufpreisrestaurants genutzt und an den anderen vier Abenden haben wir im Buffet gegessen und nicht im Hauptrestaurant, weil es im Buffet die Auswahl so toll war und ich esse Abends sonst immer im Bedienrestaurant und man konnte wunderbar draußen am Heck sitzen das fanden wir auch immer richtig gut.
    Herzliche Grüße
    Oliver

  2. Nahrungsaufnahme auf Kreuzfahrtschiffen ist sicher eines der Themen, über die sich stundenlang debattieren ließe. Kürzlich war ich mit einem Flusskreuzfshrtschiff unterwegs, das bei der Essensqualität alles in den Schatten stellte, was ich bisher auf kleineren bis riesigen Hochseeschiffen erlebte: VIVA Cruises auf der Donau, ein Veranstalter aus Düsseldorf , auf der Swiss Crown unter Scylla-Flagge. Die Menüs von der Vorspeise bis zum Dessert waren köstlich, interessant gewürzt, von hoher Qualität und bei der Kuchen und Torten haute es mich regelrecht vom Hocker: authentische mitteleuropäische Konditoreiqualität, und diese vermisse ich auf internationalen Schiffen ganz besonders, wo zuckrige Donuts, geschmacksneutraler, aber dafür umso bunter Sponge Cake (Schwammkuchen = Biskuit) oder Brownies in Fensterkittkonsitenz das Bild prägen, denn wenn es „extra rich“ ist, muss es nach amerikanischer Philosophie wohl besonders gut sein. Ein ebensolches Highlight erlebte ich auf einer kurzen Adventstour mit Phoenix Alena auf dem Rhein. Auch Nicko Cruises auf Rhône/Saone war ordentlich.

    Vielleicht ist es, wenn es um die Qualität geht, auch eine Frage der Menge, da die Küchen- und Lebensmitteldomensionen auf Flusskreuzfahrtschiffen doch ganz andere sind. Bei den Hochseeschiffen ist mir Oceania Nautica noch in bester Erinnerung. Wir hatten ein oder zwei mal im Bedienrestaurant gegessen, fanden aber sehr schnell heraus, dass die Buffetqualität absolut ebenbürtig war. Da wir auf unserer Ostseereise oft exzellentes Wetter hatten und das Renaissance Class Schifd am Heck eine wuderbare Außenterrasse besaß, bevorzugten wir die meiste Zeit das Buffet. Es war alles sehr köstlich.

    Princess Cruises muss man sicher erwähnen, wenn es um hohe Qualität geht. Denke ich an eine Einführungsfahrt der Majestic Princess im östlichen Mittelmeer zurück, dann fällt mir ein, dass es kaum ein anderes Schiff gab, das ich je erlebte, wo tatsächlich rund um die Uhr Essen verfügbar war. Das International Café im Atrium bot stets eine kleine Auswahl der Buffetsnacks an, egal zu welcher Zeit. Ganz gleich aber, wie gut das Mengenmanagement mittels elektronisch unterstützter Steuerung ist: Buffets sind und bleiben gigantische Wegwerfaktionen, aufgrund der Frische- und Hygienevorschriften, wie wir auch im Podcast hörten, dass also spätestens nach vier Stunden die Zeit für jedes verderbliche Nahrungsmittel abgelaufen ist. Dazu beobachte ich durchgehend massive Lebensmitrelverschwendung durch Passagiere, die sich Teller vollladen bis zum Exzess, das meiste aber dann der Mülltonne übergeben.

    All den Kreuzfahrern, die bisher die deutschen Marken TUI und Aida bevorzugten und vielleicht meinen, dass es auf US-Schiffen nichts Vernünftiges zu essen gäbe, muss energisch widersprochen werden. Die Buffets und ganz sicher die Bedienrestaurants können hier sicher mithalten. Auch hier geht Probieren über Studieren, da sich auch über das Essen die Marken versuchen zu unterscheiden und zu positionieren. Bei Norwegian Cruise Lines fiel mir auf, dass sich über mehrere Jahre die Menüs gar nicht änderten, weder im Hauptrestaurant noch in den Spezialitätenrestaurants. Da änderte sich mal hie und da eine Bezeichnung und der Chocolate Lava Cake wurde zum Volcano, aber das Produkt blieb gleich. Spezialitätenrestaurants mit Lokalkolorit, von Italienisch über mexikanisch bis französisch oder mit berühmten Namen wie Jamie Oliver, das muss jeder entscheiden, ob es ihm einen Extrapreis wert ist. Häufig empfand ich als verwöhnter Europäer da so wie eine Küche, von der Amerikaner denken, sie sei französisch etc. – Ausnahme: Steakhouse. Wenn sie etwas können, dann Steaks. Wir in Deutschland haben geographisch die besten Chance, zwischen Elsass und Wien, Neapel und Lissabon, Warschau und Oslo die authentische Landesküche zu studieren, und zumindest jene, die dieses ausgiebigst auskosten, sollten auf Schiffen bei der Lokalküche mit einigen Abstrichen rechnen. Es darf auch niemand erwarten, dass die türkische oder philippinische Bedienung im Le Bistro bei NCL mit der Haute Cuisine Frankreichs bis ins Detail vertraut ist.

    All jenen aber, bei denen zu Haus die bodenständige Teutonenküche von Strammem Max bis Erbeneintopf regiert, sei jeder kulinarische Ausflug auf einem Kreuzfahrtschiff wärmstens empfohlen.

    Einen kleinen aber nicht zu unterschlagenen Nebenaspekt möchte ich noch hinzu fügen: diie Konversation am Tisch. Ob fester Tisch bei Cunard oder Celebrity Cruises, ob My Dining Concept mit jeweils frei wählbarer Essenszeit, es ergeben sich häufig interessante Möglichkeiten mit sehr unterschiedlichen Charakteren aus der ganzen Welt zu speisen, zumindest auf internationalen Schiffen. Wenn man ein My Dining Concept hat, kann man dann am Restauranteingang „shared Table“ wählen, einen größeren Tisch von 6 bis 12 Personen. Das kann so spannend werden. Achtung: Amerikaner stellen sich sofort mit Vornamen vor, und – ich bin immer wieder perplex – merken sich den Namen! Und woher jemand kommt. Ich habe noch nicht herausgefunden, ob das eine spezielle Gedächtnisleistung ist oder ob sich jemand heimlich Notizen macht, es hat mich jedes Mal von den Socken, wenn Tage später ein „Hello, Volker!“ im Aufzug ertönt und ich kleinlaut zugeben muss… „Hello, äääh, wie heißt du noch mal?“ Es braucht natürlicj eine gewisse Sattelfestigkeit im Englischen, um parlieren zu können und als Deutscher auf einem internationalen Schiff wird man kaum umhin kommen, viele Fragen zu beantworten. Cold war, Fall of the Wall, Eastern and Western Germany, European Union… und – höchst bemerkenswert: seit 2016 gilt besonders Europäern ein altes eisernes Gesetz nicht mehr, das da lautete „no politics“. Untereinander gilt dies bei Amerikanern sicher um so stärker, da die Pro- und Contra-Trump-Lager sich so spinnefeind sind wie nie zuvor. Haben aber liberale Amerikaner Europäer am Tisch, geben sie sehr schnell ihre Abneigung gegen Trump zum Ausdruck, denn es wäre ihnen sicher unangenehm, für einen verbohrten Republikaner gehalten zu werden. Das ist eine ganz neue Entwicklung! Inzwischen trage ich gern mal ein Obama-T-Shirt (Missing, did you see this man?) oder „Notorious RBG“, Ruth Bader Ginsberg, Richterin am Supreme Court und Trump-Feindin. Das bringt die Diskussion in Schwung. Guten Appetit!

  3. Die Schwierigkeit mit der Bewertung von Essen ist, dass es eben Geschmackssache ist. Auch wenn es objektive Kriterien für Lebensmittelqualität gibt, heißt das nicht automatisch, das hochwertigere Qualität jedem auch besser schmeckt. Wer sich an bestimmte Convenience-Geschmachs“erlebisse“ gewöhnt hat, wird so manches feines, französisches Gericht als lahm und unterwürzt ablehnen. Wer zu Hause viel Salz ins Essen gibt, wird sich immer darüber mockieren, dass das Essen fad schmeckt (obwohl es einfach wäre, den Salzstreuer am Tisch zu benutzen, um da Abhilfe zu schaffen). Deshalb ist das leider ein sehr schwieriges Feld, auf dem ich immer versuche, mich einer absoluten Wertung zu enthalten, weil das jeder (und völlig zu Recht) subjektiv anders empfindet.

    Thema Tischgespräche: Da kann ich Dir nur zustimmen, @Volker. Bei Politik und Amerikanern muss man heute halt nur erst einmal vorsichtig ausloten, ob man es mit einem Trump-Gegner oder -Befürworter zu tun hat. Sitzt ein Trump-Fan am Tisch, gilt die eiserne Regel „no politics“ schon aus Eigeninteresse mehr denn je ;-) Denn sich mit rassistischen Ansichten, Klimawandel-Leugnung und noch einigen andern Absurditäten auseinanderzusetzen, bei denen einem der Mund offen stehen bleibt, macht bei einem leckeren Dinner wirklich keinen Spaß. Dann lieber übers Wetter (Vorsicht, nicht Richtung Klima abdriften!) oder andere Belanglosigkeiten Smalltalken.

  4. Ich kann Volker beim Thema Tischgespräche nur zustimmen:
    Wir waren zuletzt zwei Wochen in New Brunswick und Nova Scotia und sind dabei fast jeden Morgen im B&B beim Frühstück mit US-Amerikanern zusammengesessen. Nette Leute mit durchgehend vernünftigen Ansichten. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die Trump-Unterstützer generell nicht ins Ausland reisen? Schließlich ist Amerika ja so toll… (vorsicht, Sarkasmus!)
    Vielen davon ging es auch sichtlich auf den Keks, dass Trump den Ruf der USA im Rest der Welt so verschlechtert hat und sie sich quasi ständig für ihren Präsidenten entschuldigen müssen.

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