Podcast: Menschen und ihre Kreuzfahrt-Geschichten in der Coronakrise

- Franz Neumeier & Jérôme Brunelle   -  Dieser Beitrag enthält als Werbung gekennzeichnete Links.
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In dieser Sonder-Episode des cruisetricks.de-Kreuzfahrt-Podcasts außer der normalen Reihe spreche ich mit sechs Menschen auf ganz verschiedenen Bereichen der Kreuzfahrt. Es sind ganz persönliche Skype-Interviews.

Dieser Beitrag dient – um ehrlich zu sein – nur dazu, dass der Podcast technisch auch in der Audio-Version abrufbar ist. Ich empfehle aber, den Beitrag mit den Interviews als Video anzusehen: „Skype-Gespräche: sechs Menschen, sechs Kreuzfahrt-Geschichten in Zeiten der Coronakrise“.

2 Kommentare

2 Kommentare zu “Podcast: Menschen und ihre Kreuzfahrt-Geschichten in der Coronakrise

  1. Hallo, Franz!

    Interessante Einblicke unter anderem aus dem “Innenleben” der Kreuzfahrtindustrie! Die meisten Interviews fand ich interessant, wenn sich auch die allgemeine Aussage, dass alle die “Unsicherheit, wann es wieder los geht”, als unangenehm empfinden, wiederholt hat. Ebenso die Einsicht, dass alle in einem Boot sitzen, um im Bild zu bleiben und man “auf Sicht fährt”. Auf das letzte Interview mit Koch Rudi hätte ich aber verzichten können. Wie soll ich es freundlich sagen…? Sprachlich wie inhaltlich fand ich hier nicht viel Erhellendes und zeitweilig fand ich es anstrengend, dem Interviewten zu folgen *lg*

    Am 4. Mai hätte meine Transatlantik-Passage mit QM2 von Hamburg nach New York starten sollen, mit meiner Mutter, die in wenigen Tagen 84 Jahre alt wird. Cunard bietet neben der Erstattug auch die Gutscheinlösung über 125% des Reisepreises an. Natürlich nehme ich den Gutschein, denn ich hoffe, für Mai 2021 die geplante Tour neu buchen und auch antreten zu können. Ich denke, dass alle ein Interesse am Fortbestand der Kreuzfahrtindustrie haben, daher empfehle ich die Gutscheinlösung. Ansonsten besteht für Reedereien natürlich die Gefahr der finanziellen Ausblutung. Sicher, sollte ein Unternehmen komplett in die Insolvenz gehen, wäre dann wohl auch der Gutschein nichts mehr wert – aber was ist schon sicher in diesen Zeiten?

    Sicher sind auch viele Jobs nicht. Als Lufthansa-Mitarbeiter muss auch ich mich sorgen, wie so viele bin ich auch auf Kurzarbeit nahe Null. Blöderweise hatte ich wegen eines kleinen Unfalls am Jahresende eine Langzeitkrank-Phase seit dem 22. Dezember bis Ende März, und danach war schon die Fliegerei am Ende. Dieses Jahr habe ich an vier (!!!) Tagen gearbeitet. Alter Urlaub aus dem Februar plus aktueller “QM2-Urlaub” machen noch mal den ganzen Mai aus… so dass mir das monatelange Nichtstun inzwischen mächtig auf den Zeiger geht. Frühestens ab 4.6. darf ich wieder, falls es was zu Fliegen gibt. Aber was will man machen? Auch im Luftverkehr scheint sich noch lange nichts in Richtung “ein bisschen Normalität” zu bewegen, wir warten auf die Entscheidung zur Staatshilfe. Dienstpläne gibt es nicht. Wir können eine sogenannte Reserve-Line wählen für den Folgemonat, eine Phase von 8 Tagen, an dene wir angerufen werden können und ggf. einen Tages- oder Zweitageseinsatz bekommen aus unserem 5%-Flugprogramm.

    Aufgrund der Komplexität der Kreuzfahrt mit ihrer Verzahnung von Crews, Passagieren, Flugzeugen, Häfen, Versorgern, Ausflugsdienstleistern, Bustransfers, Hotels halte ich das Hochfahren dieser Reiseform für extrem schwierig. Gerade weil bei Kreuzfahrten oft mehrere Länder beteiligt sind und alle ihre eigenen Pandemiestrategien fahren, wird es sicher eine Herausforderung. Ich denke, die ersten Reisen werden von allen ein hohes Maß an Flexibilität fordern, in vielerlei Hinsicht. Der Luftverkehr mit seinem “schlichten” Punkt-Zu-Punkt-Verkehr dürfte es deutlich einfacher haben. Die verbreitete Vorstellungen, dass Kreuzfahrtschiffe generell “Virenschleudern” seien, macht die Sache sicher nicht einfacher. Ich erlebe zumindest aus dem Luftfahrtgeschäft als Insider, dass hinter den Kulissen fieberhaft und mit großer Expertise an praktikablen Sicherheitskonzepten gefeilt wird – ich gehe davon aus, dass dieses auch von Seiten der Reedereien passiert. Das wäre doch mal ein Ansatz für erfolgreiche Kundenkommunikation, diese Prozesse etwas transparenter zu gestalten, zumal hier ja sicher keine “Betriebsgeheimnisse” zu schützen sind.

    Auch der “Schiffstester” hatte schon bemängelt, dass er die Kommunikationsstrategien einzelner Reedereien ziemlich dürftig findet. Außer einem CEO-Video alle vier Wochen, wie sehr man sich bemühe, wäre sicher deutlich mehr drin, zumal ja die PR-Abteilungen gerade weniger damit beschäftigt sein dürften, neue Dining-Konzepte und Vielfahrerprpgramme zu präsentieren. Mehr Offenheit und Kommunikatiosbereitschaft gegenüber den “Multiplikatoren” wie Cruisetricks wäre geeignet, das Vertrauen der Kundschaft zum Unternehmen zu erhalten. Was sagt denn die CLIA dazu? Sagt sie überhaupt etwas?

    Aus den Interviews wurde deutlich, dass viele zwischen Hoffnung und Ratlosigkeit schwanken, das geht wohl jedem so. Einerseits sage ich mir, dass all die Hotels, Flugzeuge, Busse, Ferienregionen, Schiffe u.v.m. nicht durch Corona weggebeamt wurden, sie sind ja alle noch da, und wenn die Beschränkungen (teilweise) aufgehoben sind, mögen sie jemand anderem gehören, aber können wieder ihrem eigentlichen Zweck zugeführt werden. Andererseits weiß auch jeder, dass nach Insolvenzen nie mehr etwas ist wie es zuvor war, zumindest nicht die Arbeitsbedingungen, und auch die hohe des Einkommens nicht.

    Bei allem Ungemach muss man sich immer wieder sagen, dass wir in Mitteleuropa mit unseren Kurzarbeitsregelungen und sozialen Absicherungen inklusive Gesundheitssystem noch die Glückspilze in der Pandemie sind. Das Virus scheint gerade in Brasilien außer Kontrolle zu beraten, und was ist mit Afrika? Was ist mit all denen, die vom Tourismus leben rund ums Mittelmeer, was ist mit den freundlichen privaten Tour Guides auf den Karibischen Inseln? Null Einkommen bedeutet in diesen Regionen oft Lebensgefahr.

    Im Interview klang auch kurz an, ob wir mit unseren gigantischen Wachstumsphasen im Reiseverkehr nicht ohnehin ein ungesundes Maß längst überschritten hatten. Das Thema “Overtourism” war ja vor nicht langer Zeit schon einmal Thema im Podcast. Wer im Sommer Dubrovnik, Venedig, Barcelona oder Dublin erlebte oder auch Nassau / Bahamas bei sechs bis acht angedockten Kreuzfahrtschiffen, der sollte begriffen haben, dass wir längst zu viel reisten, und China begann erst damit die Welt zu entdecken. Aus Kreisen von Greenpeace / Fridays For Future u.a. hörten wir kritische Töne zu den erneut angedachten “Kaufprämien” für PKW mit Verbrennungsmotoren. Alles so weiter wie vorher? Business as Usual? Die Bundesumweltministerin mahnte beim Petersberger Dialog, es solle nach einem Wiederhochfahren der Wirtschaft und vor allem bei den Wirtschaftsförderungen unbedingt eine ökologische Steuerung geben. Ich denke, wir kommen an der Frage, wie viel Reise “gesund” ist für uns und den Planeten, nicht vorbei. Verweigern wir eine sinnvolle Antwort, wird sich die Frage in absehbarer Zukunft umso drängender stellen.

    Was sagt dazu die Reiseindustrie, außer dass wir die ewigen Standardaussagen hören wie: die Leute vor Ort brauchen den Tourismus, und Millionen Arbeitsplätze weltweit hingen am Tourismus? Ich denke, dass gerade jeder weiß, dass Tourismus lange keine Massenveranstaltung mehr sein kann wie wir sie kannte. Was bedeutet es aber, wenn Hotels nur 50-75% Belegung erlaubt wird, den Ferienresorts, den Kreuzfahrtschiffen? Sicher, bei weniger Touristen braucht man weniger Personal, aber es lässt sich das Kreuzfahrtschiff nicht mit 50% Treibstoff fahren oder zum halben Preis kaufen. Kommen wir damit zurecht, dass Reisen deutlich teurer werden? Sind wir bereit zu begreifen, dass Reisen bisher viel zu billig waren? Dass es einen Grund dafür gibt, dass wir 1965 von Flug- und Schiffsreisen nur träumen konnten, es heute aber als unverzichtbaren Teil unseres Lebens ansehen und sogar eine Flugreise pro Jahr als “unzureichend” empfinden, dass weniger unsere individuelle Freiheit einschränke? Lernen wir gerade etwas aus dem Zu Haus Bleiben?

    Wie viel wird es uns wert sein, wieder mit der Familie in den Urlaub fliegen und/oder eine Kreuzfahrt unternehmen zu können? Ändert sich unser Blick auf den Wert dieser Errungenschaft oder kehren wir nach dem Ende der Krise zum vorherigen Anspruch zurück? Offenbar haben wir Geduld gelernt in den Warteschlangen vor Supermarkt und aktuell den Friseuren. Gilt das auch dann, wenn Einsteigeprozeduren im Flugzeug deutlich länger als eine Stunde dauern, sich in Kreuzfahrtterminals über viele Stunden hinzöge? Können wir akzeptieren, dass die 45 EUR pro Tag pro Person nicht mehr gehen wird bei Kreuzfahrten und der Flug nach Jordanien für 19,90 EUR nicht mehr möglich sein wird? Wie viel wird uns die Reise wert sein?

    Ich hoffe sehr, dass wir unsere Lektionen gelernt haben bzw. noch lernen. Selbst wenn Reisen im Inland bald wieder möglich werden, selbst wenn die ersten typischen Ferienregionen wieder öffnen auch für Ausländer: die Kapazitäten werden reduziert bleiben, also unzureichend auf Basis der Nachfrage von vor der Krise, die Kosten der Anbieter werden sich nicht in gleichem Maße senken lassen. Ich bin mir sicher, das die hohen Abstands-Regelungen, Kapazitätsbeschränkungen, Schutzausrüstungen und vieles mehr die Preise langfristig hochtreiben werden, ja müssen. Gelernt haben wir inzwischen auch, auf wen es ankommt in unserer Gesellschaft: Krankenpfleger, Ärzte, LKW-Fahrer, Supermarktmitarbeiter, Zugbegleiter… im Urlaub kommt es auf jene an, die uns Erholung, Genuss und Komfort bieten: die Zimmermädchen, die Köche und Kellner, die Poolaufsicht, den Busfahrer. Ich wünsche mir sehr, dass wir nun bereit sind, die Leistung all dieser Menschen entsprechend zu würdigen, durch unsere Wertschätzung durch Verhalten, aber auch durch unsere finanziellen Beitrag. Sollte der Deutsche gar lernen können, was “Trinkgeld” bedeutet und dass Geiz nicht geil ist? Wir können es uns leisten, wenn wir wollen. Wäre es nicht schön, wenn die Corona-Krise uns dabei geholfen haben könnte, unseren Blick auf das Leben neu zu justieren?

  2. Lieber Volker,

    Ich denke, warum vonseiten der Reedereien wenig kommuniziert wird, hat vor allem zwei Gründe:

    a) Es ist börsenrechtlich problematisch, zurzeit überhaupt etwas zu sagen. Äußert man sich positiv/vielversprechend, hat man später Millionenklagen am Hans, wenn es nicht so gut läuft, wie „versprochen“. Äußert man sich zurückhaltend bis skeptisch, rauscht der Aktienkurs noch tiefer, als er ohnehin schon ist.

    b) Auch wenn ganz sicher mit Hochdruck und unter Zuziehung guter Experten an Lösungen gearbeitet wird, wird es da noch nichts Fertiges geben und alle Lösungskonzepte müssen dann ja auch noch einen komplizierten Abstimmungsweg durch Behörden gehen, die garantiert alles wieder ganz anders haben wollen. Und Unternehmen sind nicht gewohnt, Halbgares zu kommunizieren. Bzw. es bringt auch nichts, alle paar Tage mit einer neuen Idee öffentlich vorzupreschen, die einem dann von den Medien zerrissen, von den Behörden abgelehnt und von den Kunden mit Nörgelei zerredet wird.

    Ob wir bereit sind zu akzeptieren, dass Reisen allgemein teurer werden wird? Ich denke, wir werden keine Wahl haben. Ich sehe das wie Du: Reisen wird deutlich teurer werden. Und ganz ehrlich: Wenn ich z.B. für Mallorca verantwortlich wäre, ich würde zusehen, dass der reduzierte Tourismus, der auf absehbare Zeit möglich ist, nicht Billig-Rucksack-Ballermann-Tourismus ist, sondern die wenigen Touristen, die kommen dürfen/können, möglichst viel Geld mitbringen.

    Wo ich hoffe, dass Du Recht behältst, aber leider Zweifel hege ist, dass wir allgemein und/oder in unserem Urlaubsverhalten als Gesellschaft insgesamt zu besseren Menschen werden. Solidarität ist doch auch jetzt schon an vielen Stellen nur a) notwendiges Übel, weil man selbst davon profitiert oder b) etwas hübsch Romantisches für eine Weile, weil man sich da so schön geborgen fühlt beim gemeinsamen abends um 18 Uhr Fenster aufmachen und irgendeine Corona-Hymne aus dem Radio in die Nachbarschaft zu posaunen. Ich denke, es wird sich einiges verbessern, aber nicht aus plötzlich gelernter Mitmenschlichkeit, sondern weil’s eben gar nicht anders gehen wird. Verzeih‘ mir da meinen verhaltenen Pessimismus …

    Herzliche Grüße
    Franz

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