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Sind Reise-Blogger unabhängig und glaubwürdig?

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Es ist auf den ersten Blick eine kniffelige Situation: Reise-Blogger und Reise-Journalist sind zumeist auf Einladung des Veranstalters unterwegs. Da liegt es nahe anzunehmen, dass unabhängige Berichterstattung nicht stattfindet, Unternehmen Einfluss auf den Inhalt nehmen, negative Aspekte unter den Tisch fallen. Dieses schwierig zu durchschauende Spannungsverhältnis machen wir in dieser Podcast-Episode zum Thema und zeigen, warum Unabhängigkeit und Vertrauenswürdigkeit durchaus möglich ist.

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Für die Diskussion zu diesem heiklen Thema haben wir auch wieder den Podcaster-Kollegen Stefan Wintermeyer vom Podcast „Reisepassnummer“ als Studiogast eingeladen, mit dem wir schon einmal über ein schwieriges Thema diskutiert haben (Podcast-Episode Reisen während der Covid-19-Pandemie?).

Auf Einladung unterwegs zu sein, die Reisen also nicht bezahlen zu müssen, ist Grundvoraussetzung und Arbeitsgrundlage für den Job von Reise-Bloggern ebenso wie klassischen Reise-Journalisten. Anders wäre diese Arbeit wirtschaftlich überhaupt nicht realisierbar. Das gilt für Blogger genau so wie für Reise-Journalisten, denn weder Werbeeinnahmen mit einem Blog noch Honorare von Zeitungen und Zeitschriften sind auch nur annähern so hoch, dass man die Reisen selbst finanzieren könnte. Nur ganz wenige, große Medien können sich leisten, Recherchereisen selbst zu finanzieren.

Wir sprechen in dieser Podcast-Episode über Hintergründe und Zusammenhänge, erklären, warum man sich als seriöser Berichterstatter mit langfristiger Berufsperspektive geschönte Berichterstattung gar nicht leisten kann und erklären, wie transparente Information von Hörern und Lesern helfen kann. Wir versuchen zu zeigen, wie man als Rezipient die Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit von Medien einschätzen kann und sprechen vor allem auch darüber, dass es natürlich Unterschiede zwischen verschiedenen Bloggern, Journalisten und Medien gibt.

Ziel der Podcast-Episode ist vor allem, einen tieferen Einblick in die Arbeit von Reise-Bloggern, -Journalisten und -Podcastern zu geben, Zusammenhänge aufzuzeigen, Vorurteile aufzulösen und unsern Hörern einen tieferen Blick auf die dahinterstehende, durchaus vorhandene Problematik zu gewähren.

Hinweis: Ich bitte für die (hoffentlich rege) Diskussion zu diesem komplexen Thema um einen sachlichen, fundierten und argumentierenden Diskussionsstil. Bitte hören Sie die Podcast-Episode komplett an, bevor Sie kommentieren. Denn wir sind nicht bereit, an dieser Stelle alle Argumente aus dem Podcast noch einmal schriftlich zu wiederholen oder uns gar gegenüber allgemeinen Vorurteilen zu rechtfertigen. Pauschalisierungen, unbelegte Behauptungen und Unterstellungen werde ich kommentarlos löschen – im Sinne einer zielführenden und seriösen Diskussion.

16 Kommentare

16 Gedanken zu „Sind Reise-Blogger unabhängig und glaubwürdig?“

  1. Hallo,
    ich habe grade Eure letzte Folge gehört und wollte mich nur schnell auch mal zu Wort melden.
    Ich fühle mich grade sehr gut informiert und auch sehr gut unterhalten.
    Man hat die ganze Zeit gemerkt wie ernst und wichtig Euch diese Thema ist.
    Auch dass Jerome mal die andere Seite eingenommen hat fand ich sehr gut!
    Ihr habt viele meiner Gedanken aus- und angesprochen.
    Ich höre euch schon seit Jahren und habe häufig das Gefühl, dass die Folgen ruhig noch etwas länger sein könnten.
    Manchmal ertappe ich mich auch bei dem Gedanken: „Mensch Franz, jetzt spinn halt mal einfach rum, auch wenn du nicht alle Fakten hast. Ich weiss ja, dass du nichts genaues weisst trotzdem würde mich Deine Einschätzung interessieren.“
    Aber in solchen Momenten wie jetzt wird mir klar, warum Franz so vorsichtig bei seiner Wortwahl ist.
    Danke für die kurzweilige Unterhaltung.
    Vielen Dank an Euch drei!
    Gruss
    Timo

  2. Danke, Timo. Es freut mich, dass wir mit dieser Episode die Zusammenhänge verständlicher machen konnten – das war genau das Ziel. Klar habe ich zu vielen Dingen auch eine persönliche Meinung. Aber neben den schon im Podcast aufgeführten Gründen gegen das Spekulieren ist meine persönliche Meinung, auch wenn ich mich mit den Themen sehr detailliert und intensiv auseinandersetze, halt eben auch nur eine Meinung, so wie man sie zu Tausenden auf Facebook & Co findet. Das Problem in unserer heutigen Medien- und Social-Media-Welt ist, dass leider viele Menschen nicht mehr unterscheiden zwischen Fakten und Meinung; aus Bequemlichkeit, zu starker Eigenfokussierung, mangelnder Medienkompetenz oder einfach aus Reizüberflutung und mangelnder Zeit, sich mit allem und jedem detaillierter auseinanderzusetzen. Auch deshalb überlasse ich das Spekulieren eben lieber anderen und liefere stattdessen die Fakten als Basis für eigene Gedankengänge. Als Journalist will ich bestmöglich informieren, aber nicht in eine bestimmte Richtung beeinflussen oder eigene Politik betreiben.

  3. Danke Franz, ich kann das gut verstehen.
    Oft ist eben so, dass die negativen einfach lauter schreien. Dann entsteht manchmal ein falscher Eindruck.
    Ich habe jetzt seit Folge 3 gebraucht, um meinen ersten Kommentar zu schreiben.
    Werde mich jetzt mal um Steady kümmern ;)

    Grüße aus Spanien, auch an Jerome
    Timo

  4. Guten Tag Franz Neumaier,
    der aktuelle Podcast hat mich etwas irritiert. Die Frage, ob Reise Blogger unabhängig und glaubwürdig sind finde ich sehr interessant. Bei vielen Bloggern ist mir klar, dass sie im Grunde bezahlte Werbung machen, und das ist auch in Ordnung so. Was ich wirklich irritieren finde sind Deine Aussagen zur eigenen Unabhängigkeit. Ich erinnere mich noch an die Einführung der World Explorer. Du warst der einzige, der damals sehr positiv berichtete, und nachher den Bericht relativiert hat. Sieht unabhängiger Journalismus nicht anders aus?
    Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg wünscht Dir
    Peter

  5. Hallo Peter,

    ich denke, da spielen mehrere Aspekte rein und ich fürchte, meine Antwort wird wieder etwas länger ausfallen.

    a) Da ist dieses seltsame, sehr deutsche Denken, dass Berichterstattung nur dann glaubwürdig ist, wenn sie negativ ist. Wenn jemand so richtig draufhaut, ist er/sie automatisch glaubwürdig (egal, ob das Behauptete stimmt oder nicht). Wenn man etwa Positives beschreibt, ist es automatisch fragwürdig und unglaubwürdig. Das führt auch dazu, dass man z.B. bei einer Straßenbefragung von beliebigen Menschen das Ergebnis bekommen würde, dass ein Naturschutzverband wesentlich glaubwürdiger ist als ein Unternehmen – dabei müsste man beide gleichermaßen in ihren Aussagen hinterfragen und prüfen, denn beide verfolgen Eigeninteressen (z.B.: — Verband: braucht Publicity, um Spenden zu sammeln; Unternehmen: will sich in gutem Licht darstellen). Unabhängiger Journalismus hinterfragt beides, nicht nur das Positive. Übrigens beschreibt unabhängiger Journalismus vor allem die prüfbaren Fakten und betreibt keine eigene Politik, hetzt nicht, verleumdet nicht, vermischt nicht subjektives Empfinden, Meinung, Hörensagen und Fakten.

    b) World Explorer will ich nicht nochmal aufwärmen, dazu ist damals eigentlich alles gesagt worden. Aber ein paar Aspekte will ich dann doch nochmal klarstellen. Die Wahrnehmung, dass meine Berichterstattung dazu „sehr positiv“ war, lässt sich durch Nachlesen des Beitrags problemlos korrigieren. Diese Wahrnehmung basiert a) auf der Behauptung anderer, dass das so gewesen sei (interessanterweise auch von Leuten, die selbst gar nicht auf dem Schiff waren, selbst also nur auf Basis von Hörensagen berichtet haben); b) auf der oben schon angerissenen Erwartungshaltung auf negative Berichterstattung. Und c) war ich definitiv auch nicht der einzige, der nicht blind auf Nicko Cruises eingedroschen hat, sondern eben differenziert berichtet hat.
    Ich habe damals ausdrücklich keine News-Geschichte geschrieben zu den anfänglich sehr missglückten, ersten Reisen und des nicht fertigen Bauzustands des Schiffs. Ich habe in meinem Beitrag von Anfang an die Mängel und Probleme dargestellt und dann deutlich gemacht, dass ich mich für das Schiffsportrait darauf fokussiere, was abgesehen von den Anfangsschwierigkeiten einige Wochen später von dem Schiff zu erwarten ist.
    Das habe ich auch nicht nachträglich relativiert, sondern nur angesichts der Tatsache, dass viele offenbar ganz hartnäckig meine Erklärungen und die eben beschriebene Prämisse ignorieren oder nicht lesen wollten, in einer Ergänzung des Beitrags noch einmal überdeutlich erklärt.
    Der Grund, warum ich ein Schiffsportrait und keine News geschrieben habe ist, dass ich zu neuen Schiffen generell eben Portraits schreibe, die längerfristig Bestand haben sollen, weil sie Lesern bei ihrer Entscheidung für oder gegen ein Schiff helfen sollen. Das war also keine Entscheidung in diesem speziellen Fall, sondern ist meine generelle Herangehensweise. Mir geht es bei meiner Berichterstattung nicht um kurzfristige Reißer-Stories, sondern um einen langfristigen Nutzen für meine Leser. Aspekte, die nur sehr temporär auftreten und einige Wochen später längst behoben waren, habe ich deshalb zwar deutlich angesprochen, denn natürlich ist auch das wichtig. Aber ich habe es nicht in den Mittelpunkt meines Beitrags gestellt.

    c) Vielleicht habe ich mit dieser Art der Berichterstattung, trotz – wie ich meine – klarer Erläuterungen, die Fähigkeit zur Abstraktion und zum über den Tellerrand blicken bei einigen Lesern überschätzt. Dann war das in dieser Hinsicht ein Fehler. Ich bitte aber schon auch freundlich darum, das man von einem Journalisten nicht erwartet, ein absolut fehlerfreier Roboter zu sein. Fehler können jedem Menschen passieren und aus einem einzelnen Fehler abzuleiten, dass alles andere, was dieser Mensch macht und seit über zehn Jahren macht, ebenfalls falsch sei, ist schon sehr unfair und ein wenig absurd, oder?

    Du schreibst, dass Dir klar sei, dass viele Blogger „im Grunde bezahlte Werbung machen“ und dass das auch in Ordnung sei. Dem möchte ich sehr vehement widersprechen – in Ordnung ist das auf keinen Fall. Wenn ein Blogger bezahlte Werbung macht, dann muss er das schon von Gesetzes wegen als Werbung kennzeichnen. Tut er es nicht, verstößt das gegen Wettbewerbsrecht und gegen Grundprinzipien wie dem Pressekodex (dem ich mich freiwillig unterwerfe) oder dem Bloggerkodex (siehe ganz unten auf dieser Seite). Ungekennzeichnet bezahlte Werbung zu machen, wäre außerdem eine grobe Missachtung der Leser. Insofern: Nein, das wäre keinesfalls in Ordnung.

    Herzliche Grüße
    Franz

  6. Vielleicht noch als Ergänzung angemerkt:

    Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass man abhängig vom Publikationsmedium unter den Generalverdacht der Schleichwerbung und Abhängigkeit gestellt wird. Da wird wie selbstverständlich angenommen, dass „Blogs“ und „Blogger“ generell eh nicht vertrauenswürdig sind und eh nur verbrämte Werbung machen, während klassische Medien (TV, Hörfunk, Zeitungen, Zeitschriften und selbst deren Websites) als unabhängig und journalistisch unangreifbar gelten. Warum?

    Schon ein Blick ins tägliche TV-Programm sollte doch reichen, um festzustellen, dass dort auch nicht nur idealistischer, großartiger Journalismus betrieben wird, sondern zahlreiche Webe-Mischformen existieren. Jede Medien-Gattung hat wirtschaftliche Eigeninteressen. In jedem Medien arbeiten unterschiedlich gut ausgebildete Menschen. Jede Medien-Gattung geht auf Pressereisen, die vom Veranstalter bezahlt werden (die ganz wenigen Redaktionen, die Reisen selbst bezahlen (können), kann man an einer Hand abzählen). Jede Medien-Gattung unterliegt Gesetzen und Regularien. Jede Medien-Gattung ist auch wirtschaftlich abhängig von der Glaubwürdigkeit bei ihren Rezipienten.

    Da würde ich mir als jemand, der sowohl als Journalist für klassische Medien, als auch für mein eigenes Medium in der technischen Form eines Blogs arbeitet, wünschen, dass Leser/Hörer sich nicht von Vorurteilen und Pauschalurteilen leiten lassen, sondern einfach mal selbst nachdenken und sich zum Beispiel auch die einzelnen Personen und deren Lebenslauf genauer ansehen – kurz: ein wenig Medienkompetenz zeigen, um die Glaubwürdigkeit von Quellen richtig einzuordnen, statt sich von Vorurteilen und fremden Interessen manipulieren zu lassen.

    Das musste ich mal loswerde und hoffe, dass ich damit niemandem auf die Füße trete …

  7. Ich muss gestehen ich musste erst mal googeln was der Unterschied zwischen einem Blogger und einem Influencer ist.
    Wobei wie sagte die Komödiantin: vor kurzem war es eine Krankheit und jetzt ist ein Beruf :-)
    ( ich weiß das es sich anders schreibt)
    @Franz: du sagtest das wenn deine Berichte wegen negativer Erfahrungen nicht positiv wären das die Reedereien verstehen würden weil sie wussten das es Probleme gab.
    Das gibt kein Unternehmen zu auch wenn es die ganze Woche nur Brot und Wasser gegeben hätte würde die Reederei ihr Produkt loben;-)
    Der Vergleich mit Autos passt auch nicht denn es gewinnen in deutschen Autozeitschriften immer deutsche Autos und zb in der Auto Bild immer Fahrzeuge des VW Konzerns …
    Ich höre und sehe mir Podcasts und Videos von mehreren Bloggern Influencern oder wie sie sich auch immer nennen.

  8. @Hans: Ganz ehrlich: So ein Kommentar macht mit richtig traurig. Warum beschäftigst Du Dich so wenig mit anderen Menschen? Warum fällst Du Pauschalurteile – selbst nach Anhören des ausführlichen Podcasts – über andere Menschen, die Du nicht kennst und mit deren Lebenslauf Du Dich nicht auseinandersetzt? Falls Du’s nachträglich doch noch tun willst: https://www.cruisetricks.de/about-us/franz-neumeier/

    Würde man Deinen Kommentar ernst nehmen, würdest Du mit solchen gedankenlosen Kommentaren andere Menschen zutiefst treffen. Wie würdest Du Dich fühlen, wenn jemand Deine gesamte Ausbildung und Berufserfahrung, Deine gesamte berufliche Grundeinstellung und Moral einfach mal salopp als „was’n das alles für’n Mist?“ abkanzeln würde?

    Wenn Du Influencer, Blogger, bloggende Journalisten und Journalisten – um mal nur eine ganz grobe Abgrenzung vorzunehmen – nicht unterscheidest: Unterscheidest Du dann auch nicht zwischen Auto, Schiff, Skateboard und Fahrrad, nur weil alle was mit Fortbewegung zu tun haben? Nicht zwischen Herzchirurg, Zahnarzt, Apotheker und Rettungssanitäter, nur weil alle irgendwas mit Medizin zu tun haben?

    Inhaltlich noch angemerkt: Ob ein Unternehmen Mängel zugibt oder nicht, spielt in dem zitierten Zusammenhang doch überhaupt keine Rolle. Es ging um die Frage, ob Unternehmen einen Journalisten/Blogger „abstrafen“, wenn er/sie etwas Kritisches schreibt. Ich habe im Podcast aus meiner 35jährigen Berufserfahrung als Journalist berichtet und gesagt, dass ich eben solche Abstrafungen in lediglich zwei Fällen (die sich später noch aufgelöst haben) erlebt habe. Das zeigt, dass sich daraus eben auch keine relevante Motivation ergäbe, wider besseres Wissen falsch/positiv zu berichten.

  9. @ Franz : ich wollte niemanden schlecht machen nur frag mal Leute wie ich über 55 Jahre ob sie wissen was ein Blogger oder ein Influencer macht und was der Unterschied ist.
    Viele werden es nicht wissen.
    Als ich vor etwa 3 Jahren das Wort Influencer bei einer Rede in Englisch hörte fragte ich mich schon was spricht der über die Grippe.

  10. Und die meisten Influencer brauchen doch für dafür keine Ausbildung .
    Da sitzt ein grell geschminktes Blondinchen und redet über Schminktipps ;-)

  11. @Hans: Keine Frage, diese Unterschiede sind nicht jedem bekannt oder bewusst. Aber sollte man sich dann nicht einfach mal informieren, statt Menschen aufgrund von Unwissenheit und Vorurteilen abzukanzeln? Es ist ja irgendwie ein Unterschied, ob ich etwas einfach nicht weiß (und das für mich behalte), oder ob ich mich auf Basis dieser Unwissenheit öffentlich äußere und mich damit über andere Menschen lustig mache und sie womöglich verletzt und Schaden anrichte …

  12. Ich möchte auch nicht streiten.
    Ich weiß was ein Journalist ist und ich schrieb ja über den Kommentar der Monika Gruber mit einem Smiley zu dem Begriff Influencer.
    Ich mag was sie sagt denn sie sagt die Wahrheit mit Humor.
    Und solche Berufsbezeichnungen bei uns im deutschsprachigen Raum ärgern mich weil unsere Sprache immer mehr verkommt.
    Auch unsere Kultur.
    Wie zb seit einigen Jahren mit diesem Halloween Mist, unsere Kinder glauben oft an den Coca Cola Mann anstatt ans Christkind :-( uswusw….
    Jetzt bin ich weit vom Thema abgekommen.
    Ich freue mich auf jeden Fall auf eure Podasts ( der nächste nicht deutsche Begriff :-( es ist echt ein Jammer :-( )

  13. Hallo zusammen,

    noch bevor Franz das Wort „Medienkompetenz“ aussprach, hatte ich es schon im Kopf. Denn ich denke, es ist der wesentliche Schlüsselbegriff, um den es hier geht. Im Podcast wurde der Gedanke geäußert, jeder vernünftige Mensch müsse doch in der Lage sein, redaktionellen und seriösen Journalismus von Werbung unterscheiden zu können. Müsste – korrekt. Jedoch sehen wir schon daran, wie unreflektiert die wirrsten und aberwitzigsten Verschwörungsmythen geteilt und weiter verbreitet werden, dass gerade bei sehr jungen Internetnetzern diese Kompetenz wenig oder gar nicht mehr existiert. Stichworte „Filterblase und Echokammer“. Nach der Glaubwürdigkeit einer Quelle wird nicht mehr gefragt, es werden die schrägsten Inhalte nicht hinterfragt, es wird ätzendes Chlordioxid gegen Corona geschluckt, Plastikstückchen im Tabak geraucht oder Waschmittelpads gegessen, weil es gerade eine angesagte „Challenge“ ist.

    Auch wir „Vernünftigen“ (ich leiste mir mal eine stolze Portion Eigenlob, hihi) befinden uns in einer Echokammer, denn wir haben schon längst keine Vorstellung mehr davon, wie gering Medienkompetenz und Wissen tatsächlich sein können. Ich empfehle allen mal nach Inhalten zu schauen, die Menschen zwischen 11 und 25 Jahren Tag für Tag beschäftigt. Ich will absichtlich keine Website verlinken, aber guckt einfach mal nach dem Suchbegriff „Gute Frage“, und lest mal eine Stunde am Nachmittag. Da gehen einem die Augen über, versprochen. (Vielleicht findet Jérôme dort sogar seine eigenen Hausaufgaben wieder).

    Inzwischen ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Sprachkompetenz verbreitet stark unterentwickelt. Man kommuniziert per Video, Kurzbegriffen und Emoji. Verbreitet wird das Telefonat nicht mehr beherrscht, das direkte Gespräch ohne zwischengeschaltete Elektronik erst recht nicht. Viele sind nicht mehr in der Lage, einen einfachen Satz mit Subjekt, Prädikat, Objekt semantisch zu entschlüsseln. Die Aufgabe „Stelle die Kernaussage dieses zehnzeiligen Textes heraus“ überfordert viele. Im Erwähnten Forum gehören die simpelsten Fragen aus dem Bereich der Hausaufgaben zum täglichen Inhalt, besonders an Nachmittagen nach der Schule. Warum gucke ich da ab und zu rein? Weil ich es für sehr wichtig halte als „Boomer“ (bedeutet geburtenstarker Jahrgang), zu verstehen wie jüngere Leute ticken, falls da überhaupt noch was tickt, Schließlich muss man doch wissen, was es heißt wenn einer textet „Dein Crush ist cringe, weil binge pranking, aber chill mal die Base, Bro.“ Ich denke, Jérôme kann da auch einiges aus seinem schulischen Alltag beisteuern zu diesem Thema. Dass wir in Deutschland eine zunehmende Bildungsungerechtigkeit beklagen seit Jahren, führte meiner Meinung nach bisher nicht dazu, dass hier das dringendst nötige Gegensteuern einsetzte. Wir verlieren eine Schülergeneration nach der anderen an das Bildungspräkariat.

    In meinem Beruf im Luftverkehr hatte ich es bis Corona auf den Plan trat häufig mit neuen sehr jungen Kollegen zu tun, die ich einarbeiten musste. Auch hier fand ich die deutlich erkennbaren Kompetenz- und Wissensdefizite erschreckend, nicht immer, aber sehr und zu häufig. Lange Rede, kurzer Sinn – ich will damit sagen, dass die Website wie auch der Podcast sich an das typische Influencer-affine Publikum NICHT richtet. Cruisetricks ist – zum Glück – viel zu seriös/intellektuell für diese Klientel. Isofern nimmt hier niemand dem anderen die Zielgruppe weg und tritt nicht in Konkurrenz. Ich habe mich schon vor vielen Jahren gefragt, wer denn nur freiwillig SAT1-Nachrichten gucken kann, wenn er doch die Erste Sahne in Form von Tagesthemen, heute Journal und Phoenix Der Tag bekommen kann. Leider separieren sich die unterschiedlichen Niveaus voneinander.

    Vernetzung innerhalb von Echokammern führt nach meiner Beobachtung heute immer mehr dazu, dass sich die jeweiligen Zielgruppen auf ihren bevorzugten intellektuellen Niveaus einkapseln. Die Zeiten, da der wenig Gebildete seine Defizite bemerkte und nach einem Mehr an Bildung lechzte, sind längst vorbei. Ich finde das alles sehr betrüblich, und in seiner extremsten Form gipfelt der Bildungsmangel bekanntlich in Verschwörungsmythen von Coronaleugnung über Flacherdler bis zum Chemtrails-Gläubigen oder der brandgefährlichen QAnon-Hetze gegen „die Eliten“, in seiner schlimmsten Konsequenz gipfelt es in Rechtsextremismus.

    So traurig wie es ist: ich fürchte, dass seriöser Journalismus die Konsumenten von kommerziellen Werbetätigen/Influencern nicht mehr erreichen kann. Menschen mit Medienkompetenz können problemlos erkennen, wenn sie Jérôme und Franz zuhören, dass Schiffe, Konzepte und Reedereien aus einem weitgehend meinugsneutralen Blickwinkel betrachtet und kommentiert werden und dass Franz immer ganz unterschiedliche Konsumentensichten einnimmt, wenn es um die Eignung eines Schiffes für diese oder jene Zielgruppe geht. Wie im Podcast genannt „Beschreibung statt Urteil“.

    Mit Fakten, Seriosität und Ausführlichkeit hat man noch nie alle potenziellen Empfänger erreichen können, und das gilt heute mehr denn je, da inzwischen jeder seine Lieblingskanäle aus tausenden verfügbaren wählen kann. Es war zu Zeiten der berühmten „Drei Fernsehprogramme“ anders, aber diese Zeiten sind endgültig vorbei. Somit ist jeder Kanal nur noch Spartenkanal, mit allen Vor- und Nachteilen.

    Tröstlich mag sein, dass viele Mediennutzer sich an verbreiter Flachheit, Unprofessionalität und Beliebigkeit, dem Medien-Junk-Food, überfressen haben und es sie nach dem besseren Fünf-Gänge-Menü gelüstet. Da schlägt die Stunde der Qualität. Die globale Kreuzfahrergemeinde ist bekanntlich überschaubar, und wenn man die zahlreichen Viel- und Dauerfahrer berücksichtigt, sind es ja nur wenige Millionen Menschen. Wer sich schließlich für das komplexeste aller Pauschalreiseangebote entscheidet, dem muss man fast schon ein gewisses Detailinteresse unterstellen, finde ich, und auch die intellektuelle Grundausstattung, um diese Komplexität zu erfassen.

    Guter Journalismus wie der Eure bezieht seine Stärke aus der eigenen Leistung und muss sich nicht rechtfertigen, so lange der Journalist sich entsprechend seiner Selbstverpflichtung und seinem Berufsethos entsprechend verhält. Salopp gesagt: die Existenz eines Big Mäc kann die Qualität einer liebevoll zubereiteten Seezunge nicht schmälern – im Gegenteil – sie macht Exzellenz erst noch viel besser erkennbar. So kann guter Journalismus einerseits die wiederkehrende Inspiration der bereits existierenden Leser-/Hörer-/Zuschauerschaft sein, aber auch die ständige ausgestreckte Hand, die Einladung, an alle bisherigen Fast-Food-Konsumenten.

    Bitte bleibt hochwertig, kompetent, authentisch, detailbewusst, vielfältig, überraschend und humorvoll :-)
    Eure Hörer lieben das!

  14. @Volker: ich bin mir gar nicht so sicher, ob das, was Du beschreibst, nur ein Phänomen unter den Jüngeren ist. Ich beobachte das in nahezu allen Altersschichten. Bei uns, in einem gewissen, fortgeschrittenen Alter ;-) kommt vielleicht auch hinzu, dass wir die jüngere Kommunikation nicht mehr verstehen und wir deshalb leicht dazu neigen, sie abzuwerten (ich meine nicht die „yo, alder, chill ma“-Sprache, sondern z.B. Emojis, die durchaus eine eigene Kommunikationskultur sind, die sich uns Älteren aber halt nur schwer erschließt; wir haben früher von Weltsprachen wie Esperanto geschwärmt – Emojis sind vielleicht sowas wie eine Sprache, die man länderübergreifend versteht).

    Was mich immer wieder überrascht ist, dass jüngere Menschen eine sogar erstaunlich hohe Medienkompetenz haben und sehr genau unterscheiden können zwischen Werbung, Information und den Zwischenformen. Was mir da mehr Sorgen macht ist, dass es den jüngeren einfach nicht mehr so wichtig ist, pure Fakten zu bekommen. Wenn’s darauf ankommt, beschaffen sie sich Fakten ziemlich treffsicher, aber in allen anderen belangen, die für ihr Leben scheinbar nicht essenziell sind, akzeptieren sie viel eher mal, dass sie von einem schwer definierbaren Gemisch aus Meinung, Infotainment, Fun und Halbgarem gefüttert werden und sich nicht im Klaren darüber sind, welchen Einfluss das auf unbewusst ihr Denken hat. Da steckt, glaube ich, der eigentliche Mangel bei der Medienkompetenz: Das Wissen darüber, wie das Gehirn Dinge aufnimmt und verarbeitet und man damit unmerklich beeinflusst wird. Daher ist der Begriff des „Influencers“ wohl ganz treffend.

    Noch schnell ein Wort zum Thema „für guten Journalimus rechtfertigen“: Du hast absolut recht, es gibt keine Notwendigkeit, sich dafür zu rechtfertigen und der Podcastbeitrag war auch kein Rechtfertigungsversuch. Aber ich finde es wichtig, nicht aufzugeben und immer wieder zu erklären, was wir tun, wie wir es tun und warum wir es tun, um durch Erklärung und Erläuterung vielleicht doch ein klein wenig mehr Medienkompetenz oder überhaupt erst einmal das Bewusstsein für diese Zusammenhänge zu schaffen.

    Ich hatte vor einiger Zeit mal einen Beitrag zu Reisen in Coronazeiten geschrieben und teils heftige Angriffe, Vorurteile und Beleidigungen über mich ergehen lassen müssen. Eine Kollegin kommentierte trocken: „You asked for it.“ Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so heftig kommt, aber letztlich hat sie schon recht: Ich habe es provoziert und das muss man dann wohl auch aushalten. Aber ich finde es eben wichtig, auch streitbare Themen anzusprechen, sich nicht zu drücken und immer wieder darauf hinzuarbeiten, dass zufällige Leser und Hörer vielleicht danach ein klein wenig mehr verstehen und weniger auf Vorurteilen und Pauschalurteilen reiten. Vielleicht bin ich da auf verlorenem Posten, aber aufgeben sehe ich einfach nicht als Option. Also keine Sorge: Ich werde ganz sicher nichts daran ändern :-)

  15. Hallo, Franz!

    Du hast Recht: gewisse Un-Kultur hat mittlerweile auch auf ältere Jahrgänge abgefärbt. Ich kann es mir lebhaft vorstellen, welche Entrüstung da auf Dich herab prasselte, als es um „Reisen in Corona-Zeiten“ ging. Es ist aber, wie ich finde, auch so typisch urdeutsch, eine extreme Position einzunehmen, nur zwischen Schwarz und Weiß zu unterscheiden und alles zu verdammen, was von der eigenen Meinung abweicht. Dabei wissen wir alle, dass es nicht das Reisen per se ist, was ein Risiko bedeutet, sondern eher das Verhalten und die Kontakte am Zielort. Ich bin ja nun seit April 2020 regelmäßig mit dem Flugzeug unterwegs und habe mir das Virus NICHT eingefangen, so kann man ja nur folgern, dass die Infektionswahrscheinlichkeit an Bord eines Flugzeugs relativ gering ist.

    Kürzlich flogen wir an die spanische Mittelmeerküste und die Hütte war knackvoll. Daraus kann man nichts ableiten, denn die Flugfrquenzen sind natürlich massiv eingedampft. Aber sind denn all jene, die sich nach einer oder zwei Wochen Sonne am Meer sehnen, verantwortungslose Hazardeure? Dass wir jedoch ständig an das korrekte Tragen der Masken erinnern müssen, ist eine sehr lästige Begleiterscheiung und ich finde es traurig, dass wir nach einem Jahr immer noch dieselben Diskussionen führen müssen. Zum Glück sinkt die Toleranzschwelle und wir sind heute eher bereit, gegen Uneinsichtige konsequenter vorzugehen.

    Wann immer ich zwischen Frankfurt-HBF oder -Flughafen und Rheinland mit dem ICE pendele, sind die Züge fast immer leer. Seit über einem Jahr habe ich keinen diekten Sitznachbarn mehr gehabt und oft saß ich ganz allein in einem Großraumwaggon. Sicherer als heute kann das Reisen für jene, die sich trauen, fast gar nicht sein. Und das trifft nach eigener Erfahrung auch auf Kreuzfahrtschiffe zu: auf Mein Schiff 1 mit 700 Passagieren statt maximal zulässiger 2.800 – das war ja fast schon Quarantänestandard zur See. Antizyklisches Verhalten war oft schon von vielen Vorteilen begleitet. Haben viele Angst vor dem Reisen, wird das Reisen für jene, die es dennoch tun wollen, sicherer. Weigern sich viele die Covid-19-Impfung zu nehmen, sind die jungen Impfwilligen früher dran… und so weiter. Ob sich jemand lieber dem Verhalten der Masse oder eher nicht anschließt, muss jeder abwägen, je nach Situation. Bei Covid-19-Impfung ist das Massenvehalten sicher das sinnvollere.

    Es stünde uns ständig Aufgeregten und Empörten so gut zu Gesicht, wenn wir endlich mal etwas gelassener werden würden und mehr nach dem Motto handelten „Leben und leben lassen“. Ooops,war ein bisschen Off-Topic.

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