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Oasis of the Seas

Praxistest auf der Oasis of the Seas: Keine messbare Aerosol-Übertragung von Kabine zu Kabine über die Klimaanlage

In einem Praxistest an Bord der Oasis of the Seas haben Wissenschaftler der University of Nebraska festgestellt, dass nahezu keine Verbreitung von Aerosolen über die Klimaanlage des Kreuzfahrtschiffs stattfindet, insbesondere nicht zwischen Passagierkabinen. Damit erscheint auch die Ansteckungsgefahr mit Viren wie Sars-Cov-2 über die Klimaanlage äußerst unwahrscheinlich.

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Bei den insgesamt neun Untersuchungen an Bord der Oasis of the Seas analysierte die Universität von Nebraska, auf welche Weise sich potenziell Sars-Cov-2 transportierende Aerosole in Innenräumen des Kreuzfahrtschiffs verbreiten und wie lange sie dort verbleiben. Das Ergebnis fiel sehr positiv aus, wie die Royal Caribbean Group unter Hinweis auf die unabhängige Untersuchung meldet und in Kurzfassung als PDF-Dokument bereitstellt.

Die Wissenschaftler fanden demnach bei ihren Studien heraus, dass das Risiko durch Übertragung von Aerosolen zwischen mehreren Räumen an Bord über die Klimaanlage außerordentlich gering bis hin zu nicht nachweisbar sei, sowohl in der Luft als auch auf Oberflächen.

Nach 15 Minuten keine Aerosole mehr nachweisbar

Es sei kein Austausch von Aerosolpartikeln zwischen Räumen beobachtet, die nur durch das Belüftungssystem verbunden sind, etwa bei benachbarten Kabinen. Das deute darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit eines Aerosolaustauschs zwischen benachbarten Räumen tatsächlich sehr unwahrscheinlich sei, schreiben die Wissenschaftler. Eine verbesserte Filterung (auf der Oasis of the Seas: Merv-13-FIlter) im Lüftungsweg verringere das Risiko einer Kreuzkontamination der einströmenden Frischluft weiter.

In den öffentlichen Bereichen habe sich das Test-Aerosol erwartungsgemäß zwischen direkt verbundenen Räumen unabhängig von Lüftungsanlagen bewegen. Rauchkontrollsysteme beeinflussten den Transport dort. Aerosol, das in Bereichen freigesetzt wurde, die für die Kontrolle von Tabakrauch ausgestattet sind, wie Spielkasino und Comedy Club, sei weitgehend innerhalb dieser Bereiche geblieben. Dagegen sei Aerosol, das in der Eislaufbahn freigesetzt wurde, wo Rauchen nicht gestattet ist, in den benachbarten Comedy Club weiter gewandert, wahrscheinlich aufgrund des Rauchkontrollsystems in diesem Raum.

Die Diamond Lounge, ein Nichtraucherbereich, der an die Aerosol-Freisetzungen im Comedy-Club und in der Eishalle angrenzt und in dem keine Aerosole freigesetzt wurden, zeigte keine Anzeichen von Aerosol oder Oberflächenkontamination. Im Allgemeinen seien die in den öffentlichen Bereichen freigesetzten Partikel nach 15 Minuten nicht mehr nachweisbar gewesen. Die Wissenschaftler führen das auf die Verdünnung der Luft in den großen Räumen zurückzuführen.

Keine Aerosol-Verbreitung von Kabinen zu Kabine

In den Passagierkabinen freigesetzte Aerosole verflüchtigten sich laut der Studie unterschiedlich, je nachdem, ob Balkon- oder Gangtüren geöffnet waren. Das lokale Klimaanlagengebläse jeder Kabine, das mit einem Merv-13-Filter ausgestattet ist, trug wahrscheinlich zur Filterung des Test-Aerosols in der Kabine bei und sei über das hinausgegangen, war die Wissenschaftler allein durch den Frischluftaustausch erwartet hatten.

Am schnellsten verflüchtigten sich die Aerosole in den Passagierkabinen, wenn die Balkontür geöffnet war, was die Wissenschaftler auf die Zufuhr von Außenluft zurückführen. Der langsamste Abbau trat bei geöffneter Gangtür auf.

Klimaanlagen zu Beginn der Pandemie unter Verdacht

Klimaanlagen auf Kreuzfahrtschiffen waren zu Beginn der Corona-Pandemie in den Verdacht geraten, das Virus in den öffentlichen Bereichen sowie in den Kabinen von Passagieren und Crew zu verbreiten. Besonders bei der im Februar 2020 im Hafen von Yokohama für 15 Tage unter Quarantäne gestellten Diamond Princess wurde die Klimaanlage zunächst als wesentlicher Verbreiter der Infektionen vermutet.

Eine Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Klimaanlage und Virenverbreitung auf der Diamond Princess aus dem Juli 2020 war zu dem sehr vorsichtig formulierten Ergebnis gekommen, dass die Luftzirkulation der Klimaanlage eine von mehreren möglichen Erklärungen für die Verbreitung von Sars-Cov-2 auf der Diamond Princess gewesen sein könnte. Seitdem haben viele Reedereien bekannt gegeben, ihre Klimaanlagen umgestellt zu haben, sodass nur noch minimal oder gar keine Luft mehr zirkuliere, sondern vollständig Frischluft eingesetzt werde. Auch Luftfilter wie Hepa und Merv-13 oder UV-Licht-Systeme kommen zusätzlich zum Einsatz.

Die Innenräume der Oasis of the Seas werden laut Royal Caribbean Group über die Klimaanlage mit 100 Prozent Frischluft versorgt, die zusätzlich gefiltert wird. Die Luft durchströmt das Schiff in einheitlicher Richtung, sodass die Luft der Innenräume zwischen 15 und 20 Mal pro Stunde ausgetauscht werde, in Kabinen bis zu zwölfmal pro Stunde.

Studie zu Klimaanlagen auf der Oasis of the Seas im Rahmen des  „Healthy Sail Panel“

Royal Caribbean Group schreibt, dass die Untersuchungen an Bord der Oasis of the Seas im Rahmen der gemeinsam mit Norwegian Cruise Line in Leben gerufenen Expertengruppe, dem „Healthy Sail Panel“ durchgeführt worden seien. Diese Expertengruppe entwickelt für Norwegian Cruise Line und die Royal Caribbean Group wissenschaftsbasierte Empfehlungen für einen möglichst sicheren Kreuzfahrtschiffsbetrieb in Zeiten der Covid-19-Pandemie. Die entwickelten Empfehlungen machen die beiden Kreuzfahrt-Unternehmen öffentlich zugänglich.

Die University of Nebraska Medical Center und das National Strategic Research Institute hatte Test zu den jetzt veröffentlichten Ergebnissen bereits im Juli 2020 mit insgesamt neun verschiedene Szenarien an Bord der Oasis of the Seas durchgeführt, um Luftströmungen sowie die Verbreitung von Viren transportierenden Aerosolen in einer realen Umgebung auf einem Kreuzfahrtschiff zu beobachten. Ziel der Untersuchung war es, eine wissenschaftliche Basis für mögliche Veränderungen in den Klimasystemen von Schiffen zu schaffen, um die Verbreitung  von Aerosolen zu minimieren.

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Die Untersuchung fand an Bord des Schiffs statt, das zu diesem Zeitpunkt am Kreuzfahrt-Terminal von Miami lag. Es ist unseres Wissens die erste Untersuchung dieser Art an Bord eines Kreuzfahrtschiffs. Über die Verbreitung von Viren und Aerosolen auf Kreuzfahrtschiffen gab es bislang nur Mutmaßungen und Modellrechnungen, aber keinen Praxistest in realer Umgebung.

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