Ruby Princess

Princess Cruises in Australien von Vorwürfen der Vertuschung entlastet

Die Sonderkommission zur Untersuchung des Covid-19-Ausbruchs in Zusammenhang mit der Ruby Princess nach dem 19. März 2020 in Sydney hat die Reederei vollständig von Vorwürfen entlastet. Die Schuld daran, dass mit dem Coronavirus infizierte Passagiere das Kreuzfahrtschiff unbeschränkt verlassen konnten, liegt demnach allein bei der Gesundheitsbehörde NSW Health.

Der 320 Seiten umfassende Bericht (PDF-Link) stellt fest, dass Princess Cruises die Gesundheits- und Hafenbehörden nicht irregeführt habe, wie es der Reederei von Politikern und in den Medien vorgeworfen worden war.

In dem Bericht steht unter anderen: „Im Lichte aller Informationen, die dem Expertengremium zur Verfügung standen, ist die Entscheidung, das Risiko als ‚geringes Risiko‘ zu bewerten – was in Wirklichkeit bedeutet, nichts zu tun – ebenso unerklärlich wie nicht zu rechtfertigen ist“. Das sei ein schwerer Fehler der Gesundheitsbehörde gewesen. Alle Passagiere hätten vor Verlassen der Ruby Princess auf Covid-19 getestet werden müssen.

Auch die australische Grenzpolizei Australian Border Force trage in diesem Fall keine Verantwortung. Sie besitze nicht den medizinischen Sachverstand, um solche Entscheidungen treffen zu können.

Fatale Ausschiffung der Passagiere der Ruby Princess am 19. März

Die Ruby Princess war am 8. März in Sydney zu einer 14tägigen Kreuzfahrt aufgebrochen. Nachdem Passagiere an Bord Symptome entwickelten, kehrte das Kreuzfahrtschiff nach Sydney zurück. Vor ihrer Ankunft am 19. März informierte der Schiffsarzt die Behörden über Patienten mit grippeähnlichen Symptomen. Dennoch gestatteten die australische Gesundheitsbehörde NSW Health –  unter Verletzung der damals geltenden Regelungen zum Infektionsschutz – den rund 2.700 Passagieren, das Schiff ohne Einschränkungen zu verlassen und nach Hause zu reisen.

Die Fehler der Behörden in Zusammenhang mit der Ruby Princess gelten als eine wesentliche Quelle für Covid-19-Ansteckungen in Australien in der Anfangsphase der Coronakrise. 28 Todesfälle und über 1.000 Covid-19-Ansteckungen werden mit dem Vorfall in Verbindung gebracht.

Princess Cruise begrüßt Ergebnis, Opposition fordert Entschuldigung vom Premierminister

Princess Cruises kommentiert die Untersuchungsergebnisse unter anderem mit den Worten: „Diese Erkenntnis ist für uns von großer Bedeutung, weil es um die Integrität unserer Leute geht. In den mehr als 20 Jahren unserer Tätigkeit in Australien haben wir uns stets um eine ehrliche und professionelle Zusammenarbeit mit den Behörden im Einklang mit den Regularien bemüht.“ In dem Statement drückt Princess Cruises auch „tiefe Trauer über die Auswirkungen, die COVID-19 auf die Gäste der Ruby Princess, die Besatzung und ihre Familien gehabt hat“ aus.

Die Opposition im Parlament von New South Wales fordert vom Premierminister eine öffentliche Entschuldigung für „schwerwiegende, unentschuldbare und nicht zu rechtfertigende Fehler“, die gemacht worden seien, die die Untersuchungskommission festgestellt habe.

Die Geschehnisse rund um die Ruby Princess hatten zu harschen Reaktionen der Regierung in New South Wales und anderen australischen Bundesstaaten gegenüber der Kreuzfahrt geführt, siehe unser damaliger Beitrag „Sydney zwingt Kreuzfahrtschiffe zum Verlassen der Region“.

1 Kommentar

1 Kommentar zu “Princess Cruises in Australien von Vorwürfen der Vertuschung entlastet

  1. Es ist wirklich schade, daß erst die große Welle gegen die Kreuzfahrer gemacht wurde und Medien in allen Bereichen nur negativ über Kreuzfahrtschiffe berichtet haben. Jetzt, wo sich der Sachverhalt total anders darstellt, wird kaum bzw. rein gar nichts davon in den Medien erwähnt. Hier wäre eine Klarstellung und Entschuldigung seitens der Australier wünschenswert.
    Der breiten Öffentlichkeit werden wieder nur die „virenschleudern‘‘ Kreuzfahrtschiffen im Gedächtnis bleiben.

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