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Port of Miami:

Politiker, Reise- und Kreuzfahrt-Branche in den USA fordert sofortiges Ende des Kreuzfahrtverbots

Der Ton in der Diskussion um einen Neustart der Kreuzfahrt in den USA wird deutlich schärfer. Sowohl der Kreuzfahrt-Branchenverband Clia als auch die Interessenvertretung amerikanischer Reisebüros Asta fordern jetzt vehement die Aufhebung des faktischen Kreuzfahrtverbots in den USA. Die monatelange Untätigkeit der US-Gesundheitsbehörde CDC sei nicht mehr akzeptabel, heißt es von beiden Verbänden. Diesen Forderungen haben sich auch Politiker aus Florida und Alaska angeschlossen.

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In den USA schreitet die Impfung der Bevölkerung wesentlich schneller voran als in Deutschland und in der EU. In mehreren Bundesstaaten wurde die Corona-Impfung bereits im März für alle Altersgruppen freigegeben. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt in den USA seit Wochen rapide. In Großbritannien, wo die Impfungen ähnlich schnell voranschreiten, sind Kreuzfahrten ab Mitte Mai wieder erlaubt.

Die deutlichen Forderungen der Asta und Clia kommen rund fünf Monate, nachdem die CDC das ursprüngliche Kreuzfahrtverbot („No Sailing Order“) Anfang November 2020 durch eine bedingte Erlaubnis („Conditional Sailing Order“) ersetzt hatte. Seitdem jedoch warten die Reedereien auf Ausführungsvorschriften, ohne die sie keinen Neustart von US-Häfen oder in US-amerikanischen Gewässern planen können.

Update: In einer öffentlichen Veranstaltung in Florida hat Gouverneur Ron DeSantis (R) am 26. März die CDC deutlich aufgefordert, zu handeln. Gemeinsam mit hochrangigen Vertretern mehrere Reedereien machte er deutlich, dass er auch bereit sei, den Rechtsweg zu gehen und die CDC zu verklagen. Mehrere Senatoren und Mitglieder des Repräsentantenhauses, darunter insbesondere einige aus Alaska, fordern am 25. März in einem Brief an Präsident Joe Biden ebenfalls ein schnelles und transparentes Handeln der CDC.

Reedereien weichen auf Häfen außerhalb der USA aus

Inzwischen haben in den vergangenen Tagen mehrere Reedereien bekannt gegeben, die CDC-Vorschriften zu umgehen, indem sie im Juni mit Kreuzfahrten von den Bahamas, Bermudas oder St. Maarten in der Karibik starten. Dort hat die CDC keinen Einfluss und die Basishäfen sind von den USA per Flugzeug relativ einfach zu erreichen. In den drei wichtigsten Kreuzfahrthäfen der Welt und für das Fahrtgebiet Karibik und Bahamas – Miami, Fort Lauderdale und Port Canaveral – steht dagegen auf absehbare Zeit alles weiter still.

Es sei eine Schande, dass die mangelnde Flexibilität der CDC die Kreuzfahrt an diesem Punkt gebracht habe, schreibt Zane Kerby, Präsident und CEO der Asta. Die Beschränkungen für die Kreuzfahrt seien insbesondere auch aufgrund der steigenden Impfzahlen in den USA nicht mehr zu rechtfertigen. Nahezu jede Form menschlicher Aktivität sei mit entsprechenden Hygienekonzepten inzwischen wieder freigegeben, von Restaurantbesuchen bis zu Flugreisen.

In der American Society of Travel Advisors (Asta) sind sowohl Reisebüros und Reisevermittler als auch Reiseveranstalter organisiert. Die Cruise Lines International Association (Clia) vertritt nahezu alle Kreuzfahrt-Reedereien weltweit.

Clia fordert Aufhebung der „Conditional Sailing Order“ für Juli

Auch die Clia fordert nun sehr deutlich die Aufhebung der Conditional Sailing Order, die offiziell noch bis Ende Oktober 2021 in Kraft ist. Bislang hatten die Clia und einzelne US-Reedereien lediglich auf eine rasche Veröffentlichung der „technical guidelines“, also der Ausführungsvorschriften für die bedingte Kreuzfahrterlaubnis gedrängt. Angesichts des fehlenden Fortschritts verlieren die Kreuzfahrt-Reedereien nun aber ganz offenbar die Geduld.

„Die veraltete Conditional Sailing Order, die vor fast fünf Monaten herausgegeben wurde, spiegelt weder die bewährten Fortschritte und den Erfolg der Branche in anderen Teilen der Welt noch die Einführung von Impfstoffen wider und behandelt Kreuzfahrt unfairerweise anders“, sagte Kelly Craighead, CEO der Clia. „Kreuzfahrtgesellschaften sollten genauso behandelt werden wie andere Reise-, Tourismus-, Gastgewerbe- und Unterhaltungsunternehmen.“

Kelly Craighead wies auf die begrenzte Wiederaufnahme der Kreuzfahrten in Europa, Asien und im Südpazifik hin, wo bis heute schon annähernd 400.000 Passagieren auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs gewesen seien. Auf diesen Kreuzfahrten seien Hygienekonzepte implementiert worden, die die Ausbreitung von Covid-19 effektiv eindämmten. Mit weniger als 50 gemeldeten Fällen sei das eine dramatisch niedrigere Rate als an Land oder bei jedem anderen Verkehrsmittel.

Wie sehr die Reedereien die Geduld mit der CDC verlieren, zeigt auch ein Statement von Richary Fain, Chairman and CEO der Royal Caribbean Group, am selben Tag. Für den Neustart seien vier Phasen vorgesehen, sagte er in Bezug auf die Conditional Sailing Order, aber nach viereinhalb Monaten sind wir immer noch in Phase eins und wir wissen immer noch nicht, was für Phase zwei erforderlich sein wird. (…) Das ist ziemlich unpraktikabel, für uns und die CDC.“

CDC verteidigt starre Haltung

Noch vergangene Woche hatte die CDC-Direktorin Rochelle Wallensky sich gegen die Forderungen der Senatorin Lisa Murkowsky aus Alaska verteidigte. Es sei nicht allein an der CDC, eine solche Entscheidung zu treffen, sagte sie. Die Tourismusbranche in Alaska ist vom Ausbleiben der Kreuzfahrtschiffe voraussichtlich schon in der zweiten Saison in Folge besonders hart von dem Kreuzfahrtverbot betroffen. Für Alaska spielt zusätzlich aber auch das Kreuzfahrtverbot in Kanada eine Rolle.

In einer Reaktion auf die Forderungen der Clia stellte die CDC klar, dass die Conditional Sailing Order in Kraft bleibe: „Am 30. Oktober 2020 hat die CDC das Framework for Conditional Sailing Order (CSO) erlassen, das bis zum 1. November 2021 in Kraft bleibt. Die Rückkehr zur Passagierschifffahrt erfolgt schrittweise, um das Risiko der Ausbreitung von Covid-19 zu mindern. Details für die nächste Phase der CSO werden derzeit behördenübergreifend geprüft.“

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1 Kommentar

1 Gedanke zu „Politiker, Reise- und Kreuzfahrt-Branche in den USA fordert sofortiges Ende des Kreuzfahrtverbots“

  1. Schon komisch, die USA und Großbritannien waren anfangs sehr stark betroffen von der Pandemie und nun sind es schon fast Vorbildländer (abgesehen von Israel). Und dass, obwohl in GB immer noch dieser Corona-Verharmloser Johnson in der Downing Street sitzt.

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