Harman-CTO Sanjay Dhawan, Samsung-SVP Hyesung Ha, MSC-Crusies-CEO Gianni Onorato und Chief Business Innovation Officer Luca Pronzati

Sprachassistentin „Zoe“ redet auf der MSC Bellissima mit den Passagieren

MSC wird auf der MSC Bellissima erstmals die virtuelle Sprachassistentin „Zoe“ einsetzen. Sie soll Passagiere dabei unterstützen, sich an Bord der Schiffe zurecht zu finden, rund 800 typische Fragen an Bord beantworten und beispielsweise auch bei der Reservierung von Restaurants oder Ausflügen helfen.

Allerdings steckt hinter Zoe deutlich mehr als nur programmierte Antworten auf häufig gestellte Fragen. Das System soll selbstlernend sein, andere Informationsquellen an Bord für den Passagier bündeln und einfach zugänglich machen. Damit entlastet es letztlich die Rezeption und bringt dem Passagier mehr Komfort. Außerdem lässt sich über die Lautsprecher von Zoe via Bluetooth-Verbindung eigene Musik vom Smartphone abspielen.

Erstmals kommt Zoe auf der MSC Bellissima ab 2. März 2019 zum Einsatz und dann auf allen kommenden Neubauten wie der MSC Grandiosa Ende 2019 und der MSC Virtuosa 2020.

Bei einem Event in London hat MSC die virtuelle Assistentin Zoe zusammen mit den technischen Kooperationspartnern Samsung und Harman jetzt vorgestellt, Details, Hintergründe und Zukunftspläne erläutert.

MSCs digitaler Sprachassistentin "Zoe"
MSCs digitaler Sprachassistentin „Zoe“

Cruisetricks.de war bei der Präsentation in der Kuppel des bekannten Hochhauses „The Gherkin“ des Stararchitekten Norman Foster in London dabei und hat sich das Zoe-System genauer angesehen.

Einen kleinen Vorgeschmack gibt das folgende Video von dem Event in London, bei dem MSC-Cruises CEO Gianni Onorato einige Fragen an Zoe stellte. Angemerkt sei, das Zoe live nur an Bord der Schiffe funktioniert, weil sie auf die Daten des Rechenzentrums des Schiffs zugreifen muss. Bei der Demo im Video handelt es sich laut MSC um vorher aufgezeichnete Antworten:

Bequemlichkeit für die Passagiere

Der interessanteste Aspekt von Zoe für die Passagiere ist – neben der technischen Faszination – der Komfort: Zoe beantwortet Fragen, ohne dass sich der Passagier Gedanken machen muss, wo er nach der Antwort suchen müsste. Sie soll die Komplexität der immer größeren Schiffe für den Passagier wieder einfacher machen.

Bei bisherigen Systemen muss man sich beispielsweise am TV-Gerät in der Kabine oder an Info-Displays im Treppenhaus durch diverse Menüs durchklicken in der Hoffnung, irgendwo die Informationen zu finden, die man sucht. Oder man stellt sich an der Rezeption an, um Antworten auf eigentlich triviale Fragen zu erhalten.

Zoe ist mit allen Informationsquellen an Bord verbunden, insbesondere mit den Daten aus dem Smart-TV in der Kabine. Stellt der Passagier beispielsweise eine Frage zum Ausflugsprogramm, zeigt Zoe die zugehörigen Informationen am Fernseher an – denn das Vorlesen der Liste der Ausflüge im nächsten Hafen wäre eher unpraktisch.

Auf ähnliche Weise assistiert Zoe bei Reservierungen für Restaurants oder Shows, die der letztlich über den Smart-TV vornimmt, mit Hilfe von Zoe aber bequem an die richtige Stelle im TV-Menü geleitet wird.

Zoe ist mit dem Informationssystem „MSC for me“ verbunden und holt sich von dort beispielsweise auch Wettervorhersagen, News und Ähnliches.

Datenschutz und Aus-Schalter

Kein Zugriff hat Zoe laut MSC übrigens auf sehr persönliche Daten der Passagiere. Zoe nutzt also beispielsweise keine Daten des „Family Finder“ – einem (kostenpflichtigen) System, mit dem man Familienmitglieder und Kinder an Bord lokalisieren kann. Bei der Frage „Okay, Zoe – wo ist meine Tochter gerade?“ würde Zoe also keine direkte Antwort geben können, den Passagiere aber mit dem „Family Finder“ verbinden, sofern dieser Dienst gebucht wurde.

Zoe wird auf der MSC Bellissima zwar in jeder Kabine präsent sein. Das Gerät hat aber sowohl einen Stumm- als auch einen Aus-Schalter. Gegebenenfalls lässt sich Zoe also auch komplett deaktivieren.

Warum heißt die Assistentin „Zoe“?

Es bleibt noch die Frage, warum die digitale Sprachassistentin von MSC den Namen „Zoe“ trägt. Dafür gibt es gibt offizielle und eine inoffizielle Version. Offiziell ist der Name das Ergebnis einer intensiven Suche nach einem kurzen, einprägsamen Namen, er noch nicht anderweitig belegt ist und als Vorname international nicht allzu häufig vorkommt.

Die inoffizielle Erklärung: MSC-CEO Pierfrancesco Vago ist verheiratet mit Alexa (!) Aponte-Vago – und deren Tochter heißt Zoe. Tatsächlich dürfte wohl eine Kombination aus beiden Varianten eine Rolle gespielt haben.

„Okay, Zoe“

Selbst über die Frage, wie man Zoe ansprechen sollte, war wohl nicht ganz einfach. Denn natürlich sollte das Aktivierungs-Wort in allen Sprachen geläufig sein, andererseits aber wiederum im normalen Sprachgebrauch nicht in Kombination mit einem Namen verwendet werden – für den Fall, dass doch auch einmal eine Passagierin den Namen „Zoe“ trägt.

Das Ergebnis: „Okay, Zoe“ – in der Annahme, dass wohl niemand auf die Idee käme, seine Frau, Freundin oder Bekannte im realen Leben mit „Okay, Zoe“ anzusprechen und damit die elektronische Sprachassistentin zu aktivieren.

Komplexe Technik im Hintergrund von Zoe

Wieviel Technik, Entwicklung und komplizierte Zusammenhänge hinter einer nach außen hin leichtfüßigen, unkomplizierten Sprachassistentin steckt, sieht man erst bei einem Blick auf die Details und Hintergründe.

Entwickelt wurde Zoe von der Samsung-Tochter Harman, die unter anderem bei der Sprachsteuerung in der Automobil-Industrie große Martkanteile hat und über entsprechend viel Erfahrung verfügt. Kooperationspartner bei Zoe ist aber auch Samsung selbst, um das Smart-TV-System und „MSC for me“ zu integrieren, das mit Samsung entwickelt wurde.

Zoe basiert demnach auf einer Eigenentwicklung speziell für den Einsatz auf Kreuzfahrtschiffen von MSC und ist keine Adaption von beispielsweise Apples Siri oder Amazons Echo/Alexa.

Zoe versteht sieben Sprachen und 30 Dialekte

Zoe soll in der Lage sein, sieben Sprachen (darunter auch Deutsch) zu verstehen und zu sprechen, wobei sie für jede der Sprachen sogar eine jeweils eigene, optimierte synthetische Stimme hat. Das soll sicherstellen, dass die Passagiere Zoe möglichst perfekt verstehen.

Franz Neumeier mit "Zoe"
Franz Neumeier mit „Zoe“

Damit Zoe umgekehrt auch die Passagiere möglichst gut versteht, wurde sie umfangreich trainiert: mit rund 2,2 Millionen verschiedenen Fragen und Formulierungen, außerdem mit Sprechern in 30 unterschiedlichen Dialekten. Allein für Deutsch wurden dabei sechs unterschiedliche Dialekte trainiert. Insofern kommt Zoe auch mit ganz unterschiedlicher Aussprache ihres eigenen Namens zurecht.

Getestet wurde Zoe laut Harman unter anderem auch mit unterschiedlichen Hintergrundgeräuschen, beispielsweise mit Meeresrauschen bei offener Balkontür, damit Zoe in jeder Situation zuverlässig versteht, was man von ihr will.

Quad-Core-Prozessor

Das kleine Gerät in der Kabine hat ordentlich Rechenleistung: Ein Quad-Core-Prozessor sorgt für Performance. Für optimales Sprachverständnis hat Harman gleich drei unterschiedliche Mikrofone eingebaut. Und via Soundmanagement soll die Lautstärke abhängig von der Kabinengröße so geregelt werden, dass die Passagiere Zoe gut verstehen, zugleich aber die Kabinen-Nachbarn nicht gestört werden.

„Künstliche Intelligenz“

Zoe soll selbstlernend sein: Kann sie eine Frage nicht beantworten, leitet sie die Frage an eine Stelle bei MSC weiter, die eine entsprechende Antwort findet und das System damit ständig weiter trainiert. MSC, Harman und Samsung verwenden dafür das Modewort „künstliche Intelligenz“. Technisch korrekt müsste man es wohl eher „Machine Learning“ nennen. Denn echte künstliche Intelligenz gibt es derzeit bestenfalls in wissenschaftlichen Experimenten. Das schmälert aber die Faszination von Zoe in keiner Weise.

Dezentrale Technik

Damit Zoe immer verfügbar und nicht von der Satelliten-Verbindung des Kreuzfahrtschiffs abhängig ist, steht die nötige IT-Infrastruktur lokal im Rechenzentrum jedes Schiffs. Zoe ist also kein Cloud-Dienst, sondern wird lokal gehostet. Nebenbei lässt sich Zoe laut MSC so auch besser auf die individuellen Gegebenheiten auf jedem der Schiffe anpassen und trainieren.

In der Zukunft soll Zoe noch mehr können

Über das, was Zoe bereits auf der MSC Bellissima kann, will MSC aber in der Zukunft noch weit hinaus gehen. An neuen Features arbeite man bereits gemeinsam mit Harman und Samsung.

CEO MSC Cruises Gianni Onorato und "Zoe"
CEO MSC Cruises Gianni Onorato und „Zoe“

Insgesamt arbeite man daran, die Features weiter zu personalisieren und mit den Möglichkeiten zu kombinieren, die sich aus Ortungssystemen an Bord ergeben. Die MSC-Neubauten seit der MSC Meraviglia sind mit einer großen Zahl an Sensoren ausgestattet, die personalisierte Leistungen via Gesichtserkennung und Ortung via GPS, WLAN, Bluetooth und NFC ermöglichen.

CEO Gianni Onorato nannte bei dem Event in London als Beispiel: Das System erkennt, dass ein Passagier bereits zum dritten Mal während einer Reise vor dem Schaufenster eines Shops verweilt – und könnte ihm daher zum Beispiel einen individuellen Rabatt-Coupon für diesen Shop auf Handy schicken.

Denkbar sei aber auch ein einfacher Weg, etwa Mängel in einer Kabine zu beheben. Der Passagier soll einfach Zoe Bescheid sagen können, wenn etwa die Glühbirne an der Nachttischlampe kaputt ist. Das ist deutlich bequemer, als sich auf die Suche nach dem Kabinensteward u machen, um ihn zu informieren, oder dafür an der Rezeption anzurufen.

Außerdem soll Zoe künftig auch als App auf das Smartphone der Passagiere kommen und auch den Besuchern der MSC-Website assistieren.

2 Kommentare zu “Sprachassistentin „Zoe“ redet auf der MSC Bellissima mit den Passagieren

  1. Das finde ich SUPER,da ich ein alter Kreuzfahrer bin und ein Handicap habe und nur noch 2 % sehe. Ich wünsche mir nur das die Entwickler die Barrierefreiheit für Personen mit Handicap (Sehen und Hören) in ihrem Konzept zu 100Prozent integrieren.
    Toll wäre auch ein mobiles Gadget das man Z.B. am Handgelenk trägt, das einen dann auf dem Schiff egal wo man sich gerade befindet Auskünfte per Sprache (Augen) und über ein Display (Ohren) gibt.

  2. @keule: Geplant ist, Zoe auch als Smartphone-App anzubieten, allerdings nicht jetzt gleich im ersten Schritt. Inwieweit Barrierefreiheit bei dem Konzept mit eingeplant ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht – werde ich bei nächster Gelegenheit bei MSC versuchen herauszufinden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.