Stundung bei Exportkrediten in Europa soll Kreuzfahrt-Reedereien und Werften stützen

Deutschland, Frankreich, Finnland, Italien und Norwegen gewähren Kreuzfahrt-Reedereien ein Jahr Aufschub bei der Schuldentilgung für Kreuzfahrtschiffneubauten, die mit staatlichen Exportkredit-Garantien abgesichert sind. Damit soll Liquiditätskrisen bei den Reedereien vorgebeugt und negative Auswirkungen für die europäischen Werften und deren Zulieferer vermieden werden.

Es bestehe die Gefahr, dass aufgrund fehlender Liquidität bei den Kreuzfahrt-Reedereien auch Schiffsbestellungen storniert und Neubau-Investitionen verschoben würden, schreibt das Bundeswirtschaftsministerium in einer Pressemitteilung. Allein Deutschland sichere aktuell Zahlungsverpflichtungen für Finanzierungen von in Deutschland gefertigten Kreuzfahrtschiffen in Höhe von rund 25 Milliarden Euro ab.

Insbesondere um das finanzielle Risiko beim Bau von Kreuzfahrtschiffen jeweils für die heimischen Werften und damit das Risiko von Arbeitsplatzverlusten zu begrenzen, werden Kredite für die Reedereien zur Finanzierung von neuen Schiffen über eine Kreditsicherung abgesichert. In Deutschland geschieht dies beispielsweise über Euler Hermes mit staatlichen Garantien. Die Tilgung dieser Kredite durch die Reedereien kann nun auf Antrag für ein Jahr ausgesetzt werden.

An dem Programm beteiligen sich alle europäischen Ländern mit einer größeren Werftindustrie, die im Kreuzfahrtschiffbau engagiert ist: Deutschland (u.a. Meyer Werft, Neptun-Werft, MV Werften), Frankreich (Chantiers de l‘Atlantique), Finnland (Meyer Turku), Italien (Fincantieri) und Norwegen (u.a. Vard, Kleven).

Ein Sprecher der Meyer Werft in Papenburg kommentiert: „Es hilft unseren Kunden sicher im gewissem Maße und ist ein richtiger erster Schritt, reicht aber bei weitem nicht aus, um den vollständigen Stillstand im Kreuzfahrtmarkt auszugleichen.“

Der Maritime Koordinator der Bundesregierung Norbert Brackmann erläutert: „Wir sorgen für eine Liquiditätsentlastung bei den Kreuzfahrtreedereien und stabilisieren damit in der aktuellen Krisensituation die langjährigen Geschäftsbeziehungen der europäischen Werften. Das war dringend notwendig, da das Kreuzfahrtgeschäft aufgrund der Corona-Pandemie fast vollständig zum Erliegen gekommen ist. Die ergriffenen Maßnahmen dienen so auch dem Schutz Tausender von Arbeitsplätzen in der europäischen Werftindustrie und zahlreichen Zulieferbetrieben. Zugleich reduzieren wir für den Bund das Risiko des Ausfalls der staatlich abgesicherten Schiffsfinanzierungen.“

Ein ausführliches Interview mit Norbert Brackmann finden Sie auf der Website der Kreuzfahrt-Zeitschrift „anBord“: Hilfe für Kreuzfahrtreedereien.

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