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New York

US-Kreuzfahrt macht Fortschritte, der Durchbruch ist aber noch nicht in Sicht – ein Update

Nach monatelangem Stillstand bewegt sich die US-Kreuzfahrt nun zumindest langsam auf einen Neustart zu. Zwar hält die Gesundheitsbehörde CDC weiter an ihren strikten Regeln der Conditional Sailing Order fest. Doch der Druck und die Kritik aus Politik und Wirtschaft wird lauter und schärfer. Wir geben einen Überblick zu den aktuellen Entwicklungen, Stand 18. April 2021.

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Für große Medienaufmerksamkeit sorgte die Klage des Bundesstaats Florida gegen die CDC und die US-Bundesregierung. Sie verlangt eine Aufhebung der Restriktionen für die Kreuzfahrt ab spätestens Juli 2021. (Update:) Alaska hat am 20. April ebenfalls Klage eingereicht. Die Erfolgsaussichten der Florida-Klage werden unterschiedlich eingeschätzt, in jedem Fall ist aber nicht mit einer kurzfristigen Entscheidung zu rechnen. Die Reedereien bräuchten jedoch ein möglichst baldiges Signal, weil die Vorbereitung der Schiffe für den Neustart bis zu drei Monate in Anspruch nimmt.

Der Klage vorausgegangen war eine Veröffentlichung der CDC mit neuen Details zur Conditional Sailing Order, die jedoch von der Kreuzfahrtbranche als enttäuschend und völlig unzureichend bezeichnet und als weitere Verzögerungstaktik verstanden wird. Eine höfliche, aber deutliche Aufforderung des CEOs von Norwegian Cruise Line Holdings, Frank Del Rio, an die Direktorin der CDC, Rochelle Walensky, die Kreuzfahrt ab 4. Juli 2021 für vollständig geimpfte Passagiere wieder zuzulassen, blieb nach Aussage von Del Rio auch zehn Tage später unbeantwortet.

Impfpflicht für Passagiere wird bei den meisten US-Reedereien vorerst zum Standard

Der Vorschlag von NCLH, unter welchen Bedingungen die Kreuzfahrt in dem so wichtigen Markt USA im Juli 2021 neu starten könnte, enthält insbesondere ein Bekenntnis zu einer strikten Impfpflicht für alle Passagiere an Bord der Schiffe von Norwegian Cruise Line, Oceania Cruises und Regent Seven Seas Cruises.

Die meisten anderen US-Reedereien haben ebenfalls bereits Impfpflichten für Passagiere auch auf Reisen ohne US-Häfen, etwa in der Karibik oder in Europa, angekündigt – allerdings nur für Erwachsene und nicht für Kinder, für die es bislang ja keine zugelassenen Impfstoffe gibt. Das gilt zumindest für den Start außerhalb der USA.

Ansonsten halten sich die Reedereien diese Entscheidung weiterhin offen. Jüngste Veröffentlichungen der CDC erwähnen Impfungen als wichtigen Bestandteil der Strategie zwar deutlich. Andererseits verbietet aber beispielsweise der Gouverneur von Florida ausdrücklich, das Unternehmen von ihren Kunden einen Impfnachweis verlangen (Exective Order 21-81 vom 2. April 2021 – PDF-Link).

Welche Reedereien bereits Impfpflichten angekündigt haben, finden Sie in unserer Übersicht „Regeln der Kreuzfahrt-Reedereien zur Corona-Impfung“. Insbesondere Carnival Cruise Line will sich derzeit noch nicht festlegen und wartet auf offizielle Regeln der CDC dazu.

Situation für Alaska bleibt für 2021 prekär

Der Bundesstaat Alaska erwägt inzwischen ebenfalls eine Klage gegen die CDC (Update: Am 20. April wurde die Klage tatsächlich eingereicht). Für Alaska ist die Lage allerdings verfahrener als in Florida: Während in Florida die Aufhebung oder Lockerung der Conditional Sailing Order für einen Neustart der Kreuzfahrt ausreichen würde, benötigt Alaska weitere Gesetzgebung des Kongresses in Washington. Denn neben dem faktischen Kreuzfahrtverbot der CDC kommt hier noch ein tatsächliches Kreuzfahrtverbot für kanadischen Häfen bis Februar 2022 hinzu.

Da Kreuzfahrten für größere Schiffe ohne Zwischenstopp in Kanada aber an einem aus dem Jahr 1886 stammenden Gesetz namens Passenger Vessel Service Acts (PVSA) scheitern, müsste der Kongress eine Ausnahmeregelung schaffen. Ein entsprechendes Gesetzgebungsverfahren läuft, der Ausgang ist aber ungewiss, weil der PVSA seit Jahrzehnten ein heftig umstrittenes Politikum darstellt.

Alaska – ebenso wie Neuengland – könnte als Kreuzfahrt-Destination 2021 also den wenigen Reedereien mit kleinen Schiffen unter US-Flagge und mit weniger als 250 Personen an Bord vorbehalten bleiben. Erste, kleine Schiffe fahren bereits wieder in US-Gewässern und am Mississippi River, weitere, insbesondere in Alaska sollen folgen.

Politiker-Forderungen und Gesetzgebungsverfahren für Kreuzfahrt-Neubeginn

Hatten sich Politiker vor allem aus Alaska und Florida zunächst nur lautstark zu Wort gemeldet, gibt es inzwischen eine Gesetzesinitiative sowohl im US-Senat als auch im Repräsentantenhaus, die eine Aufhebung der Conditional Sailing Order (CSO) vorsehen. Republikanische Senatoren aus Alaska und Florida sowie eine republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus haben den „Careful Resumption Under Improved Safety Enhancements (Cruise) Act“ im Senat eingebracht, der eine Ablösung der CSO durch pragmatische Regeln und Maßnahmen zur Risikominimierung für einen Kreuzfahrt-Neustart zum 4. Juli 2021 verlangt. Im September 2020 war eine Gesetzesinitiative namens „Set Sail Safely Act“ noch erfolglos geblieben, die ebenfalls von republikanischen Senatoren eingebracht worden war.

Aber es gibt auch Gegenstimmen aus der Politik: Die Abgeordnete Doris Matsui (Demokratin aus Kalifornien) und der Senator Richard Blumenthal  (Demokrat aus Conneticut) forderten kürzlich die CDC-Direktorin Walensky dazu auf, strikt an der Conditional Sailing Order festzuhalten und  Kreuzfahrten gegebenenfalls auch sofort wieder zu stoppen, sollte es an Bord zu Covid-19-Ausbrüchen kommen.

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Kleine Schritte des Entgegenkommens bei der CDC

Von der CDC gibt es derweil keine Signale, die darauf hindeuten könnten, dass die Gesundheitsbehörde ihre grundsätzliche Haltung aufgeben könnte. Politiker und die Kreuzfahrtbranche fordern eine komplette Aufgabe der Conditional Sailing Order, weil das Konzept veraltet sei und nicht mehr zur aktuellen Situation mit einer in den USA inzwischen schon relativ hohen Impfquote und neuen, wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Covid-19 passe.

Anpassungen sind bei den CDC-Regeln aber nur in sehr kleinen Schritten erkennbar. Als positives Signal deuten US-Medien bereits Details wie etwa, dass die CDC nun nicht mehr verlangt, dass Terminalgebäude nach jeder Nutzung zunächst zwölf Stunden leer stehen müssen, bevor das nächste Kreuzfahrtschiff abgefertigt werden darf. Das bedeutet immerhin, dass Kreuzfahrtschiffe am selben Terminal und am selben Tag sowohl Passagiere der vorhergehenden Kreuzfahrt ausschiffen als auch neue Passagiere einschiffen könnten – vorausgesetzt, sie dürften überhaupt erst einmal wieder fahren.

Kreuzfahrten: Höchste Risikostufe 4 der CDC
Kreuzfahrten: Höchste Risikostufe 4 der CDC

Bei ihren Reisewarnungen stuft die CDC Kreuzfahrten unabhängig von Impfungen weiterhin in die höchste Risikostufe Level 4 ein, während sie allgemeines Reisen insbesondere für Geimpfte innerhalb der USA als „sicher“ einstuft, international immerhin mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen für vertretbar hält.

Evakuierung von St. Vincent per Schiff, aber mit CDC-Warnung

Evakuierungsnotiz der US-Botschaft auf Barbados
Evakuierungsnotiz der US-Botschaft auf Barbados

Die Haltung de CDC gegenüber der Kreuzfahrt hat in der vergangenen Woche auch zu einer reichlich skurrilen Situation geführt: Nach dem Ausbruch des Vulkans La Soufriere auf der Karibik-Insel St. Vincent waren Kreuzfahrtschiffe dorthin gefahren, um bei der Evakuierung zu unterstützen.

Die für St. Vincent zuständige US-Botschaft auf der Nachbarinsel Barbados gab einen „Natural Disaster Alert“ heraus und wies auf die Gelegenheit zur Evakuierung für US-Bürger auf St. Vincent mit der Celebrity Reflection nach St. Maarten hin…

… nicht ohne in derselben Notiz die Warnung der CDC vor Kreuzfahrtschiffen zu wiederholen: „Die CDC rät von Reisen auf Kreuzfahrtschiffen ab.“

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