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Welche Kabinen Sie auf einem Kreuzfahrtschiff meiden sollten …

Balkonkabinen auf einem Kreuzfahrtschiff

Auf Kreuzfahrtschiffen sind wirklich schlechte Kabinen die seltene Ausnahme – anders als in Hotels, wo man auch mal großes Pech haben kann. Wir zeigen, worauf Sie bei der Buchung achten und welche Kabinen Sie besser meiden sollten.

Der Vorteil bei einer Kreuzfahrt ist, dass die Reedereien detaillierte Kabinen- und Deckpläne bereitstellen. Die Katalogen enthalten den Grundriss und Fotos jeder Kabinen-Kategorie. Und bei der Buchung wählen Sie in der Regel eine ganz konkrete Kabinennummer aus. Nur, wer eine Glückskabine oder den günstigsten Tarif ohne konkrete Kabinen-Reservierung bucht, muss sich von der Lage der Kabinen überraschen lassen.

Die meisten potenziellen Probleme einer Kabine lassen sich anhand der Deckpläne gut erkennen: Aufzüge und Treppenhäuser, öffentliche Bereiche und Wirtschaftsräume sowie ungünstig gelegene Balkone. In unserem Beitrag „Kabinen-Wahl: Innen, Außen, Balkon oder Suite?“ finden Sie übrigens weiter gehende Tipps zur Frage, ob Innen-, Außen-, Balkon-Kabine oder Suite, Kabinen für Familien und Alleinreisende.

1. ungünstig gelegene Balkone

Als besonders tückisch kann sich der Balkon einer Kabine erweisen. Prüfen Sie vor allem auf höheren Decks, ob die zwei bis drei darüber liegende Decks über Ihren Balkon hinaus ragen und Sie damit weder einen Blick nach oben in den Himmel haben, noch besonders viel Sonne abbekommen. Fotos des jeweiligen Schiff helfen ebenfalls herauszufinden, ob der Balkon einer Kabine womöglich unter einem weit überhängenden Deck verschwindet. In besonders warmen Fahrtgebieten wie der Karibik kann dieser Schatten allerdings durchaus ein Vorteil sein.

Das überhängende Deck beeinträchtigt den Blick von den obersten Balkonkabinen

Nicht alle Balkone sind vor fremden Blicken geschützt. Auf vielen Schiffen verläuft die Front der Balkone nicht gerade, sondern hat Ausbuchtungen. Jeweils an den Übergängen haben die Balkone schräg verlaufende Brüstungen und sind von außen daher besonders gut einsehbar. Aber auch die nach innen versetzten, gerade verlaufenden Balkonfronten bieten zumindest von den schräg liegenden Balkonen aus einen gewissen Einblick.

seitliche Einblicke sind bei diesen Balkonen unvermeidlich

Und natürlich sind die Balkone auf den Schiffen der Oasis-Class von Royal Caribbean International, die am Boardwalk und Central Park liegen, vom Pooldeck und den gegenüber liegenden Kabinen aus sehr gut einsehbar.

Boardwalk-Balkon auf der Oasis of the Seas: Frühstück in aller Öffentlichkeit …

Außerdem gibt es auf tiefer gelegenen Decks inzwischen oft Kabinen mit sehr großen, privaten Außenflächen (beispielsweise MSC Seaside, Norwegian Epic oder Carnival Vista), bei denen der Balkon weiter hinaus reicht als die Balkone der darüber liegenden Kabinen. Von oben haben andere Passagiere dann freien Blick zumindest auf einen Teil Ihres Balkons.

große, private Terrasse, aber freier Einblick von oben

Oft nicht gänzlich vor fremden Blicken geschützt sind auch Balkone zum Heck und zum Bug des Schiffs hin, wo die Balkone nach unten hin stufenweise immer weiter nach außen versetzt sind.

abgestufte Balkon-Kabinen am Heck

Und prüfen Sie anhand von Schiffsfotos, welche Art von Balkonbrüstung Ihre Kabine hat. Selbst wenn die meisten Balkone auf moderneren Schiffen verglast sind, sind die Balkone ganz vorne und auf niedrigeren Decks oft mit einer stabileren Stahlbrüstung versehen. Vom Liegestuhl aus haben Sie dann keinen freien Blick aus Meer …

Balkonbrüstung aus Stahl statt Glas

2. eingeschränkt nutzbare Balkone

So schön ein Balkon nach vorne oder auch zum Heck hin auf den ersten Blick erscheint: Überlegen Sie genau, ob Sie eine solche Balkonkabine tatsächlich buchen möchten – zumal diese Kabinen meist sogar deutlich teurer sind als vergleichbare zur Seite. Vor allem bei älteren Schiffen fällt je nach Wind und Wetterlage oft der Ruß des Schornsteins in mehr oder weniger großen Stücken auf die Heck-Balkone – das gilt vor allem dann, wenn die Balkone stufenweise angeordnet sind. Erkundigen Sie sich bei solchen Kabinen am besten vor der Buchung genau, ob das jeweilige Schiff ein solches Rußproblem hat.

Balkone nach vorne

Balkone nach vorne bieten zwar eine herrliche Aussicht. Der Fahrtwind kann es aber auch unmöglich machen, den Balkon während der Fahrt zu betreten. 16 bis 21 Knoten Fahrtgeschwindigkeit des Schiffs (circa 30 bis 40 km/h) plus eventuell herrschender Wind können sehr unangenehm werden.

Für Nichtraucher relevant: Schließt an den Balkon seitlich ein öffentliches Deck an, wie das beispielsweise bei der AIDAprima und AIDAperla auf Deck 16 bei einigen Kabinen der Fall ist, dann könnte sich dort eine beliebte Raucher-Ecke befinden – und der Rauch zieht zu den nahe gelegenen Balkonen weiter. Schlafen bei offenem Fenster oder gar die ungestörte Nutzung des Balkons sind damit stark eingeschränkt. Allerdings kann einem das auch auf jedem beliebigen Schiff in jeder beliebigen Balkonkabine passieren, wenn der Kabinennachbar unerlaubterweise auf seinem Balkon raucht.

3. Kabinen unter öffentlichen Bereichen

Relativ laut kann es in Kabinen werden, die direkt unter einem öffentlichen Bereich, einem Restaurant oder einer Galley (Küche) des Schiffs liegen. So beginnt die Crew beispielsweise in den Restaurants bereits früh morgens mit den Vorbereitungen. Da rattert dann schonmal um 5 Uhr früh ein schwerer Geschirrwagen über den Fliesenboden – wer seine Kabine direkt darunter hat, wird kaum noch gut schlafen können. Ähnliches gilt für Kabinen, die nahe der Disko oder über dem Theater liegen, unter der Joggingbahn oder dem Basketballplatz und an ähnlichen Stellen. Auch das Aufbauen der Liegestühle am Pooldeck früh morgens kann sehr unangenehm sein, wenn die eigene Kabine direkt darunter liegt.

Wer hier drunter wohnt, hat zumindest tagsüber wenig Ruhe

Galleys, in denen es auch zu nachtschlafenden Zeiten laut zugehen kann, erkennt man auf den Deckplänen an weißen Flächen nahe der Restaurants – also überall dort, wo keine Passagier-Bereiche eingezeichnet sind. Aber keine Panik: Längst nicht in allen weißen Bereiche auf dem Deckplan entstehen automatisch auch laute Geräusche.

4. Kabinen nahe des Treppenhauses und der Aufzüge

Von Schiff zu Schiff sehr unterschiedlich ist die Schallisolierung der Kabinen und Kabinentüren. Eine Kabine nahe an den Aufzügen und zum Treppenhaus kann wegen der kürzeren Laufwege durchaus sehr attraktiv sein – wenn man weiß, dass die Kabinen gut schallisoliert sind. Auf den Oasis-Class -Schiffen von RCI beispielsweise hört man selbst in den Kabinen, die weniger als zehn Meter vom Dazzles Nightclub entfernt liegen, kaum etwas von der Musik und spät heimkehrenden Nachtschwärmern.

die Nähe zum Treppenhaus hat Vorteile, kann aber auch unangenehm sein

Wer sich unsicher ist oder weiß, dass die Kabinen auf einem Schiff eher hellhörig sind, vermeidet dagegen Kabinen im Umfeld der Aufzüge und Treppenhäuser. Denn dort ist immer viel Publikumsverkehr. Immer wieder kommt es vor, dass eine Gruppe reichlich angetrunkener Passagiere erst um 2 Uhr morgens lachend und lärmend den Weg zu ihrer Kabine sucht. Je weiter man vom Treppenaus entfernt ist, desto geringer ist das Risiko, auf diese Weise geweckt zu werden.

Problematisch, aber vorher oft kaum feststellbar, sind laut schlagende Türen insbesondere am Pool- und Promenadendeck, die zu den öffentlichen Außenbereichen des Schiffs führen. Bei Kabinen am Promenadendeck insbesondere auf kleineren Schiffen sollte man daher darauf achten, erst die dritte oder vierte Kabine in Kabinengängen zu buchen, die an solche Außentüren angrenzen, wenn man auf Nummer sicher gehen will.

Türen aus den Kabinengängen auf öffentliche Decks

Manche Schiffe haben ein außen liegendes Treppenhaus am Heck des Schiffs – und eine Tür dort hinaus von jedem Kabinengang aus. Das ist beispielsweise auf den meisten Schiffen von MSC, beispielsweise der MSC Fantasia, sowie der R-Class von Holland America Line wie etwa der Zaandam so. So wunderbar es ist, dort schnell an die frische Luft zu gelangen, so laut kann doch das Schlagen der Türe dort recht störend sein.

5. Kabinen mit Verbindungstür zur Nachbarkabine

Eine Verbindungstür zur Nachbarkabine ist tendenziell schlechter schallisoliert als eine solide Wand. So praktisch Verbindungstüren sind, wenn man als größere Familie benachbarte Kabinen bucht: Wohnt nebenan jemand, der gerne mal spät in der Nacht fern sieht, sich lautstark unterhält oder gar einen handfesten Ehestreit vom Zaun bricht, dann ist man in einer Kabine mit Verbindungstür im Nachteil.

Verbindungstür zur Nachbarkabine

Verbindungstüren sind typischerweise auf den Deckplänen der Schiffe eingezeichnet, sodass man sie gezielt meiden kann.

6. lange Gänge, lange Laufwege

Achten Sie vor allem auf sehr großen Schiffen auf die Entfernung zu Treppenhäusern und zu Orten an Bord, die Sie häufig aufsuchen: Restaurants, Theater, Pooldeck. Auf den Schiffen der Quantum-Class von Royal Caribbean International liegt das hinterste Treppenhaus beispielsweise relativ weit vorne.

lange Gänge, lange Laufwege

Haben Sie einen der hintersten Kabinen, ist es dort zwar sehr ruhig. Zugleich aber ist auch der Laufweg im Kabinengang sehr weit, bevor Sie die öffentlichen Bereiche des Schiffs erreichen.

7. Kabinen in der Nähe der Ankerkette oder der Bugstrahlruder

Ankerkette und Bugstrahlruder sind vor allem für Langschläfer ein Grund, sich lieber eine Kabine weit davon entfernt auszusuchen. Die Vibrationen des Bugstrahlruders spürt man typischerweise auf allen Decks im vorderen Drittel des Schiffs. Das ratternde Geräusch der Ankerkette ist je nach Schiffsgröße vor allem auf den unteren Decks im vorderen Teil des Schiffs besonders laut zu hören. Auf kleineren, älteren Schiffen können außerdem die Vibrationen der Schiffsschraube am Heck störend sein.

Lärmquellen beim An- und Ablegen: Anker und Bugstrahlruder

Der Anker wird geworfen, wenn das Schiff nicht an einer Pier anlegt, sondern die Passagiere mit Tenderbooten an Land gebracht werden. Viele moderne Schiffe haben inzwischen aber ein automatisches Positionshaltesystem, sodass der Anker hier eher selten benutzt wird.

Gehen Sie davon aus, dass Sie vom Lärm der Ankerkette oder dem Bugstrahlruder gegebenenfalls bis zu einer Stunde vor der im Tagesprogramm ausgeschriebenen Ankunftszeit in einem Hafen geweckt werden. Im Ausschiffungshafen kommt das Kreuzfahrtschiff oft noch deutlich früher an und benutzt das Bugstrahlruder beim Anlegen.

8. Kabinen auf unteren Decks

Eigentlich sprich viel für Kabinen auf unteren Decks: Sie sind meist günstiger und wer leicht seekrank wird, ist in der Mitte des Schiffs möglichst weit unten ohnehin gut aufgehoben. Dafür ist der Weg insbesondere zum Pooldeck weiter als von Kabinen auf höheren Decks.

Ein wenig unangenehm können Kabinen auf den unteren Decks sein, wenn sie in der Nähe der Ausgänge des Schiffs gelegen sind. Dann nämlich marschieren zahlreiche Passagiere auf dem Weg um Ausgang an Ihrer Kabine vorbei oder stauen sich in den Kabinengang hinein. Der Weg zum Treppenhaus und damit zu Frühstück kann da schonmal versperrt sein.

Tipp: Wunschkabine möglichst früh buchen

Weil vor allem erfahrene Kreuzfahrer all diese Aspekte natürlich kennen – oft aus eigener Erfahrung – empfiehlt es sich, möglichst früh zu buchen, um noch eine große Auswahl an Kabinen zu haben. Vor allem auf älteren, kleineren Schiffen sollte man die Kabine mit Bedacht wählen. Denn die Kabine an Bord noch zu wechseln, wenn man Probleme feststellt, ist oft nicht möglich. Selbst wenn die Reederei guten Willen und Verständnis zeigt – was oft der Fall ist, wenn man sein Problem an der Rezeption freundlich vorträgt: Wenn das Schiff ausgebucht ist, stehen eben keine Alternativ-Kabinen zur Verfügung.

Hatten Sie schon einmal eine richtig schlechte Kabine auf einem Kreuzfahrtschiff? Oder haben Sie weitere Tipps, worauf man achten sollte? Wir freuen uns über Kommentare!