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Zaandam (Archivbild)

Zwischen Fassungslosigkeit und Hoffnung: Persönliche Gedanken zu Kreuzfahrtschiff-Irrfahrten und Menschlichkeit in schweren Zeiten

Während die Kreuzfahrtwelt weitgehend mit ihrem Stillstand beschäftigt ist und Kreuzfahrtbuchungen rückabwickelt, spielen sich auf den verbleibenden, zwangsweise noch fahrenden Schiffen, kleinere und größere Dramen ab. Erschütternde Szenen, wie ich sie mir in einer zivilisierten, aufgeklärten Welt des 21. Jahrhunderts eigentlich nicht mehr vorstellen wollte.

Der aktuelle Stillstand gibt mir am Rande des weltumfassenden Coronavirus-Wahnsinns die Ruhe, meine ganz persönlichen Gedanken aufzuschreiben und mich mit Errungenschaften unserer Zivilisation zu beschäftigen, die sich gerade in Luft aufzulösen scheinen. Aber es gibt auch Raum für Hoffnung …

Das Verhältnis zwischen Reedereien, Ländern und Häfen erinnert mich gerade an das Chaos auf einem sinkenden Schiff in einem Katastrophenfilm: (Fast) jeder ist sich selbst der nächste, schubst lieber andere über die Reling als eine vielversprechende Position nahe dem Rettungsboot aufzugeben. Die Band spielt ein Lied von Solidarität und Zusammenhalt, aber kaum einer hört noch hin. Und ein paar wenige wachsen über sich hinaus und tun das Richtige. Das sind zumeist solche, von denen man es am wenigsten erwartet hätte. Sie helfen, unterstützen und zeigen wahre Menschlichkeit.

Können wir danach eigentlich „weitermachen wie bisher“?

Der Chef einer großen Kreuzfahrtreederei hat gerade einen Blogbeitrag veröffentlicht, der sich am besten mit „erschütternd“ und „aufrüttelnd“ beschreiben lässt. So etwas ist außergewöhnlich für jemanden in dieser Position in einer von Marketing-Blabla geprägten Hochglanzwelt.

Der Blogbeitrag zwingt einen fast schon dazu, darüber nachzudenken, ob es nach der Coronakrise wirklich ein lapidares „Weitermachen wie bisher“ geben darf. Oder ob wir unser Selbstverständnis hinterfragen und ein paar ganz entscheidende Dinge in unserer Gesellschaft ändern sollten.

Orlando Ashford (Bild: Holland America Line)
Orlando Ashford (Bild: Holland America Line)

Orland Ashford ist President von Holland America Line. Unter anderem formuliert er in dem Blog-Beitrag: „Die Situation mit Covid-19 ist eine der schwierigsten Prüfungen für die Mitmenschlichkeit. (…) Menschen die Tür vor der Nase zuzuschlagen, verrät unsere tiefsten, menschlichen Werte.“

Was er damit mein, beschreibt er in dem Blog-Betrag ausführlich: Länder, die sich mehrfach weigern, Rettungshubschrauber zu schicken, um einen lebensbedrohlich erkrankten Passagier von der Zaandam auszufliegen. Länder, die sich weigern, mutmaßlich gesunde Passagiere einfach nur von Bord eines Schiffs gehen zu lassen, damit sie nach Hause fliegen können.

Das „nicht mein Problem“-Syndrom

„Wie haben es mit einem ‚nicht mein Problem‘-Syndrom zu tun“, schreibt Ashford. „Die internationale Gemeinschaft, die angesichts menschlichen Leids stets großzügig und hilfsbereit war, verschloss sich vor der Zaandam und überließ sie sich selbst.“ Schon zu einem Zeitpunkt, zu dem es auf der Zaandam noch keine Covid-19-Fälle gab, habe Peru dicht gemacht, ebenso Argentinien und die übrigen Häfen in Südamerika.

Die Zaandam in Haines, Alaska
Die Zaandam in Haines, Alaska (Archiv)

„Wiederholte Bitten um humanitäre Überlegungen wurden abgelehnt. Am 22. März (…) begannen einige Gäste und die Besatzung von grippeähnlichen Symptomen zu berichten. Trotz unzähliger, verzweifelter Bitten in den folgenden Tagen wurde uns verboten, schwerkranke Patienten in Krankenhäuser an Land zu bringen“, schreibt Ashford weiter.

Die Situation auf der Zaandam ist besonders dramatisch – schon weil an Bord vier Tote zu beklagen sind. Aber Holland America Line ist nur eine von vielen Reedereien, die von rigorosen Hafenschließungen, feindseliger bis kriegerischer Rhetorik lokaler Politiker und nationalistisch-egoistischem Verhalten von Ländern und Hafenbehörden betroffen sind.

Australische Navy gegen Kreuzfahrtschiffe?

In Australien beispielsweise erwog der Premierminister von Western Australia öffentlich, die Artania mit Militärgewalt aus dem Hafen von Fremantle bei Perth zu vertreiben, die dort mit Covid-19-infizierten Passagieren vor Anker lag. Hätte er die Befehlsgewalt über die Navy gehabt, hätte er es vermutlich auch getan. Und damit möglicherweise viele ältere Menschen in den Tod geschickt. Denn während einer längeren Schiffsreise über den Ocean hätten sie keine adäquate medizinische Hilfe bekommen können. Aus vorgeblicher Sorge, es könnte vielleicht, eventuell jemand an Land infiziert werden, hätte dieser Mann sehenden Auges Menschen in den Tod geschickt. Ein besonders drastischer Fall des „not my problem“-Syndroms.

In Fort Lauderdale – bislang noch einer der wenigen offenen Häfen für Kreuzfahrtschiffe – wird öffentlich und unter Beteiligung des Gouverneurs von Florida (ein Republikaner) dagegen gewettert, dass kranke Passagiere der Zaandam den Einheimischen in Südflorida Krankenhausbetten wegnehmen könnten. Das Schiff solle doch lieber woanders hinfahren. Man wolle nicht, dass Covid-19-Kranke hier abgeladen werden (wörtlich: „dumped“), die „noch nicht einmal in Florida zuhause“ seien.

Im Hafen von Civitavecchia sitzen Passagiere tagelang fest, unter anderem auf der Costa Victoria – wohlgemerkt einem Schiff unter italienischer Flagge. Der Bürgermeister der Stadt will am liebsten überhaupt niemanden an Land lassen. Der Erste Offizier der Costa Victoria, Massimo Castiello, wendet sich mit einem emotionalen Appell per Video an die Öffentlichkeit und bittet inständig darum, die Menschen doch von Bord seines Schiffes zu lassen: „Wir wollen nach Hause zu unseren Lieben gehen, aber der Staat lässt uns mitten im Meer zurück.“

Die französischen Behörden lassen in Marseille im Wesentlichen nur französische Staatsbürger von Bord der Costa Luminosa und Costa Pacifica. Nach dem „not my problem“-Prinzip schicken sie die Schiffe mit den Passagieren aus anderen Nationen weiter ins Ungewisse. Die Ausschiffung gelingt mit viel Mühe und Überzeugungsarbeit von Costa schließlich in Savona beziehungsweise in Genua und Civitavecchia.

Kuba und Panama zeigen Menschlichkeit

Dagegen öffnet sich das so vielfach geschmähte, kommunistische Kuba wie selbstverständlich für ein regelrecht mit dem Coronavirus verseuchtes Kreuzfahrt. Die Passagiere der Braemar durften dort am 19. März ausschiffen und nach Großbritannien nach Hause fliegen. Kuba schickt auch Ärzte nach Italien, um zu helfen. Und Kuba ist eine der wenigen Hoffnungen für Crew, die an Bord von Schiffen festsitzt, um vielleicht doch in absehbarer Zeit nach Hause zu ihrer Familie zu kommen.

Das ist humanitäres Handeln, unabhängig davon, welche Motivation man der kubanischen Regierung dabei unterstellen möchte.

Panama hebt aus humanitären Gründen seine Regeln für die Durchfahrt durch den Panamakanal auf und erlaubt der Zaandam die Reise – obwohl Covid-19-infizierte Passagiere an Bord sind. Solche Schiffe dürfen den Panamakanal derzeit eigentlich nicht passieren, weil physische Kontakte zwischen Schleusenmitarbeitern und Schiffsbesatzung nicht zu vermeiden ist.

„Aus diesem Anlass heraus hoffe ich, dass wir alle dem Beispiel unserer panamaischen Freunde folgen und unseren Nachbarn helfen werden“, schreibt Orlando Ashford m Schlusssatz seines Blogbeitrags. Dem ist in seiner Schlichtheit und zugleich großen Tragweite kaum etwas hinzuzufügen.

Zerbrechende Freundschaften

Ein Insider der Kreuzfahrt-Branche berichtete Cruisetricks.de vergangene Woche in einem vertraulichen Gespräch: „Da zerbrechen gerade Freundschaften. Und es entstehen neue.“

Aber es geht um viel mehr als um Freundschaften oder geschäftliche Partnerschaften zwischen Reedereien und Häfen. Es geht um die Frage, auf wen man sich in Notsituationen verlassen kann. Die traurige Erkenntnis dabei lautet: Fast alle ducken sich weg und machen die Schotten dicht, wenn es auch nur annähernd brenzlig wird.

Nicht mehr Vernunft und Verstand, auch keine Menschlichkeit und nicht einmal mehr Lebensgefahr für Menschen spielt dann eine Rolle. Stattdessen ziehen sich Behörden auf das strikte Befolgen von Anweisungen zurück, egal wie wenig sinnvoll und zielführend sie im Einzelfall sind.

Richtig schändlich aber: Politiker gehen buchstäblich über Leichen, um aus der Coronakrise ihren eigenen Vorteil zu ziehen. Sie wollen am Ende als der Held dastehen, der sein Land oder seine Region heroisch gegen den virenversuchten Feind verteidigt hat. Das ist übrigens derselbe „Feind“, dem man auf der letzten Reisemesse in Berlin noch Honig ums Maul geschmiert hat, um den Tourismus anzukurbeln.

Was wir ändern sollten – sofort, nicht erst nach der Coronakrise

So schrecklich die Coronavirus-Krise ist und so schlimm sie vielleicht noch wird – ich habe Hoffnung, dass sie uns hilft, ein paar Dinge in unserer Gesellschaft zu verändern, vielleicht sogar übergreifend weltweit.

Ein italienischer Passagier sollte in Australien nicht weniger wert sein als zu Hause in Italien. Das Leben eines Deutschen in Peru darf nicht weniger bedeuten als das eines Peruaners in Lima. Ein Kellner aus den Philippinen ist ein genauso wertvoller Mensch wie ein brasilianischer Koch auf einem Schiff unter Bahamas-Flagge vor der Küste der USA. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob ein Crew-Mitglied oder ein Passagier auf einem Kreuzfahrtschiff aus Indonesien, Brasilien oder Deutschland stammt – er will nach Hause zu seiner Familie und hat alles Recht darauf. Es ist unmenschlich, ihm das zu verweigern. Und es ist aberwitzig, einem Schwerkranken die nötige Hilfe zu verweigern, obwohl man sie leisten könnte.

Fangen wir endlich wieder an, in der Kategorie „Menschen“ zu denken, statt in Nationalitäten, Hautfarben oder Risikogruppen. Menschen sind immer gleich wertvoll, egal wo sie herkommen und wie krank sie vielleicht gerade sind. Wenn wir auch nur das aus der Coronavirus-Krise lernen, wäre schon enorm viel gewonnen.

24 Kommentare

24 Gedanken zu „Zwischen Fassungslosigkeit und Hoffnung: Persönliche Gedanken zu Kreuzfahrtschiff-Irrfahrten und Menschlichkeit in schweren Zeiten“

  1. Danke für die ausgezeichnete Reflexion!
    Diese so wichtigen Gedanken, die weit über Kreuzfahrten hinausgehen sollten, sollten sehr viele Menschen lesen, damit sie in der Gesellschaft nachhaltig lebendig werden können.
    Volker Zuber, Fürth

  2. Alle Achtung Herr Neumeier,
    sehr tiefgreifende und wahre Worte. Ich bin sehr überwältigt, da es ganz unverblümt die Wahrheit widerspiegelt, die sich bei den letzten Schiffen im Moment gerade abspielt.
    Diese Krise wird die Welt verändern, teils positiv und aber leider auch in vielen Dingen negativ. Es öffnet uns allen mal wieder die Augen und zeigt uns, wie instabil unsere heile und von Luxus und Eitelkeiten verwöhne Welt, innerhalb von ein paar Wochen werden kann. Ich wache jeden Tag auf und würde mich freuen, wenn die Regierung verkünden würde, das Planspiel “Corona“ ist beendet, es geht nun erst mal normal weiter, bis die Erkenntnisse der Großübung auf der Welt umgesetzt werden.

    Danke Herr Neumeier

  3. Hallo,
    danke für den Beitrag.

    Die Frage die ich mir im Fall der Zaandam stelle ist, warum Carnival als Eigentümerin von Holland America nicht eingreift. Carnival ist milliardenschwer. In den USA bedeutet das, dass man sich ein Heer der besten Anwälte leisten kann. Warum hat Carnival die sich quer stellenden Lokalfürsten und Behörden in Florida nicht mit Klagen überzogen? Noch etwas kann man sich mit Geld in den USA kaufen, die öffentliche Meinung. Wo ist die PR-Kampagne von Carnival zur Unterstützung der Passagiere der Zaandam?

    Ich glaube „Freundschaften“ war schon das richtige Stichwort. Allerdings Freundschaften die man mit Blick auf zukünftige Geschäfte nicht weiter beschädigen möchte.

  4. @Jan: Das braucht’s glaube ich nicht unbedingt Carnival, um sich zu wehren. Holland America Line ist auch für sich schon ziemlich groß. Der Punkt ist aber: Bellende Hunde soll man erst einmal bellen lassen. Wie man jetzt sieht, beruhigt sich das ja auch schnell wieder und jetzt gibt’s halt einen Auflagen-Katalog, den die Zaandam erfüllen muss, bevor sie einlaufen darf (und der ist durchaus sinnvoll, wenn auch vielleicht etwas übertrieben penibel, aber machbar). Das Problem bei Klagen ist: Es dauert und man schlägt alle Türen für schnelle Verhandlungslösungen und Kompromisse zu. Zeit ist aber das, was HAL in der Situation am wenigsten hat. Also ist da eine schnelle Lösung auf informellen Kanälen viel erfolgversprechender als große, offizielle Kanonen aufzufahren ;-)

  5. Sehr gut zu Papier gebracht, Franz. Die Gedanken, die man sich momentan machen muss, sind leider oft äußerst erschreckend.
    Menschlichkeit wird total vergessen, wird verdrängt. Aber auch wie viel man im Fall von Florida mit den Kreuzfahrtschiffen verdient. Trotzdem ist dieser Gouverneur nicht bereit zu helfen.
    Die Passagiere der Zaandam sind so verzweifelt und hoffentlich gibt es bald eine gute Lösung für alle.

    Ich weiß auch nicht, wie das alles nach der Corona Pandemie weiter gehen soll. Und die angeblich so klugen Köpfe glaube ich erst recht nicht.

  6. Auch finde das wir hier einen sehr guten Beitrag gelesen haben. Wir sollten das aber auch nicht vergessen und uns in Zukunft bei unseren Fahrten daran erinnern.
    Franz, ich würde mich freuen wenn du diesen Beitrag nach der Krise, wenn die Schiffe wieder fahren noch einmal überarbeiten und ergänzen würdest. Viele von uns, auch ich, werden weiterhin mit den Schiffen unterwegs sein, aber ich würde bei meiner zukünftigen Reiseplanung schon gerne das aktuelle Verhalten der einzelnen Häfen berücksichtigen.
    Und das nicht nur wegen der „Freundschaft“ zu einzelnen Ländern oder Häfen, sondern durchaus auch aus Eigennutz; es wäre gut zu wissen wo einem in einem derartigen Notfall, auch in einer solchen Ausnahmesituation geholfen wird und wo die Behörden notfalls ihre Besucher, ihre „Gäste“ lieber sterben lassen als Menschlichkeit zu zeigen.

  7. Franz, desen Beitrag will ich gerne mit unterschreiben. Die ‚Positiv-Liste‘ der Länder, die Menschlichkeit über alle anderen Dinge gestellt haben, möchte ich aber gerne noch erweitern: Kambodscha hatte sich der Passagiere der Westerdam erbarmt und der Irrfahrt ein Ende bereitet. Und Barados hat wohl Zehntausenden von Passagieren und Crewmitgliedern eine Heimreise ermöglicht, bis an die Grenzen der Hafen- und Flughafen-Kapazitäten. Wie mir berichtet wurde, waren auch St. Lucia und die British Virgin Islands überaus hilfsbereit, verfügen aber nicht über die nötigen Flugverbindungen. Daher wurden zumindest Liegeplätze und die Versorgung der verbliebenen Crew gesichert. Nicht vergessen darf man dann auch Großbritannien, Kanada und einige andere, die zumindest die Flughäfen bis heute weitestgehend offen lassen, um Heimreisen zu ermöglichen. Diese Liste der Guten ließe sich sicher noch ein wenig mehr ergänzen. Und ich hoffe inständig, dass ein Jeder diese Staaten bei zukünftigen Reiseplanungen nicht vergisst – genauso wenig wie die, die Hilfsbedürftige schmählich abgewiesen haben. Fassungslos bin ich immer noch, dass die Braemar trotz Hilfeersuchen von den Bahamas abgewiesen wurde – immerhin der Flaggenstaat, der seit vielen Jahren durch Gebühren und Steuereinnahmen profitiert.

    Ich werde mir für meinen Teil merken, wer sich jetzt menshlich verhält und meine zukünftigen Reisen danach ausrichten. Und ich hoffe, dass das viele andere mir gleich tun, um denen ein Stück Dankbarkeit zu zeigen.

  8. Hallo,
    vielen Dank für diesen bewegenden und ausführlichen Bericht.
    Das was aktuell auf der Zaandam passiert ist nicht nur schlimm, nein es ist eine menschliche Katastrophe, die kaum zu überbieten ist. Aus meiner Sicht machen die Länder, die den noch auf den Weltmeeren übrig gebliebenen Kreuzfahrtschiffen keine Hilfe anbieten, sich strafbar!
    Das hilft den Passagieren der Zaandam zwar auch nicht, es muss aber juristisch geahndet werden.
    Ich bin auch ein Freund von Kreuzfahrten.
    Mir fehlt jegliches Vorstellungsvermögen, was derzeit auf der Zaandam passiert!
    Ich wünsche mir das umgehend und unverzüglich der Zaandam und den verbleibenden Kreuzfahrtschiffen geholfen wird, damit es nicht noch mehr Tote an Bord gibt!
    Ich kann mir z.zt. kaum vorstellen, wie es überhaut für die Branche weiter geht, ich hoffe jedoch, dass die Reedereien bei den Destinationen aufgrund dessen ihre Lehren ziehen….

  9. Sehr guter Kommentar, vielen Dank hierfür und ich hoffe das alle noch betroffenen Personen (egal ob Passagier oder Crew) gesund zu ihren Liebsten kommen können. Herr Ashford (HAL) hat absolut Recht mit seinen Worten, allerdings muss die Frage der Verantwortung der Reedereien durchaus auch gestellt werden. Nicht unbedingt im aktuellen Zeitpunkt, aber wenn alle Schiffe angekommen sind und alle Kranken versorgt.
    In Anbetracht der sich abzeichnenden Lage, hätte man Reisen früher abrechnen müssen und das auch gegen den Wunsch der Passagiere. Vielleicht war im Einzelfall ein Abbruch nicht möglich, aber dafür gibt es mir deutlich zu viele Einzelfälle. Deshalb finde ich sollte das im Hinterkopf nicht vergessen werden, da es durchaus Reedereien gab die entschlossener gehandelt haben und spätestens nach dem Vorfall auf der Diamond Princess hätte man Wissen können was passieren kann.

  10. Hallo Herr Neumeier, der Teil über die Splendida und die Ausschiffung in Marseille ist nicht korrekt. Hier ein Bericht eines Passagiers aus einem Faceboo-Forum:.

    Wir sind seit Freitag von einer Kreuzfahrt mit der Splendida zurück gekehrt! Trotz der situationbedingten Umstände und der Schließung fast aller Häfen war es eine Kreuzfahrt mit maximaler Entspannung. Wir haben uns an Bord sehr wohl und sicher gefühlt! Die ausgesprochen freundliche Atmosphäre insbesondere durch die gesamten Crew hat uns beeindruckt. Auch die tolle Organisation bei der Ausschiffung in Marseille gebührt unseren Respekt und unser Dank. Für uns war es Urlaub und Vergnügen, für die Crew jedoch eine besondere Belastung und zusätzlicher Stress.

    Zuletzt bedanken wir uns auch für die reibungslose Rückführung von Marseille nach Frankfurt! Wir hoffen, dass die Krise bald überstanden ist und unsere Planung für eine neue Kreuzfahrt auf einem Schiff der MSC-Flotte beginnen kann!

    Vielen, vielen Dank an alle MSC-Verantwortlichen und Beschäftigten!

  11. @Dieter & @Dietmar: Die Situation verändert sich so rasant und ständig in eine andere Richtung, dass ich die genannten Fälle wirklich nur als Beispiele verstanden möchte. Es geht in diesem Beitrag nicht darum, eine vollständige Liste aller Details zusammenzutragen, sondern anhand von ein paar Beispielen ein Gesamtbild aufzuzeigen, mit dem wir es gerade zu tun haben. Klar gibt es andere Länder, die wie z.B. Barbados enormes geleistet haben, um Passagiere zurück nach Hause zu fliegen. Ebenso wie es auch noch andere Länder gibt, die sich sehr abweisend verhalten – auch Florida entwickelt sich beispielsweise in diesem Moment gerade in diese Richtung.
    Hier eine Liste der „Guten“ und „Bösen“ aufzustellen und weiterzuführen, würde übrigens nicht sonderlich viel bringen – denn alles verändert sich so schnell, in beide Richtungen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Kuba – wenn auch nicht in humanitärem Zusammenhang – hat sich erst kürzlich viele Feinde in der Kreuzfahrtindustrie gemacht, nachdem die Amerikaner den Kuba-Tourismus erlaubt hatten. Kleinere Reedereien (z.B. Star Clippers, Celestal Cruises) durften buchstäblich von heute auf Morgen ihre angestammten Liegeplätze nicht mehr anfahren, mussten an Passagierwechseltagen ankern, statt an die Pier zu gehen, weil Kuba die wenigen Liegeplätze lieber den großen, mehr Geld bringenden Schiffen zur Verfügung stellte. Das fördert Freundschaften auch nicht gerade. Kurz: Das alles ist sehr in Bewegung. Und ich denke, wir sollten auch nicht vergessen, dass solche Aktionen meist von Regierungen oder Behörden ausgehen und wenige von den der Mehrheit der Menschen in den Ländern. Boykott von bestimmten Zielen würde die Bevölkerung vermutlich härter treffen als die Politiker, die jetzt die fatalen Entscheidungen zu verantworten haben.

  12. Stimmt,da habe ich mich geirrt. Mein Beitrag bezog sich auch mehr auf die allgemein klingende Textpassage:
    Die französischen Behörden lassen in Marseille im Wesentlichen nur französische Staatsbürger von Bord der Costa Luminosa und Costa Pacifica. Nach dem „not my problem“-Prinzip schicken sie die Schiffe mit den Passagieren aus anderen Nationen weiter ins Ungewisse.
    Wir werden mit der Magnifica ja bald im Mittelmeer ankommen und vermutlich auch in Marseille ausschiffen. Da wollte ich mir und uns etwas Mut machen.,…

  13. @Wolfgang Pinnow: Das ändert sich wirklich ständig, auch weil man es oft mit politischen Wendehälsen zu tun hat, die die Entscheidungen nach der gerade aktuellen Stimmung in der Bevölkerung oder in den Medien treffen (nicht konkret auf Marseille bezogen). Besonders deutlich wird das gerade in Western Australia, wo Sie das ja selbst miterlebt haben, und in Florida. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass sich die Gemüter ein wenig beruhigt haben, bis Sie mit der MSC Magnifica im Mittelmeer ankommen und sie dann problemlos ausschiffen können. Aber da Sie keine Covid-19-Verdachtsfälle an Bord haben und auch schon lange genug auf See sind, dass das eigentlich auch nicht mehr passieren kann, bin ich da verhalten zuversichtlich.

  14. Grüezi Herr Neumeier

    Vielen Dank für den Beitrag den ich nicht nur einmal lesen werden, dies muss sich setzen! Als begeisterte Kreuzfahrerin waren wir auch von der ersten „Zwangsausschiffung“ von Tui Cruises betroffen.
    Das Virus wird die Kreuzfahrtwelt nachhaltig verändern, auch in unserem Land sind wirtschaftliche Veränderungen spürbar.

    Als Vielfahrerin mit diversen Reedereien, ist das Verhalten der Reederei und die der Länder für zukünftige Reisen ein Punkt der bei der nächsten Buchung von Reisen mit einfliesst. Bei den Ländern bin ich mir schon bewusst das ich nicht immer als Gast willkommen bin sondern als „Portemonnaie“.
    Bei den Reedereien bin ich härter, sie sind mein direkter Partner auf den ich mich im Extremfall verlassen muss, Partner gehen auf Augenhöhe mit einander um. Die Zeit wird es bei mir zeigen, wie mein Reiseverhalten in Zukunft sein wird.

    Gerne überweise ich für diesen Beitrag etwas via Paypal.

    Weiter so❤️

    Sonnige Grüsse aus der Schweiz

  15. Ein kleiner Obolus ist gesendet.
    Danke für ihre sehr professionelle Berichterstattung, die uns allen hilft.

  16. Es ist mir schleierhaft, wieso sich manche Länder so massiv gegen ein Ausschiffen von Passagieren wehren.

    Das man die Passagiere nicht in einer Rundreise durchs Land lassen will, kann ich ja verstehen.
    Es sollte doch rein organisatorisch problemlos möglich sein, Passagiere in einen Bus zu setzen,direkt zum Flughafen zu fahren,durch provisorische Sicherheitskontrollen zu schleusen und direkt in die bereit stehenden FLugzeuge zu setzen.Das alles kann man eigentlich problemlos machen,ohne das auch nur ein Einwohner des jeweiligen Landes in die Nähe dieser Passagiere kommt. Zumindest das direkte Heimfliegen sollte eigentlich machbar sein.
    Zumindest bei den offensichtlich nicht erkrankten.

  17. Hallo Franz, danke für den erkenntnissreichen Bericht. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen außer:
    Ist das jetzt die Quittung für den Wahnsinn, den ich an dieser Stelle schon öfter angesprochen habe?
    …..denn der schrecklichste der Schrecken ist der Mensch in seinem Wahn.
    Ausblick: auch wenn es noch so wünschenswert wäre – es wird sich wenig ändern, vielleicht kurzfristig aber dann werden wir alle wieder mit günstigen Angeboten geködert und machen (ich schließe mich da nicht aus) weiter so.

  18. Vielen Dank für den Beitrag den ich hier voll und ganz unterschreibe!
    Es gibt da einen treffenden Satz “ Vor Gericht und auf hoher See bist Du in Gottes Hand“
    Wenn da aber die Profitgier der Welt weit agierenden Konzerne sowie Profilierungssüchtige Politiker
    mit ins Spiel kommen, hat auch dieser Satz keine Gültigkeit mehr.
    Ich wünsche der Tourismus Branche, das sie diese Kriese einigermaßen übersteht und bei allen, auch bei
    uns selbst ein umdenken stattfindet.
    Wie oft sind wir aus fernen Ländern kopfschüttelnd zurückgekommen weil wir das Elend und die Armut
    gesehen haben?
    Wie oft haben wir negative Ereignisse sowie Einflüsse bewusst verdrängt nur um eine vermeintlich schöne Reisen zu haben?

    Also denkt nach und bleibt gesund!

  19. Es wird über „Menschlichkeit“ bzw über die fehlende gesprochen, die Bestürzung, dass „wir“ aus den reichen 1.-Welt-Ländern doch tatsächlich nirgendwo aufgenommen werden. Unfassbar in unseren privilegierten, arroganten Augen. Es muss ausgeharrt werden, auf Luxusdampfern. Diesmal hat es mal uns getroffen. Und wer hilft uns Privilegierten? Arme, 2. oder 3. Weltländer.
    Wer entsandte als erstes Ärzte nach Italien in den Coronavirus-hotspot? Cuba und Albanien…
    Vielleicht öffnen wir unsere Augen, unsere Herzen und empören uns auch wegen dem Flüchtlingsboot, dass keinen Anlegehafen findet. Verstehen Menschen, die auch nur überleben wollen. Aber DIE sind ja nicht so wichtig, sind ja keine von „uns“…
    Ich hoffe, dass diese neue Krankheit, die keine Rücksicht auf Grenzen, Nationalität, Hautfarbe, Religion und soziale Schichten nimmt, uns näher zusammenbringen wird, uns emphatischer werden lässt. Denn nie war die Welt kleiner als jetzt, der Mensch hilfloser. Wir haben eine Chance erhalten, es besser tu machen. Ich drücke uns die Daumen.

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