Wie gefährlich ist eine Kreuzfahrt?

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Auf Kreuzfahrt-Schiffen sicher vor Verbrechen?

Auf Kreuzfahrt-Schiffen sicher vor Verbrechen?

Horror-Stories über Morde und Vergewaltigungen auf Kreuzfahrtschiffen machen gerne Schlagzeilen, ganz besonders im Security-hysterischen Amerika. In Antigua wird eine Passagierin ermordet, auf der Carnival Ecstasy findet ein mutmaßlicher Mord gleich direkt an Bord statt, Passagiere oder Crew-Mitglieder gehen über Bord. Das alles sind Meldungen der letzten paar Monate. Und Websites wie Cruisebruise.com, Cruisejunkie.com oder International Cruise Victims erwecken leicht den Eindruck, dass es kaum einen Platz auf der Erde gebe, den man mehr meiden sollte als ein Kreuzfahrtschiff.

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Aber wie gefährlich ist Kreuzfahren eigentlich wirklich? Muss man auf Kreuzfahrt wirklich um Gesundheit und Leben fürchten? Die recht einfache Antwort vorweg genommen: Nein, man muss nicht. Im Gegenteil. Es gibt kaum einen sichereren Ort als ein Kreuzfahrtschiff.

Sicherheit auf Kreuzfahrtschiffen

Schauen wir ein paar Zahlen an, die verdeutlichen, wie vergleichsweise sicher ein Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff ist. Um tragfähige Zahlen zu bekommen, mussten wir etwas jonglieren und bitten zu berücksichtigen, dass die Zahlen deshalb nur grobe Anhaltspunkte sind, um dem Thema eine gewisse zahlenbasierte Dimension zu geben.

Wir gehen für die letzten 5 Jahre (2005-2009) von einer Gesamtpassagierzahl für Kreuzfahrten ab/an Nordamerika von rund 50 Millionen (Quelle: MARAD) aus. Cruise Junkie wertet regelmäßig Meldungen aus über Personen, die auf Kreuzfahrtschiffen über Bord gehen. Laut dieser Statistik sind in den letzten 5 Jahren (2005-2009) auf mit den MARAD-Zahlen vergleichbaren Kreuzfahrten 49 Passagiere über Bord gegangen, also statistisch weniger als ein Vorfall pro Monat. Davon wurden 8 gerettet, 12 waren Selbstmorde. Von den verbleibenden 29 Todesfällen sind offenbar auch noch einige auf extremen Alkoholkonsum zurück zu führen. Crew-Mitglieder haben wir aus der Statistik übrigens heraugerechnet. Die Zahlen für Europa sind vergleichbar, lediglich Selbstmorde – soweit zweifelsfrei als solche identifiziert – scheinen in den USA häufiger zu sein.

Nur ein Kreuzfahrt-Passagier von 2 Millionen geht unfreiwillig über Bord

Die Wahrscheinlichkeit, unfreiwillig über Bord zu gehen und dabei ums Leben zu kommen liegt demnach statistisch bei rund 0,00058 Promille oder 0,58 pro Million Passagiere. Uns ist bewußt, dass dies nur einen sehr groben Näherungswert darstellt, schon weil wiederkehrende Passagiere in der Statistik mehrfach gezählt werden. Verglichen mit beispielsweise den Toten im deutschen Straßenverkehr (PDF, statistisches Bundesamt) wird aber klar, wie irrelevant selbst größere statistische Ungenauigkeiten wären: 2008 starben im deutschen Straßenverkehr 0,11 Promille der Bevölkerung (110 pro 1 Million Einwohner), also rund 190 Mal mehr.

Deutlich ist auch der Vergleich mit der Kriminal-Statistik in Deutschland: 2008 wurden 11 von 1 Million Deutschen ermordet – das sind rund 20 Mal mehr Morde in Deutschland als unnatürliche Todesfälle auf Kreuzfahrtschiffen. Für amerikanische Passagiere ist das Verhältnis noch krasser: An Land passieren in den USA fast 70 Mal mehr Morde als unnatürliche Todesfälle auf Kreuzfahrtschiffen. Und wir vergleich hier schon Äpfel mit Birnen, weil die Statistiken an Land ausschließlich Morde berücksichtigen, die Kreuzfahrtschiff-Zahlen aber sämtliche nicht-natürlichen Todesfälle außer Selbstmord.

Wie wichtig Kreuzfahrtgesellschaften die Sicherheit an Bord ist, zeigt exemplarisch ein Vorkommnis bei Holland-America, bei dem ein Ehepaar offenbar wegen eines etwas groben Scherzes zum Thema “über Bord springen” von Bord verwiesen wurde. Kreuzfahrtgesellschaften reagieren auf “über Bord springen” offenbar ebenso sensibel wie Flughafen-Personal auf das Wort “Bombe”. Der Grund dafür dürfte nicht nur die Sorge um das Opfer sein, sondern auch die immensen Kosten, die ein solcher Vorfall verursacht: stundenlange, fast immer erfolglose Suche nach dem Selbstmörder mit hohem Treibstoffverbrauch und Ersatzzahlungen an die Passagiere für dadurch verpasste Hafen-Stopps.

Schwere Straftaten an Bord

Andererseits – das soll nicht ignoriert werden – ist auch davon auszugehen, dass Kreuzfahrtgesellschaften kein großes Interesse daran haben, Vorkommnisse an Bord öffentlich werden zu lassen. Taten von Passagieren und Crew – von Raub bis Vergewaltigung – dürften eine gewisse Dunkelziffer haben. Der amerikanische Kongress hat gerade ein Gesetz verabschiedet, das die Zuständigkeit des FBI für Verbrechen auf Kreuzfahrtschiffen klarer regelt und Meldepflichten vorsieht (Cruise Vessel Security and Safety Act).

Die RAINN (eine US-Organisation, die sich für den Schutz vor sexuellen Übergriffen einsetzt) zitiert die US-Bundespolizei FBI mit der Feststellung, dass etwa die Hälfte aller Straftaten auf Kreuzfahrtschiffen sexuelle Übergriffe seien. Nehmen wir Vergewaltigung als exemplarisch, um das Risiko an Bord Opfer einer Straftat zu werden. In einem 6-Monats-Zeitraum 2007 seien laut ICVL vom FBI 41 solcher Übergriffe gezählt worden, von denen 13 in einem Strafverfahren weiter verfogt worden seien.

Bringen wir auch hier die Zahlen wieder in Relation zur Welt außerhalb der Kreuzfahrtschiffe: Laut FBI gab es in den USA 2007 insgesamt 90.427 Vergewaltigungen – auf die weibliche Bevölkerung hochgerechnet sind das 0,0059 Promille. Der Vergleich mit Kreuzfahrtschiffen wird insofern ungenau, als wir keine Zahlen für den Frauenanteil auf den Schiffen haben. Nehmen wir der Einfachheit halber also 50 Prozent der Passagiere als Basis. 82 Übergriffe aufs Jahr hochgerechnet bei 5 Millionen weiblichen Passagieren ergibt eine statistische Rate von 0,00082 Promille, also rund 7 Mal mehr Vergewaltigungen an Land.

Wechsel zwischen Traumschiff und realer Welt

Die vielleicht größte Gefahr auf Kreuzfahrten (neben dem Sonnenbrand) wird in der Diskussion zu diesem Thema dagegen gerne übersehen: Das unglaublich leichtsinnige Verhalten von Passagieren bei Landgängen. Die Gefahr ist groß: Mit wenigen Schritten kommt der Passagier aus der heilen Luxus-Welt beispielsweise in Regionen, in denen das monatliche Durchschnittseinkommen 150 Dollar beträgt, die Arbeitslosigkeit bei 50 Prozent liegt und Drogenhandel die Haupteinnahmequelle für einen Großteil der Bevölkerung ist. Wer in einer solchen Umgebung alleine in Seitenstraßen mit Gucci-Handtasche, Armani-Sonnenbrille und Rolex-Uhr spazieren geht, begibt sich unnötigerweise in Gefahr.

Der Tipp an Kreuzfahrer bei Landgängen kann nur sein: Vorher über die Lage im jeweiligen Land und im jeweiligen Hafenort informieren und eine gewisse Grundvorsicht walten lassen. In Drittewelt-Ländern keine Spaziergänge in einsamen Seitenstraßen. Keine teure und auffällige Kleidung und Accessoires tragen. Die teure Kameraausrüstung an Bord lassen oder versteckt tragen. Kleingeld für Trinkgelder immer in der Hosentasche, damit man für eine 5-Dollar-Zahlung nicht die dreifach gesicherte Reisekasse aus Gürtel, Brusttasche oder Rucksack herausfummeln muss und so seine komplette Reisekasse samt Versteck offenbart. Und der sicherste Platz für Geld und Papiere ist ohnehin der Safe an Bord.

Kreuzfahrt ist sicherer als Urlaub an Land

Eine Schlußbemerkung ist uns wichtig: Diesem Beitrag soll keine umfassende Darstellung des Themas Sicherheit von Kreuzfahrtschiffen sein. Die angeführten statistischen Werte bitten wir als grobe Richtwerte zu verstehen – als Daumenpeilung, um zu zeigen, wie große die Unterschiede zur Welt außerhalb der Kreuzfahrtschiffe sind. Die absoluten Zahlen mögen ungenau sein, mangels guten Datenmaterials und mangels wissenschaftlicher Berechnungsmethoden unsererseits. Die Relationen zeigen die Zahlen aber doch deutlich auf. Uns geht es vor allem darum, die oft hoffnungslos übertriebenen beziehungsweise sensationsgierigen Berichte über Unfälle und Verbrechen auf Kreuzfahrtschiffen in ein faires und sinnvolles Licht zu setzen – eben in Relation zur realen Welt. Das, hoffe ich, ist uns gelungen.

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