Die 10 berühmtesten Oceanliner des 20. Jahrhunderts – Teil 2

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Den zweiten Teil der Top-10-Liste der berühmtesten Oceanliner des 20. Jahrhunderts eröffnet ein Schiff, das kurz vor Ende der Zeit der Oceanliner gebaut wurde, lange in die Zeit der Kreuzfahrtschiffe überdauert hat und tatsächlich auch selbst zu einem der beliebtesten Kreuzfahtschiffe umgebaut wurde. Die Norway, wie sie dann hieß, nahm freilich wie so viele, ein trauriges und unrühmliches Ende in Alang, Indien.

S.S. France

S.S. France

S.S. France (Bild: DanMS)

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Als die S.S. France 1960 vom Stapel lief, war sie mit 316 Metern Länge nicht nur der längste Ocean Liner, der je gebaut worden war. Erst 2004 verlor sie diesen Rekord, als die Queen Mary 2 mit 345 Metern Länge. Die S.S. France war wahrscheinlich auch der letzte große Ocean Liner, der noch speziell für den Transatlantik-Liniendienst gebaut worden war.

Für die Compagnie Générale Transatlantique, auch French Line genannt, fuhr sie von 1962 bis 1974 als Flaggschiff der Reederei  regelmäßig über den Atlantik, absolvierte im Winter gelegentlich aber auch schon einige Kreuzfahrten und fuhr zweimal sogar rund um die Welt.

1979 an Norwegian Cruise Line verkauft und zum Kreuzfahrtschiff umgebaut, wurde startete die S.S. France unter dem neuen Namen „Norway“ eine zweite Karriere ans Flagschiff von NCL und war in dieser Zeit bis 2001 mindestens genau so berühmt wie zu ihrer Zeit als Ocean Liner. Nach langen Wirrungen wurde das Schiff 2008 im indischen Alang verschrottet.

Bismarck

Bismarck unter ihrem späteren Namen "Majestic"

Bismarck unter ihrem späteren Namen “Majestic” (Bild: Wikipedia)

Die 1914 in der deutschen Werft Blohm & Voss  gebaute Bismarck war bis 1935 das größte Passagierschiff der Welt. Unter deutscher Flagge fuhr die Bismarck freilich nie. Zwar wurde sie noch vor dem ersten Weltkrieg vom Stapel gelassen und getauft, aber nicht mehr fertiggestellt. Nach dem Krieg ging die Bismarck als Teil der Reparationen an die Briten. Cunard und White Star Line kaufte das Schiff 1921 gemeinsam, betrieben wurde sie dann aber unter dem Namen „Majestic“ von der White Star Line.

Die Bismarck steht aber vor allem stellvertretend für die deutschen Schiffe der Imperator-Klasse der Reederei Hapag: Imperator, Vaterland und Bismarck.  Schon der Imperator (1912) war das bis dahin größte Schiff der Welt, wurde 1913 von der Vaterland übertroffen und 1914 dann von der Bismarck. Der männliche Artikel für den Imperator ist übrigens kein Fehler: Kaiser Wilhelm II. bestand darauf, das Schiff – sonst ganz unüblich – mit einem männlichen Artikel zu versehen.

Mit den gewaltigen Schiffen der Imperator-Klasse demonstrierte Kaiser Wilhelm II., wie vermeintlich mächtig und technisch überlegen Deutschland damals war. Die größten Schiffe der Welt zu bauen, war nicht nur eine einfache Fortentwicklung des Schiffsbaus, sondern vor allem ein politisches Signal.

Mauretania

Mauretania

Mauretania (Bild: Cygnus Co.)

Die 1906 in Betrieb genommene Mauretania der Cunard Line war einer der beliebtesten Ocean Liner seiner Zeit – wahrscheinlich auch, weil die Mauretania anfangs das größte und schnellste Passagierschiff der Welt war. 22 Jahr lang hielt sie den Geschwindigkeitsrekord über den Atlantik und damit das Blue Riband.

Zusammen mit ihrem Schwesterschiff Lusitania war die Mauretania für die Cunard Line aber auch von strategischer Bedeutung. Der Norddeutsche Lloyd dominierte mit seinen vier Schiffen der Kaiser-Klasse das Transatlantik-Geschäft und im Wettbewerb mit der ebenfalls britischen White Star Line mussten prestigeträchtige, neue Schiffe her. Und so wurde an nichts gespart, weder technisch noch bei der Inneneinrichtung. Die Mauretania war beispielsweise einer der ersten Ocean Liner mit Personenaufzügen an Bord.

Ihre letzte Atlantik-Überquerung absolvierte die Mauretania 1934, im Jahr darauf trat sie ihre letzte Fahrt zur Verschrottung an. Ihre Schwesterschiff, die Lusitania, hatte bekanntlich ein deutlich kürzeres Leben: 1915 wurde sie von einem deutschen U-Boot versenkt – 1.198 von 1959 Menschen an Bord kamen ums Leben. Die Versenkung der Lusitania gilt als Auslöser für den Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg.

Europa

Europa zu ihrer Zeit als S.S. Liberté

Europa zu ihrer Zeit als S.S. Liberté (Bild: Frederic Logghe)

Die S.S. Europa übernahm 1930 das Blaue Band für die schnellste Atlantiküberquerung von der Bremen, selbige die Trophäe rund ein Jahr zuvor der Mauretania abgenommen hatte. Zusammen mit ihrem Schwesterschiff S.S. Bremen fuhren sie für den Norddeutschen Lloyd und waren mit damals bahnbrechender Technik wie beispielsweise modernsten Dampfturbinen und Bugwulsten ausgerüstet, die es ihnen erlaubte, den Atlantik in nur fünf Tagen zu überqueren. Die Reederei konnte so einen wöchentlichen Transatlantik-Dienst anbieten, der sonst üblicherweise nur mit drei Schiffen zu bewerkstelligen war.

Sehr ungewöhnlich: Europa und Bremen hatten zwischen den beiden Schornsteinen eine Art Katapult für kleine Wasserflugzeuge. Mit den Wasserflugzeugen konnte die Post aus Amerika noch schneller an Land gebracht werden. Sobald sich die Schnelldampfer der deutschen Küste näherten, flogen sie die Post voraus nach Blexen nahe Bremerhaven. Nach ein paar Jahren wurde diese Kuriosität aber vor allem aus Kostengründen eingestellt.

Im Zuge der Reparationszahlungen nach dem zweiten Weltkrieg ging die Europa an Frankreich und ersetzte bei der Compagnie Gènèrale Transatlantique die Normandie. 1950 bekam sie den neuen Namen S.S. Liberté und fuhr elf Jahre lang erneut über den Atlantik. 1960 wurde sie von der S.S. France abgelöst und bereits 1962 verschrottet.

Normandie

Normandie

Normandie (Bild: Wikipedia)

Die S.S. Normandie wird oft als das “perfekte Passagierschiff” bezeichnet und gilt als Meilenstein des Passagierschiffbaus. Als sie 1935 in Dienst gestellt wurde, war sie das größte Schiff der Welt und vielleicht auch das schönste, sowohl äußerlich als auch in Innendesign, das ganz im Art-Deco-Stil gehalten war. Die S.S. Normandie war auch der erste Schiff überhaupt, das mit 313,58 Metern länger als 300 Meter war.

Das Blue Riband für die schnellste Atlantiküberquerung holte sich die S.S. Normandie gleich bei ihrer Jungfernfahrt, aber 1937 verbesserte sie den eigenen Rekord noch einmal und fuhr die Strecke in beiden Richtungen in unter vier Tagen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 30 Knoten.

Die hohe Geschwindigkeit erreichte die S.S. Normandie mit vergleichsweise wenig PS durch ein innovatives Rumpfdesign, das zugleich wesentlich weniger Wellen verursachte. Eine Besonderheit stellte für damalige Verhältnisse auch der Antrieb dar: Zwischen Maschine und den Schrauben Bestand keine mechanische Verbindung, sondern lediglich eine elektrische. Ein sonst notwendiges Getriebe konnte dadurch entfallen und auch ein schneller Wechsel von Vorwärts- auf Rückwärtsschub war damit wesentlich leichter zu bewerkstelligen.

1942 brach bei Umbauarbeiten auf der Normandie im New Yorker Hafen ein verheerendes Feuer aus. Bei den Löscharbeiten kenterte das Schiff schließlich und war verloren. Zwar wurde sie mit gewaltigem Aufwand noch einmal abgedichtet, abgepumpt und aufgerichtet, 1946 aber letztlich dann doch abgewrackt.

Bildquellen-Nachweis: S.S. France: DanMS/Wikipedia, Lizenz: Public Domain; Bismarck/Majestic: Wikipedia, Lizenz: Public Domain; Mauretania: Cygnus Co./Flickr, Lizenz: Attribution-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0); Europa/S.S. Liberté: Frederic Logghe/Wikipedia, Lizenz: GNU Free Documentation License; Normandie: Wikipedia, Lizenz: Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)

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6 Kommentare zu Die 10 berühmtesten Oceanliner des 20. Jahrhunderts – Teil 2

  1. Roland Zufall on November 4, 2011 at 11:11 am

    Aus meiner Sicht fehlt da noch die alte Hanseatic.

  2. Mareike Bee on November 4, 2011 at 4:46 pm

    ein sehr schöner informativer Bericht!

  3. Gaius on November 4, 2011 at 4:50 pm

    Eine ganz interessante Zusammenstellung, bei der aber wohl jeder seine eigene Auswahl treffen würde.

    Mir fällt zum Beispiel sofort auf, dass nicht die Europa 1929 das Blaue Band gewonnen hat, sondern die Bremen. Die Europa wurde erst ein Jahr später 1930 in Dienst gestellt. Als Typschiff hätte ich deshalb auch eher die Bremen in dieser Liste aufgeführt.

    Die Bremen und Europa waren zu dem auch von einer besonderen Bedeutung, da sie das Design aller folgenden Liner maßgeblich beeinflussten. Von der Normandie über die Queen Mary bis zur United States haben alle Schiffe Merkmale von der Bremen übernommen. Insbesondere sind da sie strohmlinienförmige Brücke und die Schornsteine zu nennen, die hier erstmals nicht mehr als Statussymbol der Reederei galten, sondern auf ihre Funktion begrenzt wurden. Die gesamte Schiffsarchitektur war deutlich moderner und stimmiger als bei vorherigen Schiffen und blieb so eigentlich bis zur Entwicklung der ersten modernen Kreuzfahrtschiffe erhalten.

    Auch die Innenarchitektur setzte damals starke Akzente und beeinflusste folgende Schiffsgenerationen über viele Jahre hinweg, auch wenn die Schritte hier nicht ganz so groß waren, wie im Exterieur. Hier wurden wesentliche Impulse später von der Normandie gesetzt.

  4. uwe on November 5, 2011 at 4:42 pm

    Die “Mauretania” errang das Blaue Band auf ihrer Fahrt von Queenstown nach Ambrose (Feuerschiff) vom 26.9. – 30.9.1909 in einer Zeit von 4 Tagen, 10 Stunden und 51 Minuten (=26,06 kn; Seestrecke = 2784 sm).
    Die “Bremen” löste die “Mauretania” auf ihrer Fahrt von Cherbourg nach Ambrose vom 17.7. – 22.7.1929 ab mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27,83 kn (3164 sm in 4 Tagen, 17 Stunden und 42 Minuten).
    Das Schwesterschiff “Europa” übernahm das “Blaue Band” nach der Fahrt vom 20.3. bis 25.3.1930 (27,91 kn; 3157 sm in 4 Tagen, 17 Stunden nd 6 Minuten).

    Jahre zuvor hatte die “Deutschland” das Blaue Band inne (1900 und 1909)

  5. Franz Neumeier on November 7, 2011 at 7:58 am

    Danke an Gaius und Uwe für die Korrektur bezüglich Blaues Band bei Europa und Bremen. Ich hab’s direkt im Text korrigiert.

    Franz

  6. Dennis Bardutzky on November 5, 2014 at 5:37 pm

    “[…] vermeintlich mächtig und technisch überlegen Deutschland damals war.” Das ‘vermeintlich’ hat dort aber nichts zu suchen ;-)

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