Venedig muss Anfahrtsroute für Kreuzfahrtschiffe verlegen

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Kreuzfahrtschiff passiert Markusplatz in Venedig
Kreuzfahrtschiff passiert Markusplatz in Venedig

In der Diskussion um die Frage, ob Kreuzfahrtschiffe in Venedig auch zukünftig die umstrittene Anfahrtsroute durch den Giudecca-Kanal am Markusplatz vorbei (Video) nehmen dürfen, ist eine wichtige Vorentscheidung gefallen. Die italienischen Minister für Umwelt und für Wirtschaft haben ein Dekret erlassen, das Kreuzfahrtschiffe zu einem Abstand von zwei Seemeilen vor sensiblen Küstenregionen verpflichtet. Das Dekret enthält ausdrücklich auch eine Regelung, nachdem Kreuzfahrtschiffe mit einer Tonnage von über 40.000 BRZ den Guidecca-Kanal nicht mehr benutzen dürfen, sobald es eine Alternativroute gibt.

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Schon in Folge des Unfalls der Costa Concordia hatte die Stadt ihre Pläne konkretisiert, nach denen Kreuzfahrtschiffe zukünftig nicht mehr auf der bisherigen Route zu den zwei Kreuzfahrt-Terminals Stazione Marittima und San Basilio fahren dürften. Statt dessen wird eine Anfahrtsroute aus südlicher Richtung favorisiert. Die Stadt Venedig und der Hafenbetreiber hatten sich bereits im Dezember grundsätzlich geeinigt, Alternativen zur bisherigen Route zu erarbeiten.

Das Schiffsunglück von Giglio hatte neuen Schwung in die Diskussion in Venedig gebracht, das neue Dekret wird die Planungen weiter beschleunigen. Unklar ist bei dem aktuellen Planungsstand, was mit dem Terminal Riva die Sette Martiri östlich des Markusplatzes geschehen soll, das von der vorgeschlagenen, neue Fahrrinne nur über den Giudecca-Kanal erreichbar wäre. Wahrscheinlich kann dieses Terminal dann nur noch von kleineren Schiffen genutzt werden.

Der favorisierte Plan, der derzeit einer genauen Prüfung unterzogen wird, sieht vor, für die Kreuzfahrtschiffe eine neue Fahrrinne auszubaggern, die von der aus südlicher Richtung in die Lagune von Venedig führende Frachtschiff-Route abzweigt und von dort zu den Kreuzfahrt-Terminals führt. Wo Frachtschiffe geradeaus weiter zum Frachthafen in Marghera weiterfahren, sollen Kreuzfahrtschiffe dann nach rechts in Richtung Venedig abbiegen (siehe auf Karte unten in Rot, neu auszubaggernder Teil in Dunkelrot).

Diese Karte bei Google Maps: Venedig – geplante neue Routenführung für Kreuzfahrtschiffe

Die Umsetzung des Plans sei innerhalb von 18 Monaten denkbar, die Kosten werden auf mindestens 40 Millionen Euro geschätzt. Die von radikaleren Kreuzfahrtschiff-Gegnern wie beispielsweise der (in London ansässigen) Vereinigung „Venice in Peril“ geforderte Lösung, die Kreuzfahrtschiffe komplett aus der Lagune zu verbannen, scheint dagegen keine ernsthafte Unterstützung zu finden – schon weil die Kosten dafür den Schätzungen zufolge in die Milliarden gingen.

Ins Gespräch gebracht wird als radikale Variante hier immer wieder auch ein komplett neues Kreuzfahrt-Terminal an der südlichen Einfahrt zur Lagune in Santa Maria del Mare, das gerne auch als „Offshore-Terminal“ bezeichnet wird. Neben den Kosten wäre das Problem hier vor allem, wie die Kreuzfahrtpassagiere die Stadt Venedig selbst erreichen sollten.

Streit um Schäden durch Kreuzfahrtschiffe

Seit langem tobt in Venedig ein erbitterter Streit über die vermeintlichen oder tatsächlichen Schäden durch die Kreuzfahrtschiffe bei ihrer Vorbeifahrt an der historischen Altstadt. Allerdings sind viele Argumente in der Diskussion zumindest hinterfragenswert. Vorgeschützt wird von einigen Parteien die Beschädigung der historischen Bausubstanz durch den Sog, den die Kreuzfahrtschiffe selbst bei langsamer Vorbeifahrt erzeugen. Tatsächlich kann dieser Sog problematisch sein, widersprechende Studien zeichnen allerdings sehr unterschiedliche Bilder über die tatsächlichen Auswirkungen beziehungsweise die tatsächlichen Ursachen der festgestellten Schäden.

Auch Schäden durch Wellenschlag wird immer als Argument ins Feld geführt – und dabei ignoriert, dass die Kreuzfahrtschiffe bei ihrer Langsamfahrt durch den Kanal faktisch wesentlich weniger Wellen verursachen als die zahlreichen, schnell fahrenden Wassertaxis, Transportboote und privaten Motorboote, die vor allem in dem von den Kreuzfahrtschiffen bislang befahrenen Giudecca-Kanal unbeschränkt fahren dürfen.

Erst kürzlich hatte sich sogar die Unesco zu Wort gemeldet und Befürchtungen geäußert, in Venedig könnte ein ähnliches Unglück wie das der Costa Concordia in Giglio passieren. Venedig zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. Den Befürwortern der neuen Kreuzfahrtschiff-Routen für Venedig kommt das Schiffsunglück von Giglio durchaus passend – es befeuert die Diskussion und hat unter anderem zu dem jetzt konkretisierten Plan der Hafenbehörden geführt.

Allerdings betonen selbst die venezianischen Hafenbehörden, dass ein Unfall wie der der Costa Concordia in Venedig undenkbar sei. Zum einen gehen bereits an der Einfahrt zur Lagune zwei Hafenlotsen an Bord jedes Kreuzfahrtschiffs, die alle Details der Fahrroute perfekt kennen. Zum anderen besteht der Boden der Lagune und der Fahrrinne aus tiefem Schlamm – einen Felsen, an dem der Schiffsrumpf aufreißen könnte, gibt es in Venedig nicht.

„Große Schiffe stören das Stadtbild“

Tatsächlich geht es vielen Interessengruppen aber um etwas ganz anderes: Sie stören sich daran, dass die riesigen Schiffe bei der Durchfahrt durch den Kanal das Stadtbild von Venedig stören, da sie die historischen Gebäude deutlich überragen. Zudem – und das sieht auch die Stadt Venedig selbst als zunehmendes Problem – brächten die Kreuzfahrtschiffe immer noch mehr zusätzliche Touristen in die Stadt, die vor allem in dem Sommermonaten den Touristenmassen ohnehin kaum mehr Herr werde.

Gegen der Pläne argumentieren, dass die Kreuzfahrtschiffe die letzte sichtbare Verbindung der Venezianer zu ihrer glorreichen, von Seefahrt geprägten Geschichte seien und die befürchteten Schäden wenn überhaupt, dann längst nicht so gravierend seien, wie behauptet werde.

Venedig zählt unter Kreuzfahrtfans zu den schönsten Kreuzfahrthäfen der Welt, und das vor allem auch wegen der spektakulären Anfahrt durch den Guidecca-Kanal, vorbei am Markusplatz. Eine andere Anfahrtsroute wird den Kreuzfahrthafen Venedig für Passagiere wie Reedereien um einiges unattraktiver machen.

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