Kreuzfahrt einmal rund um Hurricane „Earl“

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Die Celebrity Summit pflügt durch bis zu 11 Meter hohe Wellen.
Die Celebrity Summit pflügt durch bis zu 11 Meter hohe Wellen.

Eine Kreuzfahrt durch einen Hurrikan erlebt man nur selten. Als Hurricane Earl letzte Woche die Ostküste der USA und Kanadas entlangzog, waren wir auf der Celebrity Summit ganz in der Nähe – Hurricane Earl zwang den Kapitän zu einem weitläufigen Ausweichmanöver über den Atlantik. Doch selbst die Ausläufer des zu dieser Zeit schon von Kategorie 4 auf 1 zurückgestuften Wirbelsturms reichten allemal für eine unvergessliche Kreuzfahrt. Obwohl das Schiff nie näher als 400 Meilen am Zentrum von Hurricane Earl fuhr, reichte die Macht des Sturms noch für über 10 Meter hohe Wellen, leergefegte Tische im Restaurant, eine losgerissene Kaffemaschine, umgefallene Statuen und kleinere Verletzungen bei Passagieren.

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Die Caribbean Princess, die einen Tag vor der Summit von New York auf einer ähnlichen Route unterwegs war, lies den Hafen-Stopp in Halifax ausfallen, brach die Kreuzfahrt vorzeitig ab und fuhr bereits einen Tag früher als geplant am Freitag nach New York zurück.

Ungewöhnlich ruhig bei glatter See und heißem Sommerwetter hat die Kreuzfahrt der Celebrity Summit am 29. August begonnen, nach einem ungewöhnlich rauhen Seetag am Samstag ging sie am 5. September zu Ende. Hurricane Earl zog die Ostküste der USA und Kanadas entlang, die Summit einige hundert Meilen entfernt. Der Kapitän entschied, den Hafen von Saint John ausfallen zu lassen und direkt nach Halifax zu fahren, um einen Tag Zeit für ein Ausweichmanöver zu gewinnen. Von Halifax ging es statt küstennah nach Bayonne (New Jersey), erst einmal geradewegs nach Südosten in den Atlantik, bei schönstem Seetag-Wetter am Pool.

Blick von der Revelation Lounge, Deck 11 vorne.
Blick von der Revelation Lounge, Deck 11 vorne.

Den Vorhersagen nach sollte Earl nahe an der Küste nach Norden ziehen, doch während der Nacht drehte er unerwartet weit nach Osten von der Küste ab. Die Celebrity Summit musste noch weiter nach Osten ausweichen. Nach Mitternacht fand dann kaum mehr ein Passagier Schlaf: Der Seegang war so stark, dass Schranktüren, Kleiderbügel und Schubladen im Rhythmus der Schiffsbewegungen ein wahres Schlagzeug-Konzert veranstalteten. Gläser fielen aus den Regalen, Wasserkannen in den Kabinen kippten um, einige Fernseher krachten von ihren Konsolen. Selbst die Betten und Nachtkästchen wanderten zeitweise ein paar Zentimeter hin und her. Der eine oder andere Passagier ist dabei wohl auch buchstäblich aus dem Bett gefallen. Laut Kapitän waren die Wellen bis 35 Fuß hoch, also rund 11 Meter. Der Wind hielt sich überraschenderweise in Grenzen, bis auf das windgeschützte Pooldeck waren die Außendecks trotzdem den ganzen Tag lang gesperrt.

Chaos in Restaurant und Küche

Schlimm hatte es in der Nacht das Hauptrestaurant erwischt: Was am Abend zuvor fürs Frühstück aufgedeckt war, lag am Boden. Ein Assistant Maitre’D berichtete uns, es sei kein einziges Stück Geschirr oder Besteck auf den Tischen geblieben. Außerdem habe sich eine an der Wand verschweißte Kaffeemaschine gelöst und habe im Fall einem Kellner das Bein gebrochen. Die Küche muss ein Schlachtfeld gewesen sein, an die für den Vormittag angesetzte Küchenführung war nicht zu denken. In einer der Launches war eine Fensterscheibe zu Bruch gegangen, einige Statuen in den Gängen waren umgekippt. Liegestühle auf den Decks hatte die Crew vorsorglich festgebunden gehabt, die Pools rechtzeitig abgelassen.

In der Nacht und während des gesamten nächsten Tages war nicht an normales Gehen zu denken, ohne sich festzuhalten. Andere Passagiere beim Laufen zu beobachten glich den bizarren Fernsehbildern, wenn sich Reporter gegen den Wind lehnen und verzweifelt versuchen, auf den Beinen zu bleiben – nur dass hier am Schiff nicht der Wind, sondern die heftigen Schiffsbewegungen für die Schräglage sorgten.

Die von Hurricane Earl aufgewühlte See, vom Balkon auf Deck 8 aus.
Die von Hurricane Earl aufgewühlte See, vom Balkon auf Deck 8 aus.

Bei einigen starken Wellen und Windböen in der Nacht neigte sich das Schiff um mehr als 5 Grad. Der Kapitän reduzierte die Geschwindigkeit der Celebrity Summit bis in den Abend hinein auf ein Minimum und richtete das Schiff optimal zu den Wellen und zum Wind, um die Schiffsbewegungen einigermaßen in Grenzen zu halten. Erst am Abend was Hurricane Earl so weit abgezogen, dass sich die See langsam beruhigte und die Celebrity Summit wieder direkten Kurs auf die Küste nehmen konnte. Erst 5 Stunden später als geplant, um 12 Uhr mittags, war die Celebrity Summit am nächsten Morgen schließlich in ihrem Heimathafen Bayonne zurück.

Schwerster Seegang seit vielen Jahren

„In meinen 16 Jahren auf Kreuzfahrtschiffen habe ich so einen Seegang mindestens seit zehn oder zwölf Jahren nicht mehr erlebt“, sagte uns ein Crew-Mitglied. Und auch Passagiere mit 25 und mehr Kreuzfahrten konnten sich nicht an eine Kreuzfahrt mit so starkem Seegang erinnern. Trotz einiger verdächtig grünlich gefärbter Gesichter schaffte es die Crew der Celebrity Summit beeindruckenderweise, an diesem denkwürdigen Samstag ein fast normales Programm an Bord aufrecht zu erhalten. Selbst das Buffet-Restaurant war geöffnet – in etwas reduziertem Umfang, glatte Oberflächen mit Frischhaltefolie rutschsicher gemacht und mit Kellnern, die älteren Passagieren beim Tragen der Tabletts halfen. Die Broadway-Show war in Voraussicht des Sturms bereits auf den Abend zuvor verlegt worden, so dass am Abend sogar das Unterhaltungsprogramm (mit Ausnahme der Akrobatik-Einlagen) wie geplant lief.

Abenteuer mit Sonne und Sturm, Walen und New Yorker Skyline

In gewisser Weise hat diese Hurricane-Kreuzfahrt sehr viel Spaß gemacht, solchen Seegang erlebt man nicht alle Tage. Aus einer perfekten Kreuzfahrt nach Neuengland mit Sonnenschein, glatter See, bis zu 30 Grad selbst in Halifax und mit leckerem, frisch gefangenem Hummer in einem Hafenrestaurant in Portland (Maine) wurde ein wildes Abenteuer auf See. Und zum Abschluß gab’s – quasi zur Belohnung und als Ausgleich für die verspätete Rückkunft – noch ein paar Wale direkt neben dem Schiff, die wir vor dem Frühstück vom Kabinenbalkon aus sichteten. Und den grandiosen Blick auf die Skyline von New York City und die Freiheitsstatue beim Hafeneinlauf bei Tageslicht.

Tipps für hohen Seegang

Und wir haben ein paar Tricks und Tipps mitgebracht für alle, die auf einer Kreuzfahrt vielleicht auch einmal in schwere See geraten:

  • Alle beweglichen Gegenstände auf den Boden stellen, Blumenvasen, Wasserkannen sichern
  • Die offenen Regale (auch im Bad) ausräumen
  • Schranktüren mit Handtüchern vom Klappern abhalten, eventuell mit Klebeband fixieren
  • Nicht an Türrahmen festhalten – zuschlagende Türen bei plötzliche Schiffsbewegungen haben schon so manchen Finger eingequetscht
  • Glatte Flächen, beispielsweise Marmorfußboden im Buffetrestaurant meiden – die Flächen sind meist durch umgekippte Getränke nass und sehr rutschig
  • Wer zu Seekrankheit neigt: Unser Beitrag über Seekrankheit

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3 Kommentare zu Kreuzfahrt einmal rund um Hurricane „Earl“

  1. Martin on September 15, 2010 at 12:01 pm

    Ein interessanter und spannender Beitrag. Ich bin aber froh, dass ich nicht mit an Bord war. Eine Erfahrung, um dich keinen der Passagiere beneide. Auch wenn hier nur einige wenige leicht verletzt wurden. Trotzdem: Kreufahrten sind und bleiben einfach klasse. Gerne immer wieder. BG Martin

  2. Franz on September 15, 2010 at 12:19 pm

    Es war auf jeden Fall ein spannendes Abenteuer und der Seegang hielt erfreulicherweise nur eine halbe Nacht und einen dreiviertel Tag an. Ich glaube, als Kreuzfahrt-Fan muss man so etwas zumindest einmal erlebt haben.

    In jedem Fall bin ich froh, dass wir bei Celebrity mit einer wirklich zuverlässigen und guten Kreuzfahrtgesellschaft auf einem relativ neuen Schiff und mit einem sehr erfahrenen Kapitän unterwegs waren. In so eine Situation möchte ich nicht kommen auf einem kleinen, alten Schiff mit Besatzung, der ich nicht wirklich voll und ganz vertraue …

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