Royal Caribbean: Jungfernfahrt der Song of Norway vor 45 Jahren

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Song of Norway, das erste Schiff von Royal Caribbean

Song of Norway, das erste Schiff von Royal Caribbean (Bild: Photoship.co.uk)

Royal Caribbean History

Vor 45 Jahren, am 7. November 1970, ging die Song of Norway auf Jungfernfahrt – das erste Kreuzfahrtschiff von Royal Caribbean. Heute ist Royal Caribbean Cruises Ltd. (RCCL) die Muttergesellschaft von sechs Kreuzfahrtgesellschaften, hat insgesamt 47 Schiffe und ist damit nach Carnival Corp. der zweitgrößte Kreuzfahrtkonzern der Welt. Zu RCCL gehören Royal Caribbean International (24 Schiffe), Celebrity Cruises (10), Azamara Club Cruises (2), Croisieres de France (2), Pullmantur Cruises (5) sowie das Joint Venture TUI Cruises (Mein Schiff 1, 2, 3 und 4).

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Im Vergleich zu RCIs heutigen Schiffen wirkt die Song of Norway fast wie eine Nussschale: Mit 168 Metern Länge und maximal 876 Passagieren war sie weniger als halb so lang und hatte nur rund 14 Prozent der Passagierkapazität der Oasis-Class-Schiffe. Doch 1970 war die Song of Norway das größte ganzjährig in der Karibik stationierte Kreuzfahrtschiff. Und Kreuzfahrtschiffe mit dem Titel „das größte“ sollten bei Royal Caribbean noch einige folgen. Die Song of Norway existiert heute übrigens nicht mehr – sie wurde 2014 in China verschrottet.

2010 feierte Royal Caribbean 40. Geburtstag. Auch wenn das Unternehmen schon 1968 gegründet wurde, so ging doch erst im November 1970 das erste Schiff, die Song of Norway, auf Jungfernfahrt und das 25. Jubiläum hatte Royal Caribbean offiziell 1995 gefeiert.

Die Anfangsjahre

Die Geschichte von Royal Caribbean ist vor allem in den ersten 20 Jahren eine komplizierte, die in ihren Details nicht bei jedem Leser Kurzweil auslösen würde, weswegen wir für die vielen Verstrickungen, Wirrungen und Komplikationen auf das spannend zu lesende, allerdings englischsprachige Portrait von Royal Caribbean Cruises Ltd. bei Shipsnostalgia.com verweisen. Soviel nur: Die ersten beiden Jahrzehnte der Firmengeschichte waren geprägt von großem Anfangserfolg, aber auch zunehmender Uneinigkeit der drei Anteilseigner. Diese ging so weit, dass Royal Caribbean 1987 beinahe Teil des Carnival-Konzerns wurde. Dass es dazu nicht kam, hat Royal Caribbean zu einem guten Teil dem heutigen RCCL-CEO Richard Fain zu verdanken.

Gegründet wurde RCCL 1968 als Joint Venture dreier norwegischer Schifffahrtsunternehmen: I. M. Skaugen & Co., Anders Wilhelmsen &Co. sowie Gotaas-Larsen Shipping Corp. Präsident des Unternehmens wurde Edwin Stephan, zu dem wir gleich genauer kommen, denn seine Ideen und sein Hartnäckigkeit hat RCCL überhaupt möglich gemacht.

Es ist das Ende der 1960er-Jahre, Flugzeuge hatten nahezu alle Transatlantik-Liner aus dem Geschäft gedrängt, die Passagier-Schifffahrt lag darnieder. Die heute mächtige US-Kreuzfahrtindustrie bestand aus kaum mehr als ein paar hunderttausend Passagieren. 1970 unternahmen gerade einmal 570.000 Amerikaner eine Kreuzfahrt (1985 waren es schon 2 Millionen und heute hat allein der Port of Miami einen jährlichen Passagierumschlag von über 4,1 Millionen). Das schreckliche Feuer auf der schlecht gewarteten und mit inkompetenter Crew besetzten Yarmouth Castle 1965 hatte zusätzlich das Vertrauen in den Schiffsverkehr bis ins Mark erschüttert – 90 Menschen starben bei dem Unglück, 88 davon waren Passagiere.

Trotzdem liegt genau in dieser Zeit die Entstehung der heute größten Kreuzfahrtgesellschaften: Carnival, Royal Caribbean und NCL. Ted Arison (der 1972 Carnival gründete) hatte bereits 1966 zusammen mit Knut Kloster die Norwegian Caribbean Line (später NCL) gegründet und war mit einigen älteren Schiffen aktiv. Arison und Kloster zerstritten sich allerdings bald hoffnungslos und trennten sich. Kloster hielt an NCL fest, Arison gründete 1972 Carnival.

Royal Caribbean entsteht

Zur selben Zeit hatte Kreuzfahrtveteran Edwin Stephan aber schon so innovative Ideen im Kopf, dass seine damals ungewöhnliche Idee, Kreuzfahrtschiffe speziell für den Karibik-Einsatz zu bauen, überall nur auf taube Ohren und Ablehnung stieß. Doch schließlich er hatte Glück. Wie so oft halfen ihm offenbar die Liebe: Ein New Yorker Schiffsbroker suchte eine Ausrede, um auf Firmenkosten zu seiner Geliebten nach Miami zu reisen, die dort als Funkerin auf einem Kreuzfahrtschiff arbeitete. Ein Meeting mit Edwin Stephan diente ihm als Vorwand – so schildert das jedenfalls Shipsnostalgia.com. Stephan überzeugte den Broker von seinen Ideen und brachte ihn in Norwegen mit Sigurd Skaugen zusammen, einem einflussreichen Reeder. Der ließ sich von Stephans Ideen überzeugen und so kam eines zum anderen und die Kreuzfahrtgesellschaft Royal Caribbean Cruise Lines nahm 1967 langsam konkrete Formen an.

Kreuzfahrtschiffe speziell für die Karibik

Edwin Stephan schwebte eine auf die Karibik spezialisierte Kreuzfahrtgesellschaft mit entsprechenden dafür konstruierten Schiffen vor. Diese Schiffe sollten kleiner und leichter sein als die Transatlantik-Liner, um Treibstoff zu sparen; einen geringen Tiefgang haben, um in flachen karibischen Häfen möglichst nicht tendern zu müssen; kleine Kabinen haben, damit möglichst viele Passagiere befördert werden und die Leute sich in öffentlichen, Umsatz steigernden Bereichen an Bord wie Bars und Shops aufhielten sowie – vorausschauend geplant – ein auffälliges äußeres Erscheinungsbild mit hohem Wiedererkennungswert besitzen, für den vor allem in späteren Jahren harten Konkurrenzkampf.

Um den Ängsten des Publikums zu entgegen und auch aus eigener schlechter Erfahrung legte Edwin Stephan außerdem Wert auf höchste Sicherheitsstandards – er war zuvor kurzzeitig General Manager der Yarmouth Steamship Company gewesen, als die Yarmouth Castle 1965 in dem schrecklichen Feuer unterging.

Nassau, San Juan und St. Thomas

Die Song of Norway war also das erste Kreuzfahrtschiff, das speziell für die Karibik konzipiert war und den damaligen Konkurrenten damit eine Nasenlänge voraus war. Denn bis dahin fuhren der Karibik eher alte Schiffe aus der Vorkriegszeit oder für das Transatlantik-Geschäft gebaute Schiffe mit großem Tiefgang, relativ wenig offen Außendecks und auch sonst einigen für die warme Karibik eher nachteiligen Features.

Die erste Route, die Royal Caribbean mit der Song of Norway befuhr, kommt einen auch heute noch vertraut vor: Miami – Nassau – Seetag – San Juan – St. Thomas – zwei Seetage – Miami. Im Unterschied zu heute blieb das Schiff allerding sowohl in San Juan als auch in St. Thomas jeweils bis zum späten Abend im Hafen.

Royal Caribbean stationierte seine ersten Schiffe im Miami, wo erst 1966 mit der Sunward (Norwegian Caribbean Line, späterer Name: NCL) überhaupt ganzjährig ein Kreuzfahrtschiff seinen Heimathafen hatte. Der Aufstieg Miamis als der Hafen schlechthin für Karibik-Kreuzfahrten löste schon Mitte der 70er-Jahre New York als größten Kreuzfahrthafen ab und behielt die Position als „Cruise Capital of the World“ bis heute.

Markenzeichen: Viking Crown Lounge

Viking Crown Lounge der Majesty of the Seas

Viking Crown Lounge der Majesty of the Seas

Von Anfang an wollte Edwin Stephan ein ganz besonderes Markenzeichen für seine Schiffe und lies sich dabei von der Space Needle in Seattle inspirieren, die erst wenige Jahre zuvor zur Weltausstellung in Seattle gebaut worden war. Und so haben alle Royal-Caribbean-Schiffe diese so genannte „Viking Crown Lounge“. Diese Aussichts-Lounge hoch oben am in Richtung Heck des Schiffs platzierten Schornstein war auf den ersten Royal-Caribbean-Schiffen übrigens nur über eine Außentreppe erreichbar und nicht wie heute bequem von innen per Aufzug. Die Viking Crown Lounge hatte zunächst auf den ersten drei Schiffen (Song of Norway, Nordic Prince, Sun Viking) nur einen Blick nach hinten und seitlich, die Song of America und Sovereign of the Seas bekamen dann erstmals eine Lounge mit Rundumblick.

Das Markenzeichen war Edwin Stephan so wichtig, dass die Viking Crown Lounge beim Verkauf der Nordic Prince und der Song of Norway 1995 und 1997 abgebaut werden musste – die Käufer sollten sich nicht damit schmücken können.

Top-Entertainment schon 1970

Damals stand übrigens Top-Entertainment schon hoch im Kurs: Royal Caribbean flog international bekannte Stars sogar nach San Juan ein, um während der Kreuzfahrt die Entertainer auszuwechseln und den Passagieren noch mehr Abwechslung zu bieten. Aus heutiger Sicht kurios – in einem Zeitungsinterview sagte Edwin Stephan 1971: „Wir setzen die Stars nicht für unsere Werbung ein, da wir festgestellt haben, dass allein schon die Überraschung für die Passagiere, herauszufinden wer (an Bord) auftritt, für zusätzliches Entertainment sorgt.“

Royal-Caribbean-Anzeige in der St. Petersburg Times (Florida) im August 1974

Royal-Caribbean-Anzeige in der St. Petersburg Times (Florida) im August 1974

Spannend ist auch der Blick auf die Preise eine Kreuzfahrt aus der Anfangzeit: Eine Anzeige in der St. Petersburg Times vom 25. August 1974 bewirbt 14-Tage-Kreuzfahrten auf der Nordic Prince und Sun Viking für ab 750 Dollar, 7-Tage-Fahrten auf der Song of Norway waren ab 375 Dollar zu bekommen. Das sind Preise, die man selbst heute noch gelegentlich bei besonders günstigen Sonderangeboten bekommt.

Der große Umbruch Ende der 80er-Jahre

Mit Richard Fain an der Spitze begann 1988 der große Umbau bei RCCL, ein Aufräumen der offenbar etwas chaotischen Verhältnisse in der Buchhaltung und die Auszahlung der in dem Streit um Carnival unterlegenen Anteilseigner Skaugens und Gotaas-Larsen. Neue Eigentümer von RCCL waren jetzt Anders Wilhelmsen & Co. sowie Pritzker-Familie (u.a. Eigentümer der Hyatt Hotels) und der Ofer-Familie (Cruise Associates).

Zugleich wurde die Holding umbenannt in „Royal Caribbean Cruises Ltd.“, kurz: „RCCL“. 1990 wurde das Hauptquartier nach Miami, Florida, verlegt. Das Unternehmen, dass die Royal-Caribbean-Schiffe betreibt, bekam übrigens erst 1997 seinen heutigen Namen „Royal Caribbean International“, kurz: RCI.

Vor allem im direkten Konkurrenzkampf mit dem Erzrivalen Carnival hatte RCCL wegen der Uneinigkeit unter den norwegischen Eignern viel Zeit beim Ausbau der Flotte verloren und war darüber hinaus trotz eines enormen Kreuzfahrboom in dieser Zeit kaum profitabel.

Das neue Ziel von RCCL lautete, nennenswert profitabel zu werden und einen internationalen, weltweit operierenden Kreuzfahrtkonzern für alle Altersgruppen und Nationalitäten aufzubauen. Neue Schiffe mussten also dringend her. Zu diesem Zeitpunkt besteht die RCI-Flotte aus fünf Schiffen:

  • Song of Norway (1978 um 26 Meter verlängert)
  • Nordic Prince (1980 um 26 Meter verlängert)
  • Sun Viking
  • Song of America (zum Launch drittgrößtes Schiff nach Norway und Queen Elisabeth 2)
  • Sovereign of the Seas (1987 zum Launch das größtes Kreuzfahrtschiff der Welt, 2.697 Passagiere)

Zwei zusätzliche, neue Schiffe für RCI brachte die Übernahme von Admiral Cruises, einer Gotaas-Larsen-Tochter. Die beiden neuesten Admiral-Schiffe werden als Nordic Empress (2004 renoviert und in Empress of the Seas umbenannt) und Viking Serenade in die RCI-Flotte übernommen und dienen auch zur Überbrückung, bis die beiden Neubauten Monarch of the Seas (1991) und Majesty of the Seas (1992) als Schwesterschiffe zur Sovereign of the Seas in Betrieb gehen. Die älteren Azure Seas und Emerald Seas verbleiben in der Tochter Admiral Cruises und werden 1992 verkauft, was zugleich das formelle Ende für Admiral Cruises bedeute.

40 Jahre Royal Caribbean – Teil 2

Im zweiten Teil des Artikels zum Jubiläum von Royal Caribbean lesen Sie die spannende Geschichte einer rasanten Flottenerweiterung, beginnend mit der Sovereign of the Seas – dem damals größten Kreuzfahrtschiff der Welt. Es kommen der haitianische Privatstrand Labadee und die Privatinsel Coco Cay dazu, Vision- und Radiance-Class, Freedom Class und schließlich der grandiosen Oasis of the Seas und Allure of the Seas entstehen. -> weiter zu “40 Jahre Royal Caribbean- Teil 2”.

Royal Caribbean History

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2 Kommentare zu Royal Caribbean: Jungfernfahrt der Song of Norway vor 45 Jahren

  1. Christian on November 11, 2010 at 6:19 pm

    November 1070??? Das soll wohl 1970 bedeuten. Da war wohl der Fehlerteufel am Werk .-)

  2. Franz on November 11, 2010 at 6:27 pm

    Naaah, so alt ist das Schiff dann doch nicht ;-))) Klar, 1970. Ich korrigier’s gleich. Danke.

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