„Beim Preis-Leistungs-Verhältnis kann kein Hotel mithalten“

Gastbeitrag von Christoph Assies
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Klaus Lugmaier
Norwegians oberster Hoteldirektor, Klaus Lugmaier (Bild: Christoph Assies)

Seit über 25 Jahren arbeitet der Österreicher Klaus Lugmaier für Norwegian Cruise Line und hat schon bei zahlreichen Indienststellungen neuer Kreuzfahrtschiffe mitgearbeitet. An Bord der neuen Norwegian Getaway hat cruisetricks.de-Gastautor Christoph Assies den 46jährigen Regional Vice President, Fleet Hotel Operations zum Exklusiv-Interview getroffen.

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Im Gespräch mit cruisetricks.de sprach Lugmaier über die Herausforderungen bei der Einrichtung eines neuen Schiffes, die Zusammenarbeit mit der Papenburger Meyer Werft und die Zukunft der Kreuzfahrt gesprochen.

Klaus Lugmaier arbeitet seit 1988 für Norwegian Cruise Line, seit 1994 als Hoteldirektor auf Schiffen der Norwegian-Flotte, seit 2008 dann als Fleet-Hotel-Director. Im vergangenen Jahr stieg Lugmaier dann zum obersten Hoteldirektor der Reederei auf und ist als „Regional Vice President, Fleet Hotel Operations“ für den Bereich Hotel Operations der gesamten Norwegian-Flotte verantwortlich.

Wie lief es denn bei der Indienststellung der Norwegian Getaway?

Na ja, die Meyer Werft ist natürlich eine der besten Werften der Welt. Das ist Qualitätsarbeit made in Germany. Da gibt es nichts Besseres. Eine perfekte Werft. Das Schiff war sehr viel früher fertig, als ursprünglich vorgesehen. Das gab uns die Möglichkeit viele Dinge schon im Vorfeld auszuprobieren und die Abläufe an Bord zu trainieren. Der Hoteldirektor Sean Wurmhoeringer hier an Bord hat schon viele Schiffe mit mir in Dienst gestellt, er hat ein sehr erfahrenes Team um sich. Die Crew ist zusammengestellt von erfahrenen Mitarbeitern unserer 13 Schiffe und das ergibt einen sehr guten Mix.

Obwohl die Crew aus vielen erfahrenen Mitarbeitern besteht, proben Sie die Abläufe trotzdem immer wieder?

„Das ist wie bei einem neuen Auto, das muss auch eingefahren werden.“Ja, das musst Du. Das ist wie bei einem neuen Auto, das muss auch eingefahren werden. Und wenn die ersten Gäste an Bord eines neuen Schiffes kommen, ist es wichtig, dass alle Abläufe richtig funktionieren. Es muss alles perfekt sein: Vom Einchecken an der Gangway bis zum Servieren des Essens in den Restaurants.

Die Norwegian Epic ist speziell für Europa gebaut worden, Breakaway und Getaway für Basishäfen in den USA. Unterscheiden sich Amerikaner oder Europäer eigentlich so sehr?

Das fängt bei banalen Dingen wie den Sprachen an. Du musst auf einem europäischen Schiff die Programmhinweise und die Durchsagen in mehreren Sprachen parat haben. Die Essenszeiten sind verschieden: Die Spanier essen beispielsweise spät, wir Mitteleuropäer irgendwie so gegen 19.30 Uhr und die Engländer gegen 18 Uhr. Aufgrund unserer Erfahrungen mit den europäischen Schiffen haben wir mittlerweile eine gute Datenbank, welche Menüs wo funktionieren und wie die Auswahl und Vielfalt auf den einzelnen Kreuzfahrten sein muss.
„Die Gäste haben heutzutage sehr viel Auswahl.“Es kommt auch auf die Dauer der Reise an. Darüber hinaus ist uns ein ständiges Feedback von den Gästen sehr viel wert. Auf dem Kreuzfahrtmarkt haben die Gäste heutzutage sehr viel Auswahl. Unsere Crew spricht den Gast an und hört auf sein Feedback. So versuchen wir immer konsequent unsere Angebote weiterzuentwickeln, um ein optimales Produkt anbieten zu können.

Ist es denkbar, dass ein weiterer Neubau wie die Getaway komplett auf Europa ausgelegt und hier stationiert wird?

Unsere Schiffe, die derzeit in Europa kreuzen, wie die Norwegian Star, die Jade, die Spirit und eben die Epic sind erfolgreich, wir haben sowohl hier, als auch in der Karibik sehr viele europäische Gäste an Bord. Wie die Ausrichtung in Zukunft sein wird, kann ich dir nicht beantworten. Aber wir schauen generell immer auf neue Märkte und hinterfragen, welches Schiff passt wohin. Mit der Norwegian Escape und der Norwegian Bliss bauen wir ja noch zwei Superschiffe in Norddeutschland und dann werden wir schauen wie der Markt aussieht, wo die Nachfrage ist.

Wohin wird sich die Kreuzfahrt aus Ihrer Sicht entwickeln?

„Beim Preis-Leistungs-Verhältnis eines Kreuzfahrtschiffes kann kein Hotel mithalten kann.“Also ich bin der festen Überzeugung, dass bei dem Preis-Leistungs-Verhältnis eines Kreuzfahrtschiffes kein Hotel mithalten kann. Ich sehe die Zukunft der Kreuzfahrt weiterhin sehr positiv. Wir sind mit unseren Schiffen sehr flexibel und bieten unseren Gästen ein internationales Flair. Für uns ist natürlich positiv, dass unser Freestyle-Cruising-Konzept immer mehr kopiert wird. Die Kreuzfahrt wird lockerer. Die Angebote bieten natürlich schon die Möglichkeit, dass der Gast eben nur das Schiff genießt. So wie auf einer 10-tägigen Transatlantikpassage.

Was ist für Sie die größte Entwicklung in Ihren 25 Jahren Berufserfahrung?

Klaus Lugmaier mit einer Kellnerin des Restaurants "Tadte" auf der Norwegian Getaway
Klaus Lugmaier mit Kellnerin des Restaurants „Taste“ auf der Norwegian Getaway (Bild: Christoph Assies)

Wir waren ja schon recht früh Trendsetter: Norwegian Cruise Line hatte die erste eigene Insel, wir hatten das erste a la Carte-Restaurant auf See und so weiter und so weiter. Jetzt schauen wir uns dieses Schiff, die Getaway an: Hier hat der Gast die Möglichkeit aus 27 Bars und Lounges auszuwählen und dazu kann er exzellente Broadwayshows auf hoher See anschauen. Das in Kombination mit der Route durch die Karibik ist schon etwas besonders. Technisch hat die Informationstechnik die Arbeitsabläufe aber auch das Leben für uns an Bord sehr positiv beeinflusst. Als ich beispielsweise zu Beginn meiner Laufbahn auf´s Schiff ging, da war ich für drei, vier Monate regelrecht von der Bildfläche verschwunden.

Denken Sie nicht, dass bei dieser Fülle an Möglichkeiten für die Gäste bald das Limit erreicht ist?

„Du möchtest ja auch nicht jeden Tag dein Schnitzel haben, oder?“Nein, das brauchst Du heute für den Gast zur Auswahl. Die Restaurants sind ja auch nicht alle riesig, sondern so, dass sich die Gäste gut verteilen. Mit den Angeboten bieten wir den Gästen Auswahl und Abwechslung. Du möchtest ja auch nicht jeden Tag dein Schnitzel haben, oder?

Wonach beurteilt ein Kreuzfahrtgast ein neues Schiff? Die Größe des Spa-Bereiches, die Zahl der Restaurants, das Entertainment?

Das kann man pauschal nicht sagen. Jeder Gast hat einen anderen Geschmack und setzt andere Prioritäten. Wichtig aus meiner Sicht ist Qualität, ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, guter Service und gutes Essen. Eigentlich zurück zum Ursprungsprinzip der Kreuzfahrt.

Und was macht für Sie auch nach 25 Jahren noch den Reiz Ihres Berufes aus?

Ich wollte immer schon die Welt sehen. Und mit dem Hotelfach, das ich gelernt habe, lässt sich das ganz gut vereinbaren. Die internationale Crew war aber für mich der ausschlaggebende Punkt, warum ich so lange geblieben bin. Natürlich hat das Ganze auch einen Nachteil: Familienleben kannst Du nicht haben, weil Du eben immer unterwegs bist. Das ist nichts für Jedermann. Toll ist die Flexibilität auf dem Schiff. Du hast hier 1680 Menschen in der Crew und bist damit super flexibel in allen Dingen.

„Du hat gleich zwei Monate am Stück Urlaub. Wo gibt´s das?“Toll ist natürlich auch, wenn Du Urlaub hast, hast Du gleich zwei Monate am Stück Urlaub. Wo gibt´s das? An meinem jetzigen Job gefällt mir, dass ich immer sehr viel herumreise. Früher war ich für vier bis sechs Monate Hotelmanager auf einem Schiff, dann ging es zum nächsten Schiff. Heute reise ich von Schiff zu Schiff. Hier auf der Getaway bin ich nun beispielsweise bis zum 23. Februar, dann steige ich aus und nehme mir vielleicht eine Woche Urlaub und dann gehe ich rüber nach Hawaii auf die Pride of America, danach geht’s auf die Norwegian Jewel in New Orleans.

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