Mit dem Einstieg in die Flusskreuzfahrt sorgt Celebrity Cruises für große Aufmerksamkeit in der Branche. Aber auch bei den inzwischen fünf Hochseeschiffe der Edge-Klasse und der Renovierung der Solstice-Baureihe gibt es spannende Entwicklungen. Cruisetricks.de hat sich mit Claire Stirrup, Managing Director UK, Ireland und EMEA bei Celebrity Cruises, zum exklusiven Interview getroffen.
Die Celebrity Solstice ist kürzlich nach einer umfassenden Renovierung wieder in Dienst gegangen, weitere Solstice-Klasse-Schiffe sind ebenfalls für Modernisierungen eingeplant. 2028 soll das sechste und vorerst letzte Schiff der Edge-Klasse in Dienst gehen, die Celebrity Xcite, und eine neue Schiffsklasse mit Projektnamen „Nirvana“ ist bereits angekündigt. Natürlich sprechen wir mit Claire Stirrup auch über Celebritys Hochseeflotte und die Pläne dafür. Aber am meisten interessieren uns zunächst die Pläne in der Flusskreuzfahrt.
Franz Neumeier: Steigt Celebrity Cruises noch größer als bislang gedacht in den Flusskreuzfahrtmarkt ein? Ich habe gehört, dass noch weit mehr Schiffe geplant sind als die bisher angekündigten 20 bis zum Jahr 2031.
Claire Stirrup: Oh, wie spannend.
Franz Neumeier: Und Sie eröffnen in Basel ein Büro mit 65 Mitarbeitern für Celebrity River Cruises. Planen Sie auch, eigene Steiger entlang der Flüsse zu bauen?
Claire Stirrup: Wir eröffnen unser eigenes Büro in Basel, das ist richtig. Zur Mitarbeiterzahl kann ich nichts sagen, da ich sie nicht kenne. Ich weiß, dass wir dort Personal haben und dass wir einstellen.
Franz Neumeier: Wird das ein völlig eigenständiger Geschäftsbereich für die Flusskreuzfahrten sein?
„Das entspricht für 2027 lediglich einer Reise eines Edge-Class-Schiffs.“
Claire Stirrup: Alle unsere Geschäftsbereiche sind durch gemeinsame Dienste eng integriert, aber wir haben unsere Hochseeschiffe, die den Großteil unseres Angebots ausmachen. Und obwohl Celebrity River Cruises für die Marke wirklich spannend ist, macht es im Moment nur einen kleinen Prozentsatz aus. Es fahren nur etwa 180 Gäste auf diesen Schiffen. Aus dieser Perspektive betrachtet, entspricht das für 2027 lediglich einer Reise eines Edge-Class-Schiffs. Das wird also in den kommenden Jahren wachsen und sich weiterentwickeln.
Franz Neumeier: Werden die jetzt geplanten Schiffe alle in Europa eingesetzt oder haben Sie weitere Destinationen im Blick?
Claire Stirrup: Wir schauen auf die ganze Welt. Wir werden dorthin gehen, wo die Kunden uns haben wollen.
Franz Neumeier: Und wissen Sie, wo das sein wird?
Claire Stirrup: Ja. Der Grund, warum wir in den Flusskreuzfahrtmarkt eingestiegen sind, war, dass über fünfzig Prozent unserer Gäste – sowohl Celebrity-Gäste als auch gruppenweit bei Royal Caribbean – bereits auf Flusskreuzfahrten unterwegs waren.
„Warum sollten wir dann nicht unsere eigenen Schiffe bauen und die Gäste in unserem Ökosystem behalten?“
Diese Details erfahren wir, wenn unsere Gäste von Bord gehen und die Fragebögen ausfüllen. Sie geben uns an, welche Urlaube sie für die Zukunft planen. Wir fragen sie danach und sprechen auch mit ihnen darüber, wo sie in der Vergangenheit Urlaub gemacht haben. So wussten wir also, dass der Celebrity-Gast bereits auf Flusskreuzfahrten unterwegs war. Warum sollten wir dann nicht unsere eigenen Schiffe bauen und die Gäste in unserem Ökosystem behalten?
Allein von dem, was wir hier heute sehen, zeigt sich: Kunden stechen vielleicht schon als Kinder mit Royal Caribbean in See. Wenn sie älter werden, kommen die Eltern vielleicht zu Celebrity Cruises und die Großeltern zu Silversea. Wir wollen unsere Kunden im Ökosystem der Royal Caribbean Group behalten.

Franz Neumeier: Warum ist keine andere Hochsee-Kreuzfahrtreederei bislang auf diese Idee gekommen?
Claire Stirrup: Ich habe absolut keine Ahnung. Ich weiß nicht, warum sie es nicht getan haben. Aber ich bin froh, dass wir es tun. Und wir sind nicht nur zum Spaß dabei. Wir nehmen alles, was wir in der Gruppe tun, sehr ernst. Und unsere Flussschiffe werden auch einige Elemente unserer Edge-Klasse enthalten, sodass man auf ihnen markante Orte von Celebrity Cruises entdecken wird.
Franz Neumeier: Wie sieht die Zielgruppe aus und aus welchen Märkten kommen die Leute, die die Flusskreuzfahrt bereits gebucht haben?
Claire Stirrup: Wir wissen noch nicht allzu viel, weil wir erst alle Informationen erhalten, wenn die Schiffe auslaufen und die Gäste eingecheckt sind. Aber wir können schon sagen, dass es derzeit eine bunte Mischung an Buchungen gibt, vor allem von unseren US-Kunden. Wir haben aber auch einen guten Anteil an europäischen und auch deutschen Gästen. Wir müssen die Schiffe jetzt aufs Wasser bringen. Das ist das Spannende daran.
Franz Neumeier: Die Preise sind relativ hoch, wenn man sie mit dem deutschen Markt vergleicht. Eine Flusskreuzfahrt ist hierzulange oft der Zweiturlaub. Man fährt vielleicht vier Tage auf der Mosel für 399 Euro, und Celebrity hängt bei dem Peis gleich mal eine Null an. Wie sieht die Strategie aus, um auch deutsche oder europäische Kunden zu gewinnen, die auf dem Fluss deutlich niedrigere Preise gewohnt sind?
„Wir kennen den Wert unseres Produkts, und genau dafür bezahlen die Gäste.“
Claire Stirrup: Ich glaube, es ist nicht anders als bei den Hochseekreuzfahrten: Wir sind eine Premium-Kreuzfahrtreederei und unterscheiden uns von anderen. Die Gäste sind bereit, dafür zu zahlen. Bei uns dreht sich alles um unseren Service, um die Details, und man bekommt das, wofür man bezahlt. Wir kennen den Wert unseres Produkts, und genau dafür bezahlen die Gäste.
Franz Neumeier: Wenn ich mir Europa anschaue, insbesondere die europäischen Flüsse, dann sind diese ziemlich voll. Die Schiffe liegen in Reihen zu dritt nebeneinander. Haben Sie eine Lösung dafür, nicht das dritte Schiff in einer Reihe sind?
Claire Stirrup: Wir freuen uns sehr darauf, dass Gäste von anderen Flussschiffen an Bord unseres Schiffes kommen und dabei automatisch unser Schiff besichtigen und kennenlernen.
Franz Neumeier: Sie sehen sich also nicht außen liegend, sondern eher immer als das erste Schiff an der Pier?
Claire Stirrup: Wer weiß, wo wir liegen werden? Ich kann dazu nichts sagen, aber es wäre toll, wenn die Leute über das Celebrity-Schiff laufen und sehen können, was wir zu bieten haben.
Franz Neumeier: Sie sind also zuversichtlich, dass es immer ausreichend Liegeplätze geben wird?
Claire Stirrup: Auf jeden Fall. Die Flüsse sind lang und es gibt viele davon auf der Welt. Wir fahren nicht das ganze Jahr über, und wir arbeiten eng mit allen Ländern zusammen, in denen wir fahren, mit allen Häfen und allen zuständigen Behörden. Die zuständigen Stellen werden dafür sorgen, dass nicht zu viele Schiffe auf den Flüssen unterwegs sind.
Franz Neumeier: Wen betrachten Sie als Ihre Hauptkonkurrenten in der Flusskreuzfahrt?
„Unsere Schiffe werden etwas Besonderes sein.“
Claire Stirrup: Ich glaube nicht, dass es da einen bestimmten gibt. Natürlich machen unsere Konkurrenten ihre Sache gut. Sie haben ihre eigenen Kunden und ihre eigenen Schiffe. Unsere Schiffe werden etwas Besonderes sein. Wir müssen also abwarten, was passiert, wenn wir auf den Markt kommen.
Wir wissen, dass die Nachfrage vorhanden ist. Die Konkurrenten beobachten sicher genauso genau, was wir tun, wie wir sie beobachten. Wir werden uns auf das konzentrieren, was wir gut können.
Franz Neumeier: Wechseln wir zur Hochsee-Kreuzfahrt. Privatinseln, Beach Clubs und Ähnliches stehen gerade hoch im Kurs. Wie wichtig ist das Thema speziell für Celebrity Cruises?
Claire Stirrup: Das betrifft die ganze Gruppe. Royal hat mit „Perfect Day at Coco Cay“ den Anfang gemacht. Laura Hodges Bethge, unsere Präsidentin, hat damals bei Royal Caribbean an diesem Projekt mitgearbeitet. Dann ist Celebrity Cruises dazugekommen, und es ist interessant, dass die Gäste von Celebrity eher in die Bereiche für Erwachsene und die ruhigeren Zonen gehen.
„Das Feedback zu Perfect Day at Coco Cay war phänomenal.“
Die Royal-Gäste nutzen eher die belebteren Bereiche, aber im Laufe des Tages überschneiden sich die Gruppen – und es entsteht eine gute Atmosphäre. Das Feedback zu „Perfect Day at Coco Cay“ war phänomenal. Wir sind dort schon seit einigen Jahren, und deshalb kommen nun auch die anderen Standorte hinzu: Cozumel, Paradise Island (Anm.: bei Nassau, Bahamas), und natürlich Santorini, worauf wir uns besonders freuen.
Wir sprechen mit unseren Gästen. Wir hören ihnen zu. Die Leute wollen Urlaub machen. Sie wollen auch dieses Maß an Exklusivität, das sie sonst nirgendwo bekommen. Wir werden weiter nach Möglichkeiten Ausschau halten.
Franz Neumeier: Sehen Sie eine Chance für weitere solche Orte in Europa?
Claire Stirrup: Hoffentlich. Wer weiß? Wir halten immer Ausschau nach dem, was als Nächstes kommt. Aber ich bin nicht diejenige, die das Scheckbuch in der Hand hat, deshalb kann ich dazu nichts sagen.
Franz Neumeier: Privatinseln, Beach Clubs – ist das eher etwas für das amerikanische und britische Publikum und weniger für die Europäer und Deutschen?
Claire Stirrup: Nein, das gilt für alle unsere Gäste. Die Nachfrage nach ‚Perfect Day‘ ist breit gestreut. Es war unsere erste Destination in der Karibik, und wir wissen, dass sich die Karibik auf dem deutschen Markt und den DACH-Märkten gut verkauft. In Großbritannien reisen die Leute in die Karibik, und sie genießen Coco Cay genauso wie die US-Gäste. Deshalb bringen wir auch Santorini nach Europa und starten mit ‚Perfect Day‘ in Mexiko und so weiter.
„Durch die verschiedenen Schiffsklassen ist für jeden etwas dabei.“
Die Flexibilität, die wir durch die große Anzahl an Schiffen haben, aber auch durch die verschiedenen Schiffsklassen – da ist für jeden etwas dabei. Was die privaten Destinationen angeht, ist es einfach Teil des Celebrity- und Royal-Caribbean-Erlebnisses, dass wir das Erlebnis an Land und auf See verbinden. Das ist etwas, das wir als Gruppe wirklich gut machen.
Bei den Celebrity-Schiffen und der Edge-Klasse geht es zunehmend darum, wie wir das Reiseziel an Bord zum Leben erwecken, aber auch darum, das Gefühl an Bord mit unseren eigenen Destinationen zu verbinden.
Franz Neumeier: Lassen Sie uns kurz über die Celebrity Solstice sprechen, die gerade aus der Überholung zurückgekehrt ist …
Claire Stirrup: Die Solstice-Klasse begleitet uns bereits seit 2008, und sie hat gerade eine 250-Millionen-Dollar-Investition hinter sich. Alle Kabinen wurden renoviert, und es gibt acht neue Bereiche auf der Celebrity Solstice. Einige Bereiche und Restaurants aus unserer Edge-Klasse wurden auf die Solstice übertragen. In den nächsten Jahren werden auch andere Solstice-Schiffe modernisiert.
Franz Neumeier: Sie haben auf der Solstice viele Kabinen hinzugefügt, ich glaube 43. Dafür wurde im Grunde der Basketballplatz im Teenager-/Kids-Clubbereich entfernt. Ist die neue Strategie, sich von familienorientierten Kreuzfahrten zu entfernen?
„Es ist ein großer Unterschied, was Teenager heute im Vergleich zu 2008 wollen.“
Claire Stirrup: Nein, aber der Bereich wurde nicht wirklich genutzt. Wir schauen immer darauf, welche Räume genutzt werden und welche nicht. Wenn man bedenkt, was Teenager heute wollen im Vergleich zu 2008, ist das ein großer Unterschied. Es sind eher Familien mit älteren Kindern ab etwa zehn Jahren, die mit uns reisen. Wir sehen auch immer mehr Mehrgenerationen-Familien, was uns freut.
Franz Neumeier: Was hat sich denn am Verhalten und den Bedürfnissen von Kindern oder Familien verändert?
„Das Feedback von Kindern ist genauso wichtig wie das der Erwachsenen.“
Claire Stirrup: Es ist die Technologie, ganz klar. Wenn man sich anschaut, was Kinder Anfang der 2000er-Jahre gemacht haben und was heute, fast zwanzig Jahre später, dreht sich alles um Technologie. Die Außenbereiche auf dem Schiff gibt es weiterhin, daran haben wir nichts geändert. Wir haben auch das Kinderprogramm angepasst. Und man merkt an der Teilnahme der Kinder, wie gut sie sich einbringen. Ihr Feedback ist genauso wichtig wie das der Erwachsenen.
Franz Neumeier: Welche Pläne haben Sie für die älteren Schiffen der Millennium-Klasse?
Claire Stirrup: Sie werden weiterhin gut gebucht und bieten hervorragende Routen an. Da es sich um etwas kleinere Schiffe handelt, können sie auch Häfen anlaufen, die für die größeren Schiffe nicht zugänglich sind. Wir haben einen Modernisierungs- und Revitalisierungsplan für die nächsten zehn Jahre, für alle unsere Schiffe: von der Millennium-Klasse über die Solstice-Klasse bis zur Edge-Klasse. Auch die Celebrity Edge ist nun schon etwa sieben Jahren im Dienst. Es werden also alle renoviert, einige sind es bereits.
„Diese Schiffe sind so etwas wie das Juwel in unserer Krone.“
Viele Kunden lieben die Millennium-Klasse und deren Reiserouten. Die Crew, die auf diesen Schiffen arbeitet, schätzt das ebenfalls. Diese Schiffe sind so etwas wie das Juwel in unserer Krone. Insbesondere die Celebrity Infinity ist auf dem deutschen Markt beliebt. Das hat sich in den letzten Jahren bestätigt.
„… deshalb haben wir viele Stammgäste auf der Celebrity Infinity.“
Es geht auch darum, dass der richtige Kunde auf dem richtigen Schiff ist. Vielleicht bevorzugen manche den traditionelleren Stil der etwas älteren Schiffe, und deshalb haben wir viele Stammgäste auf der Celebrity Infinity.
Was Celebrity ausmacht und besonders macht, ist die Aufmerksamkeit und der persönliche Service der Crew – und das gilt für jedes unserer Schiffe –, sowie die große Vielfalt des Unterhaltungsangebots an Bord.
Franz Neumeier: Meine letzte Frage betrifft die angekündigte, neue Schiffsklasse, „Project Nirvana“: Wieviel können Sie uns dazu verraten?
Claire Stirrup: Was ich sagen kann: Eine sehr kleine Gruppe von Menschen arbeitet daran – unter Verschluss, streng vertraulich –, und sie entwickeln Träume, wie die Zukunft aussehen könnte.
Wenn man ein Schiff entwirft, entwirft man es nicht nur für den Moment der Indienststellung, denn es wird ja viele Jahre im Dienst sein. Man muss also berücksichtigen, wie die Kunden in zehn Jahren buchen werden, was sie dann wollen. Das ist wie bei dem Kinder-Thema: Wenn man daran denkt, was Kinder 2008 gemacht haben im Vergleich zu heute – bei Aktivitäten und Technologie: Die Welt verändert sich ständig.





