Auf Kreuzfahrt günstig ins Internet

Der Internet-Zugang der Kreuzfahrtschiffe per WLAN oder im Internet-Café ist zwar bequem, aber teils sehr teuer. Wer auch auf Kreuzfahrt bei Facebook & Co nichts verpassen will oder beruflich unterwegs online gehen muss, findet kostengünstige oder sogar kostenlose Alternativen in Internet-Cafés und bei freien WLAN-Hotspots an Land sowie über günstige Auslands-Datentarife deutscher Mobilfunkanbieter oder Datentarife lokaler Mobilfunknetze.

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Die kostenlose Alternative – WLAN-Hotspots beispielsweise bei McDonalds und in zunehmend mehr Restaurants und Cafés an Land, oft auch auf der Straße vor Hotels oder in öffentlichen Parks oder auch in einigen Hafen-Terminals – ist die umständlichste. Schließlich muss man das Laptop zum Landgang mitschleppen und vor Ort (oder vorab per Internet) nach einem frei zugänglichen WLAN-Hotspot suchen. Nicht immer sind diese Verbindungen dann stabil oder genau zu der Zeit verfügbar, wenn man im Hafen ist.

Offene Wlans sind unsicher

Das Kernproblem dieser kostenlosen Hotspots, vor allem wenn man den Internet-Zugang geschäftlich nutzt ist außerdem: Offene WLANs sind in Sachen Datensicherheit sehr kritisch. Denn jeder Hacker kann in solchen Netzen übertragene Daten und E-Mails, eventuell auch eingetippte Passwörter mitlesen, sofern die Verbindung nicht mit SSL verschlüsselt ist, wie das inzwischen häufig der Fall ist (zu erkennen am grünen Schloss-Symbol in der Adresszeile des Browsers). Wer solche Netze nutzt, sollte also sehr vorsichtig sein und danach möglichst schnell über eine gesicherte Verbindung die verwendeten Passwörter ändern. Weitere Tipps zu diesem Thema gibt’s in unserem Beitrag „Vergnügen statt Risiko: Sicherheits-Tipps für Landausflüge“.

Problematisch sind zunehmend auch Daten, die von Smartphone-Apps im Hintergrund und vom User weitgehend unkontrollierbar übertragen werden. Wer hier ganz sicher gehen will, installiert eine Firewall-App, die Datenübertragung im Hintergrund grundsätzlich blockiert und nur ausgewählte Apps überhaupt die WLAN-Verbindung nutzen lässt (siehe Beschreibung dazu im Beitrag „Telefon und Internet im Ausland…“).

Tipp: Wer kostenlosen WLAN-Zugang im Hafen sucht, hält am besten Ausschau nach Crew-Mitgliedern von Kreuzfahrtschiffen. Wo mehrere von ihnen mit Laptop in einem Café, in einer Eisdiele oder auf einem öffentlichen Platz sitzen, dort gibt es garantiert einen kostenlosen WLAN-Internetzugang. Oder fragen Sie Ihren Kellner oder Kabinensteward, ob er im jeweils nächsten Hafen einen kostenlosen WLAN-Hotspot kennt.

Lokale Prepaid-Sim-Karten

Eher unpraktisch ist auf Kreuzfahrt der Kauf lokaler Prepaid-Mobilfunkkarten. Denn zum einen ist das teilweise gar nicht so einfach und es kostet Zeit, einen passenden Shop an Land zu finden. Zum anderen benötigt man auf einer Kreuzfahrt gleich mehrere solcher Karten – womöglich jeden Tag eine andere, wenn man auf der Kreuzfahrt beispielsweise Hafenstopps in Spanien, Frankreich, Italien und auf Malta hat. Wer diese Länder nicht regelmäßig bereist, hat schnell einen Stapel kaum benutzter und damit letztlich viel zu teurer Prepaid-Karten herumliegen.

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Trotzdem: Wer diese Variante bevorzugt, findet beispielsweise im Spiegel-Online-Beitrag „Handy-Nutzung auf Reisen“ eine gute Übersicht über die Möglichkeiten, sich solche Prepaid-Karten auch schon vor der Reise zu beschaffen.

Tipp: Wer die Datenverbindung nicht nur direkt am Handy nutzen, sondern auch mit Familienmitgliedern teilen oder am Laptop nutzen will, sollte beim Kauf der SIM-Karte unbedingt darauf achten, dass die Karten das so genannte „Tethering“ erlauben – also das Teilen einer Internet-Verbindung per WLAN. Viele SIM-Karten blockieren diese Funktion nämlich.

Daten-Roaming im Mobilfunk-Vertrag enthalten

Zum 15. Juni 2017 sind innerhalb der EU die Roaming-Gebühren sowohl für Telefonie als auch für Daten weggefallen. In EU-Ländern können also die im Mobilfunkvertrag enthaltenen Datenvolumen genau so benutzt werden wie in Deutschland.

Ein wenig Vorsicht ist trotzdem geboten: Je nach Provider sind nämlich Länder und Sondergebiete wie Norwegen, Schweiz, Isle of Man, die britischen Kanalinseln sowie San Marino, Andorra und Monaco manchmal mit Roaming-Gebühren belegt, manchmal aber auch nicht. Und auch für den Fall, dass man die im Vertrag enthaltenen Datenmengen überschreitet, sollte man sich genau zu den dann anfallenden Gebühren erkundigen.

Ein Blick genauer in die aktuellen Tarife des eigenen Anbieters lohnt sich hier also. Zudem sollte man bei den Tarifen prüfen, ob Tethering erlaubt ist. Das ist die Nutzung der Handy-Internet-Verbindung auch am Laptop.

Skyroam

Mit sogenannter „virtual SIM“-Technik arbeitet Skyroam – aber eigentlich muss einen die Technik dahinter gar nicht interessieren. Skyroam ist einfach ein kleines Gerät, dass fast überall auf der Welt eine Internet-Verbindung per Mobilfunk herstellt und als kleiner Wlan-Hotspot fungiert, übe den man aus das Internet zugreifen kann. Das Gerät kostet 99,99 Dollar, kann aber auch kostenlos ausgeliehen werden. Eine 24-Stunden-Flatrate kostet bei Skyroam 8 Dollar (9,95 Dollar mit Leihgerät), hat weder Datenmengen- noch Tempo-Limits und kann mit bis zu fünf Smartphones oder Laptops gleichzeit genutzt werden. Mehr Details dazu in meinem ausführlichen Testbericht zu Skyroam. Update: Inzwischen gibt es mit Skyroam Solis auch ein Skyroam-Gerät mit integrierter 6.000-mAh-Powerbank.

Know Roaming

Wer sowohl Daten als auch Telefonie fürs Ausland braucht, findet bei Know Roaming eine sehr komfortable Lösung. Die Technik ist faszinierenden: Ein dünner Chip-Aufkleber übernimmt die Kontrolle über die SIM-Karte im Handy und stellt im Ausland wahlweise manuell oder automatisch die Verbindungen zu deutlich günstigeren Tarifen her. Details dazu in meinem Testbericht „Telefon und Internet im Ausland per SIM-Aufkleber“.

Der SIM-Aufkleber kostet einmalig 29,99 US-Dollar. Internet gibt’s beispielsweise als Highspeed-Flatrate für 7,99 Dollar pro Tag. Auch Mehrtages- und Wochen-Tarife sind im Angebot.

Mobiles Datenroaming weltweit: TravelSIM und auslandSIM

Kostenmäßig inzwischen weniger interessant, aber ebenfalls weltweit einsetzbar, sind international agierende Mobilfunk-Anbieter wie AuslandSIM oder TravelSIM.

AuslandSIM ist ein guter Tipp für mobiles Telefonieren im Ausland, der Dienst bietet aber mit auslandSIM DATA auch Tages- und Wochen-Flatrates für mobiles Internet im Ausland an. Gestaffelt nach Ländern kostet ein Tagespaket mit 25 oder 50 MByte Datenvolumen 6 Euro, eine Wochenflatrate mit 100 oder 200 MByte Datenvolumen 23 Euro oder bis hinauf zu einer 1-GByte-Monats-Flatrate für 90 Euro. Diese Tarife sind verfügbar zum mobilen Surfen beispielsweise in vielen europäischen Ländern, den USA, Türkei, Ägypten, Hongkong, Ungarn, Indien, Indonesien, Israel, Neuseeland, Russland, Südafrika, Taiwan und Thailand.

TravelSIM bietet Internet-Zugang im Ausland mit Minuten-Abrechnung. Die Preise variieren hier je nach Land und beginnen bei 0,70 Dollar pro MByte.

Zum kostengünstigen Telefonieren unterwegs hatte wir von vor einiger Zeit eine Übersicht zusammengestellt, siehe „Günstige SIM-Cards zum Telefonieren im Ausland“. Denn auch das Telefonieren an Bord von Kreuzfahrtschiffen kann sehr schnell ins Geld gehen, wie unser Beitrag „Komplizierte Tarife: mobil telefonieren am Kreuzfahrtschiff“ zeigt.

(Bildquelle: Mike Licht, Lizenz Creative Commons CC BY 2.0)

25 Kommentare zu “Auf Kreuzfahrt günstig ins Internet

  1. Matthias, Danke für die Ergänzung. Travel & Surf setzt (wie auch der im Beitrag erwähnte O2-Tarif) voraus, dass man bereits Kunde des Mobilefunkanbieters ist – was natürlich unpraktisch für alle ist, dei bei einem anderen Anbieter sind ;-)

  2. Hallo,
    ich bin demnächst auf einer Transatlantik Kreuzfahrt von Barcelona nach Miami mit 10 Seetagen. Schätze mal, dafür gibt es keine Möglichkeit, mit einem Surfstick ins Internet zu kommen, oder? Denn so weit auf See gibt es ja bestimmt keinen Empfang.
    Falls da jemand Erfahrung diesbezüglich oder sonst Tipps hat, würde ich mich über eine Antwort freuen.
    Gruß
    Lena

  3. Lena, als Faustregel kannst Du davon ausgehen, dass Du mit etwas Glück eine Verbindung zu einem Mobilfunknetz an Land bekommmst, wenn Du Land siehst. Bei einer Transatlantik-Kreuzfahrt hast Du da keine Chance – also bleibt nur die (meist recht teure) Internet-Verbindung, die am Schiff selbst angeboten wird.

  4. NCL Epic, aber für mich kommt kein Internetzugang über die Reederei in Frage. Also wenn dann nur anders (günstiger), aber so wichtig ist das eh nicht, hatte mich nur mal so interessiert, ob man auch so weit auf See irgendwie Empfang haben kann. Könnte ja sein, dass ab und zu bewohnte Inseln mit Handyempfang in der Nähe sind.

  5. Hab‘ mir gerade mal die Fahrt angeschaut – das ist ja sensationell günstig; 13 Nächte elbst in einer Suite nur 1.600 Euro, Innenkabine 360 Euro; was für ein Schnäppchen! Viel Spaß!

  6. Hey Lena,

    wir sind in diesem Jahr auch auf der Transatlantikcruise und sind auch im letzten Jahr dort gereist. Die ersten 1,5 Tage bis Gibraltar ist meist Kontakt zum spanischen Mobilfunknetz. Deshalb haben wir auch eine spanische Prepaid-Sim vom Sommer behalten. Ab Gibraltar besteht nur noch Sateliten-Kontakt zu horrenden Preisen. Auf den Azoren ist auch gratis W-Lan in einem Einkaufzentrum gegenüber dem Hafen.

    Neu ist eine App eConcierce der NCL – diese habe ich schon geladen – wird aber erst im Eintreffen am Schiff und check-In interessant – damit soll zumindest die kostenfreie Kommunikation auf dem Schiff funktionieren – auf den Rest bin ich gespannt. Tolle Tour… *freu

  7. Hallo Jörg,

    von der App habe ich auch schon gelesen, aber für mich persönlich nicht so interessant.
    Gratis W-Lan in der Doris-Bar am Hafen in Ponta Delgada hatte ich mir auch schon notiert.
    Denke aber ich werde mein Netbook ganz zu hause lassen, das lohnt sich meiner Meinung nach nicht, es nur für diesen einen Tag mitzunehmen.
    Für die 1,5 Tage nach Gibraltar besorge ich mir jetzt auch nicht extra einen Surfstick.
    Aber gut zu wissen, dass man dann Handyempfang hat!
    Danke für die Info!

    Gruß
    Lena

  8. Zum Thema Datenschutz: Da sollte man auf seinem Gerät (egal, ob Laptop, Tablet oder Smartphone) immer ein VPN-Programm haben; gibt es kostenlos (http://www.chip.de/downloads/Hotspot-Shield-VPN_30200785.html) oder zum Jahresabo ).

    Anmerkung am Rande: In unserem Urlaubshotel in der Türkei gab es ein überall verfügbares, offenes Gartis-Netz, für das man sich aber als Hotelgast authentifizieren musste. Verunsichert war ich, dass man als Log-in seine Ausweisnummer und als Passwort seine Zimmernummer eingeben musste. Da ich mit OpenVPN (http://www.chip.de/downloads/OpenVPN_17376493.html) surfte, flog ich mehrmals raus und musste meine Daten an der Rezeption resetten lassen. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt…

  9. Ja, grundsätzlich ist VPN natürlich sinnvoll, wenn man sich ein wenig damit auskennt. Der Nachteil (und für viele daher eine ernste Hürde) ist aber, dass gerade kostenlose WLANs oft nicht perfekt konfiguriert sind und daher nicht gut mit VPN-Verbindungen zurecht kommen – also die Verbindung öftermal abbricht oder erst gar nicht zustande kommt. Und bei VPN werden auch mehr Daten übertragen, was eine langsame Verbindung leider noch langsamer macht.

    Grund dafür, dass das Hotel die Ausweisnummer verlangt könnte sein, dass in der Türkei wie grundsätzlich eigentlich auch in Deutschland der Betreiber eines Internet-Zugangs auch für die Inhalte verantwortlich ist, die da übertragen werden. Sprich, das Hotel will sich vielleicht einfach absichern, falls ein Gast etwas illegales tut … Ist aber nur eine Vermutung, ich kenne die diesbezügliche Gesetzgebung in der Türkei nicht.

  10. schon ärgerlich. Da kann man auch noch so ein super Kreuzfahrt Schnäppchen erwischen – wenn die Internet Rechnung dann alles übersteigt =/

  11. einfach im Browser die Anzeige von Bildern deaktivieren. Die Einschränkung beim Surfen ist gar nicht sol schlimm- spart aber extrem viel Datenvolumen. Alternativ Opera Mini: diese Browser komprimiert die Bilder selber und ist auch bei langsamer Datenanbindung recht flott.
    Und: die Updatefunktion bei Android deaktivieren, sonst wird man arm

  12. @holger: Guter Tipp, auch wenn manche Websites ohne Bilder nur noch schwer lesbar sind. Abschalten der Update-Funktion gilt übrigens nicht nur für Android, sondern insbesondere auch für Windows, wenn man mit dem Laptop online geht :-)

    Ansonsten spart man auch viel Online-Zeit durch Einsatz eines lokal installierten E-Mail-Clients, der die Mails abruft und man dann bei abgeschalteter Internet-Verbindung in Ruhe lesen und antworten kann und erst am Ende wieder kurz online geht, um die Antworten abzuschicken. Wer mit Google Mail arbeitet: Da gibt’s auch einen Offline-Modus, der so ähnlich funktioniert, bei mir allerdings mit dem Download von Dateianhängen Probleme macht – aber die sind aus Reisen im Zweifel auch nicht so wichtig.

  13. Hallo
    Ich gehe im April mit der AIDA auf die Kanaren Kreuzfahrt.
    Da wir fast immer in Spanien sind, kann ich für meinen Mobilen Hotspot eine Spanische Prepaid SIM Karte nutzen?
    Gruess Erika

  14. Technisch gesehen gibt es keinen Grund, warum ein mobiler Hotspot nicht auch mit einer spanischen Prepaid-Karte funktionieren sollte, da in Spanien die selben Mobilfunk-Frequenzbänder zum Einsatz kommen wie in Deutschland (anders wäre das z.B. in den USA).

    Aber natürlich muss der Hotspot SIMlock-frei sein und die Karte vom Mobilfunknetzbetreiber für diese Art von Nutzung zugelassen sein (in die Vertragsbedingungen schauen – manchmal dürfen solche Karten ausschließlich für Internet-Verbindungen mit dem Smartphone/Handy genutzt werden).

  15. Hallo ich habe mal eine Frage, ich würde gerne eine Kreuzfahrt mit der AIDA machen! Die Tour wäre die Kanarentour mit Madeira! Mein Freund ist selbstständiger anwendungsentwickler und meint er könne nicht auf eine Kreuzfahrt mit zwei seetagen, da er zu dieser Zeit keine sichere Verbindung zum Internet hat! Ist das wirklich so? Hat man auf der Route von Gran canaria nach Madeira nur Satellitenempfang??

    Danke für die Antwort!

    Lg Sarah Hartke

  16. @Sarah: Sie können davon ausgehen, dass Sie an Bord generell nur Satelliten-Internet (also über den relativ teuren Internet-Zugang übers Schiffsnetz) haben, außer das Schiff liegt direkt im Hafen. Während der Fahrt sind die Schiffe typischerweise zu weit von Land entfernt, als dass eine stabile Verbindung zu Mobilfunk-Masten an Land möglich wäre. Die Satelliten-Abdeckung ist in diesem Fahrgebiet aber sehr gut, sodass die Verbindung zuverlässig sein sollte.

    Ich denke, in diesem Fall ist die beste Möglichkeit wohl eine Flatrate, die bei AIDA mit 159 Euro pro Woche relativ günstig ist. siehe: https://www.cruisetricks.de/internet-gebuehren-am-kreuzfahrtschiff/

  17. Die deutschen Mobilfunkanbieter zocken nur ab in Großbritannien bekommt man für 15 Pfund unlimeted internet und mit Feel at home 25 Gb roaming in ganz Europa im monat. Warum schaft deutschland das nicht ich hoffe das es bald in ganz europa keine Roaming kosten mehr gibt !

  18. Der Artikel ist schlecht recherchiert!
    Die Aussage, daß öffentliche Hotspots gefährlich seien da jeder mitlesen kann, entbehrt folgenden Tatsachen:
    1. Mitlesen kann man nur unverschlüsselt übertragene Kennwörter. Da heute keine zivilisierten email-anbieter und Webseiten mehr existieren die unverschlüsselt übertragen, gibt es das Problem so kaum noch.
    2. Die Schiffs-Wlans haben exakt das selbe Problem wie die öffentlichen Hotspots: Sie sind offen ohne WPA-Schlüssel, so daß auch hier jeder im Falle von unverschlüsselt übertragenen Passwörtern mitlesen könnte. Hier vorauszusetzen, daß Schiffsgäste sowas nicht tun würden, ist doch eher naiv.

  19. Lieber Markus E.,

    mitnichten ist der Beitrag schlecht recherchiert. Sie haben Recht, wenn Sie sagen, dass Passwörter heutzutage (allerdings mit der entscheidenden Einschränkung: „zumeist“) verschlüsselt übertragen werden. Aber nicht nur Passwörter sind bei einem offenen WLAN ein Risiko – es ist nur am offensichtlichsten und deshalb plakativ auch für Laien zu verstehen. Insofern räume ich gerne ein, dass ich den Betriff „Passwörter“ in diesem Beitrag verwende, um eine detaillierte, technische Abhandlung über die vielfältigen Risiken einer offenen WLAN-Verbindung zu vermeiden, der die meisten Leser inhaltlich nicht folgen könnten (und sich im Detail dafür auch nicht interessieren würden). Ich habe die Formulierung im Beitrag ein wenig angepasst, um dieses Missverständnis künftig zu vermeiden …

    Hinzu kommt, dass SSL-Verschlüsselungen intercepted werden können, wenn sich jemand damit auskennt und dass SSL ja auch nur die übermittelten Daten verschlüsselt, nicht aber diverse Meta-Daten. Also beispielsweise die durchaus relevante Information, welche Website der User ansteuert. Klingt trivial, aber wenn ich als Hacker weiß, dass jemand Bank X nutzt, aus dem Datenverkehr vielleicht auch Namen und aus der Sprache das Herkunftsland ermittle und wenn ich berücksichtige, dass (leider) immer noch die Mehrzahl der Menschen haarsträubend unsichere Passwörter nutzt, dann reicht das schon für einen Angriff mit halbwegs guter Erfolgs-Chance. Bei Kreuzfahrern hat der Hacker noch einen großen Vorteil: Er weiß, wie lange sein Oper weitgehend wehr- und ahnungslos am Schiff unterwegs ist und hat alle Zeit der Welt, den Account zu knacken, bevor das Opfer wieder zu Hause ist und merkt, was da passiert.

    Noch ein gerne übersehenes Szenario ist bei offenen WLANs wichtig: sog. Honeypot-Netze. Also direkt von Hackern aufgesetzte WLAN-Netze, die nur den Zweck haben, über das freie und offene WLAN die Daten der Opfer abzufangen.

    Und blenden wir doch mal das klassische Web-Surfen mit dem Browser aus und schauen auf Smartphones, die einen erheblichen Anteil der Internet-Nutzung ausmachen: Wer weiß denn heute noch, welche seiner Apps im Hintergrund laufen, welche Daten die übertragen, ob sie Passwörter wirklich verschlüsselt übermitteln? Und auch hier wieder die fatale Gewohnheit vieler User berücksichtigt: Viele Menschen nutzen ein und dasselbe Passwort für mehrere oder alle ihre Accounts. Auch wenn es harmlos erscheint, wenn ein Hacker das Passwort einer belanglosen Spaß-App erbeutet – verwendet jemand das selbe Passwort für seinen E-Mail-Account oder die Bank, und kann der Hacker wie oben schon beschrieben über die unverschlüsselte Verbindung erkennen, welche Websites der User aufruft, dann hilft eben auch die SSL-verschlüsselte Passwort-Übertragung zum E-Mail- oder Bank-Server nichts, wenn der Hacker dass Passwort schon kennt und weiß, wo er es ausprobieren muss …

    Zu Punkt 2: Ja, stimmt, auch an Bord der Schiffe sind die WLANs offen, insofern per se unsicher. Nur sind an Bord leider auch die Schutzmöglichkeiten recht eingeschränkt, denn VPN-Verbindungen lässt so gut wie keine Reederei zu, weil sich damit natürlich beispielsweise in den Nutzungsregeln nicht zugelassene Youtube-Videos nicht blocken lassen. Ein gewisses Risiko bleibt also in den WLANs an Bord, allerdings doch mit einem erheblich geringeren Potenzial als an Land, denn es ist eher unwahrscheinlich, dass ein Hacker eine teure Kreuzfahrt bucht, um dort Daten abzugreifen. Das geht an Land viel effizienter, billiger, einfacher. Klar: wirklich sicher ist es auch hier nicht. Aber das habe ich in dem Beitrag auch nirgendwo behauptet.

    Herzliche Grüße,
    Franz Neumeier

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