Trinkgeld, die leidige Diskussion

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Trinkgeld

Trinkgeld (Bild: Obi, CC BY 2.0)

Trinkgeld für die Crew von Kreuzfahrtschiffen sorgt regelmäßig für hitzige Debatten. Die Argumente zu Trinkgeld und Service-Entgelt gehen meist wild durcheinander, Befindlichkeiten werden mit Fakten gemischt, Prinzipienreiter prallen auf Spendierhosen, die einen wollen die Reedereien zum Ändern ihrer Gehaltspolitik erziehen, die anderen stellen sich schützend vor die Crew. Und jeder hat aus seiner Sicht Recht – irgendwie jedenfalls.

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Ein Online-Reisebüro hat es kürzlich auf die Spitze getrieben und für eine MSC-Kreuzfahrt mit dem Hinweis geworben, dass die Reise besonders günstig sei, weil man dort ja inzwischen das Service-Entgelt nicht mehr bezahlen müsse. Eine heftige Diskussion folgte – die meisten waren empört über diese Art von „Geiz ist geil“-Mentalität, einige Diskutanten schlugen sich aber auch auf die Seite des Reisebüroinhabers, der sich zu Unrecht angegriffen fühlte.

Fast immer werden solche Diskussionen um Trinkgeld und Service-Entgelt emotional geführt und gehen oft am Kern der Sache vorbei. Deswegen versuchen wir hier, die einzelnen Aspekte der Trinkgeld-Diskussion auf Kreuzfahrtschiffen ein wenig zu ordnen und Zusammenhänge zu erklären. Als Ergänzung empfehlen wir vor allem auch unsere Beiträge „Trinkgeld auf Kreuzfahrt-Schiffen: Wie viel ist angemessen?“, „Zwangstrinkgeld – ein Ärgernis mit langer Geschichte“ und die Sichtweise eines Crew-Mitglieds: „Sind Sie ein Trinkgeld-Muffel?“.

Eigenmächtige Aktionen auf Kosten der Crew

Die Trinkgeld-Regelung werden von der Unternehmensleitung der Reederei definiert, die von Trinkgeld oder Serviceentgelt profitierenden Crew-Mitglieder haben darauf keinen Einfluss.

Das oft verwendete Argument, man verweigere das faktisch oder zumindest moralisch verpflichtende Trinkgeld und stecke lieber den Mitarbeitern ein paar Dollar persönlich zu, die einem auf der Reise tatsächlich zu Diensten sind, geht deshalb an der Sache vorbei. Denn die Verweigerung trifft schuldlose Crew-Mitglieder, bedeutet den Entzug ihrer Lebensgrundlage, trifft in den meisten Fällen auch derer Familien zu Hause und bevorzugt nebenbei auch noch einzelne Crew-Mitglieder unverhältnismäßig.

Ob man die Trinkgeldpolitik der jeweiligen Reederei persönlich gut oder schlecht findet: Prinzipielle Verweigerung oder eigenmächtige Umverteilung konterkariert die eigenen Argumente. Denn einerseits fordert man von den Reedereien ein gerechtes, nicht vorwiegend auf Trinkgeldern basierendes Lohnsystems, verhält sich zugleich aber höchst ungerecht und unfair, indem man den unschuldigen Crew-Mitgliedern „aus Prinzip“ einen Teil ihres Gehalts verweigert.

Wer an dem System etwas ändern will, sollte nicht die schuldlos Betroffenen bestrafen, sondern ich an die Reederei selbst wenden – sonst muss man sich den Vorwurf der Selbstgerechtigkeit gefallen lassen.

Zwangstrinkgeld als Reaktion auf Verweigerung der Passagiere

Zu einem gewissen Teil sind die Passagiere durch ihr geiziges Verhalten selbst Schuld daran, dass viele Reedereien mittlerweile das „Trinkgeld“ zu einem verpflichtenden „Serviceentgelt“ verwandelt haben. Auch wenn das natürlich ein typisches Henne-Ei-Problem darstellt – was aber in Hinblick auf die Crew nichts am aktuellen Status-quo ändert …

In vielen Ländern der Welt, nicht nur in Deutschland, sind Trinkgelder eher unüblich oder gänzlich unbekannt. Die Kreuzfahrt als Form des Massentourismus ist aber in Wesentlichen in den USA entstanden und dort sind hohe Trinkgelder völlig normal, die Gehaltsstrukturen im Dienstleistungssektor basieren stark auf Trinkgeldern als wesentlicher Teil der Bezahlung der Mitarbeiter. In den USA wird das als Teil der Leistungsgesellschaft betrachtet und keineswegs anstößig, so wie das in Deutschland oft empfunden wird.

Mit zunehmender Internationalisierung der Kreuzfahrt und einer wegen der geringeren Trinkgeldfreudigkeit der Passagiere schleichenden Reduzierung der Einkommen der Service-Mitarbeiter haben die Reedereien nach Wegen gesucht, die Bezahlung der Crew aufrecht zu erhalten. Und zwar ohne von den Gepflogenheiten in den USA abzuweichen – denn das hätten wiederum die immer noch deutliche Mehrheit an amerikanischen Kreuzfahrtpassagieren nicht verstanden. Also versuchte und versucht man, die Trinkgelder als dringende Empfehlung oder sogar als Verpflichtung einzukassieren, damit auch diejenigen Passagiere ihren Anteil an der Bezahlung der Service-Mitarbeiter leisten, in deren Heimatländern Trinkgeld unüblich ist oder eine allgemein egoistische oder übermäßig geizige Mentalität immer mehr um sich greift.

Deutsche Äpfel mit amerikanischen Birnen vergleichen

Deutsche Reedereien in der Trinkgeld-Frage mit internationalen Reedereien zu vergleichen, ist nur begrenzt sinnvoll, weil zumindest in weiten Teilen keine direkte Konkurrenzsituation besteht. Denn Bordsprache Deutsch ist für einen großen Teil der deutschen Kreuzfahrer entscheidendes Argument und erschwert den internationalen Anbieter den Wettbewerb deutlich. Deshalb können deutsche Reedereien von internationalen Gepflogenheiten verhältnismäßig risikofrei abweichen und eine andere Kultur bei der Bezahlung der Besatzung pflegen, nämlich höhere Grundgehälter zahlen und Trinkgeld tatsächlich als das ausgeben, was es nach unserem deutschen Verständnis sein sollte: vollkommen freiwillig und auch moralisch nicht verpflichtend – als Ausdruck von Dank für besonders herausragenden Service.

Warum ändern internationale Reedereien ihre Trinkgeldpolitik nicht einfach? Weil das Einrechnen der Trinkgelder in die Gehälter zu deutlich höheren, direkten Kosten und damit zu höheren Preisen führen würde. Angesichts der Preis-Sensibilität der Kreuzfahrt-Kunden weltweit würde sich die Reederei, die als erste Trinkgelder in die Reisepreise einrechnen würde, in einen erheblichen Wettbewerbsnachteil hineinmanövrieren. Schließlich stehen die internationalen Reedereien mit ihren Preisen eben nur in sehr geringem Ausmaß in Konkurrenz zu deutschen Reedereien am deutschen Kreuzfahrtmarkt, sondern vor allem auf dem britischen und amerikanischen Markt.

Wer jetzt auf die Idee kommt, alle Reedereien könnten sich doch einigen und gleichzeitig umstellen, der ist wohl – mit Verlaub – recht naiv, was das Konkurrenzverhalten internationaler Konzerne angeht. Es handelt sich nun einmal um gewinnorientierte Unternehmen, meist Aktiengesellschaften, und nicht um wohltätige Organisationen mit Weltverbesserungsambitionen.

Und die Politik kann nichts tun?

Ein gangbarer Weg, die Trinkgeld-Gepflogenheiten der Reedereien zu regeln, wäre nationale Gesetzgebung und Rechtsprechung. Darüber ließe sich eine einheitliche Handhabung für den deutschen oder gar europäischen Markt erreichen: Chancengleichheit für die Reedereien, Transparenz für die Kunden.

Letztlich wäre das eine politische Entscheidung, die man mit Verbraucherschutz begründen könnte. Allerdings sollte man beachten, dass auch die aktuellen Gerichtsurteile zum Thema „Zwangstrinkgeld“, nichts mit Verbraucherschutz zu tun haben. Die Vorgabe der Gerichte, dass obligatorisches Serviceentgelt  bei der Bewerbung von Reisen in den Gesamtpreis eingerechnet werden muss, ist wettbewerbsrechtlicher Natur, hat also nur den Zweck, Chancengleichheit zwischen Reisebüros herzustellen, indem sie gezwungen werden, für dieselbe Sache auch dieselben Prinzipien bei der Preisauszeichnung anzuwenden.

Die Frage ist also, wie weit der Staat in die Gestaltungsfreiheit von Unternehmen eingreifen will – traditionell und sinnvollerweise hält sich ein freiheitlich-demokratischer Staat bei solchen Regelungen so weit zurück wie nur möglich und greift nur dort ein, wo ein wirklich ernstes Problem auftritt. Hält der Staat sich hier nicht dezent zurück, kommen Dinge heraus wie die EU-Verordnung zum Krümmungsgrad von Bananen, und das will dann auch wieder niemand.

Amerikaner sind Trinkgeld gewohnt – und sie sind immer noch die Mehrheit

Noch eine Erklärung für das Festhalten der vieler Reedereien an ihrer Trinkgeldpolitik: Die USA ist nach wie vor der größte Kreuzfahrtmarkt der Welt und Amerikaner sind gewohnt, Trinkgeld zu geben. Sie wollen das explizit. Typisch sind 15 Prozent Basis-Trinkgeld selbst für mittelmäßige Leistung plus bis zu weiteren 10 Prozent bei sehr guter bis exzellenter Service-Leistung.

Amerikaner würden vollkommen verständnislos reagieren, wenn man ihnen erklären würde, das Trinkgelder sei schon im Reisepreis enthalten. Das würde ihnen nämlich die Möglichkeit nehmen, mit der Trinkgeldhöhe unterschiedliche Service-Qualität zu honorieren. Auf diese Befindlichkeiten müssen die Reedereien aber Rücksicht nehmen angesichts der großen Zahl an amerikanischen Kunden.

Es geht aber vielleicht doch, oder?

Dass es trotzdem anders gehen könnte, zeigt Carnival Cruise Line: Wer über die deutsche Vertretung der US-Reederei, die Münchener Interconnect Marketing, eine Carnival-Kreuzfahrt bucht, hat das Trinkgeld bereits im Reisepreis enthalten. Allerdings hat Carnival Cruise Line einen ziemlich geringen Marktanteil in Deutschland (das Hauptgeschäft macht die Carnival Corp. mit seiner deutschen Tochter-Reederei AIDA) und muss sich um mögliche Wettbewerbsnachteile keine großen Gedanken machen.

Kaum verallgemeinerbar ist das daher in Hinblick auf Reedereien wie beispielsweise Costa oder MSC, die in Deutschland intensiv versuchen, große Marktanteile zu erringen – denn das geht wohl vor allem mit nominell möglichst niedrigen Preisen. MSC hat ja – mutmaßlich – nicht etwa deshalb das bislang obligatorische Service-Entgelt in ein freiwilliges umgewidmet, weil sie ihre Gehalts-und Preisstruktur geändert hätten – die Crew ist nach wie vor auf dieses Geld angewiesen. Vielmehr zieht MSC damit unter anderem Konsequenzen aus diversen Gerichtsurteilen in Deutschland, die ein obligatorisches Trinkgeld als Teil des Gesamtpreises eine Reise sehen, die damit in den in der Werbung  genannten Gesamtpreis enthalten sein müssen. Erklärt man das Service-Entgelt offiziell nun als „freiwillig“, entfällt die Pflicht nach deutschem Reiserecht, diesen Betrag in den Gesamtpreis einzurechnen. Das schafft Chancengleichheit zu den Reedereien, wo Trinkgeld nominell nicht obligatorisch ist, letztlich aber ebenfalls mit Nachdruck erwartet wird.

Soviel auch zu der Hoffnung, man könne das Problem über gesetzliche Regelungen in den Griff bekommen, wenn man denn wollte.

Argument: Die Crew bekommt das Geld sowieso nicht

Natürlich können wir nicht beweisen, dass Trinkgelder und Serviceentgelte wirklich an die Crew ausgezahlt werden oder in einem Fonds für die Crew landet, noch gibt es Gegenbeweise. Fakt ist aber, dass alle der zahlreichen großen Reedereien, deren AGB wir in dieser Hinsicht geprüft haben, angeben, dass die Trinkgelder beziehungsweise das Serviceentgelt an die Crew geht. Lediglich Costa formuliert etwas schwammig: „Das Serviceentgelt wird vom Unternehmen als Anreiz für die Mitarbeiter genutzt, die Qualität der auf den Schiffen angebotenen Service-Leistungen kontinuierlich zu verbessern.” Was das genau bedeutet, lässt Raum für Spekulationen. Tatsächlich beteuert aber Costa, dass das Geld an die Crew geht, möglicherweise in Form von Crew-Partys, kostenlosen Landausflügen für die Crew und Ähnlichem.

Gelegentlich, wie beispielsweise bei Royal Caribbean International, findet man sogar eine detaillierte Aufschlüsselung, welche Service-Mitarbeiter wie viel von den empfohlenen Trinkgeldern bekommen: „Waiter: $3,75, Assistant Waiter: $2,15, Head Waiter: $0,75, Other Dining Staff (Buffet): $0,15, Stateroom Attendant: $3,85, Suite Attendant: $6,10, Other Housekeeping Service: $1,35“.

Insgesamt sollte man wohl annehmen, dass die Reedereien in ihren AGB nicht lügen. Wer so wenig Vertrauen hat, sollte vielleicht ohnehin nicht mit der betreffenden Reederei auf Reisen gehen.

Trinkgeld-Kürzung wegen schlechten Services

Trinkgeld entlohnt guten Service – das ist die Grundidee, über die sich alle einig sind. Tatsächlich trifft man gelegentlich auf Kellner, Restaurants-Chefs, Barkeller oder Kabinenstewards, die unfreundlich sind, sich wenig Mühe geben, regelmäßig grobe Fehler machen. Dann spricht nichts dagegen, das individuelle Trinkgeld zu kürzen, sofern man zunächst mit Freundlichkeit und Nachdruck versucht hat, die Situation zu verbessern.

Zwei Punkte sind hierbei aber essenziell: Trinkgeldkürzung ist nur fair, sofern die Trinkgeldkürzung nicht aufgrund des Verteilersystems der Reederei auch alle anderen Crewmitglieder trifft. Alle zu bestrafen, weil einer schlecht arbeitet, sollte man sich sparen. In der Regel sind einzelne Crew-Mitglieder ohnehin genug gestraft, wenn man sich über sie beschwert – das mögen Vorgesetzte auf Kreuzfahrtschiffen nämlich überhaupt nicht (siehe „Lahmer Service, lauwarmes Essen: beschweren oder nicht?“).

Punkt zwei: Man sollte immer zuerst prüfen, ob ein Problem wirklich die Schuld des jeweiligen Crew-Mitglieds ist. Ein Kellner kann noch so flink und freundlich sein – wenn die Küche ein Organisationsproblem hat, dauert das Essen ewig, obwohl der Kellner absolut nichts dafür kann. Lässt sich die Klimaanlage nicht so steuern, wie man sich das wünscht, liegt es in der Regel außerhalb der Macht des Kabinen-Stewards, daran etwas zu ändern – er ist schließlich kein Klimaanlagen-Techniker.

Fazit

Alle diese Aspekte spielen eine Rolle und zeigen, dass das Problem Trinkgeld und Serviceentgelt nicht auf die Schnelle und ganz einfach in Sinne der deutschen Vorstellungen zu lösen ist. Wer sich den Trinkgeld-Regelungen der jeweiligen Reedereien entzieht, sollte sehr genau überlegen, ob er damit nicht bei der Crew mehr Schaden anrichtet, als er mit seiner eigentlich guten Intention erreichen will.

Ein Frage stellt sich mir ganz persönlich bei dieser Diskussion immer wieder, wenn ich Kommentare lese, die sich maßlos über die vermeintlich ungerechte Trinkgeldpolitik der einen oder anderen Reederei aufregen: Warum hat der Kommentator dann bei dieser Reederei gebucht? Wem ein Produkt so zuwider ist, sollte es einfach nicht kaufen – respektive bei einer Kreuzfahrt: bei dieser Reederei nicht buchen.

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11 Kommentare zu Trinkgeld, die leidige Diskussion

  1. Miaminice on September 21, 2014 at 2:02 pm

    Vielen Dank für diesen Artikel. Wir fahren oft und sehr gerne mit RCCL und Celebrity. Die obligatorisch anfallenden Trinkgeldkosten von ca. 12 $ täglich nehmen wir gerne und dankend als gegebene Kosten an, ersparen sie uns doch eine Aufteilung, die wir faktisch so breit gefächert gar nicht vornehmen könnten. Guten individuellen Service honorieren wir mit zusätzlichem direkten Trinkgeld.

    Einen großen und unschätzbaren Beitrag an unserer Urlaubsfreude und der Freude wieder zurück zu kommen, leistet die Crew. Mit einem Lächeln im Gesicht und fast ausnahmslos authentischer Freundlichkeit bewältigt sie einen Knochenjob, den wohl keiner von uns auf der Gästeseite so einfach machen würde.

    Daher habe ich persönlich wenig bzw. gar kein Verständnis für diejenigen, die sich unter dem Deckmantel der „unerzwungenen Trinkgeldverteilung“ letztendlich nur ein paar Euro sparen möchten.

    Vielleicht tragen Artikel wie dieser ein wenig zur Einsicht bei.

    Weiter so!

    Oliver

  2. Erwin Häcker on September 24, 2014 at 10:01 am

    Ja, wenn die „Geiz ist geil“-Mentalität nicht wäre, aber die kunden werden u.a. dazu erzogen !

  3. Monika on September 25, 2014 at 6:55 pm

    Toller Artikel!
    Schau doch auch mal auf meinem Blog vorbei :)

  4. Olaf on September 26, 2014 at 7:38 am

    Hallo Herr Neumaier!

    Wie sehen Sie folgende Frage, die ich mir stelle: „Warum klappt die Trinkgeldpolitik bei AIDA (also im Reisepreis inkludiert) so gut, obwohl AIDA genauso wie Costa und 10 andere Reedereien ebenso zur Carnival gehört. Wie sehen Sie das?

    Weitere Frage der Sichtweise: Warum werden derartige „Zwangs-Trinkgelder“ (die in Amerika ganz normal sind – das ist mir klar) damit argumentiert, dass dann alle Mitarbeiter an Bord etwas davon bekommen? Das gibt es in der Hotelerie ja auch nicht – und da gibt es ebenso in jedem großen Hotel-Punker 100te Mitarbeiter im Hintergrund, die ich nie zu Gesicht bekomme.

    Bitte nicht falsch verstehen – ich habe noch nie Trinkgeld streichen lassen und honoriere Tischkellner oder Kabinenpersonal immer zusätzlich auch noch. Ich will die obigen Fragen wertfrei in den Raum stellen …

    Ciao aus Österreich!

  5. Franz Neumeier on September 26, 2014 at 7:55 am

    AIDA (ebenso: TUI Cruises) sind in einer anderen Situation als internationale Konkurrenten. Das hat nichts damit zu tun, zu welchem internationalen Konzern eine Reederei gehört (TUI Cruises gehört zu 50% ebenso einem US-Konzern, Royal Caribbean). Es geht nicht darum, wer zu wem gehört, sondern in welchem Markt man die Kreuzfahrten verkauft, sprich: was sich bei den Kunden durchsetzen lässt bzw. was die Kunden verlangen.

    Als deutsche Reedereien mit nahezu 100 deutschen Kunden haben AIDA und TUI Cruises einerseits einen Wettbewerbsvorteil im deutschen Markt, der ihnen mehr Spielraum bei Fragen wie Trinkgeldpolitik gibt. Andererseits haben internationale Reedereien eben nur einen kleinen Anteil an deutschen Kunden, die überwiegende Mehrheit dort kommt aus anderen Märkten, wo das Thema Trinkgeld eben anders gesehen wird als in Deutschland.

    Reedereien, die nur am deutschen Markt verkaufen, können/müssen also mehr Rücksicht auf deutsche Gewohnheiten nehmen, internationale Reedereien müssen sich nach den Märkten richten, in denen der größte Konkurrenzkampf herrscht und wo die Mehrzahl ihrer Passagiere herkommen.

    Jetzt könnte man natürlich sagen: Dann mache ich halt in Deutschland andere Preise und rechne das Trinkgeld ein. Stimmt – ob sich der Verwaltungsaufwand dafür allerdings lohnt (ggf. z.B. Umprogrammierung der ohnehin schon sehr komplexen, weltweiten Buchungssysteme u.ä.) ist dann natürlich eine Entscheidung der Reederei.

    Und sind wir darüber hinaus auch ehrlich: Wenn zwei vergleichbare Kreuzfahrten für zwei Personen einmal 1.500 Euro (plus Trinkgeld) und einmal 1.620 Euro (inkl.) kostet, dann bucht leider die Mehrzahl der Leute die billigere (natürlich um sich hinterher über die Zusatzkosten aufzuregen, so wie sie sich über billige, aber wässrige Tomaten im Discounter aufregen) – und. lernt auch nicht daraus, sondern bucht das Nächste Mal wieder vermeintlich billig.

    Ohne jetzt günstige Reedereien mit wässrigen Tomaten vergleichen zu wollen- Gott bewahre! ;-)

    Aber internationale Reedereien haben es am deutschen Markt richtig schwer, der ja zu mehr als der Hälfte schon von AIDA und TUI Cruises dominiert wird und eine (für internationale Anbieter) schwierige Vertriebsstruktur hat. Royal-Caribbean-CEO Adam Goldstein hat uns das in einem Interview mal sehr anschaulich beschrieben: http://www.cruisetricks.de/einblicke-adam-goldstein-ueber-den-deutschen-kreuzfahrtmarkt/ – Deshalb versuchen einige Reedereien ihr Glück hier (durchaus mit Erfolg) einfach mit sehr günstigen Angeboten. Würde man freilich auf einen 399-Euro-Preis das Trinkgeld noch oben draufschlagen bei der Preisauszeichnung, wäre der Effekt dahin …

  6. Franz Neumeier on September 26, 2014 at 8:03 am

    @Olaf – zum Thema „wer bekommt etwas vom Trinkgeld“:

    „Zwangstrinkgeld“ ist Amerikanern genau so verhasst wie uns. Amerikaner sind daran gewöhnt, viel Trinkgeld (freiwillig) zu geben. Der Zwang ist eher entstanden, weil viele nicht-Amerikaner auf den Schiffen eben nichts freiwillig gegeben haben und damit das System drohte zu kollabieren …

    Ansonsten unterscheiden sich die Schiffe nur insofern von Hotels an Land, als dass das Trinkgeld-Geben am Schiff von der Reederei organisiert, unterstützt und geregelt wird. Im Hotel muss das Service-Personal selbst schauen, wie und ob sie an ihr Trinkgeld kommen und auf die Fairness der Gäste hoffen. Am Schiff übe die Reederei mehr oder weniger intensiven Druck aus, dass Trinkgeld fließt.

    Aber auch auf den Schiffen kommt das Trinkgeld nicht *allen* Besatzungsmitgliedern zu Gute, sondern ebenfalls nur dem Service-Personal, also im Wesentlichen den Leuten an der Bar, den Kellnern und Kabinenstewards. Manche Reedereien schlüsseln das ganz transparent auf, bei anderen ist die genaue Verteilung nicht bekannt. Aber weder die Offiziere, noch die Matrosen und auch nicht die vielen Helfer im Hintergrund wie Schreiner, Klemptner, Koch und Küchenhilfe etc. bekommen etwas vom Trinkgeld ab.

  7. DJD on September 26, 2014 at 5:05 pm

    Trinkgeld!!, wie der Name besagt, wird zusätzlich zum Lohn oderGehalt, ein Geld an die Mitarbeiter bezahlt!.Wenn es bezahlt wird??. Das ist aber grundsätzlich die Angelegenheit der Mitarbeiter.EsWird sich doch bei diesen schon rumgesprochen haben, dass ein solches von den Anbietern gleich im Reisezeit einbehalten wird, oder es wird bei der Abrechnung dazugefuegt.Dabei ist es durchaus möglich bei sehr guter Serviceleistung ein zus. Trinkgeld direkt an das Servicepersonal zu leisten.
    DJD

  8. Franz Neumeier on September 27, 2014 at 7:48 am

    @DJD: Kurz nur ergänzt: Natürlich wissen Kabinenstewards, Kellner etc., dass Trinkgeld automatisch berechnet wird und sie wissen in der Regel auch, welcher Passagier das Trinkgeld unter Umständen gekürzt oder gestrichen hat.

  9. Wschiro on Oktober 5, 2014 at 9:53 am

    Hallo,
    Das mit den graduities bin ich ja seit Beginn meiner Kreuzfahrten gewohnt. Und ich habe meist auch dem Kabinenstuart und unserem Kellner was extra gegeben. Aber nun nicht mehr. RCI erklärt, dass nur noch my Time dinnerplätze verfügbar sind, obwohl die Fahrt 16 Monate vor Abfahrt gebucht wurde. Ist wenig glaubhaft. Es hängt wohl eher damit zusammen, dass das sog. Trinkgeld gleich fällig wird. Und das wird der deutschen Mentalität geschuldet sein. Wenn ich die gratuities nicht lieber auf dem Schiff abbuchen lassen würde, ich zahle lieber in Dollar, wäre es ja egal. Aber so bin ich in meiner Wahlfreiheit eingeschränkt, und das liebe ich nicht so sehr.. Trotzdem bleibe ich bei X oder RCI, halt Elite/Diamond

  10. Franz Neumeier on Oktober 5, 2014 at 10:05 am

    @Wschiro: Das könnte damit zu tun haben, dass Du Quantum oder Oasis gebucht hast (?). RCI stellt ja demnächst auf diesen Schiffe auf Dynamic Dining um, d.h. keine festen Tischzeiten und Tischreservierungen mehr, auch nicht im Hauptrestaurant. Damit gilt dann quasi My Time Dining für alle …

  11. Wschiro on Oktober 6, 2014 at 12:23 pm

    Nee, die großen mag ich (noch) nicht, war die Serenade, und wieder mal New England, da war mal was …

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