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"sponsored by Oceania Cruises" - was bedeutet das für cruisetricks.de?

Comeback von ex-Royal Caribbeans Adam Goldstein bei NCLH?

Der Hedgefonds Elliott Investment Management versucht, Norwegian Cruise Line Holdings unter Druck zu setzen:  Nachdem Elliott offenbar etwas mehr als zehn Prozent der Aktien von NCLH gekauft hat, stellen der Investor nun öffentlich die Unternehmensstrategie und die Zusammensetzung des Bord of Directors von NCLH in Frage. Elliott ist offenbar auch schon in Gesprächen mit Adam Goldstein, bis 2020 in Führungspositionen bei Royal Caribbean, um ihn im Board of Directors von NCLH zu platzieren.

Update: Elliott und NCLH haben sich Ende März 2026 auf eine Kooperationsvereinbarung geeinigt. Das Board of Directors wird in Teilen neu besetzt, Adam Goldstein ist darin aber nicht vertreten.

Elliott Investment Management ist bekannt als aktivistischer Investor, der in ähnlicher Manier schon andere Unternehmen unter Druck gesetzt hat, um Aktienkurse kurz- bis mittelfristig nach oben zu treiben (mehr dazu weiter unten im Absatz „Wie ein aktivistischer Hedgefonds wie Elliott vorgeht“).

Mit knapp über zehn Prozent Anteil an den Aktien ist Elliott jetzt zwar einer der größten Einzelinvestoren bei NCLH, braucht aber für die Durchsetzung von Forderungen und womöglich der Platzierung eines Directors im Board of Directors von NCLH die Unterstützung weiterer Investoren. Deshalb trägt Elliott die Auseinandersetzung mit dem Unternehmen in aller Öffentlichkeit aus.

Das Board of Directors hat mit John W. Chidsey gerade einen neuen CEO für NCLH mit den Kreuzfahrtmarken NCL Oceania Cruises und Regent Seven Seas Cruises engagiert, der seinen glücklosen agierenden Vorgänger Harry Sommer ablöste.

In einem öffentlichen Brief und einem Forderungskatalog unter Auflistung der – nach Elliotts Sichtweise – Schwachstellen des Kreuzfahrt-Unternehmens, schießt Elliott auch scharf gegen die persönliche Eignung des Board of Directors von NCLH und früherer CEOs.

Die Aktie von NCLH sei signifikant unterbewertet, kritisiert Elliott. Das Unternehmen habe wesentlich mehr Potenzial, als die Unternehmensführung in der Lage gewesen sei, auch umzusetzen.

Tatsächlich hat sich der Aktienkurs von Norwegian Cruise Line Holdings nach der Pandemie deutlich langsamer erholt als bei den Mitbewerbern Carnival Corp. und vor allem der Royal Caribbean Group, deren Kurs bereits deutlich über dem Kurs von vor der Pandemie liegt.

Auch schon vor der Pandemie, so kritisiert Elliott, habe das Board of Directors auf einen CEO gesetzt (gemeint ist der 2023 ausgeschiedene Frank Del Rio), „dessen Amtszeit durch verschwenderische Ausgaben, fehlgeleitete Strategien und einen Kursrückgang von mehr als 50 Prozent“ gekennzeichnet gewesen sei. Unter seinem Nachfolger (Harry Sommer) hätten wiederholte Fehlentscheidungen zu einer weiteren Underperformance von mehr als 140 Prozent im Vergleich zu den Mitbewerbern geführt.

Elliott schreibt weiter: „Wir glauben, dass die Kluft zwischen der aktuellen Performance von Norwegian und dem, was das Unternehmen unter einer kompetenten Führung erreichen sollte, eine der deutlichsten Wertschöpfungsmöglichkeiten auf den öffentlichen Märkten darstellt. Mit der richtigen Strategie und einer starken Umsetzung sehen wir einen klaren Weg für die Aktie, um einen Kurs von 56 US-Dollar pro Aktie zu erreichen, was einem Anstieg von 159 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau entspricht.“

Norwegian habe die „best in class“-Flotte, engagierte Mitarbeiter und ein fantastisches Preis-Leistungs-Verhältnis. Daraus können man wesentlich mehr machen, als die bisherige und derzeitige Unternehmensführung es tue.

Adam Goldstein als Mitglied des Board of Directors von NCLH?

Wie zunächst das Wall Street Journal berichtete und Adam Goldstein dann in einer Kolumne für Fortune mit dem Titel „Im partnering with Elliott to make sure, Norwegian Crusie Lines‘ best days are ahead“ auch selbst bestätigte, arbeitet er mit Elliott zusammen und sei für einem Posten im Board of Directors von NCLH offen.

Goldstein stellt in der Kolumne aber auch klar, dass er nicht „für Elliott“ im Board of Directors agieren wolle, sondern: „Wenn ich das Board berufen würde, würde ich als Director für alle Aktionäre, Kreuzfahrtgäste und Reisebüropartner von Norwegian fungieren – nicht für einen einzelnen Investor.“

Adam Goldstein hatte Anfang 2020 die Royal Caribbean Group verlassen, nachdem er dort über 30 Jahre in verschiedenen Funktionen tätig war, unter anderem als CEO von Royal Caribbean International von 2007 bis 2014 sowie Präsident und COO von Royal Caribbean Cruises Ltd. (RCL) und zuletzt als Vice Chairman von RCL. Ein konkreter Grund für sein Ausscheiden wurde damals nicht bekannt – mutmaßlich aber mangels weiterer Aufstiegschancen. Zeitweise war Goldstein auch als Chairman der Cruise Line International Association (Clia) tätig. Seit 2020 ist er abseits der Kreuzfahrt-Branche tätig.

Nun warten die Finanzmärkte aber erst einmal auf die Präsentation der Finanzdaten des 4. Quartals 2025 von NCLH sowie die Bilanz für das komplette Geschäftsjahr 2025, die am 2. März 2026 veröffentlicht werden soll.

Die Mitglieder des Boards of Directors werden bei der Hauptversammlung mit Mehrheit der Aktionäre gewählt. Will Elliott Adam Goldstein dort platzieren, muss entweder eine einvernehmliche Besetzung des Boards mit NCLH erzielt werden oder Elliott müsste bis zur Hauptversammlung, die voraussichtlich im Juni 2026 stattfindet, eine entsprechende Mehrheit für eine Kampfabstimmung organisieren.

Wie ein aktivistischer Hedgefonds wie Elliott vorgeht

Elliott Investment Management gilt als einer der aktivsten sogenannten „aktivistischen“ Hedgefonds weltweit. Das Unternehmen verwaltet Vermögen in Milliardenhöhe und ist dafür bekannt, Beteiligungen an Unternehmen aufzubauen, die nach seiner Einschätzung unter ihren Möglichkeiten operieren.

Immer wieder ist Elliott in der Vergangenheit mit einer substanziellen Beteiligung in ein Unternehmen eingestiegen, anschließend öffentlich mit Forderungen nach Veränderungen an Vorstand und Management aufgetreten, meist verbunden mit dem Druck auf Kostensenkungen, Restrukturierungen oder strategischen Neuausrichtungen, und verkauft seinen Anteil wieder, sobald die Aktienkurse die angestrebten Niveaus erreicht haben.

Der bekannteste Fall mit einem solchen Vorgehen ist Southwest Airlines, wo Elliott 2024 mit einem Anteil von rund elf Prozent einstieg. Der Fonds forderte daraufhin den Rücktritt von CEO Bob Jordan sowie eine grundlegende Überprüfung der Unternehmensstruktur und Strategie. Diese Auseinandersetzung war ähnlich wie jetzt bei Norwegian Cruise Line Holdings öffentlichkeitswirksam inszeniert: Elliott veröffentlichte Briefwechsel mit dem Management, startete eine Kampagne für einen außerordentlichen Aktionärstag und platzierte eigene Kandidaten für das Board of Directors.

Bei Southwest hatte die Strategie aus Sicht von Elliott einen gewissen Erfolg: Die Airline kündigte operative Einschnitte an und gab dabei auch zum Missmut vieler Stammkunden einige wesentliche USPs von Southwest auf, die das Luftfahrtunternehmen deutlich von anderen US-Airlines unterschied. Bob Jordon ist aber weiterhin CEO des Unternehmens.

Ähnlich verlief das Engagement beispielsweise bei AT&T, Sempra Energy oder Salesforce: Jeweils folgte auf den Einstieg eine Phase öffentlicher Forderungen, auf deren Druck hin Restrukturierungen eingeleitet und teils auch Führungswechsel vollzogen wurden, bevor Elliott seinen Anteil verkaufte – auch wenn man nicht alle Maßnahmen direkt auf den Druck von Elliptt zurückführen kann. Typischerweise spielen in solchen Situationen mehrere Faktoren eine Rolle.

Kritiker werfen Elliott vor, die kurzfristige Kurspflege über die langfristige Unternehmensentwicklung zu stellen. Maßnahmen wie Aktienrückkäufe, Dividendenerhöhungen oder Stellenabbau treiben Aktienkurse zuverlässig, entfalten aber ihre Risiken oft erst, nachdem der Aktivist längst ausgestiegen ist. Befürworter sehen in Elliott dagegen einen Disziplinierungsfaktor für Managements, die sich dem Aktionärsinteresse zu wenig verpflichtet fühlen.

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Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

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