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Harmony of the Seas

Warum ein Space-X-Raketenstart wegen der Harmony of the Seas abgebrochen wurde

33 Sekunden vor Countdown-Ende hat Space-X am Sonntag, 30. Januar 2022, den Start einer Falcon-9-Rakete in Cape Canaveral abgebrochen. Der Grund: Die Harmony of the Seas befand sich zum Zeitpunkt des geplanten Raketenstarts in der von der U.S. Space Force definierten Sperrzone vor der Küste Floridas. Warum das Kreuzfahrtschiff dort war, obwohl die Sperrzone hätte bekannt sein müssen, ist noch nicht geklärt.

Um 6:11 Uhr Ortszeit in Florida hätte am 30. Januar eine Rakete des Typs Falcon 9 von der Cape Canaveral Space Force Station abheben sollen. Für solche Raketenstarts legt die U.S. Space Force eine Zone rund um die Raketenbasis fest, in der sich weder Flugzeuge noch Schiffe aufhalten dürfen. Die genauen Grenzen dieser Sperrzone werden unter anderem von der Küstenwache in standardisierter Form für die Luft- und Schifffahrt veröffentlicht, einer sogenannten „Notices to Air Missions“ (NOTAM) beziehungsweise „Notice to Mariners“ (NOTMAR). Die Grenzen der Sperrzone sind im Falle der Space-X-Raketenstarts auch im Satellitenortungssystem AIS enthalten und lösen einen Warnhinweis bei Einfahrt in eine solche Sperrzone aus. Auch auf dem internationalen Notfall-Funkkanal VHF 16 macht die Küstenwache gewöhnlich Ansagen alle fünf Minuten beginnen zwei Stunden davor.

Zunächst war bei Abbruch des Countdowns am Sonntag unklar, welches Schiff sich in der Verbotszone befand. Spekuliert wurde um die MSC Meraviglia, die sich zu dem Zeitpunkt gerade an der Hafenausfahrt von Port Canaveral befand, die aber außerhalb der Sperrzone liegt. In Frage gekommen wäre auch das Frachtschiff Algoma Victory, das in nordöstlicher Richtung vor der Küste unterwegs war, allerdings wohl ebenfalls außerhalb der Sperrzone.

Später bestätigte die US-Küstenwache, dass die Position der Harmony of the Seas innerhalb der Sperrzone den Abbruch des Raketenstarts verursacht habe. Sowohl die Hafenbehörden als auch die Küstenwache bestätigen auch, dass eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet worden sei, um zu klären, wie es zu der Situation kommen konnte.

Möglicherweise befand sich die Harmony of the Seas auch nicht in der Sperrzone für den Start, sondern in einer etwas weiter gefassten Sperrzone für Landung einer wiederverwendbaren Raketenstufe acht Minuten nach dem Start. Die genauen Umstände wird wohl erst der Untersuchungsbericht der US-Küstenwache zeigen.

Eigentlich sind Raketenstarts in Cape Canaveral unmittelbar nördlich der Hafenausfahrt und die damit verbundenen Sperrzonen bekannt. Auch die relativ neue Flugbahn der Space-X-Raketen mit der damit verbundenen, südlicheren Sperrzone ist nichts gänzliche Neues. Der Kapitän der Harmony of the Seas hätte also davon wissen müssen und auch der Hafen-Lotse von Port Canaveral hätte den Kapitän wahrscheinlich noch einmal auf den bevorstehenden Raketenstart hingewiesen. Auch die Küstenwache selbst hätte möglicherweise früher erkennen können, dass die Harmony of the Seas auf einem problematischen Kurs unterwegs war.

Royal Caribbean International hat sich zu dem Vorfall bislang trotz konkreter Nachfrage noch nicht geäußert.

Aus der Fahrtroute der Harmony of the Seas ist zu erkennen, dass das Schiff zunächst seinen üblichen Kurs in südöstliche Richtung eingeschlagen hat, dann aber – offenbar nach Anruf durch die Küstenwache – nach Süden abdreht und einen Bogen um die Sperrzone fährt. Für den Raketenstart kam das jedoch offenbar zu spät.

Wir haben versucht, aus den vorhandenen Informationen die Fahrtroute der Harmony of the Seas im Zeitablauf sowie die Sperrzone nachzuvollziehen. Die folgende Karte ist ausdrücklich eine Annäherung und nicht exakt, da sie durch Übereinanderlegen mehrere Karten entstand, was nicht vollständig deckungsgleich funktioniert.

ungefährer Kurs der Harmony of the Seas und Sperrzone
ungefährer Kurs der Harmony of the Seas und Sperrzone (Kartenmaterial: OpenStreetMaps-Mitwirkende, CC BY-SA 2.0)

Space-X plant in allein in diesem Jahr 52 Raketenstarts von Cape Canaveral, um diverse Satelliten in den Orbit zu transportieren. Das private Raumfahrtunternehmen von Elon Musk nutzt dabei eine Flugbahn in südlicher Richtung entlang der Küste Floridas, die wohl nach jahrzehntelanger Pause erst seit 2020 wieder genutzt wird und stärkere Einschränkungen für den Flug- und Schiffsverkehr vor der Küste bei Port Canaveral bedeutet als die zuvor bevorzugten Flugrichtungen nach Norden und Osten. Nach dem Start einer Falcon-9-Rakete bleibt die Sperrzone noch für rund eine halbe Stunde für die Landung der wiederverwendbaren Booster-Stufe bestehen.

Der Start der Space-X-Rakete war in den Tagen zuvor bereits dreimal wegen schlechten Wetters verschoben worden. Das Zeitfenster für den Raketenstart am Sonntag war so klein, dass die Harmony of the Seas die Verbotszone nicht mehr rechtzeitig verlassen konnte, um den Start doch noch zu ermöglichen. Der Start ist nun am Tag darauf, dem Montag, 31. Januar, erfolgreich verlaufen. Die Falcon 9 brachte den zivilen, italienischen Satelliten Cosmo-SkyMed Second Generation FM2 (CSG-2) in eine Erdumlaufbahn.

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