Norwegian Bliss (Bild: Meyer Werft / M.  Wessels)

Wie kommt die Bemalung auf den Rumpf von Kreuzfahrtschiffen?

Schildkröten und Wale am Rumpf der Norwegian Bliss, eine Meerjungfrau auf der Norwegian Getaway oder die verschlungenen Ornamente der Norwegian Encore: Wie kommt eigentlich der zweidimensionale Entwurf eines Künstlers auf den geschwungenen, dreidimensionalen Rumpf eines Kreuzfahrtschiffs?

Was auf den ersten Blick einfach scheint, ist vor allem bei komplizierteren Bildern eine große Herausforderung. Ohne komplexe Technik wäre die Rumpfbemalung von Kreuzfahrtschiffe beispielsweise von Norwegian Cruise Line kaum noch machbar und extrem zeitaufwendig.

Der Schaffensprozess des Künstlers und die tatsächliche Bemalung des Schiffs könnten kaum größere Gegensätze sein: auf der einen Seite Kreativität, Fantasie und Ästhetik, auf der anderen Seit präzise Vermessungstechnik und Knowhow beim Aufbringen des Werkes auf die Außenhaut des Kreuzfahrtschiffs.

Norwegian Bliss (Bild: Meyer Werft / M. Wessels)
Norwegian Bliss (Bild: Meyer Werft / M. Wessels)

„Man denkt sich im ersten Moment: Das male ich einfach so auf“, sagt Florian Jansen, Vermessungsingenieur bei der Meyer Werft in Papenburg. „Aber wenn man dann 20 Meter zurückgeht, wirkt eine gerade Linie plötzlich wie ein Bogen. Das ist natürlich nicht das, was man möchte.“ Gefragt sind hier das Knowhow und die präzise Arbeit von Vermessungsspezialisten.

Knackpunkt ist die Umsetzung eines zweidimensionalen Entwurfs auf den dreidimensionalen Rumpf des Schiffs. Seitlich ist das simpel, denn da ist die Fläche plan. In diesen Bereichen überträgt die Meyer Werft die Entwürfe nach wie vor mit klassischen Schablonen. Vermesser und Maschinenbauingenieur Andre Schreiber: „Da sind wir im zweidimensionalen Bereich und das geht sehr gut. Mit unseren bestehenden Prozessen sind wir damit auch sehr schnell.“

Wenn die Meerjungfrau ein bisschen schwanger ist …

Kompliziert wird es aber am Bug, wo der Schiffsrumpf geschwungen ist. Früher war hier ebenfalls Handarbeit angesagt: mit Papierschablonen, detaillierter Vermessung und Berechnungen, um die Schablonen in eine Form zu bringen, die beim Auflegen auf den Schiffsrumpf das Bild des Entwurfs unverzerrt wiedergeben.

Norwegian Getaway
Norwegian Getaway

Vermessungsingenieur Florian Jansen: „Da hatten wir auch den Effekt, dass die Meerjungfrau bei den ersten Schablonen ein bisschen schwanger aussah. Das haben wir natürlich korrigiert.“ Irgendwann sei die Bemalung aber so komplex geworden, dass in den Prozess mehr Sicherheit rein musste und eine entsprechende technische Lösung erarbeitet wurde.

Norwegian Bliss
Norwegian Bliss

„Man muss sich vorstellen“, erklärt Andre Schreiber, „wir haben zum Beispiel eine Schildkröte an einem Schiff, die ist ungefähr drei mal drei Meter groß und hat acht verschiedene Grüntöne. Wenn man ganz nahe dransteht, erkennt man das. Das sind schon einige tausend Linien.“

Natürlich könne man das auch weiterhin konventionell machen, also mit einem Tachymeter genannten Vermessungsgerät, wie man das auch aus dem Straßenbau kennt. Aber damit müsste man alle paar Millimeter einen Punkt abstecken. „Das würde ewig dauern.“

Hightech-Lösung mit 3D-Projektion

Für den Konturen-Bereich vorne zum Bug hin ist deshalb ein Laser-Projektionssystem die technisch deutlich elegantere und effizientere Lösung. Von der Stange zu kaufen gibt es solche Systeme allerdings nicht. Letztlich mussten an dem bestehenden System eines Herstellers einige Modifikationen für den Einsatz auf der Meyer Werft vorgenommen werden. Der Laser sei beispielsweise für die Dimensionen eines Schiffsrumpfs nicht stark genug gewesen.

Norwegian Encore (Bild: Meyer Werft / M. Wessels)
Norwegian Encore (Bild: Meyer Werft / M. Wessels)

Solche Instrumente, so Vermessungsingenieur Florian Jansen, kämen eben aus dem Flugzeug- und Automobilbau zur Qualitätssicherung. Der Arbeitsbereich liegt hier bei bis zu drei Metern. Die Weiterentwicklung für die Meyer Werft schaffe jetzt einen Arbeitsbereich von 5 bis 25 Meter.

Norwegian Encore
Norwegian Encore

Der Projektor beziehungsweise die dahinter liegende Software ist in der Lage, zweidimensionale Linien so umzurechnen, dass sie die Form des Rumpfs annehmen. In der Projektion am Schiffsrumpf erscheinen sie dann optisch wieder wie im zweidimensionalen Entwurf.

Genting Dream (Bild: Meyer Werft / M. Wessels)
Genting Dream (Bild: Meyer Werft / M. Wessels)

Der Ausgangspunkt, erklärt Florian Jansen, sei immer die 2D-Grafik des Künstlers als Computerdatei. Das Bild müsse dann zunächst vektorisiert, berechnet und dreidimensional auf die Außenhaut des Kreuzfahrtschiffs projiziert werden, damit echte 3D-Konturen entstehen.

Wenn dieses 3D-Modell fertig berechnet ist und bevor die Bemalung tatsächlich ausgeführt wird, lässt die Meyer Werft das Ergebnis noch einmal vom Künstler freigeben, auf dessen Zeichnungen die Bemalung basiert.

Künstler Robert Wyland legt letzte Hand an die Rumpfbemalung der Norwegian Bliss (Bild: Meyer Werft / M. Wessels)
Künstler Robert Wyland legt letzte Hand an die Rumpfbemalung der Norwegian Bliss (Bild: Meyer Werft / M. Wessels)

Der Künstler selbst hat dann mit der eigentlichen Bemalung des Schiffsrumpfs nichts mehr zu tun. Ausgeführt wird das von den Spezialisten der Firma ND Coatings, einem Unternehmen der Meyer Gruppe, und dem Aschendorfer Werbestudio Josef Albers.

Florian Jansen: „Der Künstler begutachtet am Ende nochmal das Ergebnis und macht einen letzten, symbolischen Pinselstrich.“

Anmerkung*: Dieser Beitrag ist als Werbung gekennzeichnet, weil er im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit der Meyer Werft entstanden ist.
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