Eine Nacht wie vor 130 Jahren verbringen, jedenfalls so ungefähr: Die „1896 Kabine“ der Fridtjof Nansen dürfte die derzeit ungewöhnlichste Kabine auf einem Kreuzfahrtschiff sein. Zum Jubiläum hat HX Expeditions diese historisch anmutende Kabine auf dem Expeditionskreuzfahrtschiff einbauen lassen, in der Passagiere während ihrer Reise für eine Nacht quasi probeschlafen und sich ans Ende des 19. Jahrhunderts zurückversetzen lassen können.
Inspiriert von den Expeditionsschiffen der vorigen Jahrhundertwende soll eine Übernachtung in der „1896 Kabine“ die Atmosphäre der frühen Seefahrtspioniere erlebbar machen, schreibt HX Expeditions in den Erklärungen dazu. Cruisetricks.de war Anfang Mai für zwei Tage an Bord der Fridtjof Nansen und konnte sich diese ungewöhnliche Kabine bereits genauer ansehen.

Die „1896 Kabine“ ist eine Kombination aus Kreuzfahrtschiffkabine und einer historischen Trapper-Blockhütte auf Spitzbergen vor über 100 Jahren. Jäger und Fallensteller, die damals in die unwirtliche Region ohne jede Zivilisation vordrangen, bauten sich notdürftige Unterkünfte aus Treibgut.
Dieses Flair soll die Kabine imitieren, auch wenn die Blockhütten auf Spitzbergen damals sicherlich deutlich kleiner waren, die Betten deutlich weniger komfortabel und ein Badezimmer für die Trapper damals geradezu unerhörter Luxus gewesen wäre.

Auch das Bärenfell am Boden ist natürlich nicht echt, sondern ein Imitat. Der Boller-Ofen ist eine Attrappe, schließlich kann HX nicht riskieren, dass die mit sehr realistischer Holzoptik gestaltete Kabine in Flammen aufgeht.
















Dennoch ist die Pop-up-Kabine (übrigens mir der realen Kabinen-Nummer 428), die vorerst temporär im Jubiläumsjahr 2026 angeboten wird, eine witzige Idee. Allein schon der Duft nach Holz versetzt einen in eine längst vergangene Zeit. Der Duft entsteht übrigens, verrät HX in einer Pressemitteilung, von einem eigens entwickeltes Raumparfum „mit maritimen und holzigen Noten“.
Schwere Holztruhen ersetzen Schränke. Der Schreibtisch mit der Seekarte darüber verleitet einen dazu, den Polarforscher zu mimen, der neue Seewege entdeckt und das Verhalten von Seevögeln und Eisbären erkundet.

Für 100 Euro pro Person kann sich jeder Passagier der Fridtjof Nansen in diese besondere Kabine einbuchen und eine Nacht in historisch anmutender Umgebung verbringen. Drei Betten hat die Kabine insgesamt. Nutzen kann man die Kabine dann – parallel zur eigentlich gebuchten – von nachmittags 14 Uhr bis vormittags 11 Uhr am nächsten Tag. Die Hälfte der Einnahmen daraus will HX übrigens an die eigene HX Foundation weiterleiten. Ziel für das Jubiläumsjahr sind 130.000 britische Pfund für Projekte in Naturschutz, Wissenschaft und Kulturerbe.
Umgesetzt hat das Konzept der „1896 Kabine“ Aros Marine, ein auf Schiffsinterieur spezialisiertes Unternehmen, gemeinsam mit dem Hotel-Team von HX. Teile der Deko wurden laut Pressemitteilung von Aros-Mitarbeitern auf Märkten und Vintage-Messen zusammengestellt.

Den Bezug auf 1896 erklärt HX mit der eigenen Geschichte: In diesem Jahr gab es nach eigener Darstellung die erste touristische Expeditionsreise der Welt auf der legendären Hurtigrute. Mit dem heutigen Unternehmen namens „Hurtigruten“ hat HX seit März 2025 formal nichts mehr zu tun, die beiden Unternehmen sind seitdem getrennt.
Die Fridtjof Nansen wurde 2020 von der Kleven-Werft in Ulsteinvik gebaut. Die Roald Amundsen ist ihr Schwesterschiff bei HX Expeditions.




