Bernard Carter, Oceania Cruises

„Besser als neu“: Interview mit Oceania Cruises‘ Europa-Chef Bernard Carter

Oceania Cruises steckt rund 100 Millionen Dollar in eine umfassende Renovierung der vier R-Class-Kreuzfahrtschiffe in seiner Flotte. Zwischen Dezember 2018 und Juni 2020 gehen die Regatta, Insignia, Sirena und Nautica dafür in die Werft. Das erklärte Ziel: „besser als neu“.

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Beim Kreuzfahrtkongress in Hamburg Anfang November hatte ich Gelegenheit, mit Bernard Carter von Oceania Cruises über die Pläne und Ziele, Trends und Besonderheiten bei der Renovierung, aber auch bei Oceania Cruises insgesamt zu sprechen. Bernard Carter ist Europa-Chef von Oceania Cruises, genauer: Senior Vice President und Managing Director EMEA.

Warum steckt Oceania Cruises so viel Geld in die aufwendige Renovierung von ohnehin schon exzellenten Schiffen?

Bei den R-Class-Schiffen haben wir darüber schon vor zehn Jahren angefangen nachzudenken, wir haben unsere Stammgäste intensiv befragt und uns den Markt genau angesehen. Diese Schiffe sind jetzt ungefähr 15 Jahre alt und werden regelmäßig renoviert, alle 18 Monate bekommen sie eine komplette Auffrischung. Aber was wir festgestellt haben ist, dass dieses zeitlose Flair eines englischen Hotels in einem neuen Jahrzehnt jetzt langsam altmodisch wirkt in Hinblick darauf, wohin wir uns als Marke entwickeln.

O-Class-Schiff Marina
O-Class-Schiff Marina

Die O-Class-Schiffe sind etwas zeitgemäßer, eher wie ein Country-Club als ein Country-Hotel (Anm.: Einblicke ins O-Class-Design gibt’s in unserem Beitrag „Kulinarisches Intermezzo: Stippvisite auf der Marina“). Wir wissen, dass die R-Class-Schiffe sehr beliebt sind und was wir vorhaben ist, sie auf das nächste Level zu heben. Das wird ein langer Prozess, bei dem wir jetzt dem Designbüro Dado in Miami arbeiten, die normalerweise Wohnanlagen an Land gestalten. Da geht es nicht nur um Farben, sondern auch um Stoffe, auch um Haptik und Anmutung über das ganze Schiff hinweg.

„Verwandlung von einer Country-Club-Atmosphäre hin zu einem exklusiven Club.”

Ein Beispiel: Jeder einzelne Raum wird komplett entkernt, die bisherigen, dunklen Hölzer werden durch pastellfarbene Hölzer ersetzt. Diese Hölzer sehen wunderschön aus, der Raum fühlt sich größer an. In den Badezimmern haben wir keine Duschvorhänge mehr, sondern Faltglastüren. Das macht einen großen Unterschied. Oder die Möbel im Hauptrestaurant: Die Stühle werden Intarsien aus Kupfer und Gold haben, was ihnen einen schimmernden Effekt verleiht.

Was also geschieht, ist eine Verwandlung von einer Country-Club-Atmosphäre hin zu einem exklusiven Club. Viele unserer Gäste sind Mitglieder von solchen Clubs, Tennis-Clubs, Members-only-Clubs, alles in dieser Richtung.

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Wenn wir uns jetzt also die Leute anschauen, die mit dieser Marke mitgehen und berücksichtigen, wer in den nächsten 15 Jahren mit uns fahren wird, dann hat das neue Design eine zeitlose Eleganz, die das Produkt ohnehin schon lieben. Und wir schaffen einen Anreiz für Leute, die Oceania Cruises bis jetzt noch nicht ausprobiert haben. Denn natürlich wollen wir auch neue Kunden gewinnen.

Wenn wir uns das neue Styling ansehen, ist es reduziert, schnörkellos, frisch und vermittelt ein exklusives Gefühl. Es gibt ein besonders Bild der künftigen Martini-Lounge, das „Private Members Club“ perfekt verkörpert. Wer immer dort mit Dir ist und wer auch immer an Bord des Schiffs ist, ist Teil einer kleinen, exklusiven Gesellschaft. Das ist es, was diese kleinen Schiffe ausmacht. Wir sagen: Die Schiffe werden besser sein als sie es als Neubauten waren.

Kommen wir noch einmal konkret auf die Frage zurück, warum Oceania Cruises etwas verändert, das nach eigener Aussage eigentlich schon perfekt ist …

Unser Unternehmen hat zurzeit genug zu tun mit den Neubauten, die bei Norwegian Cruise Line und bei Regent Seven Seas Cruises kommen. Aber für Oceania Cruises war es dennoch an der Zeit, etwas wirklich Großartiges zu machen und die R-Class-Schiffe auf ein neues Niveau zu heben. Auch, weil wir natürlich im Wettbewerb stehen: Wir sind da schon ein wenig voraus und das Next-Programm bringt uns jetzt deutlich voraus. (Anm.: siehe Pressemitteilung „Oceania Next: Das nächste Kapitel der Oceania Cruises Kreuzfahrt-Geschichte“)

R-Class-Schiff Sirena
R-Class-Schiff Sirena

„Oceania Next“ als Konzept ist teils die Erneuerung der R-Class-Schiffe selbst, aber auch ein ganzes Paket an anderen Aspekten wie neuartige Landausflüge, beispielsweise auf kulinarische Erlebnisse fokussierte Ausflüge und tiefer gehende Kochkurse. Der Schwerpunkt dieser Entwicklung ist, mehr und mehr Erlebnisse zu kreieren.

„Wir als Oceania Cruises können uns glücklich schätzen, weil unsere Marke funktioniert.”

Alle Reedereien mit Sitz in den USA bauen seit einigen Jahren immer neue Schiffe, was es zur Herausforderung macht, einen angemessenen Preis für die Reisen zu erzielen. Wir als Oceania Cruises können uns da glücklich schätzen, weil unsere Marke funktioniert. Vergleichen wir das mal mit Apple. Wenn jemand ein Apple-Produkt kauft, dann tut er das nicht nur, weil es cool aussieht, was es ohne Zweifel tut. Es ist modern, es genießt hohes Ansehen. Und es geht um die Zuverlässigkeit der Geräte. Sie funktionieren sehr gut, der Service ist sehr gut.

Wir fokussieren auf den Markenwert. Wieder der Vergleich zu Apple: Wenn alle im Markt wie HP, Dell ihre Preise senken, um mehr Umsatz zu machen, macht Apple das nicht. Sie bleiben bei ihren Preisen. Das mag zu einem leicht rückläufigen Absatz führen, was sich aber schnell wieder normalisiert.

Wir haben 2018 eine höhere Auslastung als 2017 und für 2019 stehen wir noch einmal besser da als im Vergleichszeitraum dieses Jahres. Der Trend zeigt also in die richtige Richtung. Und wir erreichen durchgängig höhere Erlöse. Das investieren wir wieder in das Produkt und das bringt uns dorthin, wo wir im Markt sein müssen.

Um ein Produkt wie das unsere auf seiner Marktposition zu halten, müssen wir einen gewissen Preispunkt erreichen. Nachdem wir jetzt Teil eines börsennotierten Unternehmens sind, müssen wir da auch unsere Rolle innerhalb von Norwegian Cruise Line Holdings spielen. Für uns ist das also eine natürliche Evolution und mit „Oceania Next“ werden wir das erreichen.

Silversea Cruises wurde kürzlich von Royal Caribbean übernommen. Verändert das die Wettbewerbssituation für Oceania Cruises?

Jetzt, wo Silversea Teil eines großen Unternehmens ist, wird sich dort zweifelsfrei einiges verändern. Der Punkt für mich ist: Bei etwa vergleichbaren Reisen in unserem Markt bei Silversea und Regent ist Oceania oft teurer, obwohl wir nicht „all inclusive“ sind. Wir sind in der Lage, diese Preise zu erzielen, weil unsere Kunden so zufrieden und loyal sind.

„Der Kauf von Silversea durch Royal Caribbean wir auf uns geringere Auswirkungen haben als auf deren direkte Mitbewerber.”

Deshalb glaube ich, dass der Kauf von Silversea durch Royal Caribbean auf uns geringere Auswirkungen haben wird als auf deren direkte Mitbewerber. Wir achten sehr genau darauf, welche Fahrtgebiete in welchen Märkten am meisten nachgefragt werden und wann der beste Zeitpunkt ist, diese Reisen zu bewerben. Wir sprechen die Leute genau im richtigen Moment mit Angeboten an, die sie zu diesem Zeitpunkt interessieren.

Auf diese Weise interagieren wir mehr mit unseren Stammkunden, aber auch noch neuen Gästen – neu in der Kreuzfahrt insgesamt und neu bei Oceania Cruises. Wir sprechen diese Menschen auf unterschiedliche Weise an. Denn natürlich können wir Stammgäste, die schon 20mal mit uns gefahren sind, nicht auf die gleiche Weise ansprechen wie Menschen, die noch nie mit uns unterwegs waren.

Wir tun mehr im Social-Media-Bereich für Kundenbindung und sehen uns selbst mehr als ein organisches Wesen. Wir sind etwas Lebendiges, unsere Geschichte ist etwas Lebendiges, unsere Leute schaffen ein lebendiges Erlebnis. Um diese nächste Stufe zu erreichen, müssen wir alles umkrempeln. Das ist eine Menge Arbeit. Aber es bringt uns dorthin, wo wir sein müssen und wofür unsere Marke steht.

Rückt das Oceania Cruises nicht näher an Regent Seven Seas Cruises heranrücken und schafft damit Konkurrenz im eigenen Haus?

Es gibt einige entscheidende Unterschiede. Regents großer Claim ist, das wirklich alles inklusive ist, während wir nie „all inclusive“ sein werden. Bei uns geht es um Modularität. Wenn Menschen gemeinsam reisen, dann sitzt der eine lieber an der Bar, während der andere oft ins Spa geht. Dann hat eben der eine ein Getränkepaket und der andere ein Spa-Paket und der jeweils andere muss das nicht haben. Der Kernpunkt für uns ist Auswahl, während für Regent „alles inklusive“ das Entscheidende ist.

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Ein anderer Unterschied ist die Definition des Zielpublikums. Regent-Gäste sind etwa fünf bis zehn Jahre älter als unsere. Unsere Gäste sind Abenteurer, Entdecker, Epikureer, sie lieben Essen. Essen hat einen noch viel höheren Stellenwert, als man das erwarten würde.

„Unsere Gäste sind Abenteurer, Entdecker, Epikureer, sie lieben Essen.”

Diese Menschen legen großen Wert auf bestimmte Dinge. Wir haben viele Entrepreneurs, viele als dem Alumni-Umfeld der Universitäten in den USA, Menschen in einer ähnlichen Gedankenwelt, unabhängig von deren Nationalität. Die Regent-Kunden – ich will jetzt nicht sagen, dass die Schiffe elegante Seniorenresidenzen sind – aber bei Regent fahren Menschen, die in ihrem Leben alles erreicht haben und sich einfach entspannen wollen. Sie suchen nach Einfachheit und Leichtigkeit. Das macht es zu einem etwas anderen Publikum.

Also, ja, man könnte sagen, dass wir recht nahe an Regent dran sind, aber auch nicht näher als noch vor drei Jahren. Wenn wir uns die Regent-Schiffe anschauen, die neuen Seven Seas Explorer und Seven Seas Splendor, wenn sie herauskommt: Frank Del Rio musste etwas bauen, das besser ist als die O-Class-Schiffe von Oceania Cruises. Denn Du kannst nicht an der Spitze der NCLH-Flotte und dabei nur gleichauf mit den Oceania-Schiffen sein. Mit der Explorer haben sie etwas Atemberaubendes entwickelt und die Splendor wird darüber noch einmal hinausgehen.

Bei vielen Reedereien zeigt sich ein Trend zu besonderen Landausflüge, ungewöhnlichen Arrangements an Land vor und nach der Kreuzfahrt. Warum ist das plötzlich so wichtig?

Ganz einfach: Angebot und Nachfrage. Die Kunden fragen danach. Als Reederei können wir da einiges tun, vor allem wenn wir über Landausflüge beispielsweise in Alaska sprechen. Die Leute fragen beispielsweise explizit nach Hubschrauberflügen zu den Gletschern. Vergleichen wir es einfach mit unserem Verhalten bei Landurlauben. Die Leute wollen nicht den ganzen Tag am Schiff bleiben – außer sie wählen dafür gezielt eine Transatlantik-Reise.

„Besondere Landausflüge .. das ist auch etwas, was zu unserer Marke passt.”

Wenn Menschen auf ein Schiff gehen, ganz besonders unsere Kunden, dann benutzen sie das Schiff als Hotel, als Basis, als zu Hause, von wo aus sie auf Erkundungstour gehen. Da haben wir eine Aufgabe, eine Verantwortung, den Gästen eine gute Auswahl zu bieten. Das ist aber auch etwas, was zu unserer Marke passt. Wenn wir beispielsweise 2020 in die Region von Bordeaux kommen, dann möchte ich eine Weintour machen, Weingüter besuchen. Da kannst Du ein komplettes, dreitägiges Ausflugsprogramm buchen zu drei ganz spezielle Weingütern, all die verschiedenen Weinproben, mit Lunch direkt im Weingut. Das macht es zu etwas wirklich Besonderem. Das ist es, was wir machen wollen: Wir wollen den Kunden Erlebnisse bieten.

Natürlich machen beispielsweise auch Silversea oder Azamara für ihre Klientel ähnliche Dinge. Du versucht etwas zu schaffen, das Einzigartig für Deine eigene Marke ist. Beispielweise den Vatikan abseits des Massenandrangs zu besuchen, mit einer privaten Führung. Unsere Kunden fragen danach, also machen wir es.

Oceania Cruises legt sehr viel Wert auf Top-Designmarken an Bord, beispielsweise „Ralph Lauren Home“. Warum sind diese Marken so wichtig?

Das ist tatsächlich ein interessanter Aspekt. In den USA hat Ralph Lauren einen anderen Ruf als die Kleidungsmarke Ralph Lauren in Europa. „Ralph Lauren Home“ ist sehr hoch angesehen – und teuer. Die Sonnenliegen, die wir für Suiten-Balkone bekommen, ein Satz solcher Sonnenliegen kostet 100.000 Dollar. Das ist sehr, sehr viel Geld. Aber Gäste, die sich eine Owner Suite leisten können, sind die bestmögliche Qualität gewohnt. Du willst also etwas, das diese Qualität garantiert. Deren Styling ist einfach begeisternd. Es erzeugt eine adäquate Wohnumgebung.

„Wohlhabendes Paar in mittlerem Alter, das ist unser Publikum.”

Wir haben auch einige andere sehr bekannte Marken an Bord. Das hat viel mit der Beziehung der Kunden zu bestimmten Marken zu tun. Wir haben Gäste, die bestimmte Automarken bevorzugen, die Mitglieder bestimmter Clubs sind, ob nun lokal oder landesweit. Das sind Leute, die sich zwar als sehr individuell betrachten, sich zugleich aber auch zu etwas dazugehörig fühlen möchten.

Ich persönlich beispielsweise trage viel von Mode Ralph Lauren – Hemden, Schuhe, Hosen, Sakkos. Für mich steht das für garantierte Qualität. Es ist aber auch ein Statement, kompromisslos, aber dezent. Wir gestalten die Schiffe also in einer Weise, dass sich jemand von einer bestimmten Herkunft wohlfühlt, vielleicht 50+ Jahre alt ist und sich das Geld hart erarbeitet hat. Diese Menschen brauchen keine Umgebung, die aus eine Sammlung der bekanntesten Marken besteht, möchte aber eine gewisse Verbindung und Bezug zu bestimmten, vertrauten Marken.

Oft starten wir auch mit den Entwürfen bekannter Designern und Frank Del Rio (Anm.: President & CEO bei NCL Holdings) bringt dann seine eigenen Ideen, Muster und Vorstellungen mit ein. So ist Frank eben. Letztlich geht es um Design, das sagt: „wohlhabendes Paar in mittlerem Alter“. Das ist unser Publikum.

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