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"sponsored by Oceania Cruises" - was bedeutet das für cruisetricks.de?

Das hat doch nichts mehr mit Kreuzfahrt zu tun?

Sobald ich ein Schiffsportrait oder auch nur eine Newsmeldung über ein großes Kreuzfahrtschiff poste, kommt todsicher als erster Kommentar bei Facebook: „Das hat doch nichts mehr mit Kreuzfahrt zu tun.“ Ich kann’s nicht mehr hören. Und zwar nicht, weil ich vielleicht anderer Meinung bin. Sondern weil ich mir so sehr einen respektvolleren Umgang miteinander wünsche.

Kritik ist wichtig, unterschiedliche Meinungen machen unsere Gesellschaft erst zu einer Demokratie. Was mich stört, ist etwas anderes: das Niedermachen; die Empörung über alles und jedes; die mangelnde Akzeptanz anderer Sichtweisen; das Abstempeln aller Meinungen abseits der eigenen als minderwertig und verwerflich.

In der Kreuzfahrt steckt bei manchen eine trauernde Nostalgie hinter dem „keine Kreuzfahrt mehr“-Argument, weil mit der Entwicklung der großen Schiffe etwas heiß Geliebtes vermeintlich verloren geht. Das ist honorig und nachvollziehbar. Ich leide mit. Aber bei vielen ist es auch schlicht eine negative Grundeinstellung, alles erst einmal niedermachen zu müssen.

Wenn es einen nicht interessiert – warum musst man dann überhaupt kommentieren und anderen die Laune verderben? Das ist ein wenig, als würde man sich vor eine Eisdiele stellen und ein Schild mit der Aufschrift „Gelato = Zucker = Gift“ hochhalten. Wer lieber Currywurst isst, der geht doch einfach zum nächsten Imbiss und lässt die Eisliebhaber in Ruhe.

„Moderne Autos haben doch nichts mehr mit einer wunderschönen Pferdekutsche zu tun.“ Das Argument finden Sie seltsam? Genau. Dabei hätten Pferdekutschen-Liebhaber viel mehr Grund zum Jammern als Kreuzfahrt-Nostalgiker, denn eine Pferdekutsche wäre im heutigen Straßenverkehr kaum vorstellbar. Wir lieben die Fiaker in Wien als Relikt des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Aber wir nutzen eben auch moderne Autos, ohne sie aus falsch verstandener Pferdekutschen-Nostalgie heraus zu verteufeln.

Anders als bei den Kutschen gibt es in der Kreuzfahrt die kleinen, traditionellen Schiffe nach wie vor.

Was hat sich denn eigentlich verändert?

Hat sich die Kreuzfahrt in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Natürlich. Immer mehr Menschen entdecken, wie faszinierend es ist, den weiten Blick zum Horizont schweifen zu lassen, sich die Haare vom Wind zerzausen zu lassen, den Delfinen in die Augen zu schauen, die sanfte – oder manchmal auch weniger sanfte – Bewegung des Ozeans zu spüren.

Diese Faszination ist geblieben. Aber neue Facetten kommen hinzu. Größere Schiffe sind ein geschützter, vertrauter Raum, der es auch weniger abenteuerlustigen Menschen erlaubt, exotische Teile der Welt zu entdecken. Eine entspannte Alternative zur Bus-Rundreise ohne tägliches Kofferpacken. Und die großen Schiffe sind attraktiv wegen der Pools, der Themenbars, der vielfältigen Restaurants, als Party-Zone oder Ruhepol.

Viele Menschen betrachten die großen Kreuzfahrtschiffe als selbstverständlichen Teil der Kreuzfahrt, ja, bevorzugen sie sogar. Das sind Menschen, die Kreuzfahrt nicht darüber definieren, dass sie am Ende jede Kotztüte an Bord persönlich kennen und jeden Abend tapfer das Seemannsgarn an der einzigen Bars des Schiffs ertragen.

Es sei jedem unbenommen, genau das toll zu finden. Ich finde es großartig, dass es hartgesottene Fans der traditionellen Seefahrt auf kleinen Schiffen gibt. Aber man sollte doch bitte auch die Menschen glücklich sein lassen, die unter Kreuzfahrt etwas anderes verstehen. Das macht sie weder zu dummen noch zu ignoranten oder sonst irgendwie minderwertigen Menschen.

Was geht denn wirklich verloren?

Die Kreuzfahrt wächst stetig, hat sich in den vergangenen 25 Jahren gemessen an der Passagierzahl mehr als verfünffacht, gemessen an der Zahl der Schiffe mehr als verdoppelt. Aber von den rund 430 derzeit aktiven Kreuzfahrtschiffen (ab 50 Passagiere) ist knapp die Hälfte kleiner als 1.000 Passagiere, gut ein Viertel davon älter als 20 Jahre. Unterm Strich gibt es heute also nicht weniger kleinere oder traditionellere Schiffe – nur eben zusätzlich viele große.

Im Jahr 2000 war die Voyager of the Seas mit 3.114 Passagieren das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, heute sind es die Schiffe der Icon-Class mit 5.610 Passagieren. Aber keines der großen Schiffe hat die traditionelle Schiffsgröße verdrängt. Sie haben eine ganz andere Zielgruppe.

Was also geht tatsächlich verloren? Die Exklusivität, als einziger auf den Meeren unterwegs zu sein. Aber was schert einen der 6.000-Passagierdampfer, den man bestenfalls am Horizont mal vorbeiziehen sieht?

In den größeren Häfen treffen die traditionellen Schiffe natürlich auf die neuen, großen. Aber das eigentliche Problem in diesen Häfen sind selten die Kreuzfahrtschiffe. Auch ohne sie leiden viele Städte und Inseln an Overtourismus. Immer mehr Menschen auf der Welt können sich Urlaub leisten. China, Indien, Indonesien, Malaysia erfahren wirtschaftlichen Aufstieg, und die Menschen dort reisen in die Welt. Wer will es ihnen verdenken? Der allgemeine Touristen-Druck steigt weiter. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Geht Kritik nicht auch nett und respektvoll?

Mir geht es um den Umgang miteinander, wenn wir über die Kreuzfahrt diskutieren. Und wer dabei den Respekt vor anderen Meinungen als kleinliche Spitzfindigkeit abtut, dem halte ich entgegen: Es ist essenziell. Denn es entscheidet darüber, ob ich andere Menschen respektiere und ihnen genauso wie mir selbst eine Meinung zugestehe. Oder ob mir andere Menschen und ihre Meinung egal sind.

Es nimmt niemandem irgendetwas weg, wenn jemand anderes die Kreuzfahrt anders definiert. In einer ohnehin schon an vielen Ecken eskalierenden Welt: Können wir da nicht respektvoller miteinander umgehen? Mit Meinungsaustausch statt gegenseitigem Niedermachen? Das wäre ein kleiner Beitrag, die Dinge in eine andere, besonnene Richtung zu lenken.

Ich würde mich freuen, wenn ich Sie für diesen Gedanken gewinnen könnte – wenn Sie es nicht ohnehin längst genau so sehen.

3 Kommentare

Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

3 Gedanken zu „Das hat doch nichts mehr mit Kreuzfahrt zu tun?“

  1. Ja Du hast da vollkommen Recht. Die Meinung derer, die es anders sehen und anders empfinden, wird leider gern einfach nur vom Tisch gefegt und bringt zum Ausdruck, dass sie nur Zustimmung wollen, statt mit Interesse, eine Meinungsvielfalt mit Begründungen zu verfolgen, aus der man eventuell neue Schlüsse ziehen könnte. Viele Nutzer der sozialen Medien, suchten nur darauf, wie viele Likes sie für ihre Ein-Satz- Darstellung erhalten.

  2. Ich habe meine erste Kreuzfahrt 1989 auf derM/V Atalante gemacht – und es war großartig. Und ich war für die Reiseart „Kreuzfahrt“ angefixt. Nur – heute würde ich vermutlich eine Reise auf einem vergleichbaren Schiff nicht mehr toll finden. Unser Leben hat sich geändert, unsere Ansprüche haben sich geändert und natürlich hat sich auch unser Urlaub geändert – so wie sich im übrigen auch die Reiseziele geändert haben. Es reisen mehr Menschen generell – und natürlich unternehmen mehr Menschen eine Kreuzfahrt – warum sollte es schließlich nur mir gefallen 1989.
    Es gibt doch für jeden das passendes Schiff – nur ist eben nicht jedes Schiff für jeden passend. Es gibt die klassischen, es gibt die kleinen luxuriösen, es gibt weiterhin die mittelgroßen Schiffe und es gibt die, bei denen das Schiff das Ziel ist.
    Und so gibt es unterschiedliche Urlauber – der Camper im Zweimannzelt, der auf das „Jedermansrecht“ in Skandinavien pocht (was viele Skandinavier abschaffen wollen, weil zweifelhafter Camper überall rumstehen). Voll individuell. Die Individualreisenden mit dem „Lonely Planet“ Reiseführer, die sich für unglaublich individuell halten (ganz sicher – bei einer Millionenauflage der entsprechenden Bücher). Der „Pauschalreisende sind peinlich“ Urlauber – der am Ende im gleichen Hotel sitzt wie die Reisegruppe von Lidl-Reisen….
    Der „Ökotourist“, der Kreuzfahrer verdammt – und mit seinen Uralt-Wohnmobil reist – und dabei mehr Feinstaub in die Luft bläst als der Kreuzfahrer samt Fluganreise.
    Der Queen Mary Fahrer, der verächtlich auf AIDA-Reisende herabblickt (und vergißt, daß beide zum gleichen Mutterkonzern gehören).
    Was soll das? Vergönnen wir doch jedem den Urlaub, an dem er/sie Spaß und Freude hat und sich erholen kann.
    Vielleicht sorgt der Blick über den eigenen Tellerrand sogar für ein paar AHA-Erlebnisse.

  3. Wieder mal ein sehr guter Artikel über ein Kernproblem gerade bei Social Media wie Facebook & Co – erstmal alles „populistisch“ niedermachen, viele machen sich vermutlich nicht einmal die Mühe einen Artikel oder Beitrag komplett zu lesen bevor sie ihren Senf dazu geben müssen. Und leider, auch das möchte ich erwähnen, gibt es im Netz viele Plattformen die mir reißerischen Aufmachern unsachliche Kommentare geradezu provuzieren. Nicht überall wird so journalistisch gut gearbeitet und recherchiert wie hier.

    Obwohl auch ich bis vor einigen Jahren eher Vorbehalte gegen große bzw. sehr große Kreuzfahrtschiffe hatte, war mein Motto trotzdem „Leben und leben lassen“. Auch war ich eher ein Fan der „klassischen“ Kreuzfahrt, aber auch da bin ich sehr viel felxibler geworden. Inzwischen habe ich von MS Lofoten bis zur AIDAnova fast alle Größen durch, habe mich nie wirklich unwohl gefühlt und konnte jede Kreuzfahrt genießen. Man muss sich natürlich vorher gründlich informieren was einen erwartet, sich auf das Schiff einlassen und sich das passende raussuchen – dann steht einer genussvollen Kreuzfahrt nichts im Wege.

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