Ein roter Felsen, der aussieht, als hätte ihn jemand dort vergessen. So wirkt Helgoland auf mich, als ich auf einer ziemlich ungewöhnlichen Expeditions-Kurzreise mit der Fridtjof Nansen morgens bei strammem Wind aber blauem Himmel dort ankomme. Impressionen von einem Tag auf einer Insel, die man am liebsten gar nicht mehr verlassen will.
Es ist schon eine seltsame Reise: Mit einem Expeditionsschiff von HX Expeditions, der Fridtjof Nansen, die sonst in der Antarktis oder Grönland unterwegs ist, fahren wir für einen Tag von Hamburg nach Helgoland. Aber HX will den Reisebüro-Mitarbeitern und Journalisten an Bord das Schiff zeigen, wenn es schon einmal in erreichbarer Nähe und nicht irgendwo am anderen Ende der Welt ist.

Helgoland also, fĂĽr einen Tag. Ich war dort zuletzt vor ĂĽber 40 Jahren, kann mich nur noch an wirklich schlechtes Wetter erinnern, nicht an die Insel selbst, und so entdecke ich sie fĂĽr mich ganz neu und verliebe mich ein wenig.
Die Insel ist winzig, doch der Himmel darüber riesig. An den Stränden sonnen sich Robben, um die roten Klippen flattern und gleiten Seevögel, die man selten so nah erleben kann wie hier.













Für mich als Münchner ist der stetige, kräftige Wind eine kleine Herausforderung, über die ein Helgoländer wohl nur müde lächelt. Ich bin es eben nicht gewohnt. Aber für einen Tag kann ich das aushalten, zumal es einem die Helgoländer mit ihrer liebenswerten, freundlichen und offenen Art wirklich leicht machen, ihre Insel ins Herz zu schließen.
Was mich am meisten fasziniert, sind die Basstölpel. Helgoland beherbergt die einzige deutsche Brutkolonie dieser eleganten Seevögel.

Elegant sind sie jedenfalls, solange sie fliegen. Die Landung mitten zwischen den eng aneinander gebauten Nestern ihrer Artgenossen auf den Felsen wirkt umso plumper, mehr wie ein Absturz als eine Landung, oft begleitet von den laut schnatternden Protesten der übrigen Vögel, die dort schon dicht an dicht sitzen.

Hunderte Basstölpel sitzen auf den Felsen, brüten, streiten, schauen einen mit diesem leicht desinteressierten Blick an, den nur Tiere haben, die gelernt haben, dass Menschen ihnen nichts tun.

Man kommt ihnen sehr nah. Nah genug, um jede Feder einzeln zu sehen, nah genug, um zu verstehen, warum Fotografen sich von diesem Ort kaum mehr lösen können.



















Am Nordstrand öffnet sich Helgoland zur Nordsee hin. Die roten Sandsteinfelsen fallen steil ins Meer und Touristen ignorieren die „Lebensgefahr“-Schilder, die wegen der ganz realen Steinschlaggefahr nahe den Klippen durchaus sinnvoll sind.




Das Meer am Strand ist an diesem sonnigen Tag von einem TĂĽrkisblau, das man der Nordsee gar nicht zutraut.

Anders und doch sehr ähnlich ist die Düne, Helgolands kleine Nachbarinsel. Mit einer Fähre, die den Tenderbooten der Fridtjof Nansen nicht unähnlich ist, setzt man in zehn Minuten über. Die Düne ist flach, sandig, offen. Ein Flugplatz, der so klein ist, dass die Landebahn ins Meer zu führen scheint.

Und überall an den flachen Sandstränden stolpert man fast über Kegelrobben. Mit ihrer Fellfarbe gut getarnt liegen sie am Strand in der Sonne, rollen sich hin und her, schlafen, gähnen, streiten und ignorieren uns Menschen ziemlich konsequent, solange wir ihnen nicht zu nahekommen. 30 Meter Abstand ist eine gute Regel, auch wenn es schwerfällt, für Fotos nicht näher heranzugehen.

Am Nordstrand weht der Wind gnadenlos heftig, der Sand schlüpft einem in die Schuhe. Man möchte weg, aber noch mehr möchte man bleiben, weil sich das alles hier so herrlich echt und unberührt anfühlt.

Der Lärm der gelegentlichen Auseinandersetzungen der Kegelrobben untereinander mischt sich mit dem Rauschen der Brandung zu einem so harmonischen, beruhigen Geräusch, dass man stundenlang bleiben und genießen könnte.










Und doch atme ich auf, als wir am Flugplatz vorbei auf den Strand auf der südöstlichen Seite der Düne abbiegen und der Wind wie ausgeknipst ist. Strandspaziergang, noch mehr Robben, ein paar Möwen, und die Fridtjof Nansen wartet draußen am Meer auf uns.

Ich habe an diesem sonnig-windigen Tag gelernt: Helgoland ist kein Ort für große Pläne. Die Insel ist einfach da und nimmt einen mit auf ein intensives und unbeschwertes Abenteuer ganz weit weg von Stress und Hektik des Alltags am Festland. Ich möchte wiederkommen, ganz bald.

