Rotterdam, Erasmusbrücke

Rotterdam: Spaziergang durch eine unterschätzte Stadt

Rotterdam vereint Tradition und Moderne so gut wie selten eine Stadt. Historische Gebäude und moderne Architektur stören sich hier nicht gegenseitig, sondern bilden eine überraschende Einheit. Aber auch darüber hinaus ist Rotterdam – wohl auch, weil das nahegelegene Amsterdam viel Aufmerksamkeit auf sich zieht – ein oft unterschätzter, sehr attraktiver Kreuzfahrthafen. 

Bei der Einfahrt mit dem Kreuzfahrtschiff nach Rotterdam lohnt sich frühes Aufstehen – wegen des Sonnenaufgangs, …

vor Sonnenaufgang in Rotterdam
vor Sonnenaufgang in Rotterdam

… aber auch für einen guten Blick auf den historischen Oceanliner Rotterdam und das Hotel New York, ehemals Hauptquartier der Holland America Line.

SS Rotterdam
SS Rotterdam

Das Kreuzfahrt-Terminal von Rotterdam liegt relativ zentral, sodass man einen Stadtbummel von hier aus zu Fuß unternehmen kann. Alternative liegt die U-Bahn- und Straßenbahnstation „Wilhelminaplein“ nur etwa 200 Meter entfernt.

Hotel New York
Hotel New York

Wir erkunden in diesem Beitrag den Bereich in Fußreichweite um das Kreuzfahrt-Terminal mit Erasmusbrücke, Altem Hafen, die architektonisch interessanten Kubus-Häuser und die Markthalle, das bereits erwähnte Hotel New York und das Hotel-, Museums- und Restaurantschiff Rotterdam.

Beim Überqueren der beeindruckenden Erasmusbrücke bietet sich eine gute Fotogelegenheit auf das Kreuzfahrtschiff, ebenso wie von der Uferpromenade links nach der Brücke – allerdings immer im Gegenlicht.

Erasmusbrücke, Kreuzfahrt-Terminal
Erasmusbrücke, Kreuzfahrt-Terminal

Biegt man nach der Erasmusbrücke rechts ab, erreicht man entlang der Uferpromemade …

Erasmusbrücke
Blick von der Uferpromenade in Richtung Erasmusbrücke

… schnell den malerischen Alten Hafen.

Alter Hafen
Alter Hafen

Für Dampfschiff-Fans bietet sich ein etwa zwei Kilometer langer Fußmarsch entlang der Maas mit zum Seitenraddampfer De Majesteit an, der dort meist liegt. Allerdings ist das historische Schiff nur von außen zu besichtigen. Sightseeing-Touren bietet die Majesteit nicht an.

Schaufelraddampfer De Majesteit
Schaufelraddampfer De Majesteit

Markthalle mit riesigem Kunstwerk an der Innenfassade

Biegt man am Alten Hafen links ab, stößt man direkt auf die faszinierende Markthalle, bei der man durchaus ein wenig Appetit mitbringen darf, denn das Essen an den Ständen in der Halle ist sehr verlockend.

Markthalle
Markthalle

Die eigentliche Attraktion der 2014 eröffneten, elf Stockwerke hohen Markthalle ist aber ihre ungewöhnliche Architektur. Denn die riesige, kuppelartige Halle ist umgeben von Wohnungen – viele davon mit Fenster mit Blick in die Markthalle.

Markthalle
Markthalle

Das 11.000 Quadratmeter große Kunstwerk an der Innenfassade heißt „Hoorn des Overvloeds“ (Füllhorn) Die Künstler Arno Coenen  und Iris Roskam sehen das riesige Bild als ein Feiern der Natur und eine Ode an das Universum, das kindliches Gefühl des Staunens hervorrufen soll.

Geöffnet hat die Markthalle ab 10 Uhr, sonntags ab 12 Uhr.

Kubus-Häuser, die auf einer Ecke stehen

Gleich gegenüber der Markthalle stehen die ebenso faszinierenden wie seltsamen Kubus-Häuser. Die schon Ende der 1970er-Jahre vom niederländischen Architekten Piet Blom geplanten Häuser sind ineinander verschachtelt und bestehen aus würfelförmigen Einheiten, die um 45 Grad gedreht auf einer Ecke stehen.

Kubus-Häuser
Kubus-Häuser

Das Ensemble der Kubus-Häuser ist als abstrakter Wald konzipiert, in dem jedes der dreieckigen Dächer eine Baumkrone darstellt. Die Wohnhäuser haben drei Stockwerke mit Eingang im Erdgeschoß, eine offene Küche und ein Wohnzimmer im ersten Stock und das Bad und zwei Schlafzimmer im zweiten Stock. Einige von ihnen haben einen kleinen Dachgarten.

Kubus-Häuser
Kubus-Häuser

Ein Museum, in dem man sich ein solches Haus von innen ansehen kann, war zuletzt pandemiebeding geschlossen (Stand: März 2022). Wer tatsächlich einmal in einem solchen Kubus-Haus übernachten will, bucht sich über Stayokay Hostel Rotterdam ein.

Kubus-Häuser
Kubus-Häuser

Wer möchte, schlendert von hier noch etwas weiter zur Sint-Laurentskerk …

Sint-Laurentskerk
Sint-Laurentskerk

… und zum Rathaus der Stadt.

Rathaus
Rathaus

Euromast mit Blick über ganz Rotterdam

Der 1960 fertiggestellte Aussichtsturm „Euromast“, ursprünglich 101 Meter hoch und 1970 durch Aufsetzen des „Space Tower“ genannten Masts nun 185 Meter hoch, ist das höchste Gebäude der Niederlande. Vom Kreuzfahrt-Terminal ist der Euromast allerdings knapp drei Kilometer entfernt. Der Weg dorthin führt aber durch ein sehenswertes, altes Wohnviertel Rotterdams und einen großzügigen Park.

Kreuzfahrtschiff in Rotterdam, Blick vom Euromast
Kreuzfahrtschiff in Rotterdam, Blick vom Euromast

Der Euromast ist ein Geheimtipp zum Fotografieren der Kreuzfahrtschiffe, wenn sie am Spätnachmittag den Hafen von Rotterdam verlassen. Von der Aussichtsplattform im Freien sieht man aber auch die alte „Astoria“, 1948 als „Stockholm“ in Dienst gestellt, die gegenüber im Industrie-Hafen aufliegt.

Für den Besuch des Euromasts empfiehlt sich eine Vorab-Reservierung des Tickets für eine bestimmte Besuchszeit, um Anstehen zu vermeiden. Die Fahrt auf den Aussichtsturm kostet 11,50 Euro.

Hotel New York, früheres Hauptquartier der Holland America Line

Für Kreuzfahrt-Fans gibt es in Rotterdam zwei Orte, die man nicht verpassen darf: Das Hotel New York und der historische Oceanliner Rotterdam, beide eng mit der Geschichte von Holland America Line verbunden. Beide gehören heute zur familiengeführten, niederländischen Westcord-Hotelgruppe mit insgesamt 16 Hotels.

Hotel New York
Hotel New York

Was heute das Hotel New York ist, war früher der Hauptsitz der Holland America Line. Es wirkt fast winzig auf seiner Halbinsel ganz nahe am heutigen Kreuzfahrt-Terminal von Rotterdam, zwischen den glitzernden Hochhäusern. 1901 im Jugendstil gebaut, wird es seit 1993 als Hotel genutzt.

Rotterdam, Erasmusbrücke
Rotterdam, Erasmusbrücke

Obwohl es natürlich ein modern ausgestattet Hotel ist, Hat sich das Hotel New York den historischen Flair aus der Zeit der Oceanliner-Zeit um die Jahrhundertwende erhalten. Es fällt leicht, sich in den historischen Gemäuern gedanklich um mehr als 100 Jahre in der Zeit zurückversetzen zu lassen.

In den 1970er-Jahren bekam Holland America Line vor allem im Transatlantik-Geschäft immer mehr Konkurrenz für die Luftfahrt und so verlegte sich die Reederei mehr und mehr auf die Kreuzfahrt, 1977 wurde das Hauptquartier von Holland America Line nach Seattle in den USA verlegt.

Allein um das Flair des Hotels zu erleben, lohnt es sich, bei einer Kreuzfahrt ab Rotterdam einen Tag früher anzureisen, dort zu übernachten. allerdings fällt die Entscheidung für ein Hotel in Rotterdam nicht leicht, denn noch ein anderes Hotel lockt: die historische Rotterdam.

Museums-, Restaurant- und Hotelschiff Rotterdam

Die „Rotterdam“ von 1959 mit dem Beinamen „The Grand Dame“, damals Flaggschiff der Holland America Line im Transatlantik-Verkehr von Holland nach Amerika, liegt seit 2008 in Rotterdam. Renoviert, aber in weiten Teilen im alten Stil erhalten, dient das historische Dampfschiff seit 2010 als Hotel, Restaurant und Museum.

SS Rotterdam
SS Rotterdam

Die SS Rotterdam war das fünfte Schiff mit diesem Namen bei Holland America Line. Die heutige Rotterdam, 2021 in Dienst gestellt, ist das siebte Schiff mit diesem Namen, während ihr Vorgänger heute noch als „Borealis“ für Fred. Olsen Cruises fährt.

In vieler Hinsicht war die Rotterdam damals ein sehr besonders und modernes Schiff. Als eines der ersten Passagierschiffe hatte sie ihre Schiffsmaschinen bereits an der heute gängigen Position im hinteren Drittel statt mittig angeordnet. Das Lido Café ist so etwas wie der Vorreiter der modernen Buffet-Restaurants auf Kreuzfahrtschiffen als relativ lockere Alternative zu den formellen Restaurants der Oceanliner.

Sehr geschickt gelang es Holland America Line auch, die Passagiere der Ersten Klasse und Touristenklasse mit Hilfe zweiter geteilter Treppenhäuser voneinander zu separieren. Diese Treppenhäuser erstrecken sich über sechs Decks und sind mit ist farbenfrohen Glaspanelen gestaltet. Dank der teils beweglichen Panels konnte das Schiff sowohl im Zwei-Klassen-System im Transatlantik-Geschäft eingesetzt werden, als auch ohne Klassentrennung für Kreuzfahrten.

Wer in Rotterdam ist, sollte sich die Zeit für eine komplette Führung über das Schiff nehmen, denn nur so kann man alle Bereiche des historischen Dampfschiffs besichtigen. Wenn man wenig Zeit hat, lohnt schnelles Mittagessen im Lido Café.

Dabei kann man einen Blick in die legendäre Ocean Bar (Gin and Tonic!) werfen und mit Glück den Kopf kurz durch die Tür in eines der beiden nahezu identischen, ehemaligen Restaurants stecken.

Ocean Bar
Ocean Bar

Die Fotos hier geben einen paar Einblicke, die man auch ohne Führung erhaschen kann. Ein ausführlicher Beitrag zur Rotterdam folgen, wenn wir bei nächster Gelegenheit eine komplette Führung über das Schiff mitmachen …

SS Rotterdam
SS Rotterdam

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