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Josh Leibowitz, President Seabourn (Bilder: Seabourn)

Seabourn-Präsident Josh Leibowitz: „Wir wollen es so spektakulär wie möglich machen“

Am 3. Juli 2021 sticht Seabourn mit der Seabourn Ovation ab Piräus nach rund 15monatiger Pandemie-Pause wieder in See. Cruisetricks.de spricht im Exklusiv-Interview mit Seabourn-Präsident Josh Leibowitz über den Neustart und die schwierige Zeit des Shutdowns, die Zukunft des Expeditionsmarktes und wie „normal“ Luxus-Kreuzfahrten in Pandemie-Zeiten eigentlich sein können.

Der Zeitpunkt, zu dem Josh Leibowitz seine Position als Präsident von Seabourn Cruise Line antrat, konnte kaum schwieriger sein: Im Juni 2020, drei Monate nach dem kompletten Kreuzfahrt-Shutdown übernahm er die Führung der Ultraluxus-Marke. Zuvor war er seit 2013 zunächst Chief Strategy Officer der Carnival Corporation und seit Dezember 2016 Senior Vice President für den US-Markt bei Cunard Line.

Im Interview per Videokonferenz haben wir mit Josh Leibowitz unter anderem darüber gesprochen, wie er Seabourn für den Neustart vorbereitet hat, wie die Chancen für den Expeditionskreuzfahrt-Markt stehen und ob es eine Antarktis-Saison 2021/22 geben wird – immerhin will Seabourn im Dezember 2021 das neue Expeditionsschiff Seabourn Venture in Dienst stellen.

Wie „normal“ werden sich die ersten Kreuzfahrten bei Seabourn anfühlen? Wie viel wird sich durch die Pandemie ändern?

Josh Leibowitz: Lassen Sie mich versuchen, das so zu beantworten: Ich rechne fest mit unglaublich viel positiver Energie in dieser Sache. Ich weiß das, weil ich mit den Menschen hier bei Seabourn spreche und diese Energie spüre. Da ist Begeisterung.

„Wir haben während der Ausfallzeit Neues geschaffen.“

Wir haben uns genau angesehen, was wir an Bord machen, um alles so normal wie möglich zu gestalten. Aber auch, um neue Elemente einzubringen, die die Gäste noch nie gesehen haben.

Wir haben während der Ausfallzeit Neues geschaffen: Hunderte von neuen Rezepten, neue Unterhaltungsshows, neue Wege der Zusammenarbeit, um unglaubliche Erlebnisse abzuliefern, neue Überraschungen.

Können Sie ein Beispiel für eine solche überraschende Neuerung nennen?

Josh Leibowitz: Ein Beispiel ist unsere neue App an Bord: Sie wachen morgens auf. Sie sind auf dem Weg zum Seabourn Square. Sie mögen Ihren Cappuccino mit extra Milch und Schaum und Zimt. Sie geben das einfach in die App ein und wenn Sie ankommen, ist er Cappuccino schon fertig.

„Wir wollen es so spektakulär wie möglich machen.“

Das sind Dinge, die wir noch nie hatten. Wenn die Gäste also erwarten, dass es so ist wie früher, dann wird das nicht so sein – aus zwei Gründen. Erstens: Wir befinden uns in einer neuen Welt. Aber zweitens: wir haben Neues geschaffen.

Nochmals: Dies ist jetzt eine neue Welt, in der wir eine vollständig geimpfte Umgebung haben. Wir werden also sehen, wie es ist, wenn die Crew und die Gäste vollständig geimpft sind. Wir werden immer noch unsere Hygienemaßnahmen und unsere Regeln haben. Aber hoffentlich … Ich zögere zu sagen, dass wir es so normal wie möglich machen wollen. Nein, wir wollen es so spektakulär wie möglich machen.

Will Ihre Luxusreisenden-Zielgruppe überhaupt schon wieder auf Kreuzfahrt gehen?

Josh Leibowitz: Ich denke, da gibt es eine Segmentierung. Wir haben Marktforschung betrieben, mit den Knden gesprochen. Im Durchschnitt sind die Menschen bereit, im Winter 2021/22 eine Reise zu einem warmen Ziel zu buchen. Das ist der Mittelwert. Und dann gibt es logischerweise viele, die schon früher oder erst später reisen wollen.

„Viele wissen noch nicht, was sie in diesem Sommer machen werden.“

Dieser Sommer ist sehr wichtig. Ich meine, es ist wirklich bemerkenswert: Wir haben schon Juli haben und der Sommer geht mit unglaublicher Geschwindigkeit vorbei. Aber wenn ich mit Leuten spreche, dann wissen viele noch nicht, was sie in diesem Sommer machen werden. Sie haben sich noch nicht entschieden.

Wir haben also noch etwa 60 Tage um zu planen, was in dieser Zeit passieren wird. Und dann werden wir sehen, ob die Leute bereit sind, zu reisen. Die langen Reisen werden nicht vor dem nächsten Jahr stattfinden und tatsächlich bieten wir lange Reisen auf unseren Schiffen auch erst später in diesem Jahr an. Da sind die Leute sind noch nicht so weit. Und die Destinationen sind auch noch nicht bereit.

Kurz einen Schritt zurück: Wie haben Sie persönlich die Zeit des Stillstands erlebt?

Josh Leibowitz: So unsicher die Zeit für mich war, so unsicher war sie auch für alle unsere Mitarbeiter. Und so war das erste Ziel, als ich die Rolle als Präsident übernahm, die Werte unsere Unternehmenskultur, Compliance und Umweltschutzes, Gesundheit und Sicherheit zu stärken. Darauf haben wir uns von Anfang an konzentriert, indem wir die Leute zusammengebracht haben, um über unsere Grundwerte zu sprechen.

„… unsere Mitarbeiter zusammenzubringen, auch die Mitarbeiter zu Hause und auf den Schiffen.“

Die zweite wichtige Priorität bestand darin, unsere Mitarbeiter zusammenzubringen, auch die Mitarbeiter zu Hause und auf den Schiffen. Wir hatten eine Reihe von fortlaufenden Dialogen, Gesprächen und Berührungspunkten, um mit den Menschen in Kontakt zu treten.

Die dritte Priorität war, unsere Schiffe wieder in Betrieb zu nehmen.

Was ist während des Shutdowns konkret geschehen?

Josh Leibowitz: Wir haben versucht, diese Zeit auf eine sehr produktive Weise zu nutzen. Sie wissen, dass Kommunikation einer unserer Kernwerte ist, konsequenter und ständiger Austausch mit wichtigen Mitgliedern zu Hause und auf den Schiffen. Wir machen zum Beispiel Durchsagen über das öffentliche Lautsprechersystem. Normalerweise hört man da ‚Hier spricht Ihr Kreuzfahrtdirektor‘, jetzt hört man ‚Hier ist Josh, wie geht es Ihnen? Bleiben Sie positiv.‘

„Ich lerne unglaublich viele Mitarbeiter an vorderster Front kennen.“

Wir schaffen die Möglichkeit, uns auszutauschen. Jede zweite Woche veranstalte ich eine Kaffeestunde, bei der wir 15 bis 20 Leute von Schiffen und an Land auswählen, aus jeder Hierarchieebene. Und wir kommen online zusammen, haben eine gute Zeit und wir reden einfach darüber, wie es den Leuten geht. Wir sprechen über unsere Werte, darüber, wie wir diesen Werten gerecht werden und wie wir zum Dienst zurückkehren. Das machen wir jetzt schon seit fast neun Monaten. Ich lerne unglaublich viele Mitarbeiter an vorderster Front kennen.

Jetzt breche ich gleich nach Griechenland auf, um auf der Seabourn Ovation zu fahren. Und wenn wir in Zypern Halt machen, werde ich drei andere Schiffe besuchen, die dort liegen. Diese Besuche ermöglichen es mir, Menschen zu treffen und mit den Führungskräften an der Front zu sprechen.

„Es geht einfach darum, so viel wie möglich mit den Leuten in Verbindung zu treten.“

Das setzen wir auch in Zukunft fort. Wir haben, wenn wir voll besetzt sind, ungefähr 2.500 Teammitglieder. Ich denke, dass ich in meinem ersten Jahr im Unternehmen in irgendeiner Weise schon mit etwa der Hälfte von ihnen direkten Kontakt hatte.

Ein Teammitglied sagte einmal zu mir: ‚Ich habe meiner Mutter gesagt, dass ich heute den Präsidenten der Marke treffe‘ und ich habe geantwortet: ‚Nun, ich habe meiner Mutter gesagt, dass ich Sie treffe‘. Es geht einfach darum, so viel wie möglich mit den Leuten in Verbindung zu treten.

Wie steht es denn aktuell um den Expeditionskreuzfahrt-Markt?

Josh Leibowitz: Wir stehen am Anfang eines, wie ich glaube, unglaublichen Wachstumsschubs im gesamten Bereich der Expeditionsreisen. Ich denke, es gibt zwei Gründe, die das Wachstum vorantreiben werden. Erstens, das Angebot. Schauen Sie sich die vielen Expeditionsschiffe an, die neu kommen werden. Das sind kleine, kleine Schiffe. Wir haben nur 132 Suiten auf unseren Expeditionsschiffen.

Seabourn Venture
Seabourn Venture: Expeditionsschiff der neuen Generation, das im Dezember 2021 in Dienst gehen soll (Bild: Seabourn)

Und was ist das genau genommen? Es sind Safaris auf dem Wasser. Wenn man sich anschaut, wie viele Menschen jedes Jahr eine Safari machen: Es gibt eine Schätzung, dass Afrika 30 Millionen Touristen pro Jahr hat. Nicht alle davon machen eine Safari. Aber unglaubliche Menge an Tourismus.

Das Konzept, dass dieser Markt wächst und wächst, ist für uns zugleich die größte Chance und die größte Herausforderung. Denn wir müssen die Wahrnehmung für dieses Produkt bei den Verbrauchern fördern.

Wird es eine Antarktis-Saison 2021/22 geben?

Josh Leibowitz: Wir hoffen, in die Antarktis fahren zu können. Dazu müssen drei Dinge erfüllt sein. Erstens: Argentinien und Chile müssen offen sein. Zweitens: Der Kontinent Antarktis und das Reisen muss offen und möglich sein. Wir glauben, dass das der Fall sein wird. Und drittens: Wir brauchen medizinische Richtlinien und Verfahren, von denen wir überzeugt sind, dass wir sie einhalten können.

„Eine Reise mit geimpften Gästen, geimpfter Crew, bietet die höchste Form der Sicherheit, die man haben kann. Aber es ist nicht narrensicher.“

Ich denke, eine Reise mit geimpften Gästen, geimpfter Crew, bietet die höchste Form der Sicherheit, die man haben kann. Aber es ist nicht narrensicher.

Die Frage ist nicht, ob es Fälle gibt, sondern was die Auswirkungen sind. Wir befinden uns in einer Welt, in der jede Covid-Zahl für welchen Ort auch immer, jede Zahl über Null zu hoch ist. Aber wir werden nie in einer Null-Umgebung erreichen. Wir müssen lernen, wie wir damit in Bezug auf Gesundheit und Sicherheit umgehen können.

Wenn sich also jemand mit Covid infiziert oder positiv getestet wird, dann müssen wir sicherstellen, dass er das Virus nicht weiterverbreitet. Und wir müssen sicherstellen, dass wir Therapeutika haben. Und dass die Leute geimpft sind. Und wir schaffen das.

Welche Infektionsschutz-Maßnahmen wird es für die Antarktis geben? Womöglich Quarantäne vor der Reise?

Josh Leibowitz: Wenn ich Ihnen jetzt sage, wie das Verfahren sein würde, dann wäre das der Stand, den wir aktuell hätten. Aber in sechs Monaten – wer weiß?

„Ich rechne nicht mit Quarantäne für geimpfte Passagiere und Crew.“

In der Antarktis, um Ihre Frage zu beantworten, rechne ich nicht mit einer Quarantäne für geimpfte Gäste und Crew. Vielleicht gibt es einen Antigentest, vielleicht auch nicht. Das hängt davon ab, was bis dahin passiert. Und vieles davon wird nicht nur von uns festgelegt, sondern von Gesundheitsexperten.

Wie differenziert sich Seabourn von anderen Expeditionskreuzfahrt-Reedereien?

Josh Leibowitz: Nummer eins: Unser Unterscheidungsmerkmal bei Seabourn sind die Menschen. So sind unsere Expeditionsteams wirklich dazu da, den Menschen die Welt zu zeigen und wir haben zum Beispiel das höchste Verhältnis von Expeditionsteam-Mitarbeitern zu Gästen. Auf zehn Gäste kommt ein Expeditionsleiter, was, wenn man darüber nachdenkt, schon bemerkenswert viel ist.

Das Seabourn-Erlebnis, der Luxus des Erlebnisses ist etwas, das manche Gäste wollen. Und manche Gäste sagen: ‚Nein, mir reicht ein Schiff, auf dem ich kein High-End-Erlebnis brauche.‘ Okay, gut. Oder ich will eben ein High-End-Erlebnis, will diesen Luxus auch auf Reisen dabei haben und nicht nur den Expeditionsteil, sondern das ganze Schiff, die Schönheit unserer großartigen Suiten.

„Wir haben das Schiff so gestaltet, dass es von innen wie eine edle Skihütte aussieht und sich auch so anfühlt.“

Wir haben das Schiff so gestaltet, dass es von innen wie eine edle Skihütte aussieht und sich auch so anfühlt. Kamine und gemütliche Plätze: Und dann, wenn Sie über die Gadgets sprechen wollen: Wir haben die zwei U-Boote, wir haben 24 Zodiacs, zehn doppelsitzige Kajaks. Es gibt acht gastronomische Angebote. Den Infinity-Pool am Heck. Das ganze Schiff.

Der andere Aspekt, den wir in dieses Erlebnis einbringen, ist: Wir wissen, dass Menschen auf diese Reisen etwas dazulernen wollen. Also haben wir das Expedition Discovery Center. Im Grunde sitzt man direkt unter der Brücke des Schiffs und hat dort i-Pads und Bildschirme vor sich, die einem sagen, was man sieht, wohin wir fahren.

„… einen Eisbären aus vier Meilen Entfernung identifizieren und ihm automatisch folgen.“

Außerdem haben wir auf jedem Schiff Kamerasystem installiert, das ungefähr eine halbe Million Dollar kostet. Das ist in der Lage, einen Eisbären aus vier Meilen Entfernung zu identifizieren und ihm automatisch zu folgen.

Was können Sie damit machen? Erstens: Es entspricht unseren Werten des Umweltschutzes. Wir sehen den Eisbären aus vier Meilen Entfernung. Wir verfolgen ihn auf diese Weise automatisch. Und wir entscheiden aus der Distanz: Gehen wir näher heran, oder halten wir Abstand? Ist der Bär auf der Jagd oder auf Wanderung? Was also sollten wir tun? Vielleicht entscheiden wir uns dann auch dafür, einfach nur dasitzen und ihn zu beobachten.

Das Erlebnis der Marke Seabourn ist also die Klammer um alles. Wir nennen da ‚Seabourn Moments‘. Und unsere Mission ist es, ‚Seabourn Moments‘ zu schaffen.

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