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Skurrile Klage von Frank Del Rio gegen Ex-Arbeitgeber NCLH

Eine Klage des früheren Präsidenten und CEO der Norwegian Cruise Line Holdings Frank Del Rio erheitert und erzürnt die Branche gerade gleichermaßen. Del Rio verlangt von NCLH, NCL und vier ehemaligen Direktoren acht Millionen Dollar Honorar, die ihm mündlich für Beratungsleistungen zugesagt worden seien. Nach eigenem Bekunden hat er nie Beratungsleistungen erbracht. Cruise Industry News berichtete als erstes über Del Rios Klage.

Frank Del Rio ging 2022 in den vorzeitigen Ruhestand und vereinbarte zugleich mit NCLH, dass er dem Unternehmen weiterhin beratend zur Seite stehen würde. In der Klageschrift reklamiert er eine Laufzeit des Beratervertrags über 4,5 Jahre, während in dem schriftlichen Vertrag lediglich eine Laufzeit von 2,5 Jahren steht. Eine Million Dollar pro Quartal, also vier Millionen Dollar pro Jahr sollte er bekommen. Nach den schriftlich vereinbarten 2,5 Jahren stellte NCLH die Zahlungen offenbar ein.

Del Rio klagt nun auf die Differenz für die restlichen zwei Jahre, weil er sich übers Ohr gehauen fühlt, obwohl er selbst den Vertrag über 2,5 statt der von ihm reklamierten 4,5 Jahre unterschrieben hat.

Richtig skurril wird der Fall, wenn man sich weitere Details ansieht: Frank Del Rio selbst räumt offenbar ein, dass er seit seinem Ausscheiden nie um Rat gefragt wurde, er also keinerlei Beratungsleistungen erbracht hat. Das Honorar hat er in den schriftlich vereinbarten 2,5 Jahren dennoch kassiert, also zehn Millionen Dollar, ohne irgendeine Leistung zu erbringen.

Wie so oft im amerikanischen Recht ist die Angelegenheit aber ziemlich kompliziert. Jim Walker, ein in der Branche für seine aggressiv-kritischen Haltung gegenüber Kreuzfahrt-Unternehmen bekannte Anwalt, beschreibt die vielen Facetten der Klage ausführlich.

Walker bezeichnet Del Rios Klage als „freak show of a lawsuit“. Und das nicht ohne Grund, denn die Klage könnte laut Walker für NCLH, aber noch mehr für Frank Del Rio höchst unangenehme Nebenwirkungen haben – unabhängig vom Rufschaden, der für NCLH in einer aktuell ohnehin andespannten Lage entstehen könnte. Denn der Grund, warum vertraglich nur 2,5 statt der offenbar mündlich abgesprochenen 4,5 Jahre festgehalten wurden, könnte die Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) auf den Plan bringen. Walker erläutert das in seinem Blogbeitrag genau.

Die Kurzfassung: Es wäre ein Gesetzesverstoß, hätte das Unternehmen und Del Rio den Vertrag bewusst mit falschen Daten abgeschlossen, um beispielsweise eine Abstimmung der Aktionäre über die Vergütung zu umgehen und möglicherweise bewusst Leistungen vereinbart, von denen von vorneherein klar war, dass Del Rio sie nie würde erbringen müssen. Ginge die SEC von solchen Machenschaften aus, könnte sie sowohl gegen NCLH als auch Del Rio Ermittlungsverfahren einleiten.

Walker stellt in seinem Blog die Frage, ob sich dieses Risiko wirklich lohne für gerade einmal acht Millionen Dollar, im Vergleich zu den – wie Walker vorrechnet – insgesamt 175 Millionen Dollar, die Frank Del Rio ohnehin schon von 2015 bis Mitte 2023 bei NCLH verdient haben soll. Für besonderes Aufsehen hatte bereits in der Vergangenheit Del Rios enormes Gehalt von 36,4 Millionen im Pandemie-Jahr 2020 gesorgt. Im selben Jahr erlitt NCLH rund vier Milliarden Dollar Verluste und kürzte die Gehälter der Mitarbeiter laut Walker um 20 Prozent, um mit den Folgen der Pandemie zurecht zu kommen. Walker schreibt, Del Rio sei mit diesen Summen innerhalb der Kreuzfahrtbranche der bestbezahlte Manager aller Zeiten.

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Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

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