Ein Kreuzfahrtschiff voll mit True-Crime- und Thriller-Fans auf Themenreise „Crime and Sea“ mit der AIDAnova. An Bord waren Stars wie Sebastian Fitzek oder Joe Bausch, aber auch ehemalige Mordermittler der Kripo, eine Gerichtsmedizinerin, ein Tatortreiniger. Cruisetricks.de war dabei und hat die Faszination und besondere Stimmung auf einer solchen Themenkreuzfahrt eingefangen.
Eine Begegnung mit Thriller-Autor Sebastian Fitzek im Treppenhaus, ein Schwätzchen mit Ex-Polizist und Buchautor Carsten Schütte beim Landausflug, „Tatort“-Schauspieler Joe Bausch sitzt beim Abendessen am Nebentisch und Tatort-Reiniger Marcell Engel erzählt auf der Bühne, wie er einst mit Tipps seiner Großmutter und einer Zahnbürste die Spuren eines Suizids aus einem Mercedes entfernte.

Die große Nähe zu Stars und Crime-Spezialisten ist ein wesentlicher Teil dessen, was die Themenkreuzfahrt „Crime and Sea“ auf der AIDAnova so besonders macht. Eine Woche lang fuhr das 5.000-Passagiere-Schiffe (genauer: 5.252 bei Doppelbelegung der Kabinen) Anfang Dezember 2025 von Hamburg aus nach Rotterdam, Seebrügge, Le Havre und Southampton. Es ist die „Metropolen-Route“, die einige Kreuzfahrtschiffe auch im Winter bedienen, mit Landausflügen nach Amsterdam, Brügge, Paris und London, wenn man sich die teils langen Busfahrten antun will.

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Auf der Crime-Kreuzfahrt gibt’s bei den Ausflügen allerdings nicht nur Sightseeing-Programm, sondern auch Führungen, die tief in die Kriminalgeschichte der Städte eintauchen: Jack the Ripper und Sherlock Holmes, die Unterweltgrößen Amsterdams, Verbrechen und Folter im mittelalterlichen Brügge und eine coole Eventbar in einem nachempfundenen Kellerverlies in Paris.
Themen in diesem Beitrag:
Wie fühlt sich eine Crime-Themenkreuzfahrt an?
Ich gestehe: Seit 16 Jahren berichte ich als Reisejournalist hauptberuflich über Kreuzfahrten, aber „Crime and Sea“ auf der AIDAnova war mein erste Themenkreuzfahrt. Das Erlebnis hat sich grundlegend unterschieden von dem, wie sich eine Kreuzfahrt normalerweise anfühlt.

Es ist eine auf angenehme Weise anstrengende Kreuzfahrt, wenn man keinen Punkt im Bordprogramm verpassen will. Und das will man nicht, denn so intensiv kommt man nirgendwo sonst mit Experten und Krimi-Stars in Berührung, mit Insiderwissen und spannenden Details zur Arbeit von Polizei, Spurensicherung und Gerichtsmedizin abseits der Klischees aus CSI- und anderen Krimi-Serien. Abends schläft man vor dem Fernseher ein, weil man auch den letzten Spät-Vortrag zumindest noch als Live-Übertragung ansehen will.

Bei so viel Crime-Programm vergisst man schnell mal, dass man eigentlich auf einem riesigen Kreuzfahrtschiff unterwegs ist. Weil es im Winter draußen erst spät hell und früh wieder dunkeln wird, halten sich die Verlockungen von Sonnenliegen bei kaltem Nordsee-Wind aber ohnehin in Grenzen.

Für eine Auszeit von Mord und Totschlag gibt es auf der AIDnova im Freien auf Deck 18 einen kleinen Weihnachtsmarkt mit Glühwein und Waffelbäckerei. Mit ein paar original Skilift-Gondel, die AIDA für die Weihnachtszeit per Kran an Bord hat hieven lassen, kommt durchaus Après-Ski-Stimmung auf. Zum Aufwärmen ist dann die Saunalandschaft und der beheizte Innenpool-Bereich mit luftigem Foliendach nur ein paar Schritte entfernt.




Meine persönlichen Auszeiten waren auf dieser Reise immer das Frühstück – mit einer selbst auf Luxusschiffen selten anzutreffenden Auswahl an Obst von Mango bis Papaya, Orangen bis Feigen – und die sehr feinen Spezialitätenrestaurants der AIDAnova. Das kostet ein paar Euro extra, die es aber sehr wert sind und ein Ruhepol, auf dem ansonsten ziemlich trubeligen Schiff sind.

Besonders spannend finde ich das vegane Restaurant, das es bislang nur auf der AIDAprima, AIDAperla und eben der AIDAnova gibt. Mehr dazu demnächst in einem eigenen Beitrag, inklusive Video und Interview mit Rossini-Koch Franz Schned, der das Konzept für das vegane Restaurant bei AIDA entwickelt hat.
Impressionen von den Crime-Landausflügen
Es ist ein „mörderisches“ Programm, wenn man für jeden Hafenstopp einen der Crime-Landausflug einplant. Tipp: Mut zur Lücke und sich auch mal einen ruhigen Tag an Bord gönnen, abgesehen von den zwei Seetagen, an denen das themenezogene Bordprogramm lockt. Aber weil ich nicht zum Spaß, sondern zur Recherche an Bord war, habe ich auch die Landausflüge in allen Häfen ausprobiert.

Vor allem London (Hafen: Southampton) und Paris (Hafen: Le Havre) bedeuten lange Busfahrten mit relativ wenig Zeit in der jeweiligen Stadt – was ich nur empfehlen würde, wenn man die Städte schon kennt und nicht traurig ist, wenn für klassisches Sightseeing kaum Zeit bleibt.
Denn taucht man in die Welt des nie identifizierten Massenmörders Jack the Ripper oder Arthur Conan Doyles berühmten Detektiv-Figur Sherlock Holmes in London ein, mit sehr guten Guides dort übrigens, dann geht es eben nur um dieses Thema, nicht um Big Ben, Westminster Abbey oder Shopping bei Harrods.
















Einen fast schon morbiden Charme hat das Polizeimuseum in Paris, aus dem die Führerin mit lebendigen Geschichten allerdings viel mehr herausholen hätte können. Highlight der Paris-Tour war eine ziemlich ungewöhnliche Event-Bar namens Perpette. Das ist ein nachgestelltes Kellerverlies-Gefängnis inklusive neurotisch-liebenswertem Aufseher, einem bösartigen Gefängnisdirektor, aber auch einem Insassen, der seine Mitgefangenen zu einem Ausbruch anstiftet. Stellenweise fühlt sich da schon ziemlich echt an. Natürlich gibt es auch Gefängnisverpflegung, „Suppe“ mit und ohne Alkohol, also ziemlich feine Cocktails, heimlich hinter dem Rücken des Gefängnisdirektors.













In Amsterdam (Hafen: Rotterdam) entstammte unsere Führerin einer Familie, die zumindest Berührungspunkte mit einigen Unterweltgrößen der Stadt hat, sagte sie jedenfalls. Der Bruder ihrer Großmutter sei dar als Handlanger an der Heineken-Entführung 1983 beteiligt gewesen. Und so bekamen wir einen reizvollen Blick hinter die Kulissen, beispielsweise von Chinatown oder dem Rotlichtviertel Amsterdams, in illegales Glücksspiel, Schutzgelderpressung und Geldwäsche. Wie viel davon wirklich stimmte, lässt sich kaum nachprüfen, unterhaltsam war es aber allemal.













In Brügge brachte die Führerin uns die meiste Zeit abseits der großen Touristenrouten an hübsche Orte wie den Beguinenhof, zum mittelalterlichen Haus einer angeblichen Hexe und des damaligen Henkers, ein angebliches Geisterhaus, garniert mit gruseligen Episoden aus der mittelalterlichen Stadtgeschichte und den barbarischen Strafen, die Täter damals über sich ergehen lassen mussten.
















Wenn eine Themenreise fast schon zu erfolgreich ist …
Auch wenn es Themenkreuzfahrten mit „AIDA tanzt“ bereits länger gibt: Erst seit etwa drei Jahren veranstaltet AIDA so intensive „Specials“-Themenreisen wie „Crime and Sea“ mit aufwendigem Programm und Top-Protagonisten wie beispielsweise auch die Festival-Cruise.
Wer eine Themenkreuzfahrt in Erwägung zieht, sollte übrigens nicht zu lange überlegen. Last-Minute geht da jedenfalls nichts. „Crime and Sea“ war laut AIDA drei Monate vor dem Start ausgebucht, Events an Bord mit begrenzter Teilnehmerzahl wie die Tatort-Workshops schon viel früher.

Das Konzept für die „Crime and Sea“-Themenkreuzfahrt stammt von Finn Hinrichs. Früher hat er auf AIDA-Schiffen an Bord gearbeitet, inzwischen ist er Specialist Charter- & Event-Reisen bei AIDA Cruises. Dass die Idee gut funktionieren würde, war klar, berichtet Finn Hinrichs im Cruisetricks.de-Interview. Doch wie gut, das sei auch für ihn und für AIDA überraschend gewesen.

Sebastian Fitzek etwa habe die Idee so gut gefunden, dass er sofort zusagte. Er stand als erster Protagonist für das Line-up der Themenkreuzfahrt fest. True-Crime-Podcaster Philipp Fleiter war ebenfalls sofort dabei. Weitere Größen der True-Crime- und Krimi-Szene folgten.

Neben Crime- und True-Crime-Programm gibt es für die Themenreise auch Merchandizing-Artikel wie T-Shirts im Bordshop und selbst das Foto-Team der AIDAnova organisierte spezielle Crime-Scene-Fotoshootings, zu denen Passagiere sich beispielsweise als Mordopfer fotografieren lassen konnten.

Während der Reise kamen spontan weiter Programmpunkte hinzu – vor allem kurzfristig zusätzlich angesetzte Wiederholungen von Events, weil die Nachfrage so groß war. Etwa eine zusätzliche Runde zum Signieren von Büchern: Sebastian Fitzek verbrachte mehr als sechs Stunden durchgehend mit Signieren seiner Bücher und für Selfies mit den Lesern und Leserinnen, signierte dabei rund 2.000 Bücher. Manche Passagiere verbrachten geduldig bis zu vier Stunden in der Warteschlange. Für die zusätzlich angesetzte, zweite Signierrunde blieb Fitzek krankheitsbedingt in seiner Kabine, AIDA-Crew sammelte die zu signierenden Bücher für ihn ein.
Was fasziniert uns so an Kriminalität, Verbrechern und True Crime?
Auf der „Crime and Sea“-Kreuzfahrt der AIDAnova war ich aber auch auf einer ganz persönlichen Mission: Ich wollte herausfinden, was Gewalttaten, was Verbrecher und vor allem, was „True Crime“ so reizvoll macht und was Menschen daran so fasziniert.

Persönlich halte ich es eher mit sanften Krimis und Detektiv-Romanen. Mich reizt die Kombinationsgabe eines Sherlock Holmes, der systematischen Recherche von Details, um Tätern auf die Schliche zu kommen. Gewaltbeschreibungen und auch Psychothriller empfinde ich persönlich dagegen eher als belastend und unangenehm.

Also: Was fasziniert Menschen so sehr gerade an Gewaltverbrechen und an dem emotionalen Stress eines Thrillers? Während der „Crime and Sea“-Kreuzfahrt hatte ich die Gelegenheit, darüber mit einigen Experten darüber zu sprechen. Was Sebastian Fitzek, Joe Bausch, Philipp Fleiter, aber auch der „Erfinder“ der Crime-Themenkreuzfahrt bei AIDA, dazu gesagt haben, hören Sie im folgenden Zusammenschnitt der Antworten von …
- Finn Hinrichs, Specialist Charter- & Event-Reisen, AIDA Cruises, „Erfinder“ von „Crime and Sea“
- Joe Bausch, Arzt & „Tatort“-Schauspieler
- Sebastian Fitzek, Thriller-Autor
- Philipp Fleiter, True-Crime-Podcaster („Verbrechen von nebenan“)
oder in meinem Video zu dieser Reise:
Einen Aspekt haben die Experten in den kurzen Interviews nicht erwähnt, der mir jedoch erklärt, warum ich selbst den Reiz von True Crime nicht so recht nachempfinden kann: 80 bis 90 Prozent der Leser(innen) von Thrillern und True-Crime-Büchern sind Frauen, wie mir sowohl Joe Bausch, als auch Sebastian Fitzek erklärten. Das Thema beschäftige Frauen, weil überwiegend Frauen von Gewalt und Psychoterror betroffen seien und sie sich daher auch mehr Gedanken um diese Themen machten.

Und doch hat die Crime-Themenkreuzfahrt bei mir bewirkt, dass ich die Faszination besser verstehen kann und auch selbst eine gewisse Begeisterung für einige der Aspekte entwickelt habe.
Die Geschichten des Tatortreinigers Marcell Engel sind gruselig und einen empfindlichen Magen sollte man bei einigen Details nicht haben. Aber sie fesseln auch. Und auch was Joe Bausch, wenn auch auf sehr humorvolle Weise, von seiner Zeit als medizinischer Leiter einer JVA erzählt, lässt einem schonmal einen kalten Schauer den Rücken hinunterlaufen.


Am meisten hat mich der Workshop „Tatortanalyse“ beeindruckt: ein ganztägiger Workshop, von 9 bis 17 Uhr, begleitet mit Profis wie dem ehemaligen Kriminalbeamten, Profiler und Buchautor Carsten Schütte (mit eigenem AIDA-Krimi zu dieser Themenkreuzfahrt), der Gerichtsmedizinerin Sarah Stockhausen, dem Psychiater und Autor Thorsten Süße („Atemlos in Hannover“) und der ehemaligen Mordermittlerin Monika Bodmann.

Der Workshop war so begehrt, dass er innerhalb von etwa zehn Minuten ausgebucht war, der zweite Termin dann fast ebenso schnell. Und selbst ein dritter, während der Reise kurzfristig zusätzlich angesetzter Termin an einem Hafentag (in Le Havre) war schnell ausgebucht.









Tipp also für eine künftige Crime-Themenkreuzfahrt: Man muss bei einem so großen Schiff wirklich schnell sein, um einen Platz in bei den Top-Events zu ergattern, etwa den Tatortanalyse-Workshop (199 Euro inklusive 3-Gänge-Mittagessen im Rossini, pro Workshop zwei Gruppen á 50 Teilnehmer) oder das Krimi-Dinner im Restaurant „Time Machine“ mit feinem Drei-Gänge-Menü inklusive Getränke von Rossini-Koch Franz Schned (109 Euro, zwei Termine mit je 140 Plätzen).

Über den Workshop selbst will ich hier keine Details preisgeben, um künftige Teilnehmer nicht zu spoilern. Doch der Fall ist kompliziert genug, um die Teams den ganzen Tag zu beschäftigen, mit charaktervollen Schauspielern als Zeugen und Tatverdächtigen, überraschenden Wendungen in der Ermittlung und ganz viel Fachwissen, dass die Experten immer wieder einstreuen. Und oft lernt man: Vieles, was man in TV-Krimis geschieht, hat mit der Ermittlungsarbeit in der Realität nicht viel zu tun.







Ein Blick auf die AIDAnova
Fast schon in den Hintergrund gerückt ist für mich auf der „Crime and Sea“-Themenreise das Kreuzfahrtschiff, mit dem ich unterwegs war, die AIDAnova. Aber halb so schlimm, denn 2019, kurz nach ihrer Indienststellung, habe ich ein Schiffsportrait der AIDAnova geschrieben. Seitdem hat sich am Schiff kaum etwas verändert hat – was durchaus positiv ist.

Das ausführliche Schiffsportrait habe ich aktualisiert, auch mit neuen Infos und Bildern zu den bei AIDA „À-la-carte-Restaurants“ genannten Zuzahlrestaurants. Aber wer nur die Veränderungen seit 2019 sucht: Beim Fuego-Familienbuffet auf Deck 16 gibt jetzt auch „Best Pizza at Sea“ und die Kochschule ist nun zugleich auch das vegane Restaurant (Frühstück und Abendessen), mit Veränderungen im Design.










Ansonsten ist die AIDAnova geblieben, wie sie von Anfang an war. Das zeugt von guter Planung eines Schiffs, denn beim ersten Schiff einer neuen Schiffsklasse planen Reederei öfter Dinge, die bei den Passagieren weniger gut (oder besser) ankommen als gedacht, sodass man für die nachfolgenden Schiffe entsprechend nachsteuert.

Was bei der AIDAnova ebenfalls positiv auffällt, ist der gute Zustand des Schiffs. Nach fast sieben Jahren in Betrieb fallen nur an wenigen Stellen Abnutzungen, Kratzer oder kleinere Schäden auf. Bei Schiffen anderer Reedereien oder aus anderen Werften ist das längst nicht immer so – die AIDAnova wurde bei Meyer in Papenburg gebaut.

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Bitte den Podcaster Fleiter richtig schreiben ✍️
@Marc: Autsch, sorry, Danke für den Hinweis. Ist hiermit korrigiert. Wenn sich sowas erstmal falsch im Kopf festsetzt, kriegt man das ganz schwer wieder raus …
Meine Güte, was für ein toller Bericht. Richtig gut und informativ geschrieben. Herzlichen Dank. Wir haben an Bord so viel wie möglich mitgemacht, altersbedingt dafür die aufwendigen Ausflüge ausgelassen. Aber es wären schon noch ein paar Vorträge dabei gewesen, denen ich eine Träne nachweine, weil ich es nicht geschafft habe. Nicht mal Werwolf war mehr möglich. Auf jeden Fall….. bitte, bitte jedes Jahr. Wir würden SOFORT wieder buchen. Herzliche Grüße Christine und Fritz