U.S. Customs and Border Protection (Bild: Mobilus In Mobili, CC BY 2.0)

Einreise-Probleme in die USA mit ESTA für Kuba-Urlauber: Wen es betrifft und wen (wahrscheinlich) nicht

Kuba steht in den USA schon seit 12. Januar 2021 auf der Liste der „State Sponsors of Terrorism“. Wer seitdem nach Kuba gereist ist, darf nicht mehr mit dem vereinfachten Visa-Waiver-Verfahren und ESTA-Genehmigung in die USA einreisen. Doch erst jetzt werden zunehmend Fälle bekannt, in denen Urlaubern die Einreise in die USA deshalb verweigert wird.

Problematisch ist der Status von Kuba für Kreuzfahrt-Urlauber sein, die kürzlich in Kuba waren und jetzt beispielsweise von Miami oder Fort Lauderdale aus zu einer Karibik-Kreuzfahrt starten wollen. Betroffen sind auch Urlauber, die lediglich auf einem US-amerikanischen Flughafen umsteigen und weiter in die Karibik fliegen, da auch beim Transit durch die USA alle Einreisevorschriften eingehalten werden müssen.

Kaum ein Reisender wusste bislang aber über diese ESTA-Sperre nach einer Kuba-Reise Bescheid. Und die Beamten der U.S. Customs and Border Protection fragten bei den Einreisekontrollen auch nicht danach. Das ändert sich nun im Herbst 2022 offenbar.

Das deutsche Auswärtige Amt weist seit Mitte Oktober 2022 in den Reiseinformationen zu Kuba darauf hin, dass Fälle bekannt geworden seien, „in denen Reisende mit Voraufenthalt in Kuba nicht mehr mit ESTA in die USA (auch bei Transitreisen) einreisen konnten“. Das Auswärtige Amt spezifiziert die Zusammenhänge aber nicht weiter und lässt damit viele Fragen offen.

Welche Regeln gelten für Kuba-Reisende, die jetzt in die USA einreisen wollen?

Seit 12. Januar 2021 steht Kuba auf der Liste der „Terrorismus-Unterstützer“ – „State Sponsors of Terrorism“ – des United States Department of State, kurz: State Department. Der wesentliche Anlass, Kuba wieder auf diese Liste zu setzen, war die Unterstützung des kommunistischen Karibikstaates den venezolanischen Machthaber Nicolas Maduro. Die USA und viele andere Länder erkennen Maduro seit den dortigen Wahlen 2018 nicht mehr als legitimer Präsident an.

Wer also seit dem 12. Januar 2021 in Kuba war, ist zweifelsfrei nicht mehr berechtigt, nach dem Visa Waiver Program mit ESTA-Genehmigung in die USA einzureisen. Das gilt übrigens auch für bereits genehmigte ESTA-Anträge. Mangels ESTA-Berechtigung benötigt man stattdessen ein Business- (B1) oder Touristen-Visum (B2) für die USA – verbunden mit einer langwierigen und aufwendigen Antragsstellung und Kosten von 160 Dollar. Der Kuba-Aufenthalt ist kein Hinderungsgrund für die Erteilung eines Visums, wird aber bei Antragsstellung kritisch hinterfragt.

Nicht sonderlich hilfreich ist, dass in den meisten offiziellen FAQ und Informationen zum Visa Waiver Program und ESTA bis heute keine Hinweise darauf zu finden sind, dass ein Aufenthalt in Kuba der Genehmigung eines ESTA-Antrags entgehen steht, geschweige denn, welcher Stichtag gegebenenfalls für einen solchen Kuba-Aufenthalt relevant sein könnte.

Auch der Fragebogen zum ESTA-Antrag enthält keine explizite Frage nach einer vorangegangenen Kuba-Reise. Dort ist lediglich die Frage nach Iran, Irak, Libyen, Nordkorea, Somalia, Sudan, Syrien und Jemen enthalten. Ein Besuch in diesen Ländern nach dem 1. März 2011 ist ein ausdrücklicher Grund, keine ESTA-Genehmigung zu erhalten. Grundlage ist das Gesetz „Visa Waiver Program Improvement and Terrorist Travel Prevention Act of 2015“, das 2016 in Kraft getreten ist.

Hinweise, aber keine eindeutige Klarstellung zum Stichtag 12. Januar 2021

Screenshot der Website der US-Botschaft in Frankreich
Screenshot der Website der US-Botschaft in Frankreich

Lediglich versteckt in einer FAQ der Customs and Border Protection (CBP) findet sich unter Bezugnahme auf Kuba der Hinweis, dass auch bereits erteilte ESTA-Genehmigungen nicht mehr gültig seien, wenn der Reisende „have visited a country designated as State Sponsor of Terrorism“.

Aus dieser Formulierung kann man allerdings ableiten, dass dies für Kuba erst seit 12. Januar 2021 relevant ist. Denn davor stand das Land (zumindest zwischen 2015 und 2021) nicht auf der Liste der fraglichen Staaten.

Als bislang einzige offizielle Stelle schreibt die französische US-Botschaft auf ihrer Website, dass von der ESTA-Sperre konkret nur Reisen nach Kuba betroffen sind, die seit dem 12. Januar 2021 stattgefunden haben. Wer also vor diesem Stichtag Kuba besucht hat, könnte nach dieser Lesart und laut der französischen US-Botschaft weiterhin ESTA nutzen und würde kein Visum benötigen.

Cruisetricks.de hat über die US-Botschaft in Frankfurt bei der CBP nachgefragt. Eine Antwort steht noch aus. Die Botschaft empfiehlt daher bis zur Klärung durch die CBP, vorsichtshalber ein Visum zu beantragen.

IATA und ICTS nennen 12. Januar 2021 als Stichtag

Sowohl die International Air Transport Association IATA als auch der renommierte Dienstleister ICTS (Traveldoc) weisen in ihrer Dokumentation darauf hin, dass ein Visum nur für Reisende aus Visa-Waiver-berechtigten Ländern in die USA nur dann nötig ist, wenn sie seit dem 12. Januar 2021 in Kuba waren,

WICHTIGER HINWEIS: Wir recherchieren gewissenhaft, können aber selbstverständlich keine Gewähr dafür übernehmen, dass oder ob die Einreise in die USA mit ESTA nach einem Kuba-Aufenthalt vor dem 12. Januar 2021 tatsächlich möglich ist. Ohnehin liegt die endgültige Entscheidung über eine Einreise in die USA immer ausschließlich beim jeweiligen Grenzbeamten.

Kommentar schreiben

Schreibe einen Kommentar

Hinweis: Neue Kommentare werden aus technischen Gründen oft erst einige Minuten verzögert angezeigt.
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner