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„Funchal“ wird in der Türkei verschrottet

Es ist das Ende eines weiteren Kreuzfahrtschiff-Klassikers: Die 1961 gebaute Funchal ist an türkische Abwrackunternehmer verkauft. Bei der Öffnung der Gebote am 9. Oktober 2026 in Lissabon ging das Schiff für 808.265 Euro an eine Gruppe, die in Aliağa bereits zwei frühere Schwesterschiffe der Flotte zerlegt hat. In den kommenden Wochen soll die Funchal Lissabon in Richtung Türkei verlassen. Damit scheitert nach knapp zwölf Jahren Aufliegezeit auch der letzte Versuch, für das Schiff eine neue Verwendung zu finden.

Ein Gericht auf Madeira hatte den Verkauf im Insolvenzverfahren gegen die Gesellschaft Teamson angeordnet. Ihr gehörte die Funchal seit April 2021. Bis 30. September 2026 konnten Interessenten schriftliche Gebote abgeben, das Mindestgebot lag bei 802.354 Euro. Laut Jornal da Madeira erhielt dieselbe Gruppe türkischer Abwrackunternehmer den Zuschlag, die in Aliağa bereits die Lisboa (ex Princess Danae) und die Porto (ex Arion) verschrottet hatte. Beide Schiffe waren wie die Funchal bei Classic International Cruises und später bei Portuscale Cruises im Einsatz. Schon die Höhe des Mindestgebots hatte darauf hingedeutet, dass das Schiff am Schrottmarkt landen würde.

Hotelpläne in Lissabon gescheitert

Teamson, die portugiesische Medien mit dem Krypto-Investor Brock Pierce in Verbindung bringen, hatte die Funchal 2021 für rund 1,9 Millionen Dollar gekauft. In der Werft Naval Rocha in Lissabon sollte sie zu einem Hotelschiff mit rund 200 Zimmern umgebaut werden. Die Arbeiten kamen nur langsam voran, im September 2021 rückten wegen eines Brandes an Bord rund 20 Feuerwehrtrupps aus. Zum selben Projekt gehörte die 1948 gebaute Astoria, die als zweites Hotelschiff nach Funchal auf Madeira kommen sollte. Sie wurde im Juni 2025 in Rotterdam zwangsversteigert und ging an einen belgischen Abwrackbetrieb in Gent.

Auch der vorherige Eigentümer scheiterte. Die britische Hotelgruppe Signature Living hatte die Funchal im Dezember 2018 ersteigert und wollte sie als Partyschiff von Liverpool nach Ibiza, Marbella und Mallorca schicken. Ende 2019 gab das Unternehmen diese Pläne auf, 2020 ging es in die Insolvenz.

65 Jahre unter demselben Namen

Gebaut wurde die Funchal bei Helsingør Skibsværft in Dänemark für die portugiesische Empresa Insulana de Navegação. Nach dem Stapellauf am 10. Februar 1961 nahm sie am 4. November 1961 den Liniendienst für Post und Passagiere zwischen Lissabon, Madeira und den Azoren auf. Die portugiesische Regierung charterte sie mehrfach als Präsidentenyacht, unter anderem für Staatsbesuche in Brasilien 1968 und 1972. 1973 baute eine Werft in Amsterdam sie zum Einklassen-Kreuzfahrtschiff um und ersetzte die Dampfturbinen durch Dieselmotoren.

Später fuhr die Funchal für Classic International Cruises, vor allem für den britischen Markt. Einen Umbau zur Erfüllung der Sicherheitsvorschriften nach Solas 2010 begann die Reederei 2011, die Arbeiten kamen aber zum Stillstand. Nach der Insolvenz von Classic International Cruises übernahm 2013 der portugiesische Unternehmer Rui Alegre das Schiff für seine neu gegründete Reederei Portuscale Cruises und brachte es nach einer Renovierung zurück in Fahrt. Die letzte Reise endete am 2. Januar 2015, seitdem liegt die Funchal in Lissabon auf.

Anders als die übrigen Portuscale-Schiffe trug die Funchal seit ihrer Indienststellung durchgehend ihren ursprünglichen Namen. Sie ist das letzte der vier Portuscale-Schiffe, das zur Verschrottung geht: Die Lisboa wurde 2015 abgewrackt, die Porto 2018 und die Azores, zuletzt als Astoria unterwegs, 2025. Bis zum Beginn der Hotelpläne 2021 stand die 154 Meter lange Funchal (BRZ 9.563) auf der Cruisetricks.de-Liste der ältesten Kreuzfahrtschiffe der Welt.

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Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

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