Eisbären in Spitzbergen

Gedanken zum Eisbären-Unglück in Spitzbergen

Während einer Spitzbergen-Kreuzfahrt der Bremen von Hapag-Lloyd Cruises hat ein Eisbär einen Bärenwächter der Reederei angegriffen und schwer verletzt. Um den Angriff abzuwehren, haben die übrigen drei Bärenwächter den Eisbär erschossen. Der Angegriffene wurde am Kopf verletzt, ist aber außer Lebensgefahr.

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Der Vorfall ereignete sich, als das Viererteam einen Landgang für die Passagiere in Spitzbergen vorbereitete. Wird bei solchen Erkundung ein Eisbär gesichtet, wird der Landgang abgesagt – zur Sicherheit des Eisbären genauso wie für die Passagiere. Im vorliegenden Fall hatte das Erkundungsteam den Bären offenbar vom Schiff aus nicht gesehen und auch an Land nicht entdeckt. Der Angriff sei so überraschend gekommen, dass der Wächter selbst nicht mehr habe reagieren können. Die zuständige Behörde auf Spitzbergen wird den Vorfall genau untersuchen.

Soweit die Fakten. Der Vorfall ist sehr traurig, weil ein Mensch schwer verletzt wurde und weil er einen Eisbären das Leben gekostet hat. Als ich die Meldung hörte, hatte ich Tränen in den Augen. Wer diese wunderbaren Tiere schon einmal in Spitzbergen oder anderswo erleben durfte, kann gar nicht anders, als um das Tier zu trauern.

Sehr frustrierend sind Reaktionen auf Facebook. Wie leider so oft auf dieser und ähnlichen Plattformen im Internet ist die Motivation hinter den „Argumenten“ eine unschöne Mischung aus Neid, Hetze und vor allem dem Mangel an Wissen und Nachdenken. Viele Kommentare kommen von Leuten, die offenbar nichts, aber auch absolut gar nichts über die Zusammenhänge oder überhaupt etwas über Tier- und Naturschutz wissen.

Die "Bremen" in Spitzbergen
Die „Bremen“ in Spitzbergen

Richtig ist, dass der Mensch die Natur respektieren muss, insbesondere in so sensiblen Regionen wie Spitzbergen und in Bezug auf vom Aussterben bedrohten Tieren wie dem Eisbär. Gerade in Spitzbergen geschieht das aber so intensiv wie kaum irgendwo sonst auf der Welt. Einer der wenigen positiven Facebook-Kommentatoren, Chris Mitte, stellt das sehr ausführlich dar.

In diesem Fall hat es ausgerechnet Hapag-Lloyd Cruises getroffen. Eine Reederei, die lange Erfahrung mit Arktis-Expeditionen hat und über mit die besten Experten an Land und während der Reisen am Schiff verfügt. Die sich hin und wieder sogar den Vorwurf von Passagieren gefallen lassen muss, zu zurückhaltend und übervorsichtig zu sein.

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Ich habe vor einigen Jahren selbst eine Spitzbergen-Umrundung mit der Bremen gemacht und dabei erlebt, wie konsequent die Reederei in dieser Hinsicht agiert; in jeder Situation das Wohl der Eisbären über der Erlebnis für die Passagiere stellt. Kritik sollte sich also zumindest auf Expeditions-Kreuzfahrt generell beziehen und nicht auf Hapag-Lloyd Cruises im Speziellen.

Eisbären: In Spitzbergen allgegenwärtig
Eisbären: In Spitzbergen allgegenwärtig

Ob Expeditionskreuzfahrten generell vertretbar sind oder nicht, ist eine diskussionswürdige Frage. Aber nicht aufgrund eines einzelnen, extrem seltenen Vorfalls, sondern sinnvollerweise aus einer distanzierteren, objektiveren Perspektive.

Denn gefährden andere Formen des Tourismus die Umwelt etwa nicht? Sollte die Diskussion sich wirklich auf der emotionalen Ebene des „süßen Eisbären“ (dennoch: eines der gefährlichsten Raubtiere des Planeten) abspielen? Sollten „süße“ Tiere mehr Anrecht auf Schutz haben als „nicht süße“? Fragen Touristen etwa nach Brutgebieten bedrohter Vogelarten, die für Hotelburgen in Billigurlaubsländern weichen müssen? Fragt jemand nach der massiven Wasserknappheit in vielen Ländern, die durch den ausufernden Tourismus deutlich verschlimmert wird? Interessiert sich jemand beim Sushi-Essen (oder beim Füttern der Hauskatze) dafür, dass man Thunfisch nicht essen sollte, weil er in den meisten Fanggebieten vollkommen überfischt wird? Schert es jemanden, dass wir wegen unserer eigenen Billigheimerei jährlich knapp 50 Millionen Küken vergasen oder gar bei lebendigem Leib schreddern? Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen …

Die Neid- und Hass-Kritiken zu dem Eisbären-Unglück sind aber noch aus einem anderen Grund absurd. Gerade weil auf Spitzbergen mustergültiger Naturschutz betrieben wird, ist diese fantastische, arktische Welt für Menschen in sehr begrenztem Umfang zugänglich. Sie rückt damit in unser Bewusstsein, genießt hohe Aufmerksamkeit in der öffentlichen Diskussion. Sie ist nicht nur eine abstrakte, weit entfernte Region der Erde. Durch direktes, sehr emotionales Erleben schafft dieser stark reglementierte Tourismus eine hohe Sensibilität für die Bedeutung der Natur – unter anderem der Eisbären. Diese Art von Reisen macht Menschen zu Multiplikatoren für die gute Sache.

Die Aufregung über den Tod des Eisbären ist gerade deshalb so groß, weil unter anderem Expeditionsreisen uns ganz direkt die unbeschreibliche Schönheit der Arktis, die Erhabenheit dieser wunderbaren Tiere, aber auch die große Gefährdung durch Klimaerwärmung vor Augen führen.

Der Klimawandel tötet Eisbären übrigens in großer Zahl, bringt sie nahe ans Aussterben. Korrektur: Ein Leser hat mich korrekterweise darauf hingewiesen, dass die Eisbären-Population in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Der Klimawandel hat in der Arktis komplexe Auswirkungen. Die Eisbedeckung geht im Sommer teils deutlich zurück, wird im Frühjahr aber sogar dicker. Für die Eisbären hat das großen Einfluss auf ihren Lebensraum, führt zu Wanderungsbewegungen und das dicke Frühjahrs-Eis kostet viele neu geborene Eisbären das Leben. Der Klimawandel, zur Erinnerung, ist von allen Menschen verursacht und nicht von ein paar Expeditions-Kreuzfahrttouristen.

Eisbärenbeobachtung in Spitzbergen aus sicherer Distanz vom Schiff aus
Eisbärenbeobachtung in Spitzbergen aus sicherer Distanz vom Schiff aus

Wer undifferenziert gegen Expeditionskreuzfahrten hetzt, sollte noch einmal genau darüber nachdenken, wie viele Eisbären-Leben wir alle auf dem Gewissen haben, beispielsweise durch allzu energieverschwenderisches Verhalten im Alltag. „Expeditionsreisen verbieten“ würde das Aussterben der Eisbären nicht verhindern, noch nicht einmal verlangsamen. Wirklich umweltbewusstes und energiesparendes Verhalten im Alltag dagegen könnte sehr viel bewirken – würde aber eben persönlich ein wenig Umdenken und Mühe bedeuten.

Da ist es natürlich viel leichter, auf vermeintlich reiche Bonzen und sensationsgeile Snobs zu schimpfen, die sich zum persönlichen Vergnügen eine Reise zu den Eisbären Spitzbergens leisten können. Es ist ja so einfach, mit Hass auf andere die eigenen Schwächen zu verdrängen. Sich in Selbstgerechtigkeit zu sonnen, statt einen eigenen, substanziellen Beitrag zum Schutz der Eisbären (und anderen, echten Tierschutz) zu leisten.

So, und jetzt weine ich noch einmal ein paar Tränen um den Eisbären, der in Spitzbergen sterben musste; ich denke an den Bärenwächter, der das Unglück knapp überlebt hat; und ich fühle mit den Bärenwächter von Hapag-Lloyd Cruises, die mit der traurigen Tatsache leben müssen, ein Tier getötet zu haben, das sie selbst vermutlich am meisten lieben und achten.

23 Kommentare zu “Gedanken zum Eisbären-Unglück in Spitzbergen

  1. Hallo Franz,
    ein toller Bericht zu einem unschönen Ereignis das leider nicht immer zu vermeiden ist zum Thema Klimawandel das betrifft wie du schon geschrieben hast die gesamte Menschheit und wird man auch nicht mehr verlangsamen können und schon gar nicht aufhalten können denn dafür müsste jedes Land der Welt umdenken und die Gewohnheiten ändern und zwar sofort warten ist nicht und Plastik, Aluminium sowie Kohle, Atom, Schweröl und Gas müssten sofort verboten werden und zwar Global achja Kerosin habe ich noch vergessen wir brauchen so schnell wie möglich umweltfreundliche Antriebe für alle unsere Flugzeuge aber es gibt noch so viel mehr noch wo man auch als einzelne Person was für die Umwelt und das Klima tun kann ich fahre z. B. nur mit der Bahn und mit meinem Fahrrad und gehe selber Einkaufen und lasse mir nichts nach Hause liefern und trenne strickt den Müll was die meisten nicht machen.
    Ich wünsche dir noch einen schönen sonnigen Sonntagabend und freue mich schon auf die nächsten Artikel und Podcastfolgen aber eine Frage hätte ich doch noch ist denn meine Postkarte bei dir und Jerome angekommen ich war ja Ende Juni auf Ostseekreuzfahrt?

    Herzliche Grüße,
    Oliver

  2. Ein wunderbarer Artikel. Wir waren schon auf 2 verschiedenen Schiffen in der Antarktis. Die Arktis/Spitzbergen fehlt noch. Ich kann nur bestätigen wieviel Rücksicht von den Reedereien und deren Personal( Kapitäne/Naturalisten/Forscher etc.) auf die Natur und Tierwelt genommen wird. Dieser sehr bedauernswerte Vorfall kann aber immer vorkommen trotz aller Vorsichtsmassnahmen! 100 % Garantie gibt es auf Expeditionen nicht. Wir wünschen dem Betroffenen alles Gute und gute Genesung!!

  3. @Martin Beck: Die 100%-Garantie wäre natürlich, dort überhaupt nicht hinzufahren. Das würde ich aber aus den oben genannten Gründen für sogar eher nachteilig für die Eisbären insgesamt halten. Und dann dürfte man auch keine Forschungsstationen in der Arktis unterhalten und müsste v.a. auch alle Siedlingen dort aufgeben, denn auf Spitzbergen gibt es überall Eisbären, auch in Longyearbyen und ganz besonders in Ny Alesund. Und in diesem Zusammenhang gibt es viel häufiger Konfrontationen mit Eisbären als bei Kreuzfahrten. Dass der aktuelle Zwischenfall tödlich für den Bären ausgegangen ist, ist sehr, sehr traurig, aber ein seltener Einzelfall. Mir ist sogar kein einziger Fall bekannt, bei dem ein Eisbär bislang in Zusammenhang mit einer Kreuzfahrt erschossen werden musste. In der Regel gelingt es, die Tiere zu verscheuchen, wenn sie zu nahe kommen bzw. die Menschen ziehen sich entsprechend zurück, wenn es die Gelegenheit dazu gibt.

  4. Angesichts der sich häufenden unqualifizierten Bemerkungen zu diesem Thema würde ich mir wünschen, dass solche Vorfälle gar nicht mehr öffentlich werden. Warum veröffentlich man so etwas überhaupt? Um ordentlich Ärger am Hals zu haben? Ansonsten haben die Menschen alles richtig gemacht, lieber ein toter Eisbär, als ein toter Mensch (auch wenn einige das offenbar anders sehen, wenn ich mir so manche Kommentare ansehe)

  5. Zudem muss auch festgehalten werden, der Angriff ging vom Eisbären aus. Es stimmt zwar, dass die Menschen eingedrungen sind, aber zu dem Zeitpunkt herrschte noch keine Gefahr für den Eisbären. Er hat sich zum Angriff entschlossen. Mithin nach § 228 BGB gerechtfertigt. Kein Grund zur Aufregung.

  6. Mit solchen Informationen muss deutlich sensibler umgegangen werden. Viele Vereine warten doch nur auf so etwas, um Unternehmen an den Pragner stellen zu können. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die sich bei NABU & Co darüber abfeiern, um etwas gegen Hapag-Lloyd in der Hand zu haben. Tastsächlich steht Hapag-Lloyd ganz oben beim Thema Umweltschutz, was die Sache noch absurder macht. Einige Vereine wollen offenbar Menschen tot sehen. Sagt einiges aus über sogenannte „Umweltschützer“. Ich träume von einer Zukunft, in der solche Informationen nicht in falsche Hände gelangen, das heisst, gar nicht öffentlich werden.

  7. Forschung dort ja, Tourismus dort aber nein, unabhängig davon, dass wir Menschen uns im Alltag umweltbewusst verhalten sollen/müssen.

  8. @Chen: Das respektiere ich voll und ganz, auch wenn ich es persönlich anders sehe. Warum, siehe oben im Detail. Kurz gefasst vor allem, weil ich überzeugt bin, dass das direkte Erleben zu einem direkteren und stärkeren Bewusstsein für die Probleme arktischer Regionen führt und damit sowohl zu einem besseren Schutz und zu darüber hinaus gehenden Veränderungen im Sinne des Klimaschutzes führen, also auch eine weitere Zerstörung der sensiblen Ökosysteme der Arktis durch kommerzielle Nutzung wie Ölförderung und Nutzung der Nordwest- und Nordost-Passage durch Frachtschiffe mit den damit verbundenen Umweltgefahren. Denn wenn eine persönliche und emotionale Bindung und einem Thema besteht, ist die Bereitschaft, sich für den Schutz der Region einzusetzen viel höher, als wenn Eisbären und Arktis nur ein abstrakter Begriff sind, den man bestenfalls aus dem Fernsehen kennt.

  9. Es gibt 5 Länder auf dieser Welt, auf deren Territorium Eisbären leben. (Norwegen, Dänemark/Grönland, Russland, USA/Alaska, Kanada).
    Von diesen 5 Ländern ist der Eisbär nur in Norwegen geschützt! In Russland ist die Jagd auf diese prächtigen Tiere verboten, es fehlt aber an Mitteln und dem Willen, dies zu überwachen und durchzusetzen. In Kanada, Grönland und den USA gibt es eine regelrechte Jagdindustrie mit festgelegten Quoten für die indigene Bevölkerung. Nur leider ist in diesem Fall nicht von einer nachhaltigen Jagd aus kulturellen Gründen zu sprechen, da es gestattet ist, dass die Inhaber einer Abschusslizenz diese auch veräußern dürfen. Das führte dazu, dass in den letzten Jahren die von der PBSG (Polar Bear Specialis Group) herausgegebene Quote von ca 1000 Tieren auch tatsächlich geschossen wurde. Der derzeitige Bestand an Eisbären wird auf ca. 26000 Tiere geschätzt. Die letzte Zählung der Eisbären fand jedoch in den 70igern statt, allerdings wurde selbst da nicht der gesamte Bestand erfasst sondern nur auf rund 9000 Exemplare hochgerechnet! Der heutige Wert von 26000 Tieren kann nur zustande kommen wenn man auf die damalige Erhebung eine optimale Reproduktionsrate von 5-6% anwendet, den Jagddruck und den Druck durch andere negative Umwelteinflüsse ignoriert! Die Zahl von 26000 Exemplaren und die aktuelle Abschussquote von ca. 1000 Tieren pro Jahr, kommen beide von der PBSG, die selbst auch am Verkauf der Abschusslizenzen verdient! Das ist der eigentliche Skandal und nicht ein tragische Unfall auf Spitzbergen!

    Pessimistischere Schätzungen welche negative Einflüsse berücksichtigen und ebenfalls auf den damals erhobenen 9000 Exemplaren beruhen, gehen von derzeit weniger als 20000 Tieren, bei eine Reproduktionsrate von 3-4% aus. Die jährliche Abschussquote von 1000 Tieren liegt also ÜBER oder zumindest sehr nah an der Reproduktionsrate dran.
    (Quelle: Morten Jorgensen „POLAR BEARS ON THE EDGE – Heading for Extinction while Management Fails“ 2015)

    Ich konnte letztes Jahr selbst an einer Expeditionskreuzfahrt nach Spitzbergen teilnehmen. Nördlich von Jan Mayen und ca 250 nautische Meilen östlich von Grönland, konnten wir eine Eisbärenfamilie (Mutter mit 2 Pubs) auf dem Packeis beobachten. Das Schiff hat sich den Eisbären NICHT genähert, die Bären kamen aus Neugier aber bis auf ca 200 Metern an das Schiff heran. Diese Begegnung und eine Vielzahl von Fachvorträgen auf dem Schiff haben meine Wahrnehmung für dieses Problem geschärft. Meine Meinung zum Thema Expeditionskreuzfahrten lautet: Wenn es diese Art des Tourismus (der übrigens streng überwacht wird) nicht gäbe, könnten die Eisbären und ihr nahender Untergang, ganz aus dem öffentlichen Blick verschwinden. Dann wären die einzigen Menschen die einen Eisbären zu Gesicht bekommen würden, Einheimische, Zoobesucher und JÄGER!

    Die Berichterstattung zu diesem bedauerlichen Vorfall geht zum großen Teil in die falsche Richtung und Beiträge in den sozialen Medien strotzen leider vor Hass, Pöbeleien und Unwissenheit.

  10. Ein sehr ausgewogener Artikel
    Ich war als Seemann auch schon oft in diesem wunderbaren Fahrtgbiet und kann die absolute Priorität für Umwelt- und Naturschutz nur bestätigen
    Bernd

  11. Ein toller Artikel, vielen Dank dafür !
    Ich selbst habe Spitzbergen erlben und diese herrlichen Tiere „live“ sehen dürfen (übrigens auch mit der MS BREMEN). Daher kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen, das gerade Hapag-Lloyd Cruises immer sehr verantwortungsvoll mit Umwelt – und Naturschutzthemen agiert !
    Es ist äußertst tragisch, das ein solches Tier zum Selbstschutz getötet werden mußte ! Keine Frage ! Aber wären die Hasskommentare nicht in die andere Richtung ausgeschlagen, wenn die Schlagzeile gehießen hätte „Passagiere durch Angriff von Eisbär getötet“ ???? Dann hätte es wieder geheißen : Was hat Hapag-Llyod Cruises zu deren Schutz unternommen !!!??
    Laßt uns um den Eisbären trauern und ihm ein Denkmal setzen !
    Und gute Besserung für den Wächter !

  12. Lieber Herr Neumeier,
    ich kann Ihrem Artikel voll und ganz zustimmen. Wir waren auf der vorherigen Reise mit der MS Bremen nach Spitzbergen und können nur bestätigen, dass ALLES von den Verantwortlichen an Bord getan wurde, um keine Spuren in der sensiblen Natur der Arktis zu hinterlassen. Wir Passagiere wurden vor den Landgängen stets informiert, wie wir uns an Land zu verhalten hatten und dies wurde auch von den sich mit an Land gegangenen Crew Mitgliedern fortlaufend überprüft. Auch wurden wir angehalten, an Land Müll aufzusammeln. Für diesen hatte die Crew bei jedem Landgang spezielle Müllbehälter aufgestellt. Dem sind wir als Passagiere gerne nachgekommen und konnten zumindest zu einem sehr kleinen Teil zur Schonung der Natur beitragen, in dem wir die meist von der Fischerei stammenden Plastikteile aufsammelten, die dann von der Crew mit an Bord genommen und ordnungsgemäß entsorgt wurden. Es ist uns natürlich klar, dass dies nur eine sehr kleine Wirkung hat, aber besser als nichts und es hat bei uns allen unser Bewusstsein für die Empfindlichkeit der Arktis gestärkt. Jedes Tier, dass sich nun nicht mehr in dem Teil eiens Plastiknetztes verfängt, ist bzumindest ein Teilerfolg, wenn auch nur ein kleiner. Von den sich an Bord befindenden Wissenschaftlern, wurde so manchem von uns die Augen über die Gefährdung der Arktis noch weiter geöffnet und wir haben keine Passagiere erlebt, die sich an Land unvernünftig und gegen die Regeln verhalten haben. Die Eisbärenwächter gingen stets zuerst an Land, um nach Eisbären Ausschau zu halten, wie Hl es auch beschrieben hat und bei einer Eisbärensichtung hätten diese niemals Passagiere an Land gelassen. Die Landtouren dienten auch mitnichten der Beobachtung von Eisbären! Von der Verletzung des Eisbärenwächters und der notwendigen Tötung des Eisbären sind wie mehr als betroffen, aber wir sind sicher, dass die Eisbärenwächter alles unternommen haben, um den Bären nicht töten zu müssen. Wir wünschen dem verletzten Eisbärenwächter eine baldige und vollständige Genesung und bedanken uns bei ihm und seinen Kollegen für unseren Schutz und sein/ihr allzeit umsichtiges Verhalten.
    Hans

  13. Als ehemaliges Crew Mitglied von Hapag Lloyd, kann ich nur bestätigen, dass in jeder Hinsicht die Sicherheit von Natur, Tier und Mensch im absoluten Vordergrund steht!!

  14. Der Mensch schützt nur das, was er kennt und sieht. Daher ist sanfter Epeditionstourismus oder auch Zoos ein wichtiger Bestandteil des globalen Umweltschutzes.

    sehr guter Beitrag, den ich 1 zu 1 unterschreiben kann.

  15. Auch ich war in Spitzbergen mit der MS Bremen unterwegs und kann mich dem Text nur anschließen. Danke dafür!

  16. Vielen Dank für diesen so sachlichen und doch emotionalen und kenntnisreichen Kommentar. Ramona und Hajo vom Expeditionsteam Hapag Lloyd.

  17. „Richtig ist, dass der Mensch die Natur respektieren muss…….“ ab hier habe ich aufgehört zu lesen. Schiffsreisen die zur Belustigung oder Unterhaltung gedacht sind stehen im absoluten Widerspruch zu diesem einleitenden Satz.

  18. @Frank: Das Argument unterstellt, dass die einzige Motivation für diese Reisen „Belustigung“ ist. Natürlich ist Urlaub zu erst einmal Vergnügen. Aber wenn man sich ansieht, wer eine Arktis-Kreuzfahrt bucht, dann ist das kein Ballermann-Partyvolk, sondern fast durchgehend Menschen, die unsere Natur und Umwelt sehr schätzen, die neues lernen wollen, die sich darüber informieren wollen, was es zu schützen gibt. Der Mensch schützt, was er liebt und blendet aus, und ist tendenziell gleichgültig dem gegenüber, was er nicht kennt. Insofern gibt’s durchaus gute Argumente, Reisen auch in solche Regionen zu machen und speziell in Spitzbergen sind die Schutzmaßnahmen und Regulierungen so streng, dass es eben auch kein Zufall ist, das dies der erste derartige Vorfall in der Geschichte der modernen Expeditions-Kreuzfahrt war, sondern Ergebnis sehr sorgsames Verhalten der Anbieter.
    Insofern würde ich bitten, dennoch weiter zu lesen, weil wichtige Argumente weiter unten noch kommen, insbesondere ach in Hinblick auf unser sonstiges, um ein Vielfaches rücksichtsloseres und fataleres Verhalten in Hinblick auc Umwelt- und Naturschutz jedes Einzelnen von uns im Alltag.

  19. @pet: Ich denke, solche Informationen nicht zu veröffentlichen, wäre der falsche Weg, auch wenn Ihre Argumentation einiges für sich hat. Es ist wichtig, solche Diskussionen zu führen und was wäre erst geschehen, wenn Hapag-Lloyd Cruises die Information zurück gehalten hätte und es später doch heraus gekommen wäre? Entscheidend für mich ist, dass insbesondere die etablierten Medien sich wieder mehr ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung stellen und solche Themen nicht als empörte Skandal-Meldungen herauspusten, sondern recherchieren, Hintergründe erklären und zu einer sachlichen Diskussionen anregen.

  20. @pdf: zu der Frage, ob man so etwas überhaupt öffentlich machen sollte, siehe meine Antwort an @pet. Was mich auch erschreckt ist dieser Extremismus in manchen Facebook-Kommentaren, die lieber einen Menschen sterben sehen oder gar erschießen wollen, als einen Eisbärenangriff abzuwehren. Was dahinter steckt ist aber – so hoffe ich wenigstens – die Sichtweise, dass der Mensch dort erst gar nicht hingehen sollte, damit diese Situation erst gar nicht entstehen kann. Allerdings würde es der Diskussionskultur und insbesondere diesem schwierigen Thema helfen, nicht radikal herum zu brüllen, sondern sich sachlich mit dem Thema auseinander zu setzen und vernünftig zu argumentieren, so wie man das in einer demokratischen, zivilen Gesellschaft eigentlich tun sollte …

  21. @Oliver: Ja, die Postkarten sind angekommen, vielen lieben Dank. Erwähnen wir auch in der aktuellen Podcastfolge :-)

  22. Solche Polar-Reisen als „Expedition“ zu bezeichnen ist irreführend. Ebenso der Ausdruck „Expeditionsschiff“. Es ist eher der gleiche Drang, der bestimmte Autofahrer an einer Unfallstelle anhalten lässt, um möglichst blutige Leichen zu sehen und zu fotografieren. Sogenannte Großwildjäger, die in Kenia 30.000 Euro auf den Tisch legen, um einen Löwen abknallen zu dürfen, tragen das gleiche Gen in sich. Mindestens ein „Exemplar“ der „Big five“ erlegt zu haben, empfinden Sie als Glanzleistung. Zur Zeit sind weltweit über 30 „Expeditionsschiffe“ für die Arktis und die Antarktis im Bau (Hapag-Lloyd, Ponant, Quark Expeditions u.a.) – viel Vergnügen, Ihr mutigen Expeditionsteilnehmer! Wenn Ihr irgendwo dem Einhandsegler begegnet, der allein auf einem sechs Meter langen Boot den Globus umrundet, dann könnt Ihr sehen, was Mut und Leistung wirklich sind. Ihr Helden ….!

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