Der Bau eines neuen Kreuzfahrthafens für Rom nahe des Flughafens Fiumicino ist vorerst gestoppt. Ein Gericht in der italienischen Region Latium hat die Umweltprüfung in Zusammenhang mit dem Bauprojekt für unzureichend erklärt. Die Hafengesellschaft Fiumicino Waterfront gehört der Royal Caribbean nahestehenden Entwicklungsgesellschaft CTI und zu zehn Prozent direkt Royal Caribbean.
Die Pläne für den Kreuzfahrthafen als Konkurrenz zu dem im Jahr 2026 voraussichtlich größten europäischen Kreuzfahrthafen in Civitavecchia gehen auf eine staatliche Konzession zum Bau eines Yachthafens von 1990 zurück. Als der teilstaatliche Konzessionsinhaber 2017 insolvent ging, sprang Royal Caribbean ein. Die Planung wurde um einen Kreuzfahrtschiff-Anleger erweitert, der sich auch für die größten Schiffe eignen würde. 2021 übernahm Royal Caribbean schließlich über seine damalige Tochtergesellschaft Fiumicino Waterfront das insolvente Unternehmen und damit auch die Konzession.
Das Projekt soll ein Investitionsvolumen von rund 600 Millionen Euro haben. Die Fertigstellung des Kreuzfahrtanlegers war nach der ursprünglichen Planung bereits für Ende 2024 vorgesehen. Zuletzt war von Sommer 2026 die Rede, was aber selbst vor dem aktuellen Urteil unrealistisch gewesen wäre.
Gegen das Projekt geklagt hatten Umweltschutzverbände, denen das Gericht nun vorerst Recht gab. Allerdings hat Fiumicino Waterfront schon weitere rechtliche Schritte angekündigt. Das Urteil sieht das Zertifikat zur Umweltprüfung als unzureichend an, weil es nach den Maßstäben für einen touristischen Hafen, also den ursprünglich geplanten Yachthafen, erstellt wurde. Der Kreuzfahrthafen stellt dem Gericht zufolge aber einen kommerziellen Hafen dar, für den andere Anforderungen gelten.
Fiumicino Waterfront gehört inzwischen mehrheitlich Cruise Terminals International (CTI), einer Holdinggesellschaft von Icon Infrastructure, selbige wiederum ein britisches Unternehmen für die Verwaltung globaler Investmentfonds ist. Royal Caribbean ist lediglich noch zu zehn Prozent direkt beteiligt. CTI ist aber ein enger Partner der Royal Caribbean Group bei der Entwicklung neuer Kreuzfahrtterminals und der Verwaltung bestehender wie beispielsweise in Miami, Barcelona oder Ravenna und hat aktuelle keine Projekte mit anderen Kreuzfahrt-Reedereien.
Ein Kreuzfahrthafen in Fiumicino hätte vor allen den Vorteil, dass er sehr nahe am Flughafen von Rom liegen würde, während der Transfer von Civitavecchia sowohl nach Rom als auch zum Flughafen in Fiumicino zeitaufwendig und relativ teuer ist.
Für Royal Caribbean ist die aktuelle Gerichtsentscheidung in Italien schon der zweite Rückschlag bei geplanten Infrastrukturprojekten, nachdem vor einigen Wochen Mexiko die Genehmigung für das geplante „Perfect Day Mexico“ verweigert hatte.




