Delta Queen in Chattanooga

Historischer Raddampfer Delta Queen soll wieder Kreuzfahrtschiff werden

Die Fans des historischen Mississippi-Raddampfers und Flusskreuzfahrtschiffs Delta Queen feiern einen lange erhofften Etappensieg: Der US-Kongress hat nach jahrelangem Ringen eine Ausnahmegenehmigung für den Betrieb des Schiffs erteilt. Die Delta Queen ist umstritten, weil viele Aufbauten des historischen Schiffs aus Holz sind und als Brandgefahr betrachtet werden.

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Die 1927 gebaute Delta Queen erfüllt nicht die Anforderungen der seit 1960 in der Hochsee-Schifffahrt geltenden Solas-Bestimmungen, die in den USA durch ein nationales Gesetz auch für Flussschiffe gelten. Sie verfügt zwar über einen doppelwandigen Stahlrumpf, die Aufbauen sind jedoch überwiegend aus Holz. Über Jahrzehnte hinweg hatte das Schiff als historischer Raddampfer jedoch immer neue Ausnahmegenehmigungen vom Kongress erhalten – mit entsprechenden Auflagen zum Brandschutz, unter anderem mit einer von der Nasa entwickelten Brandschutz-Lackierung für Holzelemente.

Der frühere Eigentümer der Delta Queen, Majestic America Line, hatte 2008 in einer Phase finanzieller Schwierigkeiten zu spät mit dem Verfahren für eine neue Ausnahmegenehmigung begonnen, sodass die Genehmigung letztlich verweigert wurde. Seitdem kämpfen Unterstützer und seit 2012 auch der neue Eigentümer Delta Queen Steamboat Company um eine neue Ausnahmegenehmigung.

Wohl auch aufgrund massiver Lobbyarbeit von Mitbewerbern in der Flusskreuzfahrt auf den amerikanischen Flüssen scheiterten bislang alle Versuche meist schon in den zuständigen Ausschüssen im Senat oder im Repräsentantenhaus. Auch der Status der Delta Queen als „National Historic Landmark“ und die Würdigung als „National Treasure“ durch den National Trust for Historic Preservation im Jahr 2013 konnte daran nichts ändern. Zu dieser Zeit lag das Schiff als Hotel in Chattanooga, Tennessee.

Um die Ausnahmegenehmigung jetzt, nach zehnjährigen Fehlversuchen, letztlich durch den Kongress zu bringen, haben die Eigentümer der Delta Queen einen in der US-Gesetzgebung durchaus gängigen Trick angewendet: Statt ein eigenes Gesetz für die Ausnahmegenehmigung einzureichen, wurde die Ausnahmeregelug im Senat an das wichtige und umfassende Gesetz für das Budget für die US Coast Guard angehängt. Da das Gesetz unter Termindruck verabschiedet werden muss, um die Coast Guard handlungsfähig zu erhalten, blieb insbesondere im Repräsentantenhaus keine Zeit mehr, diesen relativ nebensächlichen Anhang zu diskutieren und Änderungen oder die Streichung erneut mit dem Senat zu koordinieren.

Im nächsten Schritt müssen die Eigner der Delta Queen nun bei der zuständigen US Coast Guard eine technische Betriebsgenehmigung, das sogenannte „Certificate of Inspection“, einholen. Aus Coast-Guard-Kreisen sind dazu unterschiedliche Einschätzungen zu hören. Einige halten es für realistisch, die Delta Queen unter Auflagen mit einer Betriebsgenehmigung auszustatten, andere schätzen das Brandrisiko trotz Ausnahmegenehmigung des Kongresses als zu hoch ein.

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Eigner und Fans der Delta Queen argumentieren seit vielen Jahren, dass ein kleines Flusskreuzfahrtschiff nicht an den Maßstäben der Hochseekreuzfahrt gemessen werden könne, die Fluchtwege sehr kurz seien, die meisten Kabinen Türen direkt auf offene Decks hätten und die Flüsse an den meisten Stellen so seicht seien, dass das Schiff auch im Notfall nie vollständig sinken könne. Das Brandrisiko sei in der Praxis aber ohnehin sehr gering sei, weil umfassende Brandschutzmaßnahmen vorhanden seien. Immerhin habe es auf der Delta Queen in ihren fast 90 Betriebsjahren nie ein ernsthaftes Feuer gegeben.

Das Ziel des aktuellen Eigentümers ist, den historischen Schaufelraddampfer Delta Queen wieder als nostalgisches Flusskreuzfahrtschiff in Dienst zu stellen. Bereits seit 2015 liegt das Schiff in einer Werft in Houma im Bundesstaat Louisiana, wo es instand gehalten wird und jetzt nach der erteilten Ausnahmegenehmigung für die Coast-Guard-Inspektion modernisiert werden soll.

Hinter dem Unternehmen Delta Queen Steamboat Company stehen insbesondere Cornel Martin, der bereits von 1993 bis 2004 für das Vorgängerunternehmen tätig war, Leah Ann Ingram, die sich die Delta Queen von 2010 bis 2014 gekümmert hat sowie Phillip Johnson, der als Vice President of Marine Operations seine Erfahrung in Werften der US Navy und früherer Maschinist anderer Dampfschiffe einbringt.

(Hinweis und Offenlegung: Wir sind in der Sache vermutlich nicht ganz objektiv, weil wir selbst seit vielen Jahren den Kampf für eine Ausnahmegenehmigung für die Delta Queen aktiv unterstützt haben und in geringem Umfang immer noch unterstützen.)

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