Für ebenso viel Aufmerksamkeit in der allgemeinen Medienlandschaft wie für teils großes Unverständnis seitens erfahrener Kreuzfahrer und Kreuzfahrt-Unternehmen sorgt alljährlich das Kreuzfahrt-Ranking des Nabu. Die Wertung für 2026 hat der Umweltschutzverband am 6. August 2026 veröffentlicht.
Auch wenn der Nabu die Kriterien für das Kreuzfahrt-Ranking (auch die aktuelle Version 2026 ist dort nachzulesen) im Laufe der Jahre differenzierter ausgearbeitet und transparenter gemacht hat, wirkt es dennoch mehr wie ein Marketing-Instrument für den Umweltschutzverband denn wie eine ernsthafte Bewertung der Klima- und Umweltfreundlichkeit der Reedereien.
Was vor allem fehlt ist eine ehrliche Einordnung in die Marktgegebenheiten. Von Reedereien Investitionen in Technologie zu fordern, die es noch nicht marktreif gibt (vollelektrische Schiffe beispielsweise), ohne die unkalkulierbaren Milliarden-Euro-Risiken für die Reedereien zu erwähnen, ist unlauter.
Und allein die Tatsache, dass auf den Spitzenplätzen jedes Jahr aufs Neue Hurtigruten und Havila landen (deren Bemühungen um Umwelt- und Klimaschutz durchaus würdigenswert sind), offenbart, dass der Nabu Vergleiche zwischen kaum vergleichbaren Produkten zieht. Die beiden Betreiber der Küstenlinie unterliegen in Norwegen staatlichen Vorgaben für den Umwelt- und Klimaschutz, fahren also zu ganz anderen Marktbedingungen.
Und Hurtigruten und Havila haben ganz andere Gegebenheiten durch einen festen Fahrplan und eine immer gleichbleibende Route, die manche Aspekte viel leichter oder überhaupt erst planbar machen im Vergleich zu Kreuzfahrt-Reedereien, deren Schiffe in wechselnden den Fahrtgebieten unterwegs sind und daher Schiffe bauen müssen, die auch in Gebieten fahrfähig bleiben müssen, wo die Versorgungslage mit alternativen und umweltfreundlichen Treibstoffen auch auf lange Sicht nicht gewährleistet ist.
Was der Nabu mit dem Kreuzfahrt-Ranking tut, aber nicht erklärt, ist: bei der Bewertung Versprechen (Klimaneutralität bis 2050) und Strategien (LNG, Akkus, Methanol etc.) mit ideologisch besetzter Einordnung und tatsächlichen Maßnahmen und Investitionen zu vermischen. Das Ranking suggeriert aber eine Einstufung einer aktuell bestehende Klima- und Umweltfreundlichkeit von Schiffen.
Nicht sehr sinnvoll ist auch, wenn man Fortschritte bewerten und zeigen will, unerwähnt zu lassen, dass gerade bei großen Kreuzfahrtunternehmen zahlreiche Schiffe schon älter sind (aber nicht alt genug, um auch auch Nachhaltigkeitsgründen schon ausgemustert zu werden) und damit nicht den aktuellen Stand der Technik darstellen können. Andererseits bei einer Bewertung der ganzen Flotte einzelne, neue Schiffe mit sehr fortschrittlicher Technik quasi untergehen.
Solche Unstimmigkeiten in dem Kreuzfahrt-Ranking machen es schwer, wirklich sinnvolle Rückschlüsse daraus zu ziehen. Spitzenreiter in der Tabelle, auch wenn sie nur auf 7,5 von 17 möglichen Punkten kommen, klopfen sich – aus PR- und Marketingsicht nachvollziehbar – auf die Schulter. Andere reiben sich verwundert die Augen, weil ihre durchaus vorhandenen Bemühungen um mehr Klima- und Umweltschutz wenig Wirkung im Ranking zeigen.
Ein wenig verwirrend ist auch, dass die selbst erklärten Netto-Null-Klimaziele der Reedereien für 2050 offenbar positiv in die Bewertung eingehen. Die Deutsche Umwelthilfe hatte dagegen kürzlich erst einen Prozess gewonnen, weil sie es für unzulässig hielt, dass Reedereien mit solchen Zielen werben, ohne einen konkreten, technologischen Weg zu ihrer Erreichung aufzeigen können.
Wo sieht der Nabu Fortschritte und Probleme?
Der Vollständigkeit halber sein trotz meiner Kritik an dem Ranking einige Eckpunkte genannt, die der Nabu heraushebt. Und auch die Stellungnahme und Pressemitteilungen einiger in dem Ranking erwähnten Reedereien sowie des Branchenverbandes Clia dokumentiere ich weiter unten.
Fortschritte sieht der Nabu bei Landstrom-Fähigkeit der Schiffe (ab 2030 gibt es eine Landstrom-Pflicht in der EU) und bei der Energieeffizienz. Als zentrale Herausforderung benennt der Nabu den Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen, der „nach wie vor ungelöst“ sei. Die Kritik dehnt der Nabu dabei sogar auf biogene Kraftstoffe aus. Investitionen in tatsächlich klimaneutrale Antriebe und E-Fuel-fähige Schiffe seien nach wie vor die Ausnahme.
Unter Erwähnung „erster Konzepte für vollelektrische große Kreuzfahrtschiffe“ (die Meyer-Werft hat kürzlich dazu eine Konzeptstudie vorgestellt) fordert der Nabu entsprechende Investitionen – ohne aber ehrlich zu benennen, was das für ein Kreuzfahrt-Unternehmen beim aktuellen Stand der Technik bedeuten würde: Kreuzfahrtschiffe für eine Milliarde Euro und mehr pro Schiff zu bauen, bei denen nicht klar ist, ob sie nach Fertigstellung überhaupt fahren könnten, etwa, weil für das zitierte, vollelektrische Schiff vorhersehbar allein schon die Lademöglichkeiten in allen relevanten Häfen fehlen würden oder die verfügbare Ladeinfrastruktur so begrenzt wäre, dass eine sinnvolle Routenplanung für ein solches Schiff – geschweige denn für eine ganze Flotte – unmöglich wäre.
Was Reedereien und der Branchenverband Clia dazu sagen
Die Gewinner wie Hurtigruten freuen sich …
„Das diesjährige Kreuzfahrtranking des deutschen Umweltverbands NABU bestätigt erneut die führende Rolle norwegischer Küstenreedereien bei der Entwicklung neuer Technologien zur Reduzierung von Emissionen in der Schifffahrt. Die beiden Spitzenplätze unterstreichen die Stärke des maritimen Innovationsökosystems Norwegens und die enge Zusammenarbeit zwischen Reedereien, Werften, Technologieunternehmen, Forschungseinrichtungen und Akteuren der öffentlichen Hand.
die ganze Pressemitteilung von Hurtigruten aufklappen:
Hurtigruten bringt dabei mehr als ein Jahrhundert Erfahrung aus dem Betrieb der traditionsreichen Postschiffroute entlang der norwegischen Küste ein. Heute verbindet das Unternehmen dieses über Generationen gewachsene Wissen mit der Entwicklung und Erprobung neuer Technologien, um gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Forschung und Politik die Transformation der Schifffahrt voranzutreiben.
Die Reduzierung von Emissionen in der Schifffahrt ist eine langfristige Aufgabe. Fortschritte erfordern die kontinuierliche Weiterentwicklung von Technologien, die Erprobung neuer Lösungen unter realen Betriebsbedingungen und eine enge Zusammenarbeit innerhalb des maritimen Innovationsökosystems.
Im vergangenen Jahr hat Hurtigruten diese Arbeit weiter vorangetrieben. Dazu gehörte unter anderem eine erfolgreiche Testreise entlang der norwegischen Küste, bei der ausschließlich Biokraftstoff eingesetzt wurde. Darüber hinaus hat das Forschungsprojekt Sea Zero die technische Machbarkeit eines vollelektrischen Schiffes für die norwegische Küstenroute nachgewiesen. Die Realisierung eines solchen Schiffes erfordert nun ein koordiniertes Vorgehen aller relevanten Akteure, darunter Reedereien, Technologieunternehmen, Infrastrukturbetreiber, Regulierungsbehörden und politische Entscheidungsträger.
Hedda Felin, CEO von Hurtigruten, sagt: „Das NABU-Ranking ist eine wichtige Anerkennung der Fortschritte, die entlang der norwegischen Küste erzielt werden. Die beiden bestplatzierten Reedereien sind ausschließlich in dieser Region tätig. Hurtigruten baut auf mehr als 130 Jahren Erfahrung in diesen Gewässern auf. Wir erproben Lösungen wie Biokraftstoffe unter realen Betriebsbedingungen und entwickeln die Technologien, die für die Zukunft benötigt werden. Kein Unternehmen kann diese Transformation allein bewältigen. Eine weiterhin enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Forschung und Politik wird daher entscheidend sein.“
Marius Griego, Vice President Sales & Marketing DACH bei Hurtigruten, ergänzt: „Das NABU-Ranking bietet vielen Reisenden in den deutschsprachigen Märkten eine wichtige Orientierung. Das starke Abschneiden der norwegischen Küstenreedereien unterstreicht erneut die hohe Innovationskraft der maritimen Wirtschaft Norwegens. Hurtigruten wird seine langfristigen Anstrengungen zur Reduzierung von Emissionen konsequent fortsetzen.“
… und Havila Voyages schreibt:
„Die deutsche Umweltorganisation NABU hat Havila Voyages an die Spitze ihres Kreuzfahrt-Rankings für 2026 gesetzt – aufgrund der Bemühungen des Unternehmens, ganzheitliche nachhaltige Lösungen umzusetzen und die CO2- und Schadstoffemissionen entlang der norwegischen Küste weiter zu reduzieren. Wie bereits im vergangenen Jahr setzen die Schiffe des familiengeführten Unternehmens Maßstäbe für die Kreuzfahrtbranche.
„Wir fühlen uns geehrt, auch in diesem Jahr wieder den ersten Platz zu belegen und zu sehen, dass unsere Bemühungen anerkannt werden. Erst im vergangenen November haben wir gezeigt, dass klimaneutrale Fahrten auf der Postschiffroute bereits heute möglich sind“, erklärt Bent Martini, Geschäftsführer von Havila Voyages.
die ganze Pressemitteilung von Havila Voyages aufklappen:
Im Jahr 2025 senkte das Unternehmen die CO2-Emissionen weiter und übertraf die gesetzlichen Anforderungen bei weitem. Einer der Höhepunkte des Jahres war im Herbst 2025, als „Havila Polaris“ eine historische klimaneutrale Rundreise von 2.500 Seemeilen von Bergen nach Kirkenes und zurück absolvierte – angetrieben mit Biogas und mit einer tatsächlichen Emissionsreduktion von 95,5 Prozent.
„Diese Fahrt hat gezeigt, dass es durchaus möglich ist, in der nächsten Vertragsperiode strengere Umweltanforderungen auf der Küstenroute zu erfüllen – ohne Abstriche bei der Sicherheit oder der Betriebsleistung“, sagte Martini. „Daher lautet unsere Botschaft ganz einfach: Was an der rauen norwegischen Küste möglich ist, ist auch anderswo möglich.“
Das Unternehmen arbeitet weiterhin an neuen Lösungen, darunter alternative Kraftstoffe und CO2-Speicherung. Das erklärte Ziel von Havila Voyages ist es, bis 2028 Klimaneutralität für seine Flotte und ab 2030 emissionsfrei operieren zu können.
„Bis 2030 wird unsere Flotte auf der Küstenroute vollständig emissionsfrei fahren – sowohl mit den vier bestehenden Schiffen als auch mit möglichen neuen Schiffen“, erklärt Martini und unterstreicht damit die Ambitionen des Unternehmens auf weiteres Wachstum in der nächsten Ausschreibungsrunde.
Die Transformation der Schifffahrtsbranche kann nur durch einen ganzheitlichen und kooperativen Ansatz gelingen. Deshalb setzt Havila Voyages auf starke Partnerschaften mit Küstengemeinden und regionale Wertschöpfung. Ein Beispiel dafür ist das kulinarische Konzept des Unternehmens, das fast ausschließlich auf lokale, norwegische Lieferanten setzt und Lebensmittelabfälle minimiert.
„Gemeinsam mit unseren Gästen vermeiden wir große Mengen an Lebensmittelabfällen. Damals haben wir uns das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Lebensmittelabfälle auf 75 Gramm pro Gast und Tag zu reduzieren. Mit einem tatsächlichen Wert von 68 Gramm (2025 und 2024) haben wir dieses Ziel erreicht. “
„Ungeachtet unserer stetiger werdenden Etappensiege wissen wir, dass die Ziellinie noch nicht erreicht ist. Deshalb hoffen wir, dass unsere Reise andere dazu inspirieren wird, sich aktiv an diesem außerordentlich großen Gemeinschaftsprojekt zu beteiligen“, schloss Martini.“
Der Branchenverband Clia sieht sich im Kurs der Reedereien bestätigt:
„Die Investitionen und Bemühungen unserer Mitgliedsunternehmen zahlen sich aus. Knapp zwei Drittel der Schiffe unserer Mitgliedsreedereien können bereits Landstrom nutzen, bei Neubauten liegt der Anteil noch höher. Rund 15 Prozent der neuen Schiffe haben zusätzliche Batteriespeicher an Bord. Europaweit sind bis 2036 Investitionen von über 70 Milliarden Euro geplant, der Großteil davon für die Dekarbonisierung der Flotte: unter anderem für Schiffe, die mit erneuerbaren Kraftstoffen fahren können, und für den weiteren Ausbau von Landstromtechnologie.
Damit gehört die Kreuzfahrtindustrie zu den Vorreitern im maritimen Sektor. Zwei Dinge bremsen dabei das Tempo. Zum einen die Infrastruktur an Land. Bislang bieten nur knapp vier Prozent der Liegeplätze Landstrom an. Zum anderen die mangelnde Verfügbarkeit erneuerbarer Kraftstoffe. Was jetzt zählt, ist eine verlässliche, ambitionierte Regulierung, die Produzenten anreizt, in den Ausbau zu investieren.“
Unternehmen wie MSC Cruises, die bei dem Thema in den vergangenen Jahren deutlich mehr Anstrengungen unternommen haben, in dem Nabu-Ranking aber dennoch nur im Mittelfeld gelandet sind, haben Klärungsbedarf:
„Nachhaltigkeit spielt bei der Zukunftsplanung von MSC Cruises weiterhin eine zentrale Rolle und wir erzielen messbare Fortschritte auf dem Weg zur Netto-Null-Bilanz bei den Treibhausgasemissionen unseres Schiffsbetriebs bis 2050. Unser unabhängig geprüfter Energiewendeplan (Energy Transition Plan), der jährlich aktualisiert wird, legt unseren Dekarbonisierungskurs bis 2050 mit Zwischenzielen fest, die die Emissionen über den gesamten Kraftstofflebenszyklus hinweg berücksichtigen.
Im Jahr 2025 haben wir das Ziel der IMO zur Senkung der Kohlenstoffintensität bis 2030 bereits fünf Jahre vor dem geplanten Termin erreicht – und das trotz des Ausbaus unserer Flotte. Diese Leistung ist auf nachhaltige Investitionen, Innovationen, ein effizienteres Schiffsdesign, betriebliche Verbesserungen und den zunehmenden Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe zurückzuführen. Energieeffizienzmaßnahmen in den Bereichen Antrieb, Hotelbetrieb und Motorleistung haben zu beachtlichen Ergebnissen geführt und die Emissionen unserer bestehenden Flotte um 52.300 Tonnen CO₂e gesenkt.
die ganze Pressemitteilung von MSC Cruises aufklappen:
Diese Investitionen gehen mit konkreten Maßnahmen in unserem gesamten Betrieb einher. Im vergangenen Jahr haben wir fast 10.000 Tonnen zertifizierte erneuerbare Kraftstoffe eingesetzt, was zu einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 48.714 Tonnen CO₂e führte, und wir investieren weiterhin in Dual-Fuel-Technologien, die im Zuge der Energiewende Kraftstoffflexibilität bieten.
Im vergangenen Jahr wurden unsere Schiffe 217 Mal an Landstrom angeschlossen, was messbare Fortschritte in mehreren Bereichen unserer Dekarbonisierungsstrategie belegt. Wir streben für 2026 mindestens 450 Anschlüsse an die Landstromversorgung an, entsprechend der wachsenden Zahl von Häfen mit dieser Infrastruktur und weil wir die Anzahl unserer Schiffe mit Landstromanschluss bis Ende 2026 auf 22 unserer insgesamt 27 Schiffe erhöhen werden.
In der gesamten Schifffahrtsbranche werden derzeit verschiedene Ansätze zur Dekarbonisierung des Schiffsverkehrs geprüft. LNG ist die vorherrschende Lösung, die derzeit branchenweit eingesetzt wird. Sie trägt nachweislich dazu bei, die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu herkömmlichen Schiffskraftstoffen zu senken, und ebnet gleichzeitig den Weg für emissionsärmere Alternativen wie Bio-LNG und synthetisches LNG, sobald diese in größerem Umfang verfügbar sind.
Methan-Schlupf ist ein wichtiges Thema für den Schifffahrtssektor, das wir sehr ernst nehmen. Unabhängige Messungen an unseren neuesten Dual-Fuel-Schiffen zeigen, dass die Methanschlupfwerte deutlich (unter 1,7 %) unter den Standardwerten von „FuelEU Maritime“ liegen, und wir investieren weiterhin in Technologien und Forschung, um die Emissionen weiter zu reduzieren.“


Ich finde nicht, dass der Naturschutz-Bund in seiner Einschätzung der Nachhaltigkeit „Marktgegebenheiten“ berücksichtigen muss. Das ist ja nicht der TÜV. Wenn Einigkeit unter Marktteilnehmern besteht und es den Firmen wichtig ist, lassen sich Marktgegebenheiten auch ändern. Asonsten brauchts Regulierung. Royal Caribbean 4,3 Mrd, Carnival 2,8 Mrd. USD Jahresgewinn in 2025, da ginge schon was.