Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 900 Passagieren dürfen in Nizza und Villefranche-sur-Mer ab Juli 2025 möglicherweise nicht mehr vor Anker gehen und ihre Gäste an Land bringen. Ein entsprechender Plan des Bürgermeisters der südfranzösischen Stadt soll den Overtourismus in Nizza reduzieren und den Fokus stärker aus finanzkräftigen Luxus-Tourismus legen.
Update (März 2025): Inzwischen ist der Bürgermeister von Nizza zurückgerudert und strebt nun eine Kompromisslösung an. Für Villefrance-sur-Mer sollen nun 65 Schiffsanläufe mit jeweils maximal 2.500 Passagieren zugelassen werden, für Nizza sollen auch Schiff mit mehr als 450 Passagieren weiterhin unbegrenzt anlegen dürfen. Für beide Häfen aber soll gelten: nur ein Schiff pro Tag. Update zum Update: Die Regelung wurde von einem Gericht aufgehoben, weil für eine solche Regelung das Département und nicht die Gemeinde zuständig ist.
Update (Oktober 2025): Inzwischen gibt es einen Kompromiss, der die Größe der Schiffe auf 3.000 Passagiere beschränkt und einige weitere Limitierungen vorsieht; siehe „Einigung zu Kreuzfahrt-Beschränkungen für Nizza, Cannes und Villefranche“.
Man bemühe sich, möglichst viele der bereits angemeldeten Kreuzfahrtschiff-Anläufe mit mehr als 900 Passagieren oder eine Länge von über 190 Metern zu stornieren, um ab 1. Juli 2025 idealerweise nur noch kleinere Schiffe zu empfangen, sagte der Bügermeister von Nizza, Christian Estrosi, gegenüber dem regionalen Sender Riviera Radio. Die Regelung würde offenbar sowohl für Nizza selbst als auch das sehr nahe gelegene Villefranche-sur-Mer gelten. Und über Einschränkungen für Kreuzfahrt wird schon seit einiger Zeit auch im etwa 40 Kilometer entfernten Cannes diskutiert.
Allerdings kann der Bürgermeister, oder die Stadt Nizza, diese Entscheidung nicht allein treffen. Denn die Stadt hat nur die Hoheit über den Bereich von bis zu 300 Metern Abstand zur Küste. Die bereits sehr konkret formulierte Regelung kann nur in Kraft treten, wenn die zuständigen, französischen Behörden den Plan des Bürgermeisters absegnen.
Man wolle keine Passagiere von Low-Cost-Kreuzfahrten mehr in der Stadt, die „nichts konsumieren und nur ihren Müll zurücklassen“, sagt der Bürgermeister. “Pleasure boating, yes, floating buildings, no”. Ziel sei sowohl die Reduzierung des Overtourismus und das Anlocken von finanzkräftigeren Touristen als auch eine Reduzierung der Luftverschmutzung in Nizza. Zugleich gibt es Pläne für ein neues Kreuzfahrt-Terminal für kleinere Schiffe inklusive Landstromversorgung.
Betroffen sein könnten von dem Kreuzfahrtschiff-Bann in Nizza unter anderem Celebrity Cruises, Holland America Line, Norwegian Cruise Line und Royal Caribean International sein. Ob auch schon Hafenstopps betroffen sein könnten, die für die erste Hälfte des Jahres 2025 geplant sind, ist so offen wie die Frage, ob die Restriktionen überhaupt wirksam werden.
Laut NDTV sind für 2025 in Nizza aber auch bereits 124 Kreuzfahrtschiff-Anläufe von Schiffen in Nizza und Villefranche-sur-Mer mit weniger als 900 Passagieren angemeldet, beispielsweise von Seacloud oder Windstar Cruises.
Im Fokus des Bürgermeisters stehen neben den größeren Kreuzfahrtschiffen auch Übernachtungen in Privatunterkünften via Airbnb. Er will die Zahl der Airbnb-Übernachtungen in Nizza um die Hälfte reduzieren. Dabei gehe es ihm nicht um den Rentner, der im Sommer seine Rente mit zeitweiser Vermietung aufbessere. Er sage aber „nein“ zu Unternehmen, die Dutzende von Appartments zur Vermietung an Touristen managten und es damit Einheimischen schwer machten, noch bezahlbaren Wohnraum in beliebten Teilen der Stadt zu finden.
Update: Die Cruise Line International Association (Clia) reagierte auf den Vorstoß Nizzas mit Unverständnis. Für das gesamte Jahr 2025 seien ohnehin lediglich drei Anläufe großer und 34 mittelgroßer Schiffe für Villefranche-sur-Mer geplant, direkt in Nizza überhaupt keines. Auch der Bürgermeister von Villefranche-sur-Mer, Christophe Trojani, reagierte eher skeptisch und verwies auf bereits bestehende Restriktionen und die relativ geringe Zahl an Kreuzfahrtschiffanläufen: 89 Anläufe seien insgesamt für 2025 geplant, davon allein 40 noch vor dem 1. Juli. Von den verbleibenden Anläufen danach wären 39 von den neuen Beschränkungen betroffen.




