Barcelona will die Zahl der Kreuzfahrt-Touristen bis 2030 um rund 16 Prozent reduzieren. Die Zahl der Kreuzfahrt-Terminals soll von sieben auf fünf reduziert werden. Und es soll mehr Passagierwechsel in Barcelona geben. Darauf haben sich der Port of Barcelona und der Stadtrat von Barcelona geeinigt, wie La Vanguardia berichtet.
3,65 Millionen Kreuzfahrtpassagiere verzeichnete Barcelona im Jahr 2024. Das entspricht etwas weniger als fünf Prozent der jährlichen Touristen in der Stadt. Barcelona war damit 2024 nach Miami, Port Canaveral, Fort Lauderdale, Nassau und Cozumel der sechstgrößte Kreuzfahrthafen der Welt.
Greifen die jetzt beschlossenen Maßnahmen zur Reduzierung der Kreuzfahrtpassagiere, würde Barcelona wahrscheinlich seinen Spitzenplatz in Europa an Civitavecchia verlieren. Auch Southampton und Marseille könnten an Barcelona vorbeiziehen. Denn das Ziel in Barcelona ist, bis 2030 die Zahl der Passagiere an einem Tag von 37.000 auf 31.000 zu reduzieren. Der angestrebte Rückgang von etwa 16 Prozent würde die jährliche Zahl von 3,65 Millionen im Jahr 2024 auf etwa 2,5 Millionen senken.
Nur noch fünf statt bislang sieben Kreuzfahrt-Terminals
Zuletzt hatten sich die Stadt und der Hafenbetreiber 2018 auf ein Limit von sieben Kreuzfahrt-Terminals geeinigt. Die neue Übereinkunft reduziert die Zahl nun auf fünf. Unter anderem soll das South Terminal am World Trade Center Ende 2026 endgültig geschlossen werden. Eigentlich war letzteres schon für Ende Oktober 2023 geplant, bis heute legen kleinere Schiffe dort aber weiterhin an. Das Nord-Terminal am WTC wurde dagegen schon 2023 geschlossen.
Aktuell gibt es an der Mol Adossat in Barcelona sechs Kreuzfahrt-Terminals sowie am World Trade Center den einen, verbleibenden Anleger. Zuletzt ging an der Mol Adossat ein Terminal-Neubau für MSC Cruises in Betrieb. Ein neues Terminal G der Royal Caribbean Group ist dort noch in Bau und soll bis 2027 fertiggestellt sein.
Die großen Kreuzfahrtschiffe wie etwa die Oasis-Class-Schiffe von Royal Caribbean nutzen bislang jeweils zwei der bestehenden Terminals gleichzeitig. Ein Terminal-Neubau soll künftig groß genug auch für diese Mega-Kreuzfahrtschiffe sein.
Um die Zahl der Terminals an der Mol Adossat von sieben auf fünf zu erreichen, werden die drei ältesten, teils über 50 Jahre alten Terminals A, B und C am Adossat-Dock schrittweise abgerissen. Der erste Teil dieses Terminals C soll bereits 2026 in Betrieb gehen. Die Terminals A und B werden 2028 abgerissen. An deren Stelle wird das neue Terminal C um weitere Gebäudeteile ergänzt, für letztlich eine Kapazität von 7.000 Passagiere. Der erste Teil des neuen Terminals C soll ab 2028 in Betrieb gehen. Auch ein Landstromanschluss soll dort dann realisiert werden.
Weiterhin enthält die neue Vereinbarung zwischen Stadt und Hafenbetreiber eine verbesserte Infrastruktur für den Kreuzfahrthafen: Die „Porta d’Europa“-Brücke von der Mol Adossar zur Stadt hin soll komplett ab 2027 neu gebaut werden und breitere Fußgängerwege sowie eine Spur für Fahrradfahrer erhalten. Und auch eine attraktive Uferpromenade unterhalb des Montjjuic für öffentlichen Nahverkehr, Taxis, Fußgänger und Fahrradfahrer soll als Verbindung zum Stadtviertel Marina de Prat Vermell und Zona Franca entstehen. Insgesamt 185 Millionen Euro soll in dieses Projekt als Kooperation zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen investiert werden.
Mehr Passagierwechsel nicht automatisch gut gegen Overtourismus-Folgen
Die aktuellen Beschlüsse werden als Maßnahmen gegen den von der Kreuzfahrt mitverursachten Overtourismus in Barcelona bezeichnet wird. Im Kern sind sie allerdings eher eine Umstrukturierung und Modernisierung des Kreuzfahrtgeschäfts in Barcelona, selbst wenn dabei auch die absolute Zahl der Kreuzfahrtpassagiere sinkt.
Barcelona will sich stärker als bisher schon als Kreuzfahrthafen für Passagierwechsel etablieren, statt nur als Zwischenstopp zu dienen. Im Jahr 2024 hatte Barcelona 2,048 Millionen Passagiere mit Passagierwechsel und 1,607 Millionen im Transit. Ein- und ausschiffende Passagiere führen typischerweise zu deutlich höheren Umsätzen für die lokale Wirtschaft, weil insbesondere Hotelübernachtungen, aber auch andere Dienstleistungen gebucht werden. Die touristische Infrastruktur der Stadt wird durch diese Touristen aber auch stärker beansprucht als von Tagestouristen.
In einer Stadt wie Barcelona bedeutet das zwar höhere Einnahmen, nicht unbedingt aber eine Verbesserung in Blick auf die Probleme durch den Overtourismus. Denn die Wohnsituation der Stadt ist ohnehin schon durch Gentrifizierung stark belastet, teils durch private Vermietungen wie etwa Airbnb, aber auch durch veränderte Infrastruktur im Umfeld von Touristenunterkünften inklusive der Hotels insgesamt: mehr Souvenir-Shops und Restaurants, aber weniger Läden für den täglichen Bedarf der Anwohner wie Lebensmittelläden oder kleine Dienstleistungsbetriebe.





Ihr Lieben,
ich bin eigentlich nur durch Zufall hier gelandet, weil ich Infos zu der Meldung über die Kreuzfahrten in BCN gesucht habe. Überall war ja zu lesen, dass die Stadt mit den Maßnahmen gegen den Übertourismus vorgehen will. Eure differenzierte Sichtweise hat mir geholfen, Zusammenhänge zu verstehen.
Kreuzfahrten sind weder mein Ding noch mein Thema, aber Eure fundierten Artikel zu dem Thema auf jeden Fall. Sehr, sehr wohltuend.
Herzliche Grüße aus der Normandie
barbara
Liebe Barbara,
Danke für Deinen Kommentar. Es freut mich sehr, wenn differenzierte Sichtweise und Hintergründe wahrgenommen werden und willkommen sind. Leider polarisiert unsere Gesellschaft ja scheinbar immer mehr, sodass Differenzierung und Einordnung oft nicht mehr willkommen sind, weil sie Vorurteile und Pauschalurteile stören. Da freut mich solches Feedback besonders.
Herzliche Grüße
Franz