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Obduktionsergebnis: Finnwal in Alaska wahrscheinlich durch Schiffskollision getötet

Am Freitag, 19. Juni 2026, wurde am Bugwulst des Kreuzfahrtschiffe Ovation of the Seas von Royal Caribbean beim Einlaufen in den Hafen von Seward ein toter Wal entdeckt. Es handelte sich, wie inzwischen klar ist, um ein 18,5 Meter langes, trächtiges Finnwal-Weibchen. Ob der Wal durch eine Kollision mit dem Kreuzfahrtschiff starb, steht weiterhin nicht fest, ist nach der nun erfolgten Obduktion aber wahrscheinlicher geworden.

NOAA Fisheries hat am Wochenende in Zusammenarbeit mit dem Alaska Sea Life Center und Alaska Veterinary Pathology Services eine Obduktion des Wals durchgeführt, um die Todesursache zu ermitteln. Die Untersuchung habe ergeben, so die Behörde in einem Facebook-Post, dass der Wal trächtig gewesen und erst kürzlich verendet sei. Er sei in einem guten Ernährungszustand mit reichlich Speck und Muskelmasse gewesen.

Das vorläufige Obduktionsergebnisse zeige stumpfe Gewalteinwirkung an Kiefer, Wirbelsäule und Rippen, was auf eine Kollision mit einem Schiff hindeute. Die offizielle Todesursache steht aber noch aus und hängt laut Behörde von weiteren histologischen und diagnostischen Untersuchungen der entnommenen Proben ab. Diese Untersuchungen könnten noch mehrere Monate in Anspruch nehmen. Strafrechtliche Ermittlungen laufen parallel dazu vorerst weiter, teilte NOAA Fisheries mit.

Royal Caribbean schreibt in einem Statement unter anderem: „Wir sind bestürzt über die Nachricht, dass eines unserer Schiffe auf dem Weg nach Seward einen Wal gerammt hat. Wir nehmen jegliche Auswirkungen auf die Meeresökosysteme sehr ernst. (…) Das Schiff hat den Vorfall unverzüglich den zuständigen Behörden gemeldet.“

In Alaska gibt es seit 2001 ein Annäherungsverbot zu Buckelwalen und ein Verbot für schnelle Kurs- und Geschwindigkeitsänderungen in der Nähe von Walen. Eine Geschwindigkeitsbeschränkungen gibt es für Gegenden, in denen Wale in Alaska vorkommen, allerdings trotz jahrelangem Kampf von Walschutzorganisationen für eine solche Regelung bislang nicht. Sie halten ein Geschwindigkeitslimit von zehn Knoten tagsüber und acht Knoten bei schlechter Sicht für angemessen, um Walkollisionen besser zu vermeiden. Kreuzfahrtschiffe können dagegen bis zu 22 Knoten fahren, Öltanker, die ebenfalls in größerer Zahl in Alaska unterwegs sind, bis zu 17 Knoten.

Lediglich im Bereich des Glacier Bay Nationalparks gelten striktere Beschränkungen. Viele Reedereien geben an, die Geschwindigkeit in manchen Bereichen Alaskas freiwillig zu reduzieren und zusätzliche Personen auf der Brücke zu postieren, die nach Walen Ausschau halten, um Kollisionen zu vermeiden.

NOAA Fisheries und der Glacier-Bay-Nationalpark sind an der Umsetzung eines seit 2016 bestehenden Whale-Alert-Programms von International Fund for Animal Welfare für Südost-Alaska beteiligt, das Brückenteams, Lotsen und Fähren mit Daten zu Echtzeit-Walsichtungen liefert, damit Schiffe zusätzliche Ausgucke setzen, langsamer fahren oder den Kurs ändern können.

Die International Whaling Commission schreibt auf ihrer Website, dass Schätzungen zufolge jährlich über 300.000 Wale und Delfine durch Beifang sterben. Wie viele Wale in Alaska durch Schiffskollisionen sterben, ist nicht gut dokumentiert. Ein Bericht von NOAA Fisheries von 2024 nenne eine wahrscheinliche Zahl von 41 Buckelwalen im Zeitraum von 2018 bis 2022, die von Schiffen getötet wurden, insbesondere auch Fischereischiffe. Andere Statistiken zeigen, dass Wale häufig von kleineren Booten und Schiffen gerammt oder gestreift werden, nur zu einem kleinen Anteil von großen Schiffen.

Der Kadaver des auf dem Bugwulst der Ovation of the Seas gefundenen Finnwals in Seward soll nun so bald wie möglich aufs offene Meer geschleppt werden, wo er voraussichtlich sinken und einer Vielzahl von Tiefseelebewesen als Nahrung dienen werde.

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Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

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