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Staatsanwaltschaft Passau ermittelt wegen Abwasser-Verstößen in der Flusskreuzfahrt

Seit Frühjahr 2025 gibt es immer wieder Meldungen zu deutlich überschrittenen Grenzwerten im Abwasser von Flusskreuzfahrtschiffen auf der Donau bei Passau. Jetzt hat in einem ersten Fall die Staatsanwaltschaft Passau die Ermittlungen übernommen.

Die Verkehrspolizei in Passau hat 2025 bislang in mindestens sieben Verdachtsfällen in die Donau eingeleitete Abwässer von Flusskreuzfahrtschiffen beprobt und dabei teils erhebliche Überschreitungen der zulässigen Schadstoff-Grenzwerte festgestellt.

Die Schiffe einer nicht namentlich genannten, jedenfalls aber deutschen Reederei sind dabei offenbar in diesem Jahr bereits viermal aufgefallen, was nun zur Weitergabe des Ermittlungsverfahrens an die Staatsanwaltschaft geführt hat.

Nähere Auskünfte zu dem jetzt bei der Staatsanwaltschaft Passau anhängigen Verfahren will die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht erteilen und avisiert mehr Informationen für Ende des Jahres. Weitere Verfahren befänden sich derzeit noch bei der Verkehrspolizei Passau und seien noch nicht an die Staatsanwaltschaft übergeben worden.

Offenbar drehen sich die Ermittlungen also nicht nur um eine einzelne Reederei, sondern um mindestens eine weitere, eventuell auch noch mehr.

Grundproblem: ältere Kläranlagenmodelle

Das zugrundeliegende Problem sind, wie uns eine mit der Sache vertraute Person bei einer Reederei vertraulich mitteilte, ältere Kläranlagensysteme auf zahlreichen Flusskreuzfahrtschiffen. Die sind zwar für den Betrieb zertifiziert und zugelassen, gewährleisten aber in Ausnahmefällen nicht die Einhaltung der strengen Grenzwerte an Schadstoffen im Abwasser, das nach der Klärung in den Fluss abgeleitet wird.

Bei der routinemäßigen, regelmäßigen Beprobung halten diese Anlagen die Grenzwerte also ein. Entsteht aber an Bord dieser Schiffe in bestimmten Situationen zu viel Abwasser gleichzeitig, schafft die Kläranlage diese Last nicht mehr vollständig, sodass die Grenzwerte überschritten werden.

Im Grunde ist dieses Problem auch keine neues und wie Recherchen des Bayerischen Rundfunks ergeben haben, haben die Verstöße auch nicht zugenommen. Aber sie fallen in jüngster Zeit stärker auf. So verfügt die Passauer Polizei seit einiger Zeit über bessere Methoden, um Verstöße schnell feststellen zu können, nämlich einen Schnelltest, der direkt vor Ort auf den Schiffen direkt am Auslass für die Abwässer durchgeführt werden kann.

Neue Kläranlagen mit Membrantechnik würden das Problem lösen

Modernere Kläranlagen mit Membrantechnik (Membrane Bioreactor, MBR), die das Problem für die Reedereien zuverlässig lösen, sind allerdings cruisetricks.de-Recherchen zufolge seit Anfang der2010er-Jahren auf dem Markt und wurden auf Neubauten ab 2012 bereits vereinzelt eingebaut. Bis dahin gab es diese Klärtechnik nur für Hochseekreuzfahrtschiffe, die deutlich mehr Platz für deren Einbau an Bord haben.

Die ersten solcher Anlagen in kompakter Bauform zur Nachrüstung für Flusskreuzfahrtschiffe wurden auf einigen wenigen Flusskreuzfahrtschiffen wohl erst zum Jahreswechsel 2018/19 eingebaut. Die Nachrüstung ist teuer und zeitaufwendig, weil dazu der Schiffsrumpf aufgeschnitten und Umbauarbeiten vorgenommen werden müssen, um den nötigen Platz für die Anlagen zu schaffen.

Eine kontinuierliche Nachrüstung aller insgesamt über 400 in Europa fahrenden Flusskreuzfahrtschiffe hatte sich zusätzlich durch die Pandemie verzögert. Nun stehen die Reedereien angesichts der vermehrten Kontrollen der Polizei auch öffentlich unter Druck, das Problem schnell zu lösen.

Doch das ist gar nicht so einfach. Denn die Hersteller moderner Membran-Kläranlagen können die benötigte Stückzahl an Systemen mutmaßlich nicht so schnell liefern, wie die Reedereien das gerne hätten. Und zum Einbau sind längere Werftaufenthalte nötig. Auch hier gibt es Engpässe, zumal manche Flusskreuzfahrtschiffe auch nicht flexibel zu Werften in anderen Fahrgebieten wechseln können. Speziell für die Donau gebaute Schiffe beispielsweise sind zu breit für die Schleusen im Main-Donau-Kanal, sodass sie potenziell freie Werftkapazität etwa in den Niederlanden nicht nutzen können.

Klar ist aber auch: Die Gesetze und Grenzwerte gelten schon seit vielen Jahren. Aktuell fehlende Werftkapazitäten und nicht in ausreichenden Mengen schnell lieferbare Kläranlagensysteme entbinden die Reedereien nicht von der Einhaltung der Vorschriften.

Was passiert, wenn die Polizei Verstöße entdeckt?

Die Beamten verplombten deswegen das Auslassventil, sodass das Schiff kein Wasser mehr in den Fluss, in den aktuellen Fällen die Donau, ablassen kann. Die Reederei muss die Abwässer dann relativ aufwendig über kommunalen Kläranlagen entsorgen.

Bei deutlicher Überschreitung der Grenzwerte leitet die Polizei außerdem ein „Ermittlungsverfahren wegen eines schweren Umweltdelikts gegen den verantwortlichen Vertreter des Unternehmens“ ein, wie es in Pressemitteilungen der Polizei regelmäßig heißt.

Chronologie der Verstöße bei Passau bis Ende September 2025

Wir haben eine kurze Chronologie der öffentlich gewordenen Verstöße in diesem Jahr mit Links zu entsprechenden Medien- oder Polizeiberichten zusammengestellt:

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Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

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