Viva Cruises hat den deutschen Flusskreuzfahrtmarkt verändert: Die Marke und das Publikum sind eleganter, internationaler und jünger als die meisten anderen Flussreedereien. Mit der Viva Beyond auf der Seine in Frankreich startet die Scylla-Tochter jetzt die neue Flusskreuzfahrtmarke Viva Boutique: mit kleineren, exklusiveren Schiffen und viel Bezug zum jeweiligen Fahrtgebiet. Cruisetricks.de war zur Taufe der Viva Beyond in Paris und hat sich das neue Konzept genauer angesehen.
Bei der Viva Beyond muss man schon sehr genauer hinsehen, um zu erkennen, dass es sich nicht um einen Neubau handelt: Das erste Boutique-Schiff von Viva ist die frühere Swiss Emerald (Baujahr 2006), die zuletzt für Tauck fuhr. Viva Cruises‘ Mutterunternehmen Scylla hat das Schiff umfassend renoviert und insbesondere die Innenausstattung vollständig erneuert.
Von innen wirkt die Viva Beyond wie ein Neubau, nur die Fenster im Panoramasalon deuten auf ein älteres Baujahr hin: Bei Neubauten würde man wohl bodentiefe Panoramafenster einbauen. Aber das tut dem Schiff keinen Abbruch, denn mit der geringen Breite von 11,40 Metern und der offenen Raumgestaltung hat man dennoch von überall her einen guten Blick nach draußen.

Mit 110 Metern Länge hat die Viva Beyond Platz für 112 Passagiere in 56 Kabinen, knapp die Hälfte davon Suiten inklusive zehn großer Beyond-Suiten mit 30 Quadratmetern. Die übrigen Suiten haben 18 beziehungsweise 22,5 Quadratmeter, die Standardkabinen 15 Quadratmeter.

Eine Besonderheit der Viva Beyond sind die gleich drei Restaurants auf einem so kleinen Schiff, davon ein exklusives Fine-Dining-Restaurant mir nur zwölf Plätzen mit dem Menü eines Michelin-Sternekochs.

Und Viva Cruises unterscheidet sich von den Mitbewerbern auch durch ein internationales Publikum. Obwohl die Reederei ihren Sitz in Deutschland hat, kommen rund 55 Prozent der Passagiere nicht auf Deutschland. Bordsprachen sind Deutsch und Englisch. Ähnlich wie auf internationalen Hochsee-Kreuzfahrtschiffen hat Viva Cruises und wird auch Viva Boutique einen polyglotten, nicht rein deutschen Flair haben.
Warum die neue Produktlinie „Viva Boutique“?
Aber warum ist für diese Idee gleich eine neue Produktlinie namens „Viva Boutique“ nötig, statt dieses Konzept in die bestehende Marke von Viva Cruises zu integrieren? Die Idee für die neue Marke Viva Boutique sei bei den Planungen zu einem weiteren Neubau entstanden, sagt Andrea Kruse, CEO von Viva Cruises, im Cruisetricks.de-Interview.

Die Nachfrage nach Suiten an Bord der Viva-Schiffe sei hoch, zugleich habe man das Angebot nicht mit zu vielen verschiedenen Kabinen-Kategorien und unterschiedlichem Leistungsumfang verkomplizieren wollen. Das habe dann den Ausschlag gegeben, so Andrea Kruse: „Warum kreieren wir dann nicht etwas, das per se viel, viel mehr Suiten hat? So sind wir zu der neuen Linie gekommen.“
Viva Beyond im Detail
Die Viva Beyond hat eine klassische Raumaufteilung: Fitness-Studio und ein Massage-Raum am untersten Deck, das Hauptrestaurant am mittleren Deck, am oberen Deck vorne eine Panorama-Lounge und nach hinten ein zusätzliches, kleines Restaurant. Dazu das Sonnendeck mit Sonnenliegen, einem Golf-Putting-Green und auch einem kleinen Pool. Viel Spielraum für Kreativität bieten Flusskreuzfahrtschiffe dieser Größe nunmal nicht.




Was die Viva Beyond jedoch besonders macht, ist das zusätzliche Restaurant vorderhalb des Panoramasalons, nämlich die französische Brasserie passend zum Fahrtgebiet des Schiffs auf der Seine in Frankreich. Die beiden Räume gehen ineinander über, nur getrennt durch die Bar.

Der Panoramasalon hat eine kleine Tanzfläche nahe dem Eingang, die auch als Bühne für kleinere Shows dient: Auf den Seine-Kreuzfahrten der Viva Boutique steht beispielsweise ein Cabaret-Soirée oder ein Chanson-Abend mit lokalen Künstlern im Programm.
Auch sonst hebt sich das Entertainment deutlich positiv von dem ab, was man auf den meisten Flusskreuzfahrtschiffen geboten bekommt. Ein Pianist und Gitarrist sorgt für Unterhaltung an einem echten Piano, nicht per Keyboard, und zwar in einer Qualität, die man sonst am Fluss nur selten antrifft.

Ebenfalls etwas Besonderes ist das Restaurant „Moments“ am Heck, denn es bietet nur zwölf exklusive Plätze. Es unterscheidet sich im Konzept deutlich von Restaurants auf anderen Viva-Cruises-Schiffen mit gleichem Namen: Serviert wird hier ein siebengängiges Menü des deutschen Sternekochs David Görne, der mit seinem Restaurant „G.a. Manoir de Rétival“ in der Normandie einen Michelin-Stern hat. Auf ihrer Route kommt die Viva Beyond an diesem Restaurant an der Seine auch vorbei.




Zur Taufe servierte David Görne dieses Menü am Gala-Abend allen Gästen – und konnte damit sehr überzeugen, der Besuch im Moments-Restaurant wird eines der Highlights dieser Seine-Kreuzfahrt mit der Viva Beyond werden.









Beim Innendesign ist auf der Viva Beyond eine moderne Eleganz mit Anlehnungen an das Fahrtgebiet Frankreich gelungen, die eine gewisse Leichtigkeit ausstrahlt und recht gemütlich wirkt.

Das Atrium wirkt durch seine zwei Decks hohe Deckenhöhe und die Oberlichter mit Tageslicht seitlich oben sehr großzügig, was durch die Offenheit zum Treppenhaus inklusive dem modernen Kronleuchter dort unterstützt wird. Gegenüber der Rezeption gibt es auf der Viva Beyond eine Kaffee- und Teestation und einen Wasserspender.

Sehr gelungen ist auch die Gestaltung der auf Kreuzfahrtschiffen oft eher triste wirkenden Kabinengänge. Große Gemälde und elegante, runde Leuchter wechseln sich hier ab. Zusätzliche, indirekte Beleuchtung entlang der Bodenleisten setzt einen angenehmen Akzent.

Auch im Atrium findet sich übrigens einiges an Kunst. Denn die Viva Beyond ist zugleich auch eine kleine Kunstgalerie – die Kunstwerke sind in einem Katalog verzeichnet und stehen zum Verkauf.
Kabinen und Suiten der Viva Beyond
56 Kabinen, davon 26 Suiten für bis zu 112 Passagiere hat die Viva Beyond insgesamt. Sie sind zwischen 15 und 30 Quadratmeter groß. 8 Außenkabinen liegen auf dem untersten Deck. Die 22 Außenkabinen und 26 Suiten auf den Decks 2 und 3 haben bodentiefe Panoramafenster und einen französischen Balkon.

Was mir persönlich sehr gut gefällt am Kabinen-Design: Wände und Decken wirken nicht wie die üblichen Kreuzfahrtschiff-Kabinenwände aus Metallpanelen. Sie sind mit stilvoller Strukturtapete und Stoff-Elementen verkleidet, der Fernseher mit einem eigenen Design-Element umrahmt und die Wand hinter dem Bett mit gepolsterten Elementen.

Sogar die Decke hat eine Struktur, die an eine verputzte Decke erinnert. Insgesamt wirken die Kabinen mehr ein elegantes Zimmer eines Boutique-Hotels als wie eine Kreuzfahrtschiffkabine.
Zur Grundausstattung der Kabinen gehört eine Nespresso-Maschine und ein Wasserkocher für Tee (inklusive hochwertigem Tee, ein seltenes Highlight für Teetrinker), Metall-Trinkflaschen zum selbst befüllen am Wasserspender im Atrium, eine täglich neu bestückte Mini-Bar sowie Badkosmetik der veganen und B-Corp-Zertifizierten, französischen Edelkosmetikmarke Typology.

Stauraum ist vor allem dank der großen Schubladen der Kommode ausreichend vorhanden. Der kleine Schreibtisch ist groß und tief genug, um dort auch mal ein Laptop aufzuklappen.

Steckdosen sind ausreichend vorhanden, inklusive Schuko-Steckdose und zwei Typ-A-USB-Buchsen auf beiden Seiten des Betts am Nachtkästchen.

Gut gelungen ist die Beleuchtung im Badezimmer: indirektes Licht hinter dem Spiegel plus ergänzende Leuchten an der Decke, die hell sind, aber nicht blenden. Der Waschtisch bietet viel Ablagefläche auf beiden Seiten des Waschbeckens.
Für Bewohner einer der zehn 30-Quadratmeter großen Beyond-Suiten ist ein „kulinarisches Highlight“ in David Görnes „G.a. Maison de Rétival“ oder in der Auberge de Ruines in Jumiéges im Reisepreis inklusive.
All-inclusive-Konzept
Zu dem modernen Flusskreufzahrt-Konzept gehört bei Viva Cruises und nun auch bei Viva Boutique ein Konzept mit flexiblen Essenszeiten bei freier Restaurant- und Tischwahl. Für die zwei kleineren Restaurants Brasserie und insbesondere das Fine Dining im „Moments“ ist eine (kostenlose) Reservierung aber sinnvoll beziehungsweise notwendig.

Der Reisepreis ist „all inclusive“, was bei Viva Boutique alle Trinkgelder, Getränke, Minibar und Internet-Zugang umfasst und je Reise sogar einen Signature-Landausflug. Die übrigen Landausflüge sowie Spa-Massagen sind aber extra zu zahlen.
Technisch interessant gelöst ist der (kostenfreie) Internet-Zugang per Wlan: Jedes Gerät muss dafür einzeln bei der Rezeption registriert werden. Das heißt, der Passagier muss mit dem Gerät zur Rezeption kommen und es dort freischalten lassen. Anschließend funktioniert der Internet-Zugang dann aber sehr zuverlässig.

Den Service kann ich nach nur zwei Tagen an Bord nicht abschließend beurteilen, die Crew hat aber einen recht kompetenten und vor allem herzlichen Eindruck gemacht. Zu beachten: Wegen der internationalen Ausrichtung von Viva Cruises sprechen nicht alle Crew-Mitglieder Deutsch. Cruisetricks.de-Leserin und Bloggerin Margit Zauner war auf einer der ersten regulären Reisen an Bord der Viva Beyond und gibt einen Einblick, wie sie die Reise, das neue Konzept und den Service an Bord erlebt hat.
Viva Unique in Italien für 2027 geplant
Noch etwas kleiner als die Viva Beyond wird das zweite Boutique-Schiff, die Viva Unique (ex Swiss Sapphire), die für 2027 in Italien geplant ist. Das 104-Passagiere-Schiff soll am Ende Mai 2027 am Po und in der Lagune von Venedig unterwegs sein. Statt er französischen Brasserie gibt es auf der Viva Unique eine italienische Trattoria als zweites Restaurant. Das Fine-Dining-Restaurant Moments soll es auch auf dem Italien-Schiff wieder geben.
Daten und Fakten: Viva Beyond
Die Kreuzfahrten der Viva Beyond starten in Paris und enden auch dort, mi einem Aufenthalt über Nacht. Das Schiff fährt drei unterschiedliche Routen auf der Seine, mit thematischen Schwerpunkten auf französische Kunst und Geschichte, die regionale Kulinarik und die Lebensart der Region mit je Reise einem „Signature Excursion“-Landausflug, der im Reisepreis inklusive ist.

- Flagge: Schweiz
- Baujahr: 2006 als Swiss Emerald, 2026 für Viva Boutique aufwendig renoviert/umgebaut
- Länge: 110 Meter
- Breite: 11,40 Meter
- Tiefgang: 1,62 Meter
- Kabinen: 56, davon 26 Suiten
- Passagiere: 112
- Crew: 30

Viva Cruises hat in der Saison 2026 neun Flusskreuzfahrtschiffe, darunter die Neubauten Viva One (2022), Viva Two (2023) und Viva Enjoy (2024). Die Viva-Schiffe fahren auf Rhein, Mosel, Main, Donau, Elbe, Moldau und auf der Ostsee, auf der Rhone in Frankreich sowie ein eigenes Schiff am Douro in Portugal. Mit der neuen Boutique-Produktlinie kommt jetzt die Viva Beyond auf der Seine in Frankreich hinzu und im kommenden Jahr die Viva Unique am Po und in der Lagune von Venedig.
