Markierungen am Rumpf von Kreuzfahrtschiffen

Was bedeuten die Symbole an der Bordwand von Kreuzfahrtschiffen?

Kreise und Kreuze, Zahlen, Buchstaben und seltsame Formen: Auf dem Rumpf von Kreuzfahrtschiffen sind allerlei Markierungen und Beschriftungen angebracht. Was bedeuten all diese Symbole und Zeichen?

Die meisten Symbole und Markierungen dienen der Sicherheit beim Manövrieren und in Kontakt mit anderen Booten oder Schiffen, insbesondere Schleppern. Die Symbole markieren Gefahrenstellen wie Stabilisator, Bugwulst oder Propeller. Oder sie geben Schleppern die Information, wo sie das Kreuzfahrtschiff berühren dürfen, ohne potenziell Schaden anzurichten – beispielsweise bei Ladetüren oder der Einstiegsluke für die Lotsen.

Einige der Markierungen sind vorgeschrieben, andere eher Empfehlungen oder allgemeiner Konsens. Besonders hilfreich sind die Markierungen bei Manövern in der Nacht oder bei schlechter Sicht, wenn beispielsweise der Bugwulst unter Wasser mit bloßem Auge nicht mehr sichtbar ist. Oft bringen die Markierungen in schwierigen Situationen auch einfach Zeitgewinn, wenn etwa ein Schlepper-Kapitän nicht erst per Funk nachfragen muss, wo er das Kreuzfahrtschiff berühren oder anschieben darf.

IMO-Nummer

International Vorschrift ist die IMO-Nummer, die von der International Maritime Organization (IMO) vergeben wird. Ein Schiff behält diese Nummer ein Leben lang als Identifikationsmerkmal, auch wenn das Schiff den Eigentümer, die Flagge oder den Namen wechselt.

IMO-Nummer: Auf der Fram direkt unter Schiffsname und Heimathafen
IMO-Nummer: Auf der Fram direkt unter Schiffsname und Heimathafen

Die IMO-Nummer besteht aus den drei Buchstaben „IMO“, gefolgt von sieben Ziffern. Die IMO-Nummer muss dauerhaft und sichtbar am Schiff angebracht sein, entweder am Rumpf oder den Aufbauten. Bei manchen Kreuzfahrtschiffen wie der Fram findet man die IMO-Nummer am Heck. Die IMO verlangt außerdem, dass die IMO-Nummer auf Passagierschiffen auch aus der Luft erkennbar sein soll. Deshalb findet sich die IMO-Nummer oft auch auf dem Helipad der Schiffe.

Schiffsname und Heimathafen

Einfach zu identifizieren ist der Schiffsname, der typischerweise mindestens am Heck eines Schiffs sowie seitlich am Bug steht. Am Heck findet sich außerdem der Name des Heimathafens. Das ist der Hafen, in dem das Schiff registriert ist. Entsprechend führt das Schiff auch die Flagge des Landes, in dem dieser Hafen liegt.

Schiffsname und Heimathafen: Die Mein Schiff 5 ist in Maltas Hauptstadt Valletta registriert
Schiffsname und Heimathafen: Die Mein Schiff 5 ist in Maltas Hauptstadt Valletta registriert.

Wo, wie und in welcher Größe der Schiffsname, Heimathafen und IMO-Nummer angebracht sein muss, regelt für deutsche Schiffe beispielsweise die Flaggenrechtsverordnung.

Bugwulst

Der Bugwulst befindet sich unter Wasser und ragt in manchen Fällen sogar über die den Bug eines Schiffs hinaus. Deshalb wird mit einem entsprechenden Symbol darauf hingewiesen.

Bugwulst und die entsprechende Markierung
Bugwulst und die entsprechende Markierung …

Wichtig ist die Markierung für kleinere Schiffe und Boote und vor allem für Schlepper, da der Bugwulst unter Wasser potenziell von oben nicht sofort sichtbar ist.

Bugwulst- und Tiefgangsmarkierung
Bugwulst- und Tiefgangsmarkierung

Die Markierung ist nicht einheitlich geregelt, sodass die Symbole unterschiedlich aussehen, aber dennoch klar als solche identifizierbar sind. Manchmal ist auch genau angegeben, wie weit der Bugwulst vorne über den Bug hinausragt beziehungsweise dazu zurückversetzt endet.

Tiefgangsmarke, Ahmings

Ahmings oder Tiefgangs-Marken zeigen den aktuellen Tiefgang eines Schiff an. Als Maßeinheit dienen Dezimeter oder englische Fuß, manchmal auch beides. An Kreuzfahrtschiffen findet man die Tiefgangsmarken typischerweise ganz vorne am Bug und am Heck, oft auch zusätzlich mittschiffs, manchmal auch am Heck.

Tiefgang-Skala, im Trockendock vollständig zu sehen
Tiefgang-Skala, im Trockendock vollständig zu sehen

Tiefgangsmarkierung am Heck

Der Tiefgang wird – sinnvollerweise – vom tiefsten Punkt des Schiffs aus gemessen.

Stabilisator

Stabilisatoren sind flügelartige Gebilde, die Schiffe seitlich auffahren können, um das sogenannte Rollen (Seitwärtsbewegung) während der Fahrt zu reduzieren.

Blick auf einen (eingefahrenen) Stabilisator im Trockendock
Blick auf einen (eingefahrenen) Stabilisator im Trockendock

Da die Stabilisatoren in ausgefahrenem Zustand unter Wasser seitlich mehrere Meter hinausragen, sind sie von anderen Booten und Schleppern nicht unbedingt sichtbar.

Markierung für den Stabilisator
Markierung für den Stabilisator
Markierung für einen Stabilisator
Markierung für einen Stabilisator im Großformat.

Das Symbol erinnert entfernt an eine Flasche und zeigt an, wo sich die Stabilisatoren befinden.

Seitenstrahl-Ruder

Für eine bessere Manövrierfähigkeit vor allem beim An- und Ablegen haben Kreuzfahrtschiffe Seitenstrahlruder. Eigentlich immer verfügen Kreuzfahrtschiffe über Bugstrahlruder. Heckstrahlruder gibt es bei Schiffen mit feststehendem Propeller. Bei um 360 Grad drehbaren Pods sind Heckstrahlruder dagegen nicht nötig.

Im Trockendock gut zu erkennen: Seitenstrahl-Ruder und die darüber angebrachten Markierungen
Im Trockendock gut zu erkennen: Seitenstrahl-Ruder und die darüber angebrachten Markierungen

Die Position der Seitenstrahlruder ist immer durch einen Kreis mit einem Kreuzchen oder einem stilisierten Propeller markiert.

Diese Markierungen weisen auf die Gefahr von starken Wasserströmungen an diesen Stellen hin – Sog oder Schub, je nachdem, in welche Richtung sich die Propeller der Seitenstrahlruder drehen.

Schiffspropeller oder Pod-Antrieb

Ganz ähnlich wie bei den Seitenstrahlrudern werden auch die Positionen der Schiffspropeller mit entsprechenden Symbolen markiert, seitlich, am Heck oder beides.

Im Trockendock: Pod-Antrieb und die darüber angebrachten Markierungen über der Wasserlinie
Im Trockendock: Pod-Antrieb und die darüber angebrachten Markierungen über der Wasserlinie

Anhand des Symbols ist teils auch erkennbar, ob es sich um feststehende Propeller oder um einen Pod-Antrieb handelt.

Auch die Zahl der Pods, typischerweise zwei, bei sehr großen Schiffen drei, ist aus den Markierungen ersichtlich.

„Tug“ und „No Tug“

Besonders groß und deutlich sind seitlich an der Bordwand meist die Markierungen „Tug“ oder „No Tug“ erkennbar. Gelegentlich sind die Stellen fürs Anlegen von Schleppern auch als Symbol gekennzeichnet wie im Bild bei der Bremen.

Sie weisen Schlepper darauf hin, wo sie das Kreuzfahrtschiff anschieben dürfen beziehungsweise wo sich empfindlichere Stellen befinden, die für Schlepper tabu sind.

Der Wasserpass

Jeder kennt die auffällige Farbmarkierung, die sich entlang der Wasserlinie rund ums Schiff zieht. Aber was hat es mit dem Farbwechsel des Rumpfes entlang der Wasserlinie eines Kreuzfahrtschiffs genau auf sich? Cruisetricks.de hat bei der Meyer Werft nachgefragt – Danke für die Unterstützung bei dieser Frage…

Unterwasser-Anstrich, Wasserpass und Rumpfanstrich - am besten im Trockendock erkennbar
Unterwasser-Anstrich, Wasserpass und Rumpfanstrich – am besten im Trockendock erkennbar

Die dünne Linie zwischen dem Unterwasser-Anstrich und der Farbe des Schiffs über Wasser heißt Wasserpass. Sie liegt auf der Wasserlinie des Schiffs und trennt die beiden Anstriche. Das Unterwasserschiff hat einen sogenannten Antifouling-Anstrich, der beispielsweise das Festsetzen von Muscheln erschwert.

Für diesen Anstrich gibt es nur eine kleine Auswahl an vier verschiedenen Farben. An häufigsten wird von der Reederei wohl das typische Rostrot oder Dunkelblau gewählt.

Freibordmarke (Plimsoll Line, Plimsoll Mark)

Die Freibordmarke (englisch International Load Line) und von Nautikern oft Plimsoll Line oder Plimsoll Mark genannt, ist mittschiffs auf beiden Seiten etwa auf Höhe der Wasserlinie zu finden. Sie ist international verpflichtend und zeigt an, wie tief ein Schiff maximal im Wasser liegen darf. Auf Frachtschiffen wird die Markierung durch mehrere zusätzliche Linien ergänzt, mit denen die maximale Beladung bei unterschiedlichen Wassertemperaturen und bei unterschiedlichem Salzgehalt des Meeres angezeigt wird, da die Wasserdichte und damit der Auftrieb eines Schiffs mit diesen Faktoren variiert.

Freibordmarke (Plimsoll Mark oder Plimsoll Line) an der Bordwand einer großen Segelyacht
Freibordmarke (Plimsoll Mark oder Plimsoll Line) an der Bordwand einer großen Segelyacht

Auf Kreuzfahrtschiffen ist im einfachsten Fall im Wesentlichen die kreisrunde Markierung mit einem waagrechten Strich in der Mitte nötig. Die Markierung ist nur 45 Zentimeter breit sein, fällt also auf einem riesigen Kreuzfahrtschiff kaum ins Auge.

Die Buchstaben links und rechts des Kreises stehen für die Klassifizierungsgesellschaft, die das Schiff klassifiziert. In unserem Bild steht das „P“ und „R“ für die polnische Klassifizierungsgesellschaft Polski Rejestr Statkow. Häufiger anzutreffende Markierungen sind „RI“ für die italienische Rina, „GL“ für Germanischer Lloyd, „BR“ für Bureau Veritas, „NV“ für Det Norske Veritas oder „LR“ für Lloyd’s Register.

Benannt ist die Plimsoll Line nah dem britischen Parlamentarier Samuel Plimsoll (1824–1898), der erstmal ein Gesetz durchsetze, das diese Markierung auf Schiffen durchsetzte, um die Zahl der Unfälle durch Überladung von Schiffen zu reduzieren.

6 Kommentare zu “Was bedeuten die Symbole an der Bordwand von Kreuzfahrtschiffen?

  1. Vielen Dank für die Erklärungen.
    Ich hätte noch eine Frage: Wenn das Schiff im Hafen liegt, hängt am Bug immer eine kleine orngefarbene Fahne herunter. Was hat das zu bedeuten? Ist das auch noch eine Markierung für den Bugwulst?

    Vielen Dank im voraus für die Antwort und viele Kreuzfahrtgrüße
    Gerno

  2. Zumindest wurde es uns mal so erklärt – dieses „Lätzchen“ dient Booten im Hafen, die eventuell unter der Bugspitze durchfahren könnten, als Hinweis auf einen Wulstbug unter der Wasserlinie.

  3. Nachtrag: ein am Bug aufzufindender Kussmund signalisiert allen Bewohnern einer Hafenstadt „Achtung, es ist vermehrt mit Ringelsöckchen in Sandalen zu rechnen.“ Sorry, den konnte ich mir jetzt einfach nicht verkneifen. Ich hoffe auf Nachsicht.

  4. Ich glaube, mit etwas Kreativität findet man für so ziemlich jedes Reedereilogo irgendetwas, worüber man spaßen kann. Anefangen von bestimmten Schiffen, die den Altersschnitt der Hafenstädte mal schnell ins Dreistellige schieben. :-P

    Ich besitze trotz meiner regelmäßigen AIDA-Reisen übrigens weder Sandalen noch Ringelsocken. Das wäre dann wohl die Ausnahme zur Regel.

  5. @Gerno Pape: Soweit ich das verstehe, ist das eine „Bravo“-Signalflagge, die aber eigentlich bedeutet, dass das Schiff Gefahrgut gelagert hat. Eine andere Erklärung, die ich dafür gefunden habe lautet, dass diese Flagge signalisiert, dass das Schiff eine sog. „fire wire“ bereitstellt, also eine Leine, über die das Schiff im Falle eines schweren Brandes und einer Explosion von einem Schlepper von der Pier bzw. aus dem Hafen gezogen werden kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.