Ein Besuch auf der Brücke mit Überraschungen

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Wind Surf
Wind Surf

Auf den meisten Schiffen ist der Zugang zur Brücke streng limitiert. In der Welt nach 9/11 will man einfach nicht, dass irgendjemand dort hineinspaziert und mit den Instrumenten herumspielt. Man sollte meinen, dass solche Restriktionen vielleicht, nur vielleicht, auch zu mehr Disziplin und Professionalität auf der Brücke führen. Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass das keineswegs immer der Fall ist.

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Mein erster Besuch auf der Brücke eines Kreuzfahrtschiffs in offizieller Funktion offenbarte mir eine komplett andere Szenerie als ich erwartet hatte. Ich hatte die Anweisung, mich sofort nachdem ich als Kunst-Auktionator an Bord der Wind Surf kam, auf der Brücke zu melden.

Wie üblich muss man den Weg dorthin allerdings alleine finden. Glücklicherweise dauerte meine Suche nach der Brücke der Wind Surf nicht lange. Bei nur drei Decks mit öffentlich zugänglichen Räumen und einem klar als solchem ausgewiesenen Brückendeck konnte sie sogar ein eher nichtsnutziges Besatzungsmitglied wie ein Kunst-Auktionator problemlos finden.

Ich kam von einem Außendeck, meine Nerven von Minute zu Minute angespannter. Die Papiere von Crewmitgliedern einzusammeln erschein mir eine viel zu triviale Aufgabe, als dass Offiziere auf der Brücke sich damit befassen sollten. Denn auch wenn es ein kleines Schiff ist, sind die Männer dort doch für das Leben hunderter von Menschen verantwortlich. Blinzelnd gegen das Sonnenlicht schritt ich durch die weit geöffnete Tür.

Brian David Bruns
cruisetricks.de-Gastautor Brian David Bruns ist der Autor der US-Bestseller-Reihe „Cruise Confidential“ und sorgt mit seinem ungeschminkten Blick hinter die Kulissen von Kreuzfahrtschiffen für Aufsehen.

Die Brücke besand aus einem lang gezogenen Raum, der über die ganze Breite der Wind Surf reichte, mit Ausnahme des Außendecks und der Wing Bridge. Nach vorne hin bestand die Brücke komplett aus einer Fenster-Front, davor alles voll Elektronik. Die Panels waren vereinzelt mit Hebeln und Knöpfen bestückt und erinnerte mich irgendwie an die Low-Budget-Version der Brücke der ersten Star-Trek-Filme. Die Computer, an denen sich das Design des Schaltpults ursprünglich orientiert hatte, würden heute vermutlich in einem Geräte der Größe eines iPhones Platz finden.

Der hintere Teil des Raums gestaltete sich unregelmäßig, mit Ecken zum Studieren von Navigationskarten auf Papier, falls die Offiziere das wollten, und Regale mit Klemmbrettern, Dienstplänen, Wartungskalendern und Ähnlichem. Insgesamt war die Brücke großzügig, hell und sauber. Und nur ein Mann war da. Er hatte weiße Offizierskleidung an, was auf der Wind Surf weißes Anzughemd mit Schulterklappen sowie weiße Shorts bedeutete  — und er hatte eine Gitarre.

Der Offizier saß auf einem Stuhl, die Füße lagen bequem auf der Elektronik. Er war nach vorne gebeugt und auf seine Akustik-Gitarre konzentriert. Mit in Falten gelegter Stirn über seiner Oakley-Sonnenbrille bemühte er sich, mit seinen Fingern an den richtigen Stellen die Saiten herunterzudrücken. Ich ging auf ihn zu, um mich vorzustellen, als er plötzlich seinen Kopf zurückwarf und mit einem Lied heraus schmetterte: „SHOT THROUGH THE HEART!—AND YOU’RE TO BLAME—darlin’ you give lo-ove… a bad name!”

Auf seiner Gitarre klimperte er den Eröffnungs-Riff des Bon-Jovi-Klassikers. Der Klang füllte den Raum in angenehmer Weise aus. Ich stand da, hörte bewegungslos zu, überrascht, dass der Song nach der Eröffnung tatsächlich weiter ging. Nach einigen langen Minuten kam ein schlanker, gut aussehender Mann in Arbeitsanzug von der gegenüberliegenden Seite herein. Er stellte sich hinter den Sänger, lächelte mich an und hörte für einen Moment lang zu. Schließlich tipte er dem Offizier auf die Schulter.

Der Wachoffizier, auf dessen Namenschild „Barney” stand, unterbrach sein Spiel sofort. Aber Barney stand nicht etwa auf, sondern drehte nur seinen Kopf nach hinten, um den Besucher von oben bis unten zu mustern. „Wir sind fertig mit dem Streichen der Reling“, sagte der Neuankömmling. „Ich bin dann wieder im Maschinenraum.“

„Aye, aye“, sagte Barney, als der andere Mann schon auf dem Weg nach draußen war. Um mich noch mehr zu überraschen, informierte er mich: „Das war der Chief Engineer.“

Nein, die Wind Surf war kein Schiff wie jedes andere! Nur gut, dass wir zu dieser Zeitpunkt gerade im Hafen lagen.

Anmerkung: „Cruise Confidential“-Bestsellerautor Brian David Bruns schreibt regelmäßig Gastbeiträge für cruisetricks.de, in deutscher Übersetzung exklusiv.

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