37,2 Millionen Menschen waren im Jahr 2025 auf Hochsee-Kreuzfahrtschiffen unterwegs. Das geht aus dem neuen Jahresreport „State of the Cruise Industry 2026“ der Branchenvereinigung Clia hervor, der jetzt erschienen ist. Gegenüber 2024 bedeutet das ein Wachstum von 7,5 Prozent und einen weiteren Rekordwert. Im Vorjahr war die Branche allerdings noch schneller gewachsen, nämlich um 9,3 Prozent.
Die Clia-Prognose für die kommenden Jahre fällt moderater aus als noch vor einem Jahr. Für 2026 rechnet die Branche mit 38,3 Millionen Passagieren, was einem Plus von rund vier Prozent entspricht. Bis 2029 soll die Zahl auf 42,1 Millionen steigen, wobei das jährliche Wachstum von 2027 an auf fünf und anschließend zwei Prozent sinken soll.
Im Vorjahresbericht hatte die Clia für 2028 noch 41,9 Millionen prognostiziert, jetzt liegt der Wert für das gleiche Jahr bei 41,2 Millionen. Ein Grund zur Sorge für die Kreuzfahrt-Branche ist das freilich nicht, denn sie wächst nach wie vor deutlich stärker als der gesamte Tourismusmarkt. Für den deutschen Reisemarkt beispielsweise erwartet der Deutsche Reiseverband DRV für das Touristikjahr 2025/26 ein Umsatzwachstum von drei Prozent bei nahezu unveränderten Gästezahlen. Das Wachstum soll laut DRV vor allem aus den Bereichen Kreuzfahrten, Fernreisen und den klassischen Badeziele am östlichen Mittelmeer kommen, wie es in einer Pressemitteilung des DRV vom Januar 2026 heißt.
Deutschland auf Platz zwei der Herkunftsländer
Die USA bleiben mit 20,6 Millionen Passagieren und einem Zuwachs von 7,5 Prozent der mit Abstand wichtigste Quellmarkt. Sie stellen 55 Prozent aller Kreuzfahrer weltweit. Deutschland folgt mit 2,8 Millionen Passagieren auf Rang zwei und verzeichnet mit plus zehn Prozent das stärkste Wachstum unter den großen Märkten.
Auf Platz drei liegen Großbritannien und Irland mit 2,5 Millionen (plus 5,7 Prozent), gefolgt von Australien, Kanada, Italien, dem wieder stark wachsenden China, Brasilien, Spanien und Frankreich. Frankreich kehrt nach kurzer Abwesenheit in die Top Ten zurück. China legt mit 15,8 Prozent im Jahresvergleich erneut kräftig zu, erreicht damit aber erst 71 Prozent seines Vor-Pandemie-Niveaus von 2018.
Karibik weiter unangefochten, Asien holt auf
Bei den Destinationen bleibt die Karibik inklusive Bahamas und Bermudas mit 16,27 Millionen Passagieren (plus 8,4 Prozent) unangefochtener Spitzenreiter. 44 Prozent aller Kreuzfahrer weltweit waren dort unterwegs. Das Mittelmeer folgt mit 5,96 Millionen (plus 3,4 Prozent), Europa ohne Mittelmeer mit 3,22 Millionen (plus 5,8 Prozent).
Der deutlichste Zuwachs fand mit 19,6 Prozent Plus im asiatischen Markt statt: Asien und China kommen auf 3,11 Millionen Passagiere und verdrängen damit die Westküste Nordamerikas und Mexiko (1,79 Millionen) vom vierten Platz.
Alaska, der nach der Karibik zweitwichtigste Markt fĂĽr nordamerikanische Passagiere, stagniert mit minus 0,6 Prozent. Die Region Afrika und Naher Osten verliert 11,6 Prozent und kommt nur noch auf 457.800 Passagiere.
Durchschnittsalter stabil bei 46,7 Jahren
Das globale Durchschnittsalter der Kreuzfahrer lag 2025 laut Clia bei 46,7 Jahren, in Nordamerika sogar bei 45,8 Jahren. Im Vorjahresreport waren fĂĽr 2024 noch 46,5 Jahre ausgewiesen worden. Der jahrelange Trend eines kontinuierlich sinkenden Durchschnittsalters setzt sich damit zumindest in dieser Statistik nicht fort.
Die durchschnittliche Reisedauer liegt weltweit bei sieben Tagen. Europäische Passagiere buchen mit 8,8 Tagen die längsten, Kreuzfahrer aus Asien und dem Mittleren Osten mit 4,1 Tagen die kürzesten Reisen.
Im Rahmen der Clia-Konsumentenbefragung „Cruise SPI“ vom Dezember 2025 geben 89,7 Prozent der bisherigen Kreuzfahrer an, in den nächsten Jahren erneut auf Kreuzfahrt gehen zu wollen. 75,6 Prozent der Nicht-Kreuzfahrer zeigen sich offen für eine erste Kreuzfahrt. 27,7 Prozent der Wiederholer buchen zwei oder mehr Reisen pro Jahr.
Der Anteil der Alleinreisenden fiel laut dieser Befragung von zwölf Prozent im Vorjahr auf sieben Prozent im Jahr 2025, ein Drittel reiste zu zweit und ein weiteres Drittel in Gruppen von drei bis vier Personen. Allerdings haben die Zahlen für 2024 und 2025 eine unterschiedliche Datenbasis, sind also nur als Tendenz vergleichbar.
Flotte der Clia-Mitglieder wächst um 5,5 Prozent auf 327 Schiffe
Die Flotte der Clia-Mitgliederreedereien wächst 2026 von 310 auf 327 Hochsee-Kreuzfahrtschiffe, die Bettenkapazität bei Standardbelegung der Kabinen von 651.000 auf 692.000. Laut Clia entspricht das rund 91 Prozent der weltweiten Bettenkapazität. Die eigene Statistik von Cruisetricks.de kommt auf 446 Kreuzfahrtschiffe weltweit Ende 2026 (elf mehr als ein Jahr zuvor), zählt dabei aber auch kleinere Schiffe ab 50 Passagieren sowie und Nicht-Clia-Mitglieder mit.
Für 2026 sind acht Hochsee-Neubauten und drei Küstenschiffe von Clia-Mitgliedern geplant, mit insgesamt 20.600 zusätzlichen Betten und einem Investitionsvolumen von 6,6 Milliarden Dollar. Dazu zählen die Norwegian Luna, die Royal Caribbeans Legend of the Seas, die Mein Schiff Flow von TUI Cruises, die Explora III, die MSC World Asia sowie die Seven Seas Prestige von Regent Seven Seas Cruises.
Dies Orderbücher für alle Clia-Mitglieder zusammen bis 2037 umfasst 60 weitere Schiffe mit 193.000 Betten und einem Gesamtvolumen von 71 Milliarden Dollar, was einer Kapazitätssteigerung von 29 Prozent entspricht.
57 Prozent der aktuell bestellten Schiffe sind laut Clia fĂĽr den Einsatz mehrerer Kraftstoffe ausgelegt: Dual- oder Multi-Fuel, meist LNG in Kombination mit Methanol oder Biokraftstoffen. 2017 lag dieser Anteil erst bei 19 Prozent.
Auffällig in der Prognose der Clia für die Schiffsgrößen bis 2037, basierend aus den Auftragsbüchern der Werften: Der Anteil der mittelgroßen Kreuzfahrtschiffe mit 1.000 bis 3.000 Passagieren ist weiter rückläufig (von 37,2 Prozent im Jahr 2026 auf 34,6 Prozent), die Schiffe mit über 3.000 Passagieren überschreiten die 30-Prozent-Marke (von 28,3 auf 31,8 Prozent). Angesichts der weiter soliden Wachstumszahlen nimmt dabei aber die absolute Zahl der Schiffe in den Segmenten nicht ab, es verschieben sich nur die prozentualen Anteile.
Wirtschaftskraft der Kreuzfahrt: 198,8 Milliarden Dollar
Die parallel veröffentlichte „Global Cruise Economic Impact Study“ beziffert die weltweite Wirtschaftsleistung der Hochsee-Kreuzfahrt für das Jahr 2024 auf 198,8 Milliarden Dollar. Das ist ein Plus von 18 Prozent gegenüber 2023 und 29 Prozent gegenüber dem Vor-Pandemie-Jahr 2019.
1,8 Millionen Arbeitsplätze seien direkt oder indirekt an die Branche gekoppelt, die Lohnsumme beziffert die Clia auf 60 Milliarden Dollar. Auf 19 Kreuzfahrtpassagiere komme statistisch ein Arbeitsplatz. 75 Prozent der wirtschaftlichen Effekte entfielen auf Nordamerika (38 Prozent) und Europa (35 Prozent).
Der Clia-Report „State of the Cruise Industry 2026“
Die Cruise Lines International Association (Clia) veröffentlicht jährlich einen Bericht zu den Kreuzfahrt-Statistiken ihrer Mitgliedsreedereien. Nahezu alle großen Reedereien sind Mitglied, sodass die Zahlen ein weitgehend vollständiges Bild der Branche zeichnen. Die Clia vertritt nach eigenen Angaben rund 91 Prozent der globalen Bettenkapazität bei Doppelbelegung.

Der komplette Bericht „State of the Cruise Industry Report 2026“ findet sich mit noch deutlich mehr Zahlen und Statistiken auf der Website der Clia.




