Die vermeintliche Aufreger-Geschichte um eine 60-Euro-Gebühr bei Costa für Essen, das Passagiere aus dem Buffet mit in die Kabine nehmen? Das ist ein gutes Beispiel für eine krachende Schlagzeile, die in sich zusammenfällt, sobald man nachfragt. Mit, zugegeben, ein paar Tagen Verspätung meine Meinung dazu.
„Cruise buffet guests face surprise charges for taking food back to cabins“ titelte Fox News, „Cruise Guests Now Face a €60 Fine for Taking Food From Buffets and Restaurants“ stand bei Cruise Hive, „Cruise Line Enforces Cleaning Fee for Food Taken From Restaurants and Buffets“ bei Crew Center.
In Foren und sozialen Medien kam eine kontroverse Diskussion in Gang: Empörung über die vermeintliche Unverschämtheit, dass man sein Essen aus dem überfüllten Buffet nicht einmal mehr in die Ruhe der eigenen Kabine mitnehmen dürfe. Andere applaudierten Costa dafür, endlich etwas gegen die Tabletts und Teller mit Essensresten zu tun, die in den Gängen vor den Kabinen herumstehen.
Fast allen Berichten und Forenbeiträgen war aber eines gemeinsam: Kaum jemand hat genauer hingesehen. Aus einigen Ausnahmen wurde eine angeblich generell eingeführte Strafgebühr von 60 Euro.
Nur: So stimmt das halt nicht. Zumindest sagt Costa das auf Nachfrage von Cruisetricks.de. Und die Reederei sollte wissen, welche Regeln auf ihren Schiffen gelten.
Bereits das offizielle Statement von Costa enthält den entscheidenden Hinweis, wenn auch etwas verklausuliert: „(…) Auf einer begrenzten Anzahl von Kreuzfahrten wurden im Einklang mit unseren bestehenden Richtlinien Maßnahmen kommuniziert, (…)“.
Nach Recherchen von Cruisetricks.de geht es dabei um einige wenige Kreuzfahrten, auf denen Passagiere sich trotz mehrfacher Appelle nicht an die Regel hielten, das Essen im Buffet zu lassen, und weiterhin in großem Umfang etwas mit in die Kabine nahmen. Die 60-Euro-Gebühr war offenbar das letzte Mittel gegen jene, die es selbst dann noch nicht kapiert hatten. Keine generelle, neue Costa-Politik also, sondern eine punktuelle Reaktion auf einzelne Ausnahmesituationen.
Das wäre dann auch die eigentliche Schlagzeile gewesen: dass eine Reederei zu solchen Maßnahmen greifen muss, um erwachsene Menschen zu zivilisiertem Verhalten zu bewegen.
Gegen eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen auf dem Balkon hat niemand etwas – Tasse und Teller nimmt der Kabinensteward beim nächsten Service wieder mit. Für größere Mahlzeiten gibt es den Kabinenservice, der natürlich nicht bei allen Reedereien kostenlos ist, was seinen Grund hat: Essen in der Kabine bereitzustellen und die Reste wegzuräumen, ist personalaufwendig. Der Kabinenservice weiß zudem, welche Kabine er beliefert hat, und holt Geschirr und Reste zeitnah wieder ab.
Wer dagegen Teller aus dem Buffet auf dem Gang abstellt, hinterlässt Hygieneprobleme, Stolperfallen und verschmutzten Teppich – und Arbeit für eine Crew, deren ohnehin knappe Freizeit noch knapper wird, weil sie dreckiges Geschirr und unappetitliche Essensreste einsammeln muss.


