Der Enten-Hype in der Kreuzfahrt hat längst auch deutsche Kreuzfahrtschiffe erreicht. Die meisten Passagiere (und viele Crew-Mitglieder) lieben die kleinen, bunten Enten. Doch die Diskussionen in Facebook-Gruppen und Online-Foren sind meist kontrovers und einige Reedereien versuchen, den „Cruising Ducks“-Hype zumindest zu bremsen. Aber was spricht eigentlich gegen die süßen, kleinen Plastik-Enten?
Ein wesentlicher Kritikpunkt: Kaum haben Reedereien Single-Use-Plastik wie PET-Wasserflaschen abgeschafft und durch Mehrwegsysteme ersetzt, bringen Passagiere nun wieder aktiv neuen, potenziellen Plastikmüll an Bord.
Zwar werden die meisten Enten in einer Art Kreislaufsystem neu versteckt, viele sammeln die Passagiere aber auch zu Hause. Oder treffen sich an Bord zu regelrechten Tauschbörsen mit den unterschiedlichen Designs. Auch als „toter Briefkasten“ an Kabinentüren funktioniert der Ententausch.

Doch Kreuzfahrt-Passagiere bringen auch immer neue Plastik-Enten mit an Bord. Längst kann man die Enten säckeweise billigst bei Temu bestellen, 100 Stück für drei Euro. Und irgendwann landen die Plastik-Enten dann eben doch im Müll.
Die meisten Stimmen in den Diskussionen klingen dagegen eher so: „Meine Tochter liebt es, Enten zu jagen und sie wieder zu verstecken. Ihre Lieblingsente behält sie als Andenken. Das ist harmloser Spaß und macht sie glücklich.“

Besonders verbreitet scheinen die Enten bei Carnival Cruise Line und Royal Caribbean International zu sein, aber auch bei anderen Reedereien tauchen sie auf. Und auch auf deutschen Schiffen, etwa bei AIDA Cruises und auf der Mein-Schiff-Flotte wurden zuletzt immer mehr kleine Plastik-Enten gesichtet.
Bei welchen Reedereien sind Cruising Ducks verboten?
Explizit verboten hat die Cruising Ducks bislang keine Reederei (Stand: August 2026). Carnival Cruise Line hat sich sogar schon mehrfach explizit gegen ein Verbot ausgesprochen.
Die britische Kreuzfahrtreederei Marella Cruises bittet die Passagiere aber dringend, keine Gummienten mehr an Bord zu bringen. Disney Cruise Line erlaubt zwar, die Cruising Ducks an Bord zu bringen, will aber nicht, dass sie versteckt oder in den Pools benutzt werden. Die Crew sammelt herrenlose Enten konsequent ein.
Entfernt werden Enten laut Passagierberichten aber auch bei den meisten Premium- und Luxus-Reedereien.
Und Royal Caribbean hat inzwischen Schilder im Central Park der Oasis- und Icon-Class-Schiffe aufgestellt, die darum bitten, die Pflanzen im Park zu schützen, indem man dort keine Enten mehr versteckt.
Wie ist der Enten-Hype überhaupt entstanden?
Angefangen hat wahrscheinlich alles mit einer Familie namens Davis aus Texas bei einer Kreuzfahrt auf der Carnival Breeze im Jahr 2018. Der Vater der elfjährigen Abby Davis soll 50 Plastik-Enten gekauft und Abby soll dann jeden Tag sieben davon an Bord versteckt haben – und sich damit vergnügt haben, darauf zu warten, dass mitreisende Passagiere die Enten finden würden.
Jedenfalls nimmt die Davis-Familie für sich in Anspruch, den Hype um die Enten 2018 gestartet zu haben. Sie betreibt heute die Website Cruising Ducks und hat sich „Cruising Ducks“ als Marke schützen lassen. Dier zugehörige Facebook-Gruppe „Cruising Ducks – Original“ hat bereits weit über 300.000 Mitgliedern.
Wie funktioniert das „Cruising Ducks“-Versteckspiel?
Viele Regeln gilt es bei dem Enten-Spiel eigentlich nicht: Verstecke Enten nicht dort, wo sie ein Sicherheitsrisiko darstellen könnten. Verstecke Enten nicht in den Shops an Bord, nicht im Casino, nicht in Restaurants, nicht in den Pools.
Auch das Festkleben mit Klebeband wird von den Reedereien nicht gerne gesehen. Dafür gibt’s findige Cruiser, die ein Magnet an Entchen befestigen, um sie an noch ungewöhnlicheren Stellen verstecken zu können.
Der Finder versteckt die Ente dann erneut, darf sie aber auch behalten oder mit nach Hause nehmen und bei der nächsten Kreuzfahrt auf einem anderen Schiff verstecken.

Oft sind die Enten mit einem Label versehen, das den Finder auffordert, ein Foto zu posten, mit der Information, auf welchem Kreuzfahrtschiff und an welchem Tag die betreffende Ente aufgetaucht ist. Vorsicht übrigens mit Werbung auf den Enten, denn darauf reagieren Reedereien allergisch.
Eine verbreitete Spielvariante ist: Enten verstecken und in einer passenden Facebook-Gruppe posten, wo genau sie versteckt sind. Das hilft Eltern, ihre Kinder bei der Suche nach Enten an Bord ein wenig in die richtige Richtung zu lenken, damit sie bei der Suche nicht traurig und genervt aufgeben.

Dabei ist die Entenjagd an Bord von Kreuzfahrtschiffen keinesfalls eine reine Kindersache. Auch viele Erwachsene sind ganz verrückt nach den kleinen Entchen, die teils wie begehrte Sammlerstücke betrachtet werden. Schließlich gibt es inzwischen zahlreiche verschiedene Varianten und Designs und auch Reedereien selbst geben Spezial-Editionen von Entchen heraus, beispielsweise Royal Caribbean zur Startsaison der Icon of the Seas 2024.

Meine persönliche Lieblingsende ist freilich viel älter als der Enten-Hype in der Kreuzfahrt: Die klassisch gelbe Quietsche-Ente stammt aus den späten 1960er-Jahren. Damals hat man die Enten noch als Spielzeug mit in die Badewanne genommen.



